Vergessenes Trauma

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sei
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Vergessenes Trauma

Beitragvon sei » Mo 23. Jul 2007, 22:50

Hallo,
ich frage mich wie man feststellen kann welche Störungen durch ein Trauma verursacht wurden und wenn man Erinnerungslücken hat,wie kann man herausfinden ob diese ein Trauma verbergen?Gibt es gewisse eigenheiten die man entwickelt,kann man dadurch auf ein Trauma bzw.die Art des traumas schliessen.
Wenn man es tatsächlich vergessen hat und erst als erwachsener Vermutungen entwickelt können einem psychische Entwicklungen oder Störungen Hinweise auf die Ursache geben.
Das hört sich etwas bescheuert an,
aber ist es möglich das man ein Trauma vergisst/verdrängt und trotzdem bestimmt es das ganze Leben,z.b.in zwischenmenschlichen Beziehungen?
Bleibt nur zu hoffen das einer von
euch,versteht was ich meine und ich auch in der richtigen Kategorie gelandet bin. :)
Grüsse
Sei

sei
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Beitragvon sei » Sa 28. Jul 2007, 04:22

Naja,schreibe ich halt mit mir.
Panikattacke,warum?Weil ich immer schon der Blöd war.
Vorbilder:Bruder,im Drogensumpf verschollen aber dafür gesorgt das kein Dealer in meine Nähe kommt,Tod.
Schwester:Clean,bewundenswert,Aids hat sie eingeholt,Tod.
Anderer Bruder psychose,noch nicht Tod.
Cousine,schitzophrenie,Tod.
Ex Freund von Brücke gesprungen Tod.
Ohhh nicht Daddy zu vergessen,alle die tod sind haben ihn vergöttert.
Aber die Lebenden kommen klar,nur ich nicht

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Laura
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Beitragvon Laura » Sa 28. Jul 2007, 13:53

Hallo sei!

Ich denke, es ist ein waghalsiges Unternehmen, ein vielleicht verdrängtes Kindheitstrauma gezielt wieder zum Vorschein holen zu wollen. Es könnte in einer Lebensphase stattfinden, also das Vorkehren, in der man der Erinnerung noch nicht gewachsen ist.

Es gibt aber auch das Phänomen der künstlichen Erinnerung. Und wenn das nicht auftritt, so versteifen sich manche Betroffene in Ideen wie z. B., dass die eigene Mutter während der Schwangerschaft Dinge getan hat, um dem ungeborenen Baby zu schaden und sich das Trauma schon im Mutterleib ereignet hat.

Vielleicht ist der Hauptnutzen des Erinnerns an das Trauma, dass man sich von Schuld- und Schamgefühlen befreien kann. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man lange auf derselben Stelle stehenbleibt und das Trauma als Universalerklärung für sein ganzes Leben und auch für eigene Fehlhandlungen benutzt.

Ich kann in meinem eigenen Leben kein gravierendes Trauma erinnnern, aber auch ich komme aus einer Familie, in der es vor psychischer oder nervlicher Labilität nur so wimmelt. Früher war ich fest entschlossen, "es" zu schaffen und somit aus meiner Familie herauszuragen. Aber es ist scherzhafter Weise eher umgekehrt. Ich bin nur gebildeter als viele in meiner Familie, ansonsten bin ich die am meisten Beeinträchtigte und auch die einzige, die ganz alleine lebt. Ich komme aus einer spanischen Familie und ich habe den Eindruck, dass in südlichen Ländern weniger psychologisiert wird, am allerwenigsten innerhalb der Familie und dass das den Zusammenhalt fördert. Man streitet sich oft heftig und lässt alles raus, aber dann beruhigt man sich auch wieder und versöhnt sich. So bin ich mir erst vorhin in der Straßenbahn des Paradoxons bewusst geworden, dass ich lange an meinen Eltern herumpsychologisiert habe, wie man das als Mitteleuropäer halt so macht, aber mit meinen südeuropäischen Eltern dafür genau die "falschen" Eltern hatte. Sie haben mich ihrerseits auch nie psychologisiert.

Ich empfinde das Verhältnis zu meinen Eltern nach wie vor als bizarr und irgendwie SIND sie auch etwas verschroben; ich brauche nach wie vor Distanz zu ihnen, aber die alte Wut hat sich gelegt. Leider bin ich dennoch nicht über meine negativen Gefühle hinweg. Statt gegen meine Eltern richten sie sich jetzt querbeet gegen Andere, manchmal gegen jeden. Gegen mich selbst natürlich auch. Da habe ich noch keine Balance gefunden. Es will mir einfach nicht richtig gut gehen und ich habe niemanden, dem ich das zum Vorwurf machen könnte und der es folglich idealerweise wiedergutmachen könnte. Also wird das Schwere nicht so einfach weggehen, aber ich lerne dennoch allmählich, mich auch dem Positiven und Leichten zu öffnen.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

sei
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Beitragvon sei » So 29. Jul 2007, 02:16

Hallo Laura,
danke für deine Antwort.
Ja Familienbande sind schon eine merkwürdige Sache,
einerseits würde man gerne drauf verzichten,andererseits kann man es aber nicht.
Eigentlich habe ich nie gross über früher nachgedacht,
Depressionen hatte ich zwar schon immer aber warum hat mich nicht interessiert,da waren sie auch noch nicht so heftig.Mein Arzt hat mich sozusagen zu einer Therapie überedet und seit ich die mache spielt die Psyche total verrückt,ständig denke ich über irgendeinen Mist nach.
Wahrscheinlich solange bis es mir einfällt,das ein oder andere weiss ich auch noch,aber das ich meine Kindheit zum teil vergessen habe macht mich jetzt ganz verrückt,obwohl das ja nicht neu für mich ist.
Mein Vater könnte mir da sicher weiterhelfen,aber mit dem ist nicht zu reden,ich würde auch am liebsten nicht mehr darüber nachdenken,genau wie du sagst es hat schon seinen Grund wenn man etwas verdrängt,
aber das Denken ist zu einem Selbstläufer geworden.
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag,
Grüsse
Sei

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mama-ines
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Beitragvon mama-ines » Di 19. Feb 2008, 13:20

Egal was man erlebt hat, prägt einen.

Egal ob es Trauma ind oder nicht. Du bist das Produkt deiner Kindheitserfahrungen.

Wenn du in psychologischer Behandlung befindest ist es wichtig dir Zeit zu lassen.

Erst kommt die Stabiliesierung und dann die Konfrontaion. Sonst kann es zu einem völligen Zusammenbruch kommen.

Wenn du dir sicher bist, das du Traumatas erfahren hast dann versuche sie auf keinem Fall alleine zu lösen. Das geht schief.

Wenn die Gedanken verückt spielen, dann werde sie los. Male auf, was dich beschäftigt, schreibe ein Brief ( den du aber nicht abschicken wirst ) und gebe es deiner Psychologin. Versuch dich in einer Welt zu denken, wo Frieden ist, oder in einem Raum, suche dir Helfer in Gedanken die dir helfen abzuschalten.

Aber bitte, kein alleingang.

Jenny Doe
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Beitragvon Jenny Doe » Mi 20. Feb 2008, 06:27

Du bist das Produkt deiner Kindheitserfahrungen.
DEr Mensch ist nicht nur ein Produkt seiner Kindheitserfahrungen. Auch die Gene spielen eine Rolle genauso wie Erfahrungen, die man außerhalb des Elternhauses macht, Erfahrungen, die man nach seiner Kindheit macht sowie der eigenen Bewertungen, die man selber vornimmt.

Wenn der Mensch nur ein Produkt seiner Kindheitserfahrungen wäre, dann müssten sich alle Geschwister gleich verhalten und gleich reagieren.
Dies tun sie aber nicht, weil jeder mit ein und derselben Situation anders umgeht und diese anders bewertet.

Und psyschiche Störungen sind nicht zwangläufig das Ergebnis der Kindheit. Sie können auch noch im Erwachsenenalter entstehen und ihren Ursprung im Erwachsenealter haben.

DEr Mensch funktioniert nicht nach dem Schema-F-Prinzp.

Gruß
Jenny
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Jenny Doe
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Beitragvon Jenny Doe » Mi 20. Feb 2008, 06:32

aber ist es möglich das man ein Trauma vergisst/verdrängt
Es gibt keine wissenschaftliche Belege dafür, dass ein Trauma vergessen und verdrängt wird. Die Theorie von der Verdrängung im Sinne von "Vergessen" ist nichts anderes als eine Theorie, die nicht wissenschaftlich fundiert ist.
Im Gegenteil. Alle Studien führen zu dem Ergebnis, dass ein Trauma besonders gut erinnert wird.

Es ist ja gerade Merkmal eines Tramas, dass sich die Erinnerungen einem immer wieder aufdrängen, man diese nicht los kriegt.

Gruß
Jenny
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mama-ines
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Beitragvon mama-ines » Mi 20. Feb 2008, 07:38

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Im Gegenteil. Alle Studien führen zu dem Ergebnis, dass ein Trauma besonders gut erinnert wird.
Doch, man kann sie vergessen....

Sonst dreht man durch.

Ich habe vergessen, erst das wieder vorholen führt zu einem Trauma.

Es gibt bestimmte Situationen die man wirklich vergißt. Nicht alles aus deiner oder meiner Kindheit weißt du genau, weil du sie vergessen hast. Und ob dies Traumatisch war oder nicht, weißt du ja nicht.

Ich weiß, das ich mich nur an Fetzen aus meiner Kindheit erinnern kann. Diese Fetzen an die ich mich erinnern kann sind definitiv Traumats, aber was dazwischen ist habe ich keine Ahnung.

Kindheiterinnerungen die schrecklich sind müssen nicht zwangslauf Traumastisch sein.

Ein Trauma ist ein Trauma an den man sich erinnert.

Aber

Ich habe bestimmtes Verhalten das niemand erklären kann, aber ich weiß, es hat was mit meiner Kindheit zu tun.

Das sind einfach vergessende Erlebnisse. Und das sie mich bis heute begleiten und mein Tun beeinflussen müssen diese Ereignisse schon recht schlimm sein.


---------------------------


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Auch die Gene spielen eine Rolle genauso wie Erfahrungen, die man außerhalb des Elternhauses macht, Erfahrungen, die man nach seiner Kindheit macht sowie der eigenen Bewertungen, die man selber vornimmt.
Stimmt, gebe dir recht....

Ja, auch wir werden durch unsere Gene geprägt, aber unsere Erfahrungen lassen uns aber das werden, was wir jetzt sind.

So können wir uns über einiges Freuen oder nicht, wir können einiges lieben oder Hassen.

Die Gene, die bilden das Fundament, aber die Erfahrungen die bauen letztendlich das Haus in der wir wohnen.


( auch mein Schreibprogramm hat auch eine Legasthenie`*zwinker* )

sei
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Beitragvon sei » Mi 20. Feb 2008, 08:05

Hallo zusammen,
ich denke das der Mensch ein Produkt seiner eigenen Wahrnehmung ist, je nach dem wieviel Bedeutung man den Ereignissen zumisst.
Es gibt Menschen die z.B. mit Misssbrauch o.ä.
besser zurecht kommen als andere, warum ist das wohl so? Gute Verdrängung? Oder leiden manche vielleicht besonders unter der Überschreitung der Grenzen, die bei anderen nicht so eng gesteckt sind?
Eine Rolle spielt das im Enddefekt sowieso nicht für die Betroffenen,die Auswirkungen sind ja schon da.
Ich stelle mir die einzelnen Menschen immer ein wenig wie Paralelluniversen vor,jeder handelt ein wenig anders als andere und entwickelt sich zu einem völlig unterschiedlichen menschen,auch anderes denken beeinflusst dieses "Universum".
Eigentlich sind wir alle im Wahrnehmen und Fühlen recht verschieden merken es nur nicht,weil die Grundregeln unserer Gesellschaft feste Konstanten sind. Z.B. kennen wir alle die Farbe Gelb und wissen was damit gemeint ist, aber wer sagt mir das mein Gegenüber nicht statt gelb,grün wahrnimmt man kann es nicht herausfinden weil er es unter gelb kennt und ausser im Geschmack der Mode macht das keinen Unterschied. Versteht ihr wie ich das meine?

Mit diesem vergessenen Trauma ist es so, daß ich mich an spätere Ereignisse durchaus gut erinnere und das eigentlich schon reicht, natürlich ziehe ich Parallelen zu den vergessenen Erinnerungen, genaugenommen möchte ich das gar nicht genau wissen, aber wie das so ist machen die Gedanken in dieser Richtung was sie wollen und das macht mich ganz verrückt.Wahrscheinlich wird sich das irgendwann,auf die ein oder andere Weise von selber erledigen,
danke für eure Antworten.
Grüsse
Sei

Jenny Doe
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Beitragvon Jenny Doe » Mi 20. Feb 2008, 08:21

Hallo Sei,
Es gibt Menschen die z.B. mit Misssbrauch o.ä.
besser zurecht kommen als andere, warum ist das wohl so? Gute Verdrängung?
Ich denke, dafür gibt es viele Gründe.

Zum einen spielt die Zeit eine Rolle. Als 16 jährige habe ich mehr unter meinem Familienhaus gelitten als mit 25. Ich hatte in der Zwischenzeit Abstand zu meinen kindheitserlebnissen bekommen. Und heute belastet mich meine Kindheit überhaupt nicht mehr.

Außerdem geht jeder anders mit Erfahrungen um, bewertet sie anders.
Ich bin von meiner Mutter geschlagen worden, doch ich nehme mich nicht als Opfer wahr. Ich nehme mich deshalb nicht als Opfer wahr, weil ich nicht hilflos war. Ich habe z.B. zurückgeschlagen.

Ein weiterer Punkt ist, dass die nachfolgenden Erfahrungen von großer Bedeutung sind. Wenn man nach einem negativen Erlebnis positive Erfahrungen macht, dann können die Wunden schneller heilen als wenn sich etwas immer wieder wiederholt.
Ich habe z.B. außerhalb meines Elternhauses sehr viel Hilfe, Aufmerksamkeit und Geborgenheit erhalten, das bekommen, was mir meine Mutter vorenthielt.

Des Weiteren lernt man ja auch mit der Zeit mit Erfahrungen umzugehen. So verleiren Ereignisse ihre Bedeutung und wichtigkeit.

....

Es ist nicht immer alles Verdrängung.
Der Mensch verfügt auch über Selbstheilungskräfte.

Gruß
Jenny
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sei
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Beitragvon sei » Mi 20. Feb 2008, 08:32

Hallo Jenny,
ja die Zeit spielt eine wichtige Rolle, nur war es bei mir andersherum, als ich jünger war hatte ich wohl mehr Energie alles belastende zur Seite zu schieben und einfach zu ignorieren. Heute melden sich die Ereignisse von damals,vielleicht auch weil sich die Einstellung ändert,vielleicht sagt mir mein Unterbewusstsein das ich jetzt besser damit klar käme als früher und es einfach an der Zeit ist sich diesen ängsten zu stellen.
L.G.

Jenny Doe
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Beitragvon Jenny Doe » Mi 20. Feb 2008, 08:49

Hallo mama-ines
Doch, man kann sie vergessen....
Was verstehst du unter "Vergessen"?

Ich frage deshalb, weil der Begriff nicht einheitlich verwendet wird. Jeder versteht darunter etwas anderes.

Ich gebe Dir Recht, dass der Mensch vergessen kann und auch muss. Man wäre überfordert, wenn man jeden Tag, 24 Stunden lang z.B. an seinen ersten Schultag denken würde und an all die anderen Ereignisse.
"Vergessen" wäre jedoch die falsche Definition. Man hat nur nicht mehr daran gedacht, weil diese Erinnerung nicht wichtig war, aber man hat nicht vergessen, dass man eingeschult wurde. Wenn die Erinnerung wichtig gewesen wäre, dann würde man häufiger daran denken.


Das andere, worüber ich immer wieder stolpere ist (richtet sich nicht an dich), die Bedeutung von "Trauma".
Obwohl es eine klare Definition von Trauma gibt, scheint der Gebrauch dieses Wortes recht willkürlich verwendet zu werden.
Ich habe z.B. wie oben erwähnt, meine Kindheit zwar als sehr negativ, aber nicht als Trauma wahrgenommen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl "zu erstarren", "nichts geht mehr", "ich sterbe", ...
Ich habe meinen Kindheitserfahrungen nicht eine so große Bedeutung beigemessen, so dass ich als Jugendliche auch kam noch an sie gedacht habe. Ereignisse hingegen, denen ich Bedeutung beigemessen habe, begleiteten mich lange Zeit, viele Jahre.

Dann begab ich mich in Psychotherapie. Da passierten zwei Dinge:
1. Die Therapeutin interpretierte meine Erfahrungen als Trauma - obwohl ich selber das nicht so empfand. Diese nachträgliche (Um)bewertung meiner Erfahrungen blieb nicht ohne Folgen. Ich nahm mich plötzlich als Opfer wahr, obwohl ich mich vor der Therapie nicht so wahrnahm.
2. Die Tatsache, dass ich an meine Kindheit nur selten gedacht habe, aus dem einfachen Grund, weil ich dieser nicht die Bedeutung beimaß, wie es meine Therapeuten taten, wurde als "Vergessen traumatischer Erinnerungen" interpretiert (und als Bestätigung für die berühmte Verdrängungstheorie angesehen)und man unterzog mich einer Traumatherapie, in der ich aufgefordert wurde, alles wieder hochzuholen und noch mal und noch mal und noch mal, ... zu durchleben. Erst dadurch (Immer wieder noch mal erleben + Bewertung "Trauma") wurde das alles zu einem Trauma.

Nicht jedes negative Ereignis ist ein Trauma.
Und nicht alles, was man vergisst ist ein Trauma.

Gruß
Jenny
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Beitragvon Jenny Doe » Mi 20. Feb 2008, 08:55

Hallo Sei,
als ich jünger war hatte ich wohl mehr Energie alles belastende zur Seite zu schieben und einfach zu ignorieren.
Das meine ich mit "unterschiedlicher Verwendung der Begriffe Vergessen und Verdrängung".
Du hast nicht vergessen, dass du das erlebt hast, du hast "nur" nicht mehr daran gedacht, Du hast die Erinnerungen unterdrückt.
Deshalb frage ich erst mal nach, was jemand meint wenn er sagt: "Ich habe es veressen".

Zurück zu dir:
Wodurch bekamen Deine Erlebnisse jetzt diese starke Bedeutung? Also, was ich meine ist, gab es einen Grund, warum dich das jetzt wieder beschäftigt, wie z.B. Ursachensuche, auslösendes Ereignis, ...

viele Grüße
Jenny
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sei
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Beitragvon sei » Mi 20. Feb 2008, 11:03

Hallo Jenny,
es ist so da ich mich in Bezug auf meine Kindheit durchaus an einige Vorfälle erinnere, ohne Probleme in hinsicht auf die Erinnerung, ich habe mich halt nie damit auseinandergesetzt. Allerdings habe ich in meiner sozusagen frühen Kindheit einiges verdrängt, was aber mit der gleichen Person und ähnlichen begebenheiten zu tun hat,da bin ich mir sicher.Es ist also eigentlich nichts neues, nur beängsigender weil ich damals eben auch kleiner war, für mich ist es besonders belastend das ich mir in der Sache zwar sicher bin, aber dazu keine Bilder habe.Mich haben diese Sachen auch sehr beeinflusst in meiner Persönlichkeit und auch im Lebenswandel,genauso wie im Umgang mit anderen Menschen.Ich denke das ist auch das Wesen eines traumas wenn das Leben negativ beeinflusst wird und man nicht so unbeschwert mit vielen Dingen umgeht wie andere, also das Ängste, Depressionen,Einsamkeit usw. durch diese Erlebnisse entstehen,daß man sozusagen durch diese Ereignisse ein verklemmteres, schlechteres, agngsterfüllteres Leben führt als es ohne diese Sachen der Fall gewesen wäre.
In meinem Denken spielt das alles eine bewusstere Rolle seit ich eine Therapie mache, allerdings aus anderen gründen aber da man immer mal über die Vergangenheit spricht wurden da wohl einige Erinnerungen aktiviert.Bitte nicht falsch verstehen der Therapeut hat nie speziell auf ein traumatisches Thema hin gearbeitet,im Gegenteil er ist wie ich der Meinung das man nichts tun muss solange es sozusagen nicht stört.Er hat auch nie etwas in dieser Richtung angesprochen,also alle Erinnerungen usw.kommen von mir in der Therapie wurde nichts vermutet oder eingeredet.Es ist mehr so eine Eigendynamik der Gedanken die sich alleine durch ganz normale Kindheitserinnerungen in Gang gesetzt hat,leider kann ich das auch nicht mehr abstellen also muss ich mich damit auseinandersetzen,so oder so.Ich bin auch niemand der viel interpretiert und halte mich eher an Fakten,aber da ich diese Perso um die es auch geht,
auch schon mal darauf angesprochen habe und auch eine andere Person die in einer ähnlichen Situation war weiss ich das meine Gedanken in die richtige richtung gehen, mir fehlen eben nur bewusste Erinnerungen und das ist es was mich beschäftigt.Es geht auch nicht um Schuld oder so, ich bin nur der Meinung das ich besser mit mir und meinem Leben umgehen könnte wenn ich genau wüsste was damals passiert ist.
Ich hoffe ich habe das einigermassen verständlich beschrieben,
l.G.

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mama-ines
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Beitragvon mama-ines » Mi 20. Feb 2008, 12:26

@jenny....

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Was verstehst du unter "Vergessen"? Ich frage deshalb, weil der Begriff nicht einheitlich verwendet wird. Jeder versteht darunter etwas anderes.
Nichts mehr erinnern, nichts mehr davon wissen.....

Ich weiß z.b. das mein Vater mir mal den kleinen Finger ausgekuppelt hat, aber erinnern tue ich mich nicht. Aber ich weiß es, weil es in den Akten steht und ich habe oft Schmerzen bei Wetterumschwung habe.

Das Ereignis habe ich völlig vergessen... aber die Folgen sind gegenwärtig.

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Das andere, worüber ich immer wieder stolpere ist (richtet sich nicht an dich), die Bedeutung von "Trauma".
Ein Trauma fängt dort an, wo ich nicht zurecht komme und mich negativ auf das Ereignis reagiere.

Das ist mein Def. für Trauma.

Hier gibt es auch verschiedene Schweregrade, aber die def. jeder für sich selber.





Ich habe Traumata mit den ich umgehen kann. So kann ich mit einer Gewaltszene umgehen mit einer anderen Gewaltszene nicht.

Warum das so ist, weiß ich nicht. Aber an manchen bekomme ich Panik, Angst, Ohnmacht und Wahnsinnige Kopfschmerzen, bei der anderen zucke ich nur kurz mit den Augenbrauen...

Kinder können viel Ertragen und der Körper verfügt über Unglaubliche Heilungkräfte, aber richtige Traumatas holen ein früher oder später ein.

Auch ich habe immer gedacht, naja.... sch.. gelaufen, war nicht der Hit. Habe Jahrelang damit gelebt. Habe meine Macken als Macken abgetan, mein Welt war in Ordnung... nicht perfekt, aber o.k.

Jetzt hat sie mich eingeholt. Die Psychologin die das "verursacht" hat, merkte an meinem Verhalten, das ich nicht so cool bin, das ich einige Erfahrungen gemacht habe, die schreckliche waren....

Sicherlich ist sie jetzt dran "Schuld" für mein Zustand, aber ich denke irgendwann wäre es hoch gekommen, aus welchen Grund auch immer. Und ich bin Dankbar darüber, das sie gebohrt hat, das sie harteneckig war, denn ich bekomme die Möglichkeit mit der Vergangenheit Frieden zu schließen. Und vielleicht auch die eine oder andere Macke abzulegen, Gefühle zuzulassen, einfach ein normales Leben zu führen....


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