Angst vor Nähe?

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Seestern
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Angst vor Nähe?

Beitragvon Seestern » Sa 7. Mär 2009, 22:41

Guten Abend zusammen!

Ich wollte mal etwas fragen....*peinlich.... :D
also ich weiß gar nicht ob ich unter dieser Kategorie richtig bin aber ich fang jetzt einfach mal an.
Ich werde dieses Jahr 40 Jahre alt, habe einen Beruf, arbeite und komme im alltäglichen Leben ziemlich problemlos zurecht. Eigentlich kein Grund zur Klage.
Eine Sache ist da allerdings schon. Ich habe ein großes Problem mit der Nähe.
Ich hatte in meinem Leben 3 Beziehungen zu Männern, die letzte endete, da war ich 21 Jahre alt. In den Beziehungen ist nichts besonderes vorgefallen. Sie dauerten allerdings auch nicht lange.
Seitdem lebe ich beziehungslos.
Ich weiß nicht warum, aber seit meiner letzten Beziehung hatte auch kein Mann mehr wirklich Interesse an mir. Anfangs hat mir das zugesetzt, und ich habe immer wieder neue Wege probiert, mich zB attraktiver zu machen oder sonstiges, aber es half nix. Keiner hatte Interesse. Ich glaube, irgendwann hab ich das dann "akzeptiert", soweit man das kann. Ich bin eben nicht Claudia Schiffer und deshalb interessier ich keinen. Darüber will ich mich jetzt auch nicht beschweren.
Inzwischen bin ich aber wohl noch einen Schritt weiter gegangen. Letztens hatte ich so eine Situation, die mich überhaupt darauf brachte. Ich war abends aus und traf einen Mann, mit dem ich mich gut unterhielt. Nach einer Weile fingen wir an, leicht zu flirten. Anfangs fand ich das lustig, als ich aber merkte, dass er "näher trat", und er ist wirklich nur näher getreten, keine Berührung oder sonst etwas, bekam ich Angst. Wirklich grundlos, er hatte gar nichts gemacht. Ich habe nur gemerkt, dass ich mich durch dieses " Näher Kommen" regelrecht bedroht gefühlt habe.
Beim Nachdenken über dieses merkwürdige Ereignis habe ich festgestellt, dass ich dieses Problem schon länger habe, es mir aber nicht bewußt gemacht habe. Einerseits gibt es Momente, in denen ich mir auch mal einen Partner wünsche, andererseits verwerfe ich den Gedanken auch wieder, weil ich mir sicher bin, dass ich den armen Menschen gar nicht an mich ranlassen würde. Ich muss dazu sagen, dass ich mir schon hin und wieder mal eine Nacht mit einem Fremden gönne, selten, aber ab und zu tu ich das. Das funktioniert auch, aber ich könnte nie "danach" bei demjenigen bleiben. Sobald es "vorbei" ist, gehe ich, weil ich dann die Wärme und die Nähe des Menschen spüre und ich mich dadurch sofort wieder bedroht fühle.
Was ist denn das? Hat da jemand Erfahrung mit? Ich bin wirklich völlig irritiert. Bin ich jetzt einfach nur so derart abgestumpft oder ist das schon krank?

Triangel
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Beitragvon Triangel » So 8. Mär 2009, 13:14

Hi,

finanziell unabhängig, intelligent und gebildet, sozial eingestellt? Gerade gebildete Frauen haben Schwierigkeiten einen Partner zu finden, leider. Es ist nur schade, dass diese deshalb auch auf Kinder verzichten, obwohl sie etwas weitergeben könnten. Auf letzteres würde ich in so einem Fall nicht verzichten wollen, man hat mehr von Kindern als vom Männern.

lg Triangel

Triangel
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Beitragvon Triangel » So 8. Mär 2009, 16:46

Das hatten wir schonmal. Man bekommt i.A. Kinder nicht aus Altruismus, da stecken schon egoistische Motive dahinter:

Der Wunsch, dass es weitergeht; die eigenen Gene weiterzugeben; die eigene Lebenserfahrung (auf dass es jmd besser macht) / Weltanschauung / Religion; weil man aus konservativem Elternhaus stammt, das Kinder und Familie als etwas normales betrachtet; überhaupt der Wunsch nach Familie, Geborgenheit, nach was Eigenem (wobei man sich hier vll was vormacht); der Wunsch Verantwortung zu übernehmen (und die Meinung das tun zu können; "mit 18 bin ich alt genug"); Berechnung (finanzielle Hilfen, Kinder sind erbberechtigt); der Wunsch, den Mann damit zu halten... oder als Folge auch nur kurzzeitiger sexueller Anziehung bei Hormonhoch (die gelingen recht gut). Kinder als i-Tüpfelchen, als Krönung einer (noch) idealen Beziehung sind eher eine Seltenheit.

In meinem Alter sind die meisten schon längst geschieden und wieder auf dem Markt.

Jmd ist schlecht aufgeklärt, wenn er nicht klar zwischen dem Wunsch nach Sex bzw. körperlicher Nähe, nach einer Beziehung oder nach Kindern unterscheidet. Der Idealfall, wo alles zusammenkommt, ist heutzutage selten.

Ich bin selbst von meiner Mutter alleinerziehend aufgezogen worden, weiß dass das geht, gebe nicht so schnell den Wunsch nach dem Idealfall auf (s.o.) aber wenn ich feststelle Männer reizen mich seit langem nicht mehr (genug), ich möchte keinen Mann längerfristig in meiner Nähe (trotz hinreichend langer Suche) dann sollte ich nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten und auf Kind(er) verzichten. Das sind zwei (sogar drei) verschiedene Dinge, die längst nicht mehr zusammenhängen.

Und ich weiß, dass mich so ein Verzicht destabilisiert. Für mich ist der Wunsch nach Familie so elementar, so stinknormal und gesund, ich würde mir wirklich überhaupt kein Bein mehr für irgendetwas ausreißen, wenn hier einer käme nach dem Motto "Kinder nur aus Liebe, BlaBla; so geht es nicht". Das ganze Streben, Denken und Handeln des Menschen ist nicht von Egoismus und Eigennutz zu trennen. Da ist etwas Lack damit es besser aussieht, das ist alles.

lg Triangel

Triangel
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Beitragvon Triangel » So 8. Mär 2009, 17:08

Ich bin selbst ohne Vater aufgewachsen und weiß nicht so viel von ihm. Neugier ist normal, ein gewisser Schmerz auch, aber es bleibt einem gar nichts anderes übrig als an dieser "Lücke" zu wachsen. Man wächst buchstäblich daran. Diese abscheuliche Ausnahme, wie man meint, war schon seit Menschengedenken Normalfall. Es bleibt einem der Trost zu sehen wie manche beide Elternteile haben und trotzdem abscheuliche familiäre Verhältnisse.

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moni
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Beitragvon moni » So 8. Mär 2009, 19:08

Hallo Seestern

Angst vor Nähe habe ich von klein auf und für viele Jahre aus eigener Erfahrung auch gekannt, und zwar sowohl vor körperlicher als auch vor seelischer, einfach zwischenmenschlicher Nähe. Besser keinem vertrauen, als dass das eigene Vertrauen missbraucht werden könnte. Lieber in Kontakten mit Menschen immer möglichst die Kontrolle behalten, als diese auch mal zu lockern, so einem anderen Einblick in einen selbst zu gewähren und sich dadurch ihm in einem gewissen Sinn auch auszuliefern. Die Angst war zu gross, als dass ich in dem Risiko auch die Chance hätte sehen können.

Und ja, dahinter steckten entsprechende Erfahrungen - und aus diesen das Gefühl, "es" nicht wert zu sein. Dadurch verzerrt sich das Selbstbild - und auch das Bild, das man sich von anderen macht; vielleicht gar nicht bewusst, sondern nur unbewusst.

Doch man kann anderen nur vertrauen, wenn man auch sich selber vertraut; Sicherheit bei anderen nur finden, wenn man sie auch in sich selber finden kann.*
Sich wie auch immer zu machen, ändert nichts daran, wie man wirklich ist.

Auf diesen Weg, vielleicht könnte man ihm nachreifen sagen, kann man sich wann auch immer machen - auch mit 40 ... :)

Liebe Grüsse

moni


* P.S. @ Triangel: Und genau deswegen: Wenn dich der Verzicht auf ein Kind destabilisiert, würdest du mit Kind niemals stabiler werden! Das ist vielleicht dein Wunschdenken - aber wenn du dich und deine Lebenszufriedenheit dermassen von ganz bestimmten äusseren Umständen abhängig machst, machst du dich selber unflexibel und unfrei - du nimmst dir damit selber die Freiheit, auf andere Weise Glück zu finden, wenn es mit dem einen Weg eben nicht klappt. Und genau mit solcher Unflexibilität gefährdest du auch deine Stabilität.
Ja, der Wunsch nach Familie ist elementar, normal und gesund - aber es ist absolut ungesund, sich derart darauf zu versteifen, dass man andere Lebensentwürfe gar nicht mehr sehen und für sich zumindest auch in Betracht ziehen kann.

Doch das ist wirklich nicht das Thema der Threaderöffnerin ...
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Hermann Hesse

Seestern
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Beitragvon Seestern » So 8. Mär 2009, 19:18

kein Sex vor der Ehe?.....äh.... :oops:

Also gut, du hast ja prinzipiell Recht, es gehört sich ja auch nicht, so wie ich das betreibe, aber ehrlich... es kommt ganz selten vor. Vielleicht alle 5 Jahre einmal oder so.
Ich weiß gar nicht, ob ich damit überhaupt was verdränge, denn den Wunsch nach Ehe Kindern und allem was dazugehört hab ich noch nie gehabt. Ich stehe einfach nur in einem inneren Konflikt, ich merke in der letzten Zeit, dass ich mir einen Partner wünsche (?!) , zumindest wenn ich allein bin. Wenn ich aber dann jemanden kennenlerne, dann kommt diese Angst. Angst, dass ich, wenn ich ihn einmal habe, ihn nicht wieder loswerden kann, also nicht im bösen Sinne jetzt gemeint, sondern ich habe einfach Angst, dass er mir so " unter die Haut" geht, dass ich meine Selbständigkeit verliere. Daß aus "ich" plötzlich " wir" wird, vielleicht sogar, dass ich ohne ihn gar nicht mehr sein möchte. Kann sein, dass ich mich deshalb "bedroht" fühle. Vielleicht.
Ich fühle mich einfach hin und hergerissen zwischen Realität und Wunsch. Ich nehme mir jedesmal vor, es doch einfach mal auf mich zukommen zu lassen, aber es ist schon wie ein Reflex geworden, diese Angst, das abblocken... ich kann das verstandsmäßig gar nicht mehr abschalten. Und es zieht weitere Kreise. Ich bin letztens mit einem lange befreundeten Mann im Zug gefahren, und er hatte einen "müden" Moment. Ich sah aus dem Fenster und er ließ (zum Spaß) seinen Kopf auf meine Schulter sinken. Innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde hab ich seinen Kopf von meiner Schulter geschüttelt, und ihn regelrecht angefahren "Was ist denn jetzt los?" Und das bei jemanden, der mich sicher nicht bedrohen würde. Dafür kennen wir uns zu lange. Ich würde das gerne abschalten, diese Reflexe, aber wie mache ich das nur?

Triangel
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Beitragvon Triangel » So 8. Mär 2009, 21:15

Natürlich passt das was ich geschrieben habe nicht ganz hin. Aber ich beschäftige mich halt gerade mit dem Thema und weiß, dass der Beruf allein ohne Familie oder ernstzunehmende Interessen (irgendein Ausgleich halt) vll etwas wenig ist. Zum Thema Sex: Ich befürchte man kann es sich buchstäblich abgewöhnen bspw. weil der Partner schmuddelig ist. Als ich kapierte sich Verlieben kann einen Rückfall auslösen, weil man besonders verletzlich ist (dass man zurückgewiesen wird) habe ich mich recht schnell nicht mehr verliebt. Das macht dann wieder selbstsicherer. Man zeigt einfach seine sensible, verwundbare Seite nicht mehr und gibt sich erfahren/aufgeklärt. Lieber jemand anderes abweisen als selbst verletzt werden.

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Laura
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Beitragvon Laura » So 8. Mär 2009, 21:29

Hallo Seestern!

Ohne Dich näher zu kennen, würde ich einfach mal behaupten, dass Du halt nicht den erstbesten Mann für eine ernsthafte Beziehung möchtest und Dir bisher noch keiner begegnet ist, in den Du so voll über beide Ohren verliebt warst, dass Du das Risiko einfach mal eingegangen bist, also nicht seit Deiner letzten Beziehung, die nun lange her ist. Man kann lange über Probleme mit Nähe sinnieren und diese als den Kern des Problems titulieren. Aber vielleicht ist man sich für eine halbherzige Beziehung, die man nur führen würde, um nicht alleine zu sein oder um sich mit einem Mann an der Seite zu präsentieren, einfach zu schade? Es gibt im Gegenzug genügend Leute, die von einer halbherzigen oder unglücklichen Beziehung in die nächste stolpern und immer wieder dieselben Fehler machen und auch immer wieder genau die Partner wählen, die eigentlich gar nicht zu ihnen passen.

Du kannst es von der problematischen Seite betrachten, dass Du eben ein Mensch bist, der ein psychisches Defizit in punkto Nähe-Fähigkeit hat, Du kannst das Glas aber auch halbvoll anstatt halbleer sehen und Dir sagen, dass Du als Mensch wie jeder andere Mensch auch Nähe zulassen kannst, aber halt zu Deinen Bedingungen und halt nicht zu jedem. Dass Du im Gegenzug in der Lage bist, alleine zu leben, ohne vor die Hunde zu gehen und Dir die Leute, zu denen Du Vertrauen fassen möchtest, eben sorgsam aussuchst und lieber einmal eine wirklich gute Liebeserfahrung machen möchtest als zehn schlechte. Ich glaube, wenn man die Liebe wirklich ernst nimmt, dann bleiben Verlustängste nicht aus. Bei mir glaube ich, dass hinter meinen eigenen Ängsten vor Nähe, hauptsächlich Verlustängste stecken. Die Techtelmechtel aus der Jugend kann man ganz gut verkraften, aber ich hätte auch Angst, die große Liebe zu finden und sie dann zu verlieren. Aber man braucht auch nicht nur die große erfüllte Liebesbeziehung. Man braucht ja auch Freunde, Bekannte und Kumpels um einen herum. Wie sieht es denn da in Deinem Leben aus? Hast Du Leute, mit denen Du mal was zusammen unternehmen kannst oder hast Du auch Leute, mit denen Du was Persönliches bequatschen kannst? Gespräche über das Seelenleben, über all die kleinen menschlichen Schwächen, die man hat und die man oft genug verbergen muss, können nämlich auch Nähe schaffen. Von jemandem, der meine Seele und auch meine psychischen Probleme und Schwächen respektiert, der eben nicht nur meine Schokoladenseite kennt und trotzdem zu mir hält, von dem lasse ich mich nämlich auch gerne mal spontan und freundschaftlich berühren. Wenn es mir nicht gefällt, dass jemand zu vertraulich zu mir ist, also gerade in Bezug auf körperliche Berührungen, einfach weil das Verhältnis zu oberflächlich ist oder mir derjenige nicht sympathisch genug ist, dann signalisiere ich durch einfache Gesten oder eine höfliche Rückmeldung, dass er mir nicht so nah auf die Pelle rücken soll und das klappt auch in der Regel. Lieber eine ehrliche Distanz als vorgegaukelte Nähe.

Anyway, Du fragst, was Du gegen Deine abwehrenden "Reflexe" tun kannst. Kann ich Dir so nicht beantworten, außer, dass Du das nicht übers Knie brechen solltest und wie moni oder D. schon sagten Du Dich nicht selbst "machen" musst, sondern erstmal so akzeptieren musst, wie Du bist. Und wenn Du eben von der scheueren Sorte bist und Dir körperliche Berührungen eher unangenehm sind, dann kannst Du das auch erstmal so stehen lassen. Es wird sich entwickeln und nicht machen lassen.

Wie siehst Du Dich denn ganz allgemein in der Welt, wie gerne hast Du mit anderen Menschen zu tun, wie vereinbarst Du Deine Wunschvorstellungen von harmonischen Beziehungen mit der Realität, zu der ja nun mal auch gehört, dass man bei den Leuten, die man an sich heranlässt und zu denen man schließlich Nähe aufbauen kann, sich dann nach einer gewissen Zeit ja auch Macken offenbaren, sowohl die eigenen als auch die der anderen.

Es gibt auch das Phänomen, dass man Menschen "theoretisch" mag und das Leben "theoretisch" liebt, einem praktisch aber doch alles auf den Senkel geht...weil man immer das Gute sucht, dabei aber immer nur das Negative sieht. Für mich habe ich herausgefunden, dass es wirklich eine Lebensaufgabe ist, das Negative neben dem Positiven zu akzeptieren, die allgegenwärtige Ambivalenz auszuhalten und sich doch immer wieder den Ruck zu geben, für sich selbst doch immer wieder das Gute über das Schlechte siegen zu lassen und die Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn die Vorteile überzeugend genug sind. Und wenn Schönheit angeblich die Partnersuche einfacher macht, dann frage ich mich, warum Elizabeth Taylor, die für mich, zumindest rein optisch gesehen, schon immer die schönste Frau überhaupt war, acht Scheidungen und was weiß ich nicht wie viele unglückliche Affären hinter sich hat. War ihr Leben wirklich versaut, als sie anfing, mollig zu werden oder stellte ihre Umwelt irgendwann noch andere Ansprüche an sie als nur gut auszusehen? Seit ich diese Frau mal in einem Interview erlebt habe, rangiert sie bei mir unter Superzicke und allürenhafter Diva, deren gutes Aussehen und der Erfolg und Ruhm nicht gerade förderlich für die Charakterstärke waren. Zumindest hatte sie auch nicht mehr Glück in der Liebe durch ihre Schönheit und ihren Status. Da geht es ja doch letztendlich um Qualität und nicht um Quantität.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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moni
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Beitragvon moni » Mo 9. Mär 2009, 01:20

Hallo zusammen noch mal
Triangel hat geschrieben:Lieber jemand anderes abweisen als selbst verletzt werden.
Ja, so verstehe ich den "Reflex" von Seestern (und mein eigenes früheres Verhaltensmuster) auch ... und wenn man damit für sich echte und nicht bloss gespielte, fast etwas trotzige Selbstsicherheit gewinnen kann, ist dagegen ja auch nichts einzuwenden. Wenn aber nicht, so lohnt es sich schon, auch die andere Seite der Medaille "Risiko" kennen zu lernen zu versuchen: die Chance - Chance auf echte Begegnung, auf verlässliche Beziehung, auf ein Gefühl von Geborgenheit - wie auch immer man es nennen will.

Man kann es lernen, indem man über sich selbst nachdenkt und reflektiert, die Gedanken vielleicht auch schriftlich festhält; z.B. mit Hilfe der Fragen, die hier im Thread schon aufgeworfen worden sind.
Auch Bücher zum Thema können das eine oder andere Licht ins Dunkel bringen und einem neue Sichtweisen und Perspektiven aufzeigen.
Oder man versucht es mit einer Therapie - wenn die Angst sehr gross oder einem absolut unverständlich ist, ist eine fachliche Begleitung von aussen oft hilfreich. In geschütztem Rahmen ist es einfacher, immer mal wieder kleine Wagnisse einzugehen, Vertrauen zu üben. Darum geht es letztendlich - abschalten kann man die Reflexe nicht einfach so ... Das wäre auch nicht gut, denn sie haben oder hatten ja ihren Sinn. Du beschreibst es sehr treffend:
Seestern hat geschrieben:... ich habe einfach Angst, dass er mir so " unter die Haut" geht, dass ich meine Selbständigkeit verliere. Daß aus "ich" plötzlich " wir" wird, vielleicht sogar, dass ich ohne ihn gar nicht mehr sein möchte. Kann sein, dass ich mich deshalb "bedroht" fühle. Vielleicht.
Vielleicht kann man andere erst an sich heranlassen, wenn man weiss, wo man selber aufhört und wo ein anderer anfängt ... wenn man seine Grenzen (und das, was einen selbst dahinter ausmacht) überhaupt erst mal erkennt, respektiert und auch zu wahren weiss - indem man seine Selbstwahrnehmung immer wieder bewusst schärft. Das ist ein manchmal langer, vielleicht auch lebenslanger Prozess - besonders, wenn die eigenen Grenzen immer wieder überschritten worden sind, ohne dass man dagegen etwas hätte tun können. Dann kann es sein, dass man mit der Zeit sich selbst irgendwie abhanden kommt, verloren geht - die andere Seite der Medaille "Verlustangst", von der hier auch die Rede war.

Liebe Grüsse

moni
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Hermann Hesse

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mikesch
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Beitragvon mikesch » Mo 9. Mär 2009, 05:03

Hallo,

sehr interessantes Thema, ich habe leider (im Moment) nichts interessantes anzumerken, ausser dass Du (Seestern) nicht alleine bist, mir geht es sehr ähnlich.
Kann mich im übrigen mit monis und Lauras Aussagen zu dem Thema sehr gut anfreunden. Aktuell ist der Wunsch nach einer (irgendwie gearteten) Partnerschaft/Nähe für mich sehr groß, einfacher wird die ganze Situation dadurch nicht.Ich möchte auch nicht eine Beziehung nur um der Beziehung willen führen, da bleibe ich lieber alleine. Da sich körperliche Nähe und Gefühle für mich nicht trennen lassen, kommen ONS auch nicht in Frage...das würde mich zu sehr durcheinander bringen. Mal abgesehen davon, dass meine Schüchternheit so etwas eh von vornherein aussschließt.
Und eine Beziehung schafft natürlich auch wieder Probleme, grad am Wochenende meinte ein Kumpel zu mir, dass Mann und Frau von der Art zu Denken eigentlich überhaupt nicht zueinander passen...
Aber ich will mich von all diesen Dingen nicht entmutigen lassen....wie erwähnt ist das Glas halbvoll.....

herzliche grüße mikesch
und eine schöne woche
"Ihr nennt mich Spinner, aber in meinem Kopf sind die Bilder"

Triangel
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Beitragvon Triangel » Mo 9. Mär 2009, 13:02

mikesch hat geschrieben: grad am Wochenende meinte ein Kumpel zu mir, dass Mann und Frau von der Art zu Denken eigentlich überhaupt nicht zueinander passen...
... und da gibt es einige die meinen, dass dieser Unterschied mehr als gut ist Der Unterschied macht erst die Würze ;-)

Triangel
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Beitragvon Triangel » Di 10. Mär 2009, 13:08

@moni Was heißt destabilisieren, ich weiß einfach, dass es eine gewisse Disziplin erfordert. Meine neugewonnene Freiheit (endlich ohne Medis) ein paar über den Durst zu trinken und morgens lang zu schlafen fiele weg denn da müßte ich aufstehen. Es wäre eine gewisse Disziplin in punkto Tagesstruktur notwendig, ich könnte mich bspw. nicht tagsüber 1-2 h auf das Ohr hauen bei einer schlechten Nacht. U.U. müßte ich wieder regelmäßig Medis nehmen, wo ich doch so gerne alles weglasse. Nein, man ist ohne ungebundener.
ch verstehe sehr gut, was Du meinst und kann den Wunsch auch nachvollziehen, bzw. die Situation, die Du ansprichst, dennoch finde ich es egoistisch gegenüber einem Kind, denn damit wird ihm bewusst etwas vorenthalten. Sicher hat jeder andere Motive. Ein Kind ist kein Gegenstand, was man sich aus einem Motiv heraus zulegt oder zur Stabilisierung seiner selbst, sondern ein Mensch, aber wie auch immer.
Ich fand schon immer die Ansicht "ein Kind braucht seinen Vater" altmodisch. Schön wenn es klappt aber es geht nun mal auch ohne. Vertreter dieser Meinung sind meistens aus religiös-konservativem Umfeld und lehnen die sexuelle Selbstbestimmung oder auch die finanzielle Unabhängigkeit von modernen Frauen ab. Diese sagen eben schon mal "ich will jetzt ein Kind, ich arbeite und kann mir eines leisten", lassen die Pille weg und sind schwupsdiwupp alleinerziehend. Dem Manne bleibt die Zahlungsverpflichtung und das Besuchsrecht bzw. anderweitige Regelungen sind möglich. Vom biologischen ist es eh möglich, es wäre Heuchelei es als unnatürlich abzulehnen und für mich war und ist eine klassiche, konservative Ehe ein Auslaufmodell, dem ich nicht nachtrauere. Sie wiedert mich auf gut deutsch an. Die Konkurrenz durch heutige neue Lebensformen, aufgrund der finanziellen Selbstständigkeit der Frauen ist völlig normal, da dieses kirchliche Modell völlig zu unrecht subventioniert und geschützt wurde.

Kinder stabilisieren tatsächlich, ich wüßte nicht warum man psychisch Kranken diese Erkenntnis vorenthalten sollte. Man wächst an der Verantwortung und sie erfordern eine gewisse Regelmäßigkeit, Zuverlässigkeit und Selbstdisziplin und man sollte sich vorher klarwerden, ob man das will.

Schönen Tag noch

Triangel
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Beitragvon Triangel » Di 10. Mär 2009, 20:57

Ganz genau, ich rede von einem Menschen. Frau legt sich durchaus ein Kind zu, d.h. soviel sie läßt sich schwängern, um zum Kinde zu kommen. Frau weiß doch was sie tut und um was es geht. Sie sind nicht blöd. Kinder sind ein Kostenfaktor und viele rechnen es vorher durch, ob sie das Geld dazu haben. Das ist im Prinzip nichts anderes, das eine höchstens ehelich das andere unehelich. Eine Frau, die arbeitet und ihr Geld verdient weiß darum, dass sie die Möglichkeit hat sich im Falle einer Schwangerschaft für ein Kind zu entscheiden oder sich bewußt eins zuzulegen. Und sie wird sich das sicher überlegen, da es ihr womöglich zuviel Arbeit ist bzw. die Doppelbelastung ist ihr zuviel.

Was heißt Stabilisierungsfaktor? Um eines erziehen zu können muß man vergleichsweise stabil sein aber ich meinte halt auch Kinder stabilisieren zusätzlich. Die Verantwortung fordert, man wächst an der Verantwortung, man darf nichts schleifen lassen - oder man gibt das Sorgerecht ab. Möglich dass man damit allein nicht gesund wird aber es gibt psychisch Kranke, die sich so durchlavieren und es schaffen. Ich glaube es gibt Drogenabhängige, die sicher nicht absichtlich zum Kinde kommen (vll auch absichtlich, das weiß ich nicht) und sich aufgrund dessen zusammenreißen und nochmal den Absprung schaffen. Klappt sicher nicht immer. Gerade am Beispiel der Drogensucht fällt mir ein: bei Problemen, wo letztendlich das eigene Leben auf dem Spiel steht darf frau selbstverständlich alles einsetzen, was ihren Willen zu überleben stärkt. Einzige Ausnahmen wären Krankeiten und Infekte wie HIV. Aber Menschen sind auch nicht normiert, beim Einen so beim Anderen so.

Als ich jung war vermied ich es sogar absichtlich zum Kinde zu kommen, da ich sehr junge Mütter (um die 20) mit irgendwelchen familiären Problemen für unreif hielt. Verkürzte Bildungszeiten bzw. keine Ausbildung, niedriger Bildungstand und der Versuch über die Verantwortung für ein Kind sich selbst aufzuwerten. Das hielt ich für ein Ausweichen, man bewältigt damit seine Probleme nicht. Desweiteren sagt(e) man (früher), bei drohenden Ernährungstörungen sollte man eine Schwangerschaft zeitlich nach hinten verlegen. Aber das ist ein anderes Thema.

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Beitragvon moni » Di 10. Mär 2009, 23:42

Triangel hat geschrieben:der Versuch über die Verantwortung für ein Kind sich selbst aufzuwerten. Das hielt ich für ein Ausweichen, man bewältigt damit seine Probleme nicht.
Eben :!:

#-o
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Beitragvon Laura » Mi 11. Mär 2009, 00:40

Hallo Triangel!

Wenn Du Deinen Kinderwunsch so legitim findest, warum stellst Du ihn hier ein ums andere Mal zur Diskussion? Was willst Du denn hören? Dass es neuerdings nicht darauf ankommt, ob man dem Kind ein gutes Leben bieten kann oder dass eine moderne Frau wie Du weiß, wie der Hase läuft und erkannt hat, dass Egoismus die einzig wahre Lebensform ist? Das ist das, was Du rüberbringst. Wartest Du da auf Zustimmung, damit Du Dich endlich aufraffen kannst, um Dein Vorhaben in die Tat umzusetzen? Dir scheint doch alles schon sonnenklar zu sein, warum dann immer wieder diese Diskussionen? Andere Leute machen sich wenigstens Gedanken darüber, ob sie einem Kind ein gutes Leben bieten können. Das findest Du altmodisch. lol, aber Du hängst doch geistig noch an den unausgegorenen und längst überholten "politischen" Devisen der 70er. Ist es für Dich letztendlich auch nur eine "politische" Aktion, ein Kind zu bekommen? Und wenn Du damit Dein Kind unglücklich machst, dann halt "C'est la vie"?

Es läuft hier immer wieder das Gleiche ab. Du willst Deinen Kinderwunsch wie ein Politikum diskutieren und bekommst immer wieder Gegenwind. Wie oft denn noch?

Es kann Dich kein Mensch daran hindern, irgendwo einen Typen aufzureißen und Dich schwängern zu lassen. Musst gar nicht mal mehr in die Disco gehen, Du kannst auch in irgend einen beschissenen Abschleppchat gehen und Dir da Deinen "Kindermacher" suchen. Als Außenstehender kann man nur hoffen, dass Du im Zustand Deiner geistigen Unreife kein Kind in die Welt setzt, und zwar dem Kind zuliebe und Dich immer wieder warnen. Was Du dann tust, ist aber Deine Verantwortung. Aber an der willst du ja wachsen, wie schön. Es lebe die menschliche Experimentierfreudigkeit! Erlaubt ist, was gefällt! Wenn sonst schon nix mehr im Leben geht, dann geht ja immer noch das Kinderkriegen und da der Mensch sowieso egoistisch ist, dann darf er es seinem Kind gegenüber erst recht sein.

*kotz*

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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