Kind Angststörung

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Trupo
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Kind Angststörung

Beitragvon Trupo » Mi 8. Okt 2014, 21:01

Hallo,

kurz zu meiner Person: ich bin 20 Jahre alt, Student und zur Zeit daheim bei meinen Eltern, bevor es nächste Woche wieder los geht. In diesem Beitrag soll es aber nicht um mich, sondern um meinen Bruder gehen.

Der Junge ist 11 Jahre alt und war schon immer sehr zurückhaltend und schwer zu begeistern - was in unserer Familie nicht ungewöhnlich ist (ich war genauso) - in den letzten Wochen wurde es aber sehr extrem.
Es waren Sommerferien, seine Freunde waren im Urlaub etc. und mein Bruder einige Wochen ohne wirkliche Beschäftigung; irgendwann fing er an sich Gedanken um das Leben zu machen: was, wenn ihm immer so langweilig ist und er sich irgendwann umbringen möchte? und was kommt danach? Was wenn er plötzlich durch einen Unfall stirbt? Wenn er sich ein Messer nimmt und sich selbst umbringt? Oder plötzlich aufhört zu atmen und erstickt? Versehentlich seine Zunge verschluckt?
Meine Mutter ist mit diesem Problem überfordert und fängt an zu weinen, mein Vater hingegen kann diese Sorgen nicht nach vollziehen und wird laut. Lediglich mir vertraut mein Bruder sich daher an, denn ich bin (seiens Erachtens nach) der Einzige, der ihm vernünftig diese Ängste austreiben kann.
Ich hoffe ihr versteht das richtig: mein Bruder möchte nicht sterben, aber er hat völlig unrealitische Szenarien im Kopf, die zu seinem Tod führen könnten und hat panische Angst davor, dass diese Eintreten und er sterben muss. Ich gebe mir aller größte Mühe, ihn zu beruhigen und abzulenken; weil es nun allerdings schon wochenlang (nicht täglich, aber regelmäßig) so geht mache ich mir langsam Sorgen. Insbesondere wel ich ab nächster Woche wieder in meine Uni-Stadt zurückkehren werde und mein Bruder alleine ist.

Als ich in seinem Alter war, hatte ich für einige Monate ebnfalls so eine Phase, in der mir die Vergänglichkeit des Lebens bewusst wurde; ich war in der Zeit ähnlich depressiv, konnte all das aber hinter mir lassen und bin seit mehrern Jahren (was das angeht) sorglos. Aber was, wenn es meienm Bruder anders geht? Wenn er diese Wende nicht schafft?

Ein Psychologe wäre am nahe liegensten, allerdings würde er sich durch diesen Arzt in seiner Angst bestätigt fühlen und wohl noch mehr durchdrehen. Ich kann mir im Übrigen auch nicht vorstellen dass er sich einer solchen, fremden Person öffnen würde.

Ich bin langsam am Verzweifeln und hoffe, ihr habt ihr evtl. eine Idee. Für jede Antwort bedanke ich mich schon jetzt!

MfG

Trupo

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Remedias
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Re: Kind Angststörung

Beitragvon Remedias » Do 9. Okt 2014, 14:32

hallo Trupo,

dein Bruder ist wohl ein sehr nachdenkliches, selbstreflektiertes, intelligentes Kind....
viele intelligente Menschen haben meiner Beobachtung nach solche Phasen sehr früh, damit meine ich präpubertär oder ganz am Anfang der Pubertät...,
dass sie sich in Frage stellen,
dass sie die Welt in Frage stellen,
dass sie sich mit dem Tod beschäftigen....

wir Erwachsenen haben gelernt, solche Gedanken zu verdrängen,
ein Kind hat diese Möglichkeit nicht,
und ist mit aller Wucht konfrontiert mit diesem Schrecken.

( er HAT ja nicht unrecht - tatsächlich KÖNNTE man in jedem Moment einfach AUFHÖREN, zu atmen - nur ist es sehr unwahrscheinlich und auf Grund dieser Unwahrscheinlichkeit verdrängen wir es. Dennoch ist es so: An keinem Tag, an dem wir aus dem Haus gehen,
WISSEN wir 100%, ob wir wieder zurück kommen , wenn man länger darüber nachdenkt, wird man total verrückt - merkst du das?)

Ich finde das ganz toll von dir, dass du deinem Bruder hier zur Seite stehst,
viele Kinder müssen diese Ängste mit sich alleine ausmachen
( auch weil sie wissen, dass ihre Ideen nicht das sind, was sich die meisten Leute unter "kindgemäß" vorstellen).

es ist auch gut, dass du das selbst durchgemacht hast:

wie ging ich vor? (ich war als Mutter schon in der gleichen Situation )

"Lieber.....,

Natürlich gibt es kein Leben jenseits von Endlichkeit und Gedanken an den Tod.
Es ist gut, dass du darüber nachdenkst - denn nur ein Mensch, der darüber nachgedacht hat, der die dunkle Nacht der Seele ganz durchschritten hat, kann zurückkommen und heil und ganz werden für unsere Welt.
Und zurückkommen wirst du, denn du bist noch jung und noch hast du den Auftrag nicht erfüllt, den du auf Erden hast.
Es gibt ein Leben, in dem Krankheit und Tod nicht so eine große Rolle einnehmen, dass alles Denken und Handeln davon abhängt. Krankheit und Tod gehören zum Leben. Das Leben in der rosaroten Wolke gibt es nicht.
Gerade wenn man im tiefsten Tal sitzt, glaubt man noch nicht einmal daran, die Kirchturmspitze erreichen zu können, geschweige denn den Aussichtsfelsen oben auf dem Berg.
Nein, das Rundherum droht einen noch zu erdrücken. Ich weiß, du wirst es aber schaffen.
Obwohl es eines Tages aufhört, ist das Leben schön.
Wenn du dir jedesmal diesen Satz sagst, wenn das Negative wie ein großes Ungeheuer vor dir steht und dich überrollen will, trotzt du der großen Versuchung.
Wenn die Angst zu stark wird, nimm diesen Brief und lies ihn dir vor.
Ich habe dich lieb und vertraue dir, dass du es schaffst."

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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fluuu
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Re: Kind Angststörung

Beitragvon fluuu » Fr 10. Okt 2014, 10:43

Keine Panik, das sind "nur" Gedanken, gute Gedanken denn sie reflektieren das Dasein aber ansonsten sind sie nicht bedrohlich.
Dass Dein junger Bruder davon erzählt ist gut und spricht für Euer Verhältnis, ein Psychologe ist nicht notwendig.
Es ist eine simple Tatsache, dass das Leben jeden Moment vorbei sein könnte, Dein Bruder versucht sich damit abzufinden.
Ansonsten wird uns anerzogen immer in eine Gewinn bringende Zukunft zu denken, da kommt Scheitern, Krankheit oder Tod nicht vor.
Vielleicht muss das auch so sein damit Organismus und Umwelt in der Gesellschaft im Einklang sind,
es hat jedoch den Nachteil, dass in der Gegenwart stets ein Gefühl der Unzufriedenheit herrscht... das Leben endet nun mal mit dem Tod.
gruß fluuu

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