Angst vor dem sich selbst öffnen - sind es Selbstzweifel?

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Schpooky
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Angst vor dem sich selbst öffnen - sind es Selbstzweifel?

Beitragvon Schpooky » Fr 24. Okt 2008, 21:07

Hallo zusammen!

Ich hatte bis jetzt immer ein Problem damit, dass ich Angst bekam, mich zu öffnen. Denn ich wurde seit Anfang der Primarklasse bis hin zur Oberstufe ganz schön gemobbt (was damit zusammenhang dass ich ein kleiner Fettsack war sonstige Gründe gabs eigentlich nicht). Mittlerweile sehe ich wieder gut aus, jedoch war es immer noch grösstenteils schwierig für mich, sorgenlos das zu sagen und zu tun was ich wollte, denn ich glaubte immer, ich würde etwas falsch machen, oder mein Gerede könnte die Leute langweilen oder nerven - und somit könnte ich unsympathisch wirken und auf Abneigung stossen. Mir war klar dass dies die falsche Einstellung war. Tatsache war dass ich sagen und tun sollte was immer ich will, unabhängig davon wie die anderen reagieren. Erst mit dieser Einstellung würde ich möglichst gut durchs Leben kommen. Obwohl ich mir dessen bewusst war, trieben mich Ängste immer wieder dazu, einfach still zu sein, oder wenn ich etwas sagte, war es nur irgendwelcher langweiliger 0815 Schrott (Zeug das mich selbst nicht interessieren würde, hätte ich mir zugehört). D.h. ich war unsicher, die Leute merkten es und hielten nichts mehr von mir, nach dem Motto der ist ein uninteressanter Schwächling der komisches Zeug schwafelt, und wendeten sich von mir ab. Es kam aber immer wieder vor dass ich mich grundlos komplett öffnete, keine Ängste verspürte und Spass mit meinen Freunden hatte. Jedoch waren das nur Phasen. Nächsten Tag später war ich dann wieder verschlossen und ich fragte mich dann wie ich das am Vortag hingekriegt hatte, obwohl doch eigentlich etwas mit mir nicht stimmt. Ich fing an mich selbst zu hinterfragen (bzw. selbst zu therapieren), meinte zuerst es läge daran dass ich kein Selbstbewusstsein besass. Ich lobte mich wegen jeder Kleinigkeit und fühlte mich auch von Zeit zu Zeit sehr wohl und öffnete mich. Jedoch scheiterte es schlussendlich doch wieder weil Ängste aufkamen. Ich hatte die Nase so gestrichen voll von dem ganzen Thema "Ich und mein Problem" (das schon mehrere Jahre andauerte und nicht zu lösen war..) dass ich einfach mal eine ganze Zeit lang nicht mehr über mich selbst nachgrübelte. Et voilà, schon nach drei Tagen verspürte ich plötzlich keinerlei Ängste oder Seelenkummer mehr und hatte keine Probleme mich wieder der Gesellschaft zu öffnen! Da wurde ich mir bewusst, dass ich mir keinerlei Sorgen um mich selbst zu machen brauchte und ich völlig in Ordnung bin und schon immer war und nur die Annahmen, dass mit mir etwas nicht stimmte (und mir scheinbar während den ganzen Mobbingaktionen eingetrichtert wurden) diese Ängste und Störungen in meinen Gedanken und meiner Persönlichkeit verursachten. Ich sagte mir ab diesem Zeitpunkt einfach, keine Selbstzweifel mehr! Und für lange Zeit ging es auch gut. Ich hatte mir abgewöhnt anzunehmen dass mit mir etwas nicht stimmt. Nach einiger Zeit (in der ich schon das ganze Thema mit mir selbst abgeschlossen hatte) hatte ich unglaublichen Streit mit zweien von meinen besten Freunden. Danach fühlte ich mich einfach schlecht und alle meine Annahmen kamen wieder hoch. Ich sagte mir selbst, keine Selbstzweifel mehr, doch ich verstand nicht mehr was damit genau gemeint war und verfiel in Depressionen. Ich fragte mich einfach selbst, was genau war mit "Selbstzweifel" gemeint? Ich suchte im Internet sogar nach Definitonen von Selbstzweifel. Ich hatte es schlichtweg nach so langer Zeit vergessen. Ich fand bis heute noch keine Antwort wie ich zu jener Zeit zu diesem Begriff kam, jedoch war mir seit kurzer Zeit wieder klar, dass ich damit vermeiden wollte, wieder anzunehmen dass irgendetwas nicht mit mir stimmt. Doch der Begriff Selbstzweifel scheint dafür falsch zu sein.

Hier setzt meine Frage an: Kann mir irgendjemand sagen, wie man all diese Annahmen nennt, dass mit mir irgendetwas nicht i.O. ist? Am besten ein simples Wort, dass all diese Annahmen perfekt zusammenfasst und ich selbst nach Jahren immer noch mit diesen Annahmen assoziieren kann. Mir ist klar dass alles mit mir stimmt und ich mir keine Sorgen machen muss, jedoch muss ich mir genau diese Tatsache erst angewöhnen, indem ich mir abgewöhne genau das Gegenteil zu glauben-->indem ich genau keine -(Selbstzweifel?hier käme das Wort rein)- habe.

Danke dass ich euch diesen langen Mist durchgelesen habt:) Jedoch war es glaube ich nötig, um meine Lage zu verstehen.

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Laura
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Beitragvon Laura » Fr 24. Okt 2008, 21:34

Hi Schpooky!

Erstmal herzlich willkommen im Forum! :razz:

Du kannst Deine Probleme ziemlich punktgenau beschreiben und ich habe mich in vielem wiedergefunden.

Nu ja, außer dem Wörtchen Selbstzweifel gibt es noch so Ausdrücke wie negatives Selbstbild, Selbstabwertung, emotional instabil, viel Bestätigung von außen brauchend. Das umkreist alles ein seelisches Dingens, bei dem einem die Dinge, bzw. das zwischenmenschliche Miteinander nicht ganz so selbstverständlich gelingen wie manch anderen. Seine kindliche und jugendliche Prägung, in Deinem Fall als Mobbingopfer, kann man halt trotz aller Vernunft und trotz allen Durchschauens nicht von heute auf morgen abschütteln.

Früher dachte ich, gerade was die Selbstakzeptanz angeht: "Erst muss ich so und so geworden sein, DANN kann ich mich akzeptieren!" Haha, die Kunst besteht darin, sich selbst auch mit all seinen Schwächen und all den Dingen, die man nicht so gut wie andere kann, zu akzeptieren. Dafür kann man dann wiederum manche Dinge besser als andere. Du kannst Dich z. B. sehr gut ausdrücken, Deine Gedanken und Gefühle gut sortieren und Dein Posting war alles andere als langweilig oder "Mist".

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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mikesch
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Beitragvon mikesch » Sa 25. Okt 2008, 05:22

Hi,

toll dass Du das ansprichst, habe genau dasselbe Problem !!!

Leider bin ich allein nicht in der Lage es in den Griff zu bekommen. Es ist wirklich bescheuert, wenn das Thema mit Freunden mal zur Sprache kommt, bekomme ich immer wieder gesagt, dass ich schon in Ordnung bin, dafür spricht auch, dass ich mit den Leuten schon seit Schulzeiten zu tun habe, und sie mit mir auch durch die recht harte Zeit nach dem ersten Schub gegangen sind.

Trotzdem lasse ich an mir selbst kein gutes Haar, übertreibe meine Schwächen maßlos und erkenne meine Stärken nicht an.Ich hab hier übrigens wieder was gelernt.
"Erst muss ich so und so geworden sein, DANN kann ich mich akzeptieren!"
Genau das ist mein großer Denkfehler, danke euch beiden ! Auch wenn dadurch jetzt wahrscheinlich nicht von heute auf morgen alles besser wird, ist es eine wichtige Erkenntnis.

gruß mikesch
"Ihr nennt mich Spinner, aber in meinem Kopf sind die Bilder"


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