Angstzustände

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vorsichtiger
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Angstzustände

Beitragvon vorsichtiger » Mo 13. Apr 2015, 11:44

Hallo zusammen,

dies ist mein erster Beitrag in diesem Forum und es fällt mir schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen. Ich versuche es dennoch einmal. Ich bin ein sehr sensibler, sehr leicht zu verletzender Mensch der schon viele negative Dinge erleben musste. Es begann alles damals im Jahr 2003. Nach 4 Jahren Beziehung trennte sich meine große Liebe von mir, was mir den Boden unter den Füßen wegzog. Ich fiel in ein Loch, an dem ich acht Jahre noch zu knabbern hatte. Es war eine sehr schlimme Zeit. In diesen acht Jahren nahm ich auch Antidepressiva.

2004/2005 erkrankte mein Vater an Krebs. Für unsere Familie begann eine unglaublich schwere Zeit, doch mein Vater überlebte bei einer Chance von 50:50 vor der OP. Nur ein Jahr später, es war eine Routineuntersuchung, entdeckte man erneut Krebs. Dieses Mal zog mein Vater den Kürzeren und starb Januar 2006 Zuhause in seinem Bett. Damals war schon komisch, dass ich vieles nicht an mich heran ließ. Ich trauerte wenig und wollte versuchen, nichts an mich heran kommen zu lassen. Nach all den Schreckensbildern und Erlebten, baute ich eine Art Schutzschild auf. Das gelang mir etwas, doch die Quittung folgte Jahre später. Dazu gehe ich nachher ein.

Mein Vater war also nicht mehr da, was ich zu diesem jedoch noch nicht wusste war, dass meine Familie mit dem Tod zerstört war. Wir hielten zwar alle (meine Mutter, mein Bruder und meine Schwester und ich) zusammen, der Tod meines Vaters hat jedoch schwere Spuren hinterlassen. 2009 starb unser Hund, ein treues Familienmitglied, das mich 15 Jahre, fast mein halbes Leben treu begleitet hat. Weihnachten 2010 beendete meine beste Freundin die Freundschaft mit mir und ich war wieder am Boden. Doch dieses Mal machte es Knack bei mir. Nach einer kurzen Trauerphase begann ich plötzlich positiv zu denken. Ich begann die Dinge positiv zu sehen. Plötzlich ging es aufwärts, ich hatte Freude am Leben, mir ging es nach über acht Jahren zum ersten Mal wieder richtig gut. Ich lernte meine jetzige Freundin kennen, setzte sogar selbstständig und erfolgreich die Antidepressiva ab und spürte wieder Glück im Leben.

Es war mittlerweile Oktober 2012, als es bei mir an der Türe klingelte und ein Notfallseelsorger davor stand. Erst wusste ich nichts mit der Situation anzufangen, er fragte mich, ob er in die Wohnung kommen dürfe. In der Wohnung wurde mir dann alles klar, es muss was schlimmes passiert sein. Wir redeten sekundenlang kein Wort, schauten uns nur an, dann fragte ich nur "Wer? Mein Bruder?" Der Pfarrer/Seelsorger nickte. Er war mit dem Motorrad unterwegs, laut Dekra-Gutachten und Aussagen seiner Freunde die hinter ihm fuhren, fuhr er die erlaubten 70 km/h und wurde Opfer einer absichtlich gelegten Ölspur. Er rutschte darauf aus, prallte gegen einen Baum und war sofort tot. Die Medienberichte im Fernsehen, die Anteilnahme der Biker bei der Beerdigung waren überwältigend.

Jetzt war meine halbe Familie tot, mit 34 Jahren habe ich so viel negatives erlebt, dass 2013 bei mir ein Punkt kam, an dem mich alles wieder einholte. Jetzt komme ich an den Punkt, den ich vorhin weiterführen wollte. Es begann die Zeit, in der ich realisierte, wie groß der Verlust meines Vaters wirklich war. Ich realisierte das wirklich erst viele Jahre später, bis jetzt habe ich damit zu kämpfen.

Im Laufe der Zeit entwickelte ich immer stärkere Angstgefühle, Gefühle, die mich lähmen. Ich habe Angst zu verlieren, Angst vor Krebs, Angst davor, wieder jemanden zu verlieren. Ich bin ein sozialer Mensch, möchte niemanden etwas böses, bin sehr leicht verletzbar, dennoch bin ich oft gereizt, gerate sehr schnell in Konflikte mit anderen Menschen obwohl ich das gar nicht will. Mir fehlt einfach völlig der Lebensmut. Dinge, die mir früher Spaß machten, können mich heute kaum erheitern.

Kennt jemand dieses Gefühl und wenn ja, wie geht ihr damit um?

Freue mich über jeden einzelnen Beitrag....

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Remedias
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Re: Angstzustände

Beitragvon Remedias » Mi 15. Apr 2015, 19:11

Hallo Vorsichtiger,

Du hast ein schweres Schicksal und Schlimmes erlebt. Und irgendwie bringst du deine Angstzustände ja schon selbst mit den Ereignissen in Verbindung.
Wie ging es dir mit den Antidepressiva? War die Angst auch so stark, als du sie noch genommen hast?
Und eine andere Frage:
vorsichtiger hat geschrieben: Nach einer kurzen Trauerphase begann ich plötzlich positiv zu denken. Ich begann die Dinge positiv zu sehen. Plötzlich ging es aufwärts, ich hatte Freude am Leben, mir ging es nach über acht Jahren zum ersten Mal wieder richtig gut. Ich lernte meine jetzige Freundin kennen, setzte sogar selbstständig und erfolgreich die Antidepressiva ab und spürte wieder Glück im Leben.
Ist das schon ab und zu passiert, dass deine Gemütslage so sehr schwankt - ohne einen wirklichen äußerlichen Anlass. Denn du warst ja eigentlich noch in Trauer.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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Re: Angstzustände

Beitragvon vorsichtiger » Do 16. Apr 2015, 09:49

Remedias hat geschrieben:Hallo Vorsichtiger,

Du hast ein schweres Schicksal und Schlimmes erlebt. Und irgendwie bringst du deine Angstzustände ja schon selbst mit den Ereignissen in Verbindung.
Wie ging es dir mit den Antidepressiva? War die Angst auch so stark, als du sie noch genommen hast?
Und eine andere Frage:
vorsichtiger hat geschrieben: Nach einer kurzen Trauerphase begann ich plötzlich positiv zu denken. Ich begann die Dinge positiv zu sehen. Plötzlich ging es aufwärts, ich hatte Freude am Leben, mir ging es nach über acht Jahren zum ersten Mal wieder richtig gut. Ich lernte meine jetzige Freundin kennen, setzte sogar selbstständig und erfolgreich die Antidepressiva ab und spürte wieder Glück im Leben.
Ist das schon ab und zu passiert, dass deine Gemütslage so sehr schwankt - ohne einen wirklichen äußerlichen Anlass. Denn du warst ja eigentlich noch in Trauer.

Mit freundlichen Grüßen Remedias
Hallo Remedias

als ich die Antidepressiva nahm, ging es mir vorher wie nachher genauso. Ich bin also der Meinung, das ich diese Tabletten 8 Jahre nur aus Gewohnheit genommen habe. Damals hatte ich ja keine Angstzustände, denke ich zumindest. Diese starken Zustände kenne ich erst seit ca. 4 bis 5 Jahren. Immer wenn etwas negatives passiert ist, dann treten sie auf. Momentan sogar teilweise auch ohne Grund.

Ja, das sich meine Gefühlslage schnell ändert, tritt in letzter Zeit viel vermehrter auf als noch vor ein paar Jahren. Ich kann es schwer einschätzen, würde aber trotzdem behaupten, dass ich damals an Depressionen litt und jetzt an Angststörungen/Angstzustände

Liebe Grüße

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Remedias
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Re: Angstzustände

Beitragvon Remedias » Do 16. Apr 2015, 18:15

Hallo Vorsichtiger,

leider sind diese ganzen Störungen gerne miteinander "verbandelt" und treten dann gemeinsam auf.
Ich würde zwei Sachen noch gerne fragen:
- Hast du die Angstzustände NACH dem Absetzen der Antidepressiva bekommen? ( kann auch Monate hinterher gewesen sein.)
- Hat ein Arzt oder sonst jemand Dir schon mal gegenüber erwähnt, dass Du vielleicht nicht an einer unipolaren sondern an einer bipolaren Depression leidest? Da würde viel reinpassen, auch die Stimmungsschwankungen und Angststörungen.

Fühle Dich nicht ausgefragt, ich versuche nur, mir ein umfassendes Bild zu machen. Du musst auch nicht alles beantworten.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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Re: Angstzustände

Beitragvon vorsichtiger » Fr 17. Apr 2015, 00:16

Remedias hat geschrieben:Hallo Vorsichtiger,

leider sind diese ganzen Störungen gerne miteinander "verbandelt" und treten dann gemeinsam auf.
Ich würde zwei Sachen noch gerne fragen:
- Hast du die Angstzustände NACH dem Absetzen der Antidepressiva bekommen? ( kann auch Monate hinterher gewesen sein.)
- Hat ein Arzt oder sonst jemand Dir schon mal gegenüber erwähnt, dass Du vielleicht nicht an einer unipolaren sondern an einer bipolaren Depression leidest? Da würde viel reinpassen, auch die Stimmungsschwankungen und Angststörungen.

Fühle Dich nicht ausgefragt, ich versuche nur, mir ein umfassendes Bild zu machen. Du musst auch nicht alles beantworten.

Mit freundlichen Grüßen Remedias
Hallo Remedias,

ich fühle mich nicht ausgefragt und beantworte gerne deine Fragen.
Die Antidepressiva habe ich 2011 abgesetzt. Die Angstgefühle in belastender Form bekam ich aber erst etwa 2014. Sorry, unipolar oder bipolar höre ich heute zum ersten Mal, deswegen kann ich auch nichts dazu sagen. Damals, als ich die Tabletten zum ersten Mal nahm, ging es mir richtig schlecht. Ich hatte auch das Gefühl, sie haben nichts bewirkt. Ich nahm sie dann einfach aus Gewohnheit und weil man sie nicht einfach absetze kann. Mein Fehler war, dass ich zu diesem Zeitpunkt sehr verzweifelt war und gehofft habe, die Tabletten würden mir helfen. Ich hätte sie erst gar nicht nehmen sollen. Die Ärzte verschreiben eben immer sofort Tabletten, da hängt man eben immer wieder schnell drin. Auch jetzt sagen die Ärzte immer wieder, ich solle welche nehmen, ich habe jedoch erfolgreich geschafft, sie nicht anzulangen. Ich möchte nicht wieder an Tabletten hängen müssen.

Viele Grüße

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Remedias
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Re: Angstzustände

Beitragvon Remedias » Fr 17. Apr 2015, 17:34

Das du keine tabletten möchtest, verstehe ich gut; meine Idee war zunächst, dass die Angstzustände vielleicht Absetzsymptome sein können. Da haben leute schon üble Dinger beim Absetzen erlebt. Aber 3 Jahre Abstand ist zu lange.
Die andere Frage, ich schicke dir einen link über bipolare Störungen. Und zwar nicht die voll ausgeprägte, sondern die Bipolar2 Störung.
Bipolar-II-Störung

Bei der zweiten Form machen sich in erster Linie wiederkehrende depressive Episoden bemerkbar. Darüber hinaus kommt es mindestens einmal zu einer Phase von Hypomanie. Diese Form der Bipolaren Störung wird häufig als reine Depression verkannt, weil die weniger schwere Hypomanie oft nicht als solche erkannt wird und Betroffene sie nicht als solche wahrnehmen. Fachleute bezeichnen diese Form der Bipolaren Störung als Bipolar-II-Störung.

http://www.medizinfo.de/kopfundseele/bi ... rmen.shtml

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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Re: Angstzustände

Beitragvon Kanalratte » Fr 17. Apr 2015, 19:28

Hallo vorsichtiger,

schon dein Name verrät einiges ;) Es tut mir leid, dass du so viel mitmachen musstest.
Angstzustände kennen viele Leute, du bist damit nicht allein .... aus eigener Erfahrung weiß, dass man Angst und Zwangsgedankenm zulassen sollte, sonst werden sie stärker .... ob das nun bei jedem hilfreich ist, weiß ich nicht.
Mir haben Medikamente geholfen, um das überhaupt erst zu können .... das Problem mit den Medis ist einfach, dass es nicht bei jedem gleich wirkt. Jeder reagiert anders und so muss jeder viel ausprobieren, bis ev. das richtige gefunden wird. Vielleicht wird es dann auch nicht, und man sollte versuchen alles über Therapie auf die Reihe zu bekommen.
Es ist ein schwerer Weg und ich wünsche Dir dafür alles Gute.

Lass Dich nicht unterkriegen.

Kanalratte


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