Im Hier und Jetzt bleiben.

Hier hinein gehören alle Beiträge, die sich spezifisch auf die genannten Symptome einer Zwangsstörung beziehen.
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fehmarn
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Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon fehmarn » Sa 7. Dez 2013, 16:59

Hallo,

ich leide seit vielen Jahren schon an Zwangsgedanken. Immer wieder denke ich nach, was alles passieren könnte.
einfach losgehen und machen..... schön wärs, aber ich denke erstmal nach.... Es hängt irgendwie immer mit einen
Kontrollverlust zusammen. Angst in Ohnmacht zu fallen und Angst das es mir schlecht werden könnte.

Habe ich bspw einen Termin nächste woche, denke ich schon wieder darüber nach...."Hoffentlich wird mir nicht schlecht".

Wenn sich meine Gedanken dann sehr verhaart haben, kommt es zur Derealisation und ich kann nicht mehr richtig klar denken.

Das macht sich natürlich nicht so gut. Oft probiere ich einfach das hier und Jetzt zu genießen, aber immer denke ich an später.

diese Gedanken "hoffentlich wird alles gut" sind so manifestiert in meinen Kopf. :-k

Wie gelingt es euch im Hier und jetzt zu bleiben?

Mavros
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Re: Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon Mavros » So 8. Dez 2013, 12:14

Hallo,
ich denke gerade an Gedanken-Stop-Übung etc., Informationen dazu sind online zugänglich. Generalisierte Angst sowie Zwangsgedanken, aber auch die Depression ergeben sich aus der analytischen Sicht aus der Problematik der unterdrückten Gefühle, die anhand einer Beziehungsdynamik entstehen, im Grunde aus Situationen, in denen man sich aus Angst, soziale Nachteile davon tragen zu müssen, nicht traut, dem eigenen Gefühl nach zu handeln.

Du hast Angst, dass dir etwas unangenehmes passieren wird. Diese Angst ist eine übertragene Angst, die andere Hintergründe hat. Du fragst, wie man es schafft im Hier und Jetzt zu leben. Ich denke wichtig ist, eigene Einstellung zur Außenwelt zu überdenken und zu Beziehungen, in denen man es nicht schafft, sich frei zu entfalten und Problem- oder eine Belastung durch Abhängigkeiten aushalten muss, einen angemessenen Abstand aufzubauen.

Man kann sich gegenseitig entweder mehr Kraft um die eigene Symptomatik zu ertragen wünschen, oder eben den Mut dazu, das eigene Leben umzugestalten. Ich wünsche mir selbst und anderen immer das Zweite. Soziale Ängste, wenn auch sie auf der Grundlage der tiefgreifenden existenziellen Angstproblematik entstehen, sind von keinen äußeren Objekten abhängig, sondern von der eigenen Einstellung ihnen gegenüber, und jeder Mensch trägt die Fähigkeit in sich sie zu verändern und in dem Sinne auszurichten, dass Lebensenergie nicht auf die Bekämpfung der Symptomatik verwendet werden muss, sondern sich auf die Gegenwart richtet.

Das Angstgefühl ist ein Gefühl wie jedes andere, es ist wie jedes andere Gefühl auch gut auszuhalten und muss nicht als unerwünscht angesehen werden. Im Fall der Akzeptanz dient es dem Selbstschutz und verursacht keine psychische Turbulenzen. Mein Rat ist - schauen, wo in privaten Beziehungen der Schuh drückt. Wo Angst und Wut, die als Folge der eigenen oder fremden Unzulänglichkeiten entstehen nicht dem Selbstschutz dienen dürfen und unterdrückt werden, manifestieren sich sich auf Umwegen, beispielsweise als Angst vor einer bestimmten Situation oder vor der Zukunft allgemein. Das Entwickeln von auf die Zukunft gerichteten Zwangsgedanken kann man also in diesem Sinne als Plan B der psychischen Abwehr verstehen, als einen zwecks der psychischen Stabilität provisorisch errichteten Schutzwall.

Direkt auf eine bestimmte Situation bezogen bietet sich als konstruktive Lösung die Möglichkeit an, Zukunftsangst in Planende Vorwegnahme umzuwandeln. Ein Beispiel dazu z. B. hier- "Antizipation" als Verhaltensmuster, das auf der Grundlage der psychischen Abwehr entwickelt werden kann. Das bedeutet zu überlegen, womit man Angst verringern kann, Initiative ergreifen und aktiv werden. Der Vorteil davon ist, wie auch Im Sinne deiner Frage angemerkt werden kann, dass man dadurch zukunftsgerichtete Gedanken auf die Vorbereitung lenkt, die in der Gegenwart stattfindet.

http://www.seele-und-gesundheit.de/psyc ... .html#ante

Grüße
Mavros
"Die Deutung des Unangenehmen als Machenschaft der Außenwelt macht aus dem Unangenommenen etwas Unannehmbares."

Dr. med. Michael Depner - seele-und-gesundheit.de

fehmarn
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Re: Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon fehmarn » So 8. Dez 2013, 17:47

Hallo mavros,

vielen lieben Dank für deine hilfreiche Antwort und den tipp zu dieser Homepage.

Die Homepage werde ich mir mal zu Gemüte führen.

Oft erwische ich mich, dass ich immer über die angst lese, aber nicht über Lösungen daraus zu kommen.
An Stopp-Übungen, Atem-Übungen denke ich, trotzdem drehe ich mich im Kreis. Irgendwie muss
ich wach werden und endlich an konstruktiven Lösungen arbeiten. Oft nehme ich es mir vor, aber
irgendwann erwische ich mich immer wieder und die angst ist stärker.

die Angst basiert auf meiner Kindheit. Nun habe ich damit schon abgeschlossen und auch den Kontakt zur Familie
auf einen großen abstand gebracht-sprich einen freien Leben dürfte nichts mehr im Wege stehen.

Das Problem ist denke ich, wo fange ich an. An manchen Tagen geht es mir ja gut. Klar ich mache mir Gedanken,
dennoch ziehe ich das ganze durch. Vor Terminen spiele ich immer einiges in meinen Kopf durch. Bin ich dann bei den Termin,
kommt es dann wieder vor, dass ich denke, was wenn es mir nun schlecht wird und ich die Kontrolle über mich verliere.
Dann fehlen mir auch manchmal die Worte und ich kann mich schlecht konzentrieren. Der Gedankenkreisel ist dann schwer zu unterbrechen-
nun liegt es daran, dass ich mir vorher schon so viele Gedanken mache, dies bedeutet ja Stress oder löst die Situation die psychosomatischen
Symptome aus. sprich in Situationen von denen ich nicht weg kann, sondern bleiben MUSS.

LG

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fluuu
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Re: Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon fluuu » Mo 9. Dez 2013, 12:09

Hallo,
Du hast es in der Überschrift geschrieben, Du fängst im Hier und Jetzt an.
Das ist eine gute Idee, ich mache es auch so und viele andere Menschen auch.
Wenn Du den Moment erfährst und diesen Moment ohne Angst und Zwangsgedanken erlebst
dann hast Du etwas erreicht, es gibt in diesem Moment die Symptome nicht und der
Moment ist ohne Angst und Zwang überstanden.
Bleibe in diesem Jetzt und Hier, der nächste Moment kommt und Du erlebst das Selbe,
frei von Symptomen. Das sollte Dir Hoffnung machen, dass es auch in der Zukunft
so weiter geht und Du hast das negative Grübeln in positive Erwartung gewandelt.
So weit ein Schnelldurchlauf, da ist viel Übung und Training nötig um wirklich im Jetzt
und Hier zu bleiben und nicht mit den Gedanken wie im bisherigen Leben abzuschweifen.
Entscheidend ist der Gedanke, wenn ich im Jetzt und Hier diesen Moment ohne Angst
überstanden habe, warum dann Angst vor dem nächsten Moment haben und der
Teufelskreis ist durchbrochen. Es ist eine tolle Übung mit dem Jetzt und Hier um
krankhafte Ängste die zum Überleben nicht notwendig sind abzubauen.

Natürlich ist auch eine analytische Psychotherapie möglich um die Ängste am
Entstehungsort durch bewusst machen und verarbeiten in friedliches Liebesgefühl zu wandeln.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Mavros
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Re: Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon Mavros » Mo 9. Dez 2013, 23:12

Hallo fehmarn,
wenn dir die Seite gefällt, guck bitte unter "Therapie" und "Grundregeln", dort findest du einige Antworten auf deine Fragen..

http://www.seele-und-gesundheit.de/therapie/regeln.html

Ebenso unter "Denken", oder "Meditation". Ich lese diese Seiten immer wieder bereits seit langer Zeit. Michael Depner ist ein Psychotherapeut und was er schreibt, macht Sinn. Ebenso ist es hilfreich, sich mit der Problematik des Inneren Richters bzw. Kritikers zu beschäftigen. Auch Kenntnis der "Angst vor Veränderung" ist wichtig. Oft hängen wir trotz eines immensen Leidendrucks an unserer Symptomatik, weil wir unbekannte oder früher erlebte und bereits vergessene Zustände als fremd und deshalb angstauslösend empfinden. Das ist durchaus eine Barriere, die zwischen der kognitiven und der praktischen Lösung eine unüberwindbare Kluft bilden kann.

Wir müssen alle durch, das vergisst man oft wenn man sich so sehr auf eigene Wünsche und Bedürfnisse konzentriert. Ich selbst habe manchmal, genauso wie andere auch, schlaflose Stunden. Ich versuche sie als nützlich zu sehen und liege einfach still. Zum einen ergeben sie sich aus meinem früheren Erleben und zum zweiten wenn ich mich gegen bestimmte Gedanken wehre, die ich selbst produziere, führe ich nur einen Kampf gegen mich selbst. Sicher haben diese Gedanken einen tieferen Sinn, den man vielleicht irgendwann später besser verstehen kann. Ich weiß, dass sich abgelehnte und als negativ empfundene Gedanken und Gefühle ein Hintertürchen suchen, oder etwas später mit einer noch größeren Stärke zurück kehren und die dadurch entstandenen unguten Gefühle wieder ungute Gedanken verursachen werden, die ich dann auch wieder ablehnen und somit den Kreis am Drehen halten werde. Wenn man geschehen lässt, wenn man beispielsweise schlechte Gefühle als ein Resultat des früheren, fehlerhaften Denkens sieht, baut man eine Basis für künftige gute Gefühle. Akzeptanz bedeutet hier eine Kreisunterbrechung.

Egal welche Symptomatik, sie ist kein Unheil, das über uns heran bricht, sondern eine Art des Kompensierens der inneren Schieflage, und auch ein Weg. "Krankheit als Weg" von Rüdiger Dahlke, z. B., das ist eine Idee zum Thema. Symptomatik allgemein ist anhand einiger psychodynamischer Modelle mit einer Ausgleichsstrategie gleich zu setzen, mit einem unbewussten psychischen Manöver, das uns vor inneren Konflikten schützen soll. Deshalb - wenn man sich mit inneren Konflikten konstruktiv auseinander setzt, wird auch die Symptomatik allmählich schwinden können.

Bei diesem Vorhaben sollte man viel Geduld haben, Rückschritte einkalkulieren, und immer eines vor Augen haben: Sollte einem die eigene Angst als unüberwindbar erscheinen, oder ist sie selbst schon zum Angstobjekt geworden, nicht den Held oder jemanden, der das Rad unbedingt selbst erfinden muss spielen, sondern nach einer erprobten und geeigneten Therapiemaßnahme suchen. Und auch hier sich nicht von Misserfolgen entmutigen lassen, sondern immer wieder Verschiedenes ausprobieren, bis es mal klappt.

Liebe Grüße
Mavros
"Die Deutung des Unangenehmen als Machenschaft der Außenwelt macht aus dem Unangenommenen etwas Unannehmbares."

Dr. med. Michael Depner - seele-und-gesundheit.de

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Re: Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon fehmarn » So 9. Mär 2014, 20:53

Hallo,

wollte mich auch mal wieder melden. Es ist nach wie vor ein Auf und Ab. Jedoch überwiegen die positiven Tage. Ich denke es liegt auch an den Wetter, wenn die sonne scheint geht es mir gut und ich habe Kraft. An trüben Tagen verharre ich mehr in Gedanken.

Immer diese Angst, falls es mir schlecht werden könnte. Abends gehe ich ins Bett, überlege ob ich nicht was falsches gegessen haben könnte-die Angst das es mir schlecht wird ist da. Ich achte auf alle Signale des Bauchs.

Jede Aktivität die ich mache, der Gedanke ist da.

Warum kann ich nicht einfach das Leben genießen... einkaufen gehen - ohne Angst
manchmal Auto fahren- ohne Angst
ausgehen und allgemein Spaß haben-ohne diese Angst bzw. Gedanken.

Mein Verstand sagt mir auch was anderes, nur die Angst bzw. diese Gedanken sind stärker. Es ist schon so in meinen Kopf manifestiert-ca. 10 Jahre.

Aufgefallen ist mir, dass ich immer alles perfekt machen möchte. Auf Arbeit keine Fehler machen will und wenn ist es mir äußerst unangenehm und ich grübel lange Zeit darüber nach. Alles ist bei mir immer so bedacht.

Das Problem ist auch, diese Gedanken sind oft präsent, dies beeinträchtigt mich auch irgendwie--- ich habe das Gefühl vergesslicher zu sein. Mache Dinge halt nicht bewusst, wie bspw. Haustüre zu schließen und dann überlege ich noch.

Meine angst ist, dass diese Angst immer mehr Raum einnimmt und ich gar nichts mehr machen kann.

Vielleicht weiß einer Rat, wie man diese Gedanken los bekommt. Es ist ein Gedankenstrudel den ich endlich durchbrechen möchte. An manchen Tage klappt es ja auch.

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Re: Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon Remedias » Mo 10. Mär 2014, 14:31

@Fehrman, ich möchte dich auf die Technik der Assoziationsspaltung aufmerksam machen, die ich hier verlinkt habe, vielleicht wäre es etwas für Dich.

viewtopic.php?f=64&t=6042

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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Re: Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon fluuu » Di 11. Mär 2014, 10:39

Gedanken lassen sich nicht durch Gedanken unterdrücken oder vermeiden,
theoretische Übungen alleine reichen dafür nicht aus, es ist praktisches Tun gefragt.
Sich erheben aus der bequemen Lage des Denkens und mit dem Körper aktiv werden,
das braucht eventuell etwas Überwindung aber anders geht es nicht.
Diese realen körperlichen Aktivitäten mit der Konzentration darauf macht das Erleben
im Hier und Jetzt möglich, ganz vom Empfinden her in der Sache sein ohne darüber
nachdenken zu müssen ist eine Übung um den Gedankenfluss zu kontrollieren.
In dem Fall ist nicht gefragt es sich schön zu denken, wie bei einem Depressiven oder
einem Traurigen der einen Verlust erlitten hat, sondern es machen bis es schön ist,
das bedeutet bis eine Erschöpfung eintritt und ein Wohlbefinden im Jetzt und Hier so möglich ist,
dass jeder Gedanke hinfällig und unnötig wird, ein fallen lassen vor Müdigkeit ohne Kontrolle.
Es hat ein wenig etwas mit dem Loslassen des zwanghaft leben müssen zu tun und sich
vertrauensvoll dem Tode im übertragenen Sinne hingeben.
Es gibt wie schon erwähnt wurde viele Übungen um negative Gefühle in positives Erleben
zu wandeln, einige sind hier vorgeschlagen worden, mach was draus.
gruß fluuu

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Re: Im Hier und Jetzt bleiben.

Beitragvon fehmarn » Di 11. Mär 2014, 18:55

Heute hatte ich eine Situation, vor der mir schon bissl mulmig war. Ich versuchte meine Gedanken
umzulenken. naja in manchen Minuten klappte es. Dann während der Sitzung war eigentlich alles
okay, die Gedanken kamen- ich mache dann immer so hastige bewegungen, also muss dann
irgendetwas tun. Dann geht es wieder vorbei. Insgesamt habe ich es ausgehalten und bin happy.

Die Überwindung es zu tun, ist wirklich ein wahnsinniger Kraftaufwand für mich. Vielleicht getrau
ich mich auch mal wieder in de Flieger.


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