Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

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flor
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Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon flor » Do 6. Mär 2014, 19:41

Hallo zusammen,
bevor ich euch hier einen, über mehrere Tage erstellten, Text über meine Erkrankung anhänge, noch kurz zu der Vorgeschichte, auf die ich in dem Text nicht mehr eingehe.

Meine Geschichte geht wohl so richtig im späten Grundschulalter mit 10 Jahren los. Da hatte mein Vater in relativ jungen Jahren zum ersten Mal einen gesundheitlichen Schicksalsschlag.

Das zog sich dann grob im 2-Jahres-Rhythmus über 8 Jahre lang (Herzinfarkt, Gehirnblutung, 2 Schlaganfälle) und damit war meine Kindheit/Jugend voller Angst (um meinen Vater), Misstrauen ins Leben und Misere auch schon durch.

Hinzu kam (und das macht wohl den Cocktail, der mir am Ende das Alles eingebracht hat), dass meine Eltern, vor allem mein Vater, direkt oder indirekt (womöglich auch unter dem Einfluss der permanenten Tristesse) eine Erwartungshaltung an den Tag legten, die bei mir (und meiner Schwester) einen enormen Leistungsdruck erzeugten und einem umgekehrt nicht wirklich etwas gönnen ließ. Das Problem dabei, dass zumindest ich diesen äußerlichen Schub nie wirklich gebraucht habe/hätte und vieles, was von meinen Eltern kam da einfach nur kontroproduktiv wirkte; sprich ich versuchte und wollte mehr als das, was schon 100% waren, denn ich selbst war mündig genug und regulierte mich eigentlich selbst. Vieles an den Umständen damals hat dazu geführt, dass ich übermäßig Verantwortung und Verplichtung übernommen habe, für meinen Vater und meine Mutter, die natürlich oft (alleine zu Hause mit den Kindern und dem Mann vor dem Tod) überfordert war, aber auch und besonders für mich selbst. Ich wollte Dinge greifen, die man halt einfach nicht in der Hand hat, wollte perfekt sein; wollte stark, stärker sein und es erst recht zu was bringen, denn: dein Vater hatte ja trotz aller Widrigkeiten (es ist eigentlich ein Wunder, dass er heute noch lebt und noch völlig normal ist) so vieles im Leben erreicht.

Viele Faktoren spielen dabei ineinander. Ich war schon immer sehr empathisch, "empathisch" wurde irgendwann zu "selbstlos". Dass man sich auf Gebiete begibt, auf die man sich ohne diese Umstände nie begeben hätte, ist dann wohl zwangsläufig. Bei mir fing es dann richtig an, als ich nach dem Abi vor scheinbar unzähligen Möglichkeiten stand. Da wollte ich greifen, sicherstellen, dass ich auch ja was draus mache...und fing an, mir um meine eigene Gesundheit als Basis übermäßig Gedanken zu machen - vor allem, weil ich es ja den Anderen, dem Umstand oder irgendetwas in mir schuldig bin, dass von der Seite aus zu 100% alles passt (mir persönlich hätte schon weniger gereicht). Befeuert wurde dies durch eine Art unterschwellige, permanente Angst, die tief in meiner Kindheit und Jugend verankert ist, und die mir vermittelte, es würde irgendwie, irgendwann was Schlimmes passieren - es würde nicht gut werden (offensichtlich, woher dieses Misstrauen ins Leben kommt).

Ich habe wohl existentielle Sicherheiten in meinen jungen Jahren nicht ausbilden können und darüber hinaus eine Einstellung/Angst "gewonnen", dass es schlimm/schlecht/was auch immer werden wird. Verknüpft man dies mit den Erfahrungen durch und von den Eltern, die ich oben beschrieben habe, wird das eine gefährliche Kombination, in der man immer mehr macht, um dabei die ganze Zeit in die falsche Richtung rennt.

Diese Worte bilden natürlich nur in Ansätzen das Geflecht an Faktoren, Anlagen und Umständen ab, die zu der folgenden Problematik geführt haben. Aber es reicht hoffentlich um einen Eindruck zu gewinnen.
Ich erwarte nicht, dass die kommenden 5 Seiten jemand - womöglich gar komplett - liest. Aber vielleicht findet sich der ein oder andere ein Stück weit wieder oder möchte einfach nur mitdiskutieren oder hat Rat zur Hand.

Das würde mich freuen! :)


Da ich die verfügbaren Zeichen überschreite mit dem Text und auch keine Anhänge in der Größe machen kann, habe ich die PDF einfach hier hochgeladen.
Angsterkrankung.pdf

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Re: Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon fluuu » Fr 7. Mär 2014, 19:42

Worum geht es Dir, dass der Text gelesen wird? Willst Du Dich schriftstellerisch entwickeln?
Oder möchtest Du Reaktionen auf das Krankheitsbild Ängste?
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Re: Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon Remedias » Sa 8. Mär 2014, 15:47

@Flor, ich glaube, ich brauche es nicht zu lesen. Eigentlich sagst Du alles im Eingangsposting.
der pädagoge Jesper Juul sagt einen meiner Ansicht nach wichtigen Satz: " In systemischen Gemeinschaften wie Familie oder Schule kann es den Kindern nicht besser gehen als es den Erwachsenen geht."
Du bist das, was man ein "überverantwortliches Kind " nennt. Du hast die Verantwortung für deinen Vater übernommen, zu einer Zeit, zu der es hätte umgekehrt sein müssen.
Daher kommen deine Ängste. Aber selbst das Wissen darum bedeutet noch lange nicht, dass die Angst verschwindet. Angst ist hartnäckig und heimtückisch. Es ist ein langer Weg.und es gibt Rückschritte.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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Re: Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon flor » So 9. Mär 2014, 21:31

Danke für eure Reaktionen!
fluuu hat geschrieben:Worum geht es Dir, dass der Text gelesen wird? Willst Du Dich schriftstellerisch entwickeln?
Oder möchtest Du Reaktionen auf das Krankheitsbild Ängste?
Psychiatriegespräch ist mehr ein Dialog und weniger ein Monolog.
Ich weiß nicht, ob ich richtigerweise einen kritischen Unterton bei dir herauslese.

Falls ja: Was erwartest du? Oder was glaubst du, was ich hier erwarte? Dass mir die ultimative Lösung gebracht wird, sofern ich nur danach frage?
Klar habe ich keine wirklichen Fragen gestellt - wenn es das ist, was dich stört. Die habe ich mir (bei der langen Leidenszeit) eigentlich alle schon selbst beantwortet und ich wüsste gar nicht, was ich noch mehr fragen sollte. Deshalb habe ich mich einfach mal hingesetzt und diese Sache bestmöglich in Worte gefasst (und ja, es triffts besser als jedes einzelne Gespräch mit meiner Psychotherapeutin, da es mir die Möglichkeit gab, umfassender und kohärenter darzustellen) - zuerst einmal für mich; dann für meine Psychotherapeutin (die immer wieder nach Bsp. etc. fragt - und ich glaube das ist etwas Handfesteres [Info: wir sind noch in den ersten Sitzungen]) und für andere Anlässe, bei denen man relativ schnell wissen will/soll, um was es geht (ich ziehe eine Reha in Erwägung).

Warum dann hier ins Forum? Weil ich mir dachte, dass Andere, die womöglich Ähnliches durchgemacht haben und sich in irgendeiner Weise damit identifizieren können, entweder etwas für sich selbst herausziehen (ich bin - so zumindest mein Gefühl - schon relativ weit) oder für mich etwas ergänzen können. Ich bin um jede Perspektive, um jeden einstimmenden oder reflektierenden Rat dankbar. Deswegen habe ich es hier gepostet. Und dass ich zuerst mit etwas kommen muss, damit ein Außenstehender eine Basis hat, um einen Dialog mit mir starten zu können, brauch es womöglich erst einmal einen Monolog ;)

@Remedias. Auch nochmal danke für dein Verständnis. Leider ist es wohl so. Gerade, wenn man so emphatisch ist, wie ich es war/bin. Leider war/ist diese Angst, die sich da in meinen Grundfesten manifestiert hat, nur der Anfang einer langen Verselbstständigung geworden, die ich jetzt nach und nach zu entknoten versuche. Und es ist so wahnsinnig schwer, dass ich immer wieder aufgeben will. Aber ich mittlerweile fast alles schon 2mal durchgemacht habe, kenne ich meine Fehler besser. Aber als ich da mit der Abizeit richtig reingerutscht bin, hatte ich leider keine Erfahrung und bin wie ein braver Schuljunge der Angst nachgedackelt und hab erstmal alles gemacht, was sie "wollte".

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Re: Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon fluuu » Mo 10. Mär 2014, 18:32

Hallo,
habe heute den Text im PDF überflogen, Du betonst, dass Du Dich immer wieder im Kreis drehst und beweist Dir selbst
wie völlig verfahren Deine Lage, wie aussichtslos sie ist, darin bist Du fast perfekt, Dich in eine absolut ausweglose Situation zu denken.
Du solltest mal alle die Gedanken weg lassen, die ganze Theorie ignorieren und mal raus gehen und etwas erleben, etwas was
alle Deine Sinne, insbesondere den Tastsinn, voll und ganz in Anspruch nimmt. So bekommst Du Stabilität und Bodenständigkeit,
geh auf einen Bauernhof und miste den Stall aus oder mache andere Grund elementare Dinge mit anderen Menschen oder Tieren.
Dann spielt es keine Rolle mehr ob das Auto zu ist oder nicht, ob es gestohlen wird oder nicht, Auto hat keine Bedeutung im Leben.
Das lässt sich auf alles Andere was Angst macht, der Kontrolle bedarf und zu Zwängen führt, übertragen.
Übe das Loslassen all dieser zivilisatorischen Dinge, Glaubenssätzen und Prägungen und fülle Deine Persönlichkeit mit handwerklich
selbst kreierten Dingen auf, dann nimmt der Spuck sich monologisch hoffnungslos in selbst entwickelte Angst Szenarien zu verstricken ab.
Es macht wenig Sinn in so perfekter Form wie möglich über Ängste theoretisch zu Fachsimpeln, das Einzige was bei Angst und Zwängen
Sinn macht ist ein ganz konkretes praktisches Verhalten zu lernen, das neu und anders ist als alles Bisherige.
Das kannst Du bei der Face to Face Sitzung mit dem Therapeuten besprechen, schönen Gruß und viel Erfolg bei seiner schweren Arbeit.
Es lassen sich durch Mental Healing viele Lösungswege entwickeln aber nicht bei jemanden bei dem die Gedanken rasen,
da bleibt das Denken mal auf das notwendigste Eingeschränkt und die körperliche Aktivität übernimmt das Zepter und die Kontrolle.
Es gibt so viele Verhaltensmöglichkeiten um nicht im Kreis grübeln zu müssen mit negativem Ende, die einfachste und nützlichste
Übung ist ausgiebig Essen kochen, allein nicht so toll, jedoch Menschen dazu einladen erfühlt mehre Wünsche eines jeden Menschen.
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Re: Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon Remedias » Di 11. Mär 2014, 15:40

-edit-
Zuletzt geändert von Remedias am Di 11. Mär 2014, 19:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon flor » Di 11. Mär 2014, 18:44

@ fluuu.

Überfliegen hat dann leider nicht gereicht. Du glaubst also wirklich, dass ich mich nicht schon x-mal überwunden habe und auch solche "reduzierten, puristischen Dinge" gemacht habe? :) Ich habe schon unzählige Male losgelassen. Das Problem ist, dass diese (wie ich sie beschreibe) Grundangst davon unberührt bleibt und nicht weg geht. Und es ist ja gerade so, dass ich eben keine Angst davor habe, dass das Auto jetzt noch offen oder sonst irgendetwas nicht zu 100% sein könnte (das ist lediglich eine äußerliche Verantwortung, die ich Jahre lang mir selbst auferlegt habe). Die "frei schwebende" Grundangst ist das Problem, die sich immer wieder an die verschiedensten Dinge dran heftet (ohne, dass es wirklich um diese konkrete Sache geht!!) oder eben einfach unverknüpft (in ihrer Urform) da ist.

Hat glaub ich wenig Sinn hier, genauso wie der Link von Remedias, da ich keine dieser konkreten Ängste habe.

Und jetzt fragt mich nicht, was ich mir denn ansonsten hier erwartet habe. Auf jeden Fall keine Diagnosen aus der Hüfte ;) Aber ich werde hier wohl keine Leidensgenossen in dem Sinne finden, das diese wirklich was mit dem Geschriebenen anfangen können und es nicht in eine Schablone drücken. Ich bin mir sicher, jemand der ähnliche Dispositionen und Umstände kennt, könnte sofort etwas mit anfangen und sich mit mir austauschen.

Und bitte nehmt mir das nicht übel jetzt. Ich danke euch von Herzen für eure Mühe und Motivation mir helfen zu wollen! Das ist nicht selbstverständlich.

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Re: Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon Remedias » Di 11. Mär 2014, 19:30

hallo Flor,

sorry, diese Antwort mit dem link war nicht für dich bestimmt; habe mich vertan.

freundliche grüße Remedias

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Re: Endgegner: heftige (generelle) Angststörung und Dilemma

Beitragvon fluuu » Mi 12. Mär 2014, 10:45

@flor, dann suche weiter nach Leidensgenossen die genauso mit Dir leiden wie Du es gerne hättest, viel Erfolg wünsche ich dabei nicht.
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