Angst vor der Angst

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moni
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Beitragvon moni » Sa 23. Aug 2008, 14:29

Hallo Marlen

Erst einmal Respekt, dass du dir Wege möglichst ohne Medikamente suchen willst!
Auch ich denke diesbezüglich ähnlich wie du und habe mich damals erst nach langem dazu durchringen können, doch Medikamente und die damit verbundene Entlastung anzunehmen. Es war und ist immer ein Abwägen: Wie komme ich weiter, besser voran - mit oder ohne Krücken? Denn Psychopharmaka können nichts mehr als das sein - Probleme lösen sie nicht; das sehe ich auch so. Und insgeheim verbinde ich wohl noch immer den Griff zu einem Medikament zumindest auch mit einem gewissen Versagensgefühl - eben es nicht selber zu schaffen.

Die Frage ist halt immer: Wie viel soll man sich zumuten? Oder: Worum geht es bei der Bekämpfung von Panikattacken? Stärkt es dich, wenn du die Panik bewusst er- und durchlebst, oder schwächt es dich eher - weil z.B. dein Verstand auch fast aussetzt und dir keine grosse Hilfe mehr sein kann? Das kannst nur du dir beantworten - ich kann mir beides vorstellen. Und ich denke, du solltest dann diejenige Strategie wählen, die dich im Endeffekt stärkt. Vielleicht kann dir dabei die Funktionstüchtigkeit deines Verstandes in Panikmomenten ein Indiz sein.

Zwei Dinge sind mir noch aufgefallen, die du vielleicht auch noch von einer anderen Seite betrachten könntest:

- Man kann Medikamente nehmen und gleichzeitig/trotzdem an der Lösung seiner Probleme arbeiten. Ich verstehe dich so, als ob du da ein Entweder-Oder siehst und sich das gegenseitig ausschliessen würde. Das sehe ich jedoch nicht grundsätzlich so, aus meiner eigenen Erfahrung.
Man kann am Leiden wachsen, aber auch zerbrechen. Oder wie ich in deinem anderen Thread geschrieben hatte: Manchmal bringt einen der Widerstand weiter, manchmal die Entlastung. Um den für einen guten Weg auf diesem schmalen Grat zu finden, muss man sich gut kennen (lernen).

- So schnell wird man wiederum auch nicht süchtig von Benzos. Wenn du es ein-, zwei- oder auch dreimal ausprobieren würdest, würde da in Richtung Abhängigkeit noch überhaupt nichts passieren. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich dann mit der Attacke auch die Angst vor der Angst legt - so wie ich mich noch erinnere, war es jedenfalls bei mir so. Dann würden u.U. die Attacken immer seltener kommen und die Medifragen automatisch wieder in den Hintergrund treten. Benzos im Akutfall, z.B. erst mal für ein paar Tage, haben den Vorteil, dass es weder Ein- noch Ausschleichen braucht und sie sofort wirken. Bei längerer Einnahme besteht dafür Abhängigkeitsgefahr, ja. ADs wie z.B. Trevilor (was ich damals hatte) haben den Nachteil, dass sie nicht sofort wirken, sondern ein- und vor allem auch wieder ausgeschlichen werden müssen. Dafür machen sie nicht abhängig (wenn auch das Ausschleichen nicht immer so ganz ohne ist). Opipramol kenne ich nicht - ich glaube, das ist ein AD. Hast du denn schon davon genommen oder noch nicht? Und wie gehts dir momentan überhaupt?

Liebe Grüsse

moni
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Marlen
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Beitragvon Marlen » Sa 23. Aug 2008, 20:29

Remedias hat geschrieben:



Hallo, es gibt AD oder spezielle angstlösende Medikamente, die nicht süchtig machen. Sie dröhnen einen auch nicht zu, helfen dir aber, deine Panikattacken zu bewältigen. Warum probierst du so ein Medikament nicht mal aus - wenn du dich "zugedröhnt" fühlst, kannst du es immer noch absetzen.
lieber Gruß Remedias


Hallo Remedias,
das ist sicherlich eine Möglichkeit und es ist gut, dass es diese Möglichkeit gibt und die Medikamente Betroffenen helfen können.
Aber es ist nicht mein Weg.
Viele Grüße
Marlen
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Remedias
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Beitragvon Remedias » Sa 23. Aug 2008, 20:48

Hallo Marlen, nein, ich möchte dich bestimmt nicht dazu überreden, ein Medikament zu nehmen. Eine Verhaltenstherapie wirkt im übrigen genauso gut. Und wenn du es ohne Chemie aushälst - um so besser. Ich wünsche dir alles Gute.
Eine Freundin von mir nimmt gegen Angst und Depressionen Johanniskraut. Vielleicht wäre auch was Pflanzliches eine Alternative.
lieber Gruß Remedias

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Marlen
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Beitragvon Marlen » Sa 23. Aug 2008, 20:58

Hallo Moni,
ich bin erleichtert zu hören, dass es jemanden gibt, der ähnlich denkt, wie ich :)

Ich denke wie du, dass Medikamente allein nicht die Lösung sein können. In der Kombination mit einer Therapie sind sie vielleicht wirklich hilfreich. Die Frage ist wirklich, wieviel kann und will man ertragen??

Bei mir war es jetzt so, dass ich seit 6 Wochen Therapiepause (mein Thera macht Urlaub) habe. Gleich in der 1. Woche nach meiner letzten Therapiestunde bekam ich jede Nacht Panikattacken. Da dies im Urlaub passierte, habe ich das nicht so ernst genommen und runtergespielt- schließlich sollte der Urlaub ja schön sein.
Nach dem Urlaub war dann 2 Wochen Ruhe, bis ich erneut, diese für mich heftigste Panikattacke hatte.

Seitdem gehts mir nicht gut und weil es mir direkt danach ziemlich schlecht ging, war ich bei meinem Hausarzt, der mich zum einen krank schrieb und zum anderen hat er mir dieses Opipramol gegeben. Dazu sagte er, das könnte ich sporadisch nehmen, wenn ich Angst bzw. Panik bekomme - das würde mich dann beruhigen (Placeboeffekt :?: ).

Eigentlich je mehr ich darüber nachdenke, fühle ich mich total veräppelt und nicht ernst genommen :cry: .
Ich habe Opipramol gegoogelt und auch den Beipackzettel gelesen und wenn ich mich nicht völlig verlesen habe, wirkt dieses Medi erst nach längerer Zeit und auch nur bei konstanter Einnahme. Ich habe das jetzt 2 Wochen genommen, in ganz geringer Dosis und ich merke nichts. Ich dachte, ich könnte so die Zeit bis zur nächsten Therapiestunde besser aushalten.
Ich habe das Medikament heute weggeworfen. Das einzige was mich einen Moment lang beruhigt, ist leider Schokolade- aber immerhin :roll:

Ich bin total froh, dass ich nächste Woche wieder Therapie habe und dann kann ich weiter sehen.

Und Moni, mir geht es ählich wie Dir. Dieses Medikament zu nehmen, ist für mich wie eine Niederlage, weil man es alleine nicht schafft. Und damit ein weiterer Sieg für die Täter und ich will nicht, dass die weiter mein Leben in der Hand haben und mich in eine Abhängigkeit bringen.

:twisted: Ich werde teuflisch dafür kämpfen, dass sie es nicht wieder schaffen.

Liebe Grüße
Marlen
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Beitragvon Marlen » Sa 23. Aug 2008, 21:06

Remedias hat geschrieben:Hallo Marlen, nein, ich möchte dich bestimmt nicht dazu überreden, ein Medikament zu nehmen. Eine Verhaltenstherapie wirkt im übrigen genauso gut. Und wenn du es ohne Chemie aushälst - um so besser. Ich wünsche dir alles Gute.
Eine Freundin von mir nimmt gegen Angst und Depressionen Johanniskraut. Vielleicht wäre auch was Pflanzliches eine Alternative.
lieber Gruß Remedias
Hallo Remedias,
Nein, so habe ich das auch nicht aufgefasst.
Ich bin froh über jede Antwort und Anregung :D Ich suche mir dann schon das für mich passende raus.

Johanniskraut gegen Depressionen kenne ich auch, aber hilft das wirklich gegen Panikattacken??

Gegen rein pflanzliche Sachen habe ich nämlich nichts einzuwenden :wink:

Viele Grüße
Marlen
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Beitragvon moni » Sa 23. Aug 2008, 23:56

Hallo Marlen
... zum anderen hat er mir dieses Opipramol gegeben. Dazu sagte er, das könnte ich sporadisch nehmen, wenn ich Angst bzw. Panik bekomme - das würde mich dann beruhigen
Das ist, gelinde gesagt, Bullshit. ADs nimmt man nicht sporadisch, sondern, wie du schon selber geschrieben hast, konstant über eine gewisse Zeit, mindestens ein paar Wochen/Monate. Sonst macht das überhaupt keinen Sinn. Und da die erwünschte Wirkung - wenn denn - meist erst nach 2-4 Wochen eintritt, sind sie eben nicht dazu geeignet, akute Panikattacken aufzufangen, sondern nur dann sinnvoll, wenn man diese (bzw. in Verbindung mit Depressionen) längerfristig auch medikamentös behandeln möchte.
Eigentlich je mehr ich darüber nachdenke, fühle ich mich total veräppelt und nicht ernst genommen
Kann ich gut verstehen, auch wenn es von ihm her gesehen wohl einfach Unbedarftheit war. Es ist erschreckend, wie manche Hausärzte mit Psychopharmaka umgehen. Du warst nun aber aktiv, hast dich informiert und die Dinger entsorgt - und dich damit hoffentlich auch von diesem Gefühl befreit. :wink:

Dass es auch anders geht, hat damals der Stellvertreter meines Hausarztes bewiesen: Es war Wochenende und er hatte Dienst, kannte mich ja nicht und hat erst mal ausführlich mit mir gesprochen. Dann hat er mich genau nach Suchtvergangenheit und -anfälligkeit befragt, und nach ehrlicher Antwort meinerseits hat er mir eine abgezählte Anzahl Benzos in ein Tütchen gepackt, mit der ich laut seinen Angaben erst mal sicher übers Wochenende kommen würde. Ich hatte Angst vor Benzos und fragte, wie diese denn genau wirken würden. Er hat es mir genau erklärt.
Sowohl er wie auch mein Hausarzt sind übrigens in erster Linie Homöopathen und Vertreter der anthroposophischen Medizin; beide sind aber auch Schulmediziner. Pflanzliche Mittel waren jedoch in dieser Sprechstunde kein Thema mehr. Es kann auch da ein Nebeneinander oder Sowohl-als-auch geben.

Das nenne ich einen verantwortungs- und respektvollen Umgang mit Patienten und Medikamenten.

Beratung über weitere pflanzliche Möglichkeiten würde ich mir wohl in einer entsprechend gut sortierten Apotheke oder Drogerie oder bei einem Naturheilmediziner suchen - es gibt da wirklich vieles auszuprobieren. Vielleicht auch das eine tun und das andere nicht lassen? Manchmal genügt auch schon nur das Wissen um eine Schachtel oder ein Tütchen Benzos in der Schublade - als "Maskottchen" sozusagen ... (ich hab so eine, und die ist seit langem immer gleich voll ...).
Hope hat geschrieben:Am besten du denkst drüber nach und solltest dir aufschreiben, was genau der Auslöser ist dafür und dann meditierst du darüber.
Hmm ... ich würde das nicht tun. Ich hätte Bedenken, dass das Grübeln darüber dich nur noch weiter in die Angst reintreibt und ihr noch mehr Gewicht gibt. Diese Art der Konfrontation finde ich eher bei Phobien hilfreich, aber das sind Panikattacken ja nicht.
Marlen hat geschrieben:Ich bin total froh, dass ich nächste Woche wieder Therapie habe und dann kann ich weiter sehen.
Ja, das ist doch schon mal ein Lichtblick am Horizont! :)

Gute Nacht und liebe Grüsse

moni
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Beitragvon moni » So 24. Aug 2008, 00:41

Hallo Hope
Natürlich meine ich nicht, dass Sie es während einer Panikattacke machen soll!!!
Ja, das hab ich schon richtig verstanden. Wie ich in meinem allerersten Post hier geschrieben hatte, habe ich zwar nicht sehr viel (jedoch recht tiefe) Erfahrung mit Panikattacken. Aber ich habe bei dieser Idee auch für danach einfach kein gutes Gefühl. Vielleicht weil die Auslöser (oft? meist? oder individuell verschieden?) gar nicht so konkret aktuell ausmachbar sind wie bei Phobien, da sie nicht im Hier und Jetzt liegen? Wie gesagt, ich weiss es nicht, es ist nur so ein Gefühl.

Wenns dir hilft, Hope, ist es ja o.k.

LG moni
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Beitragvon Marlen » So 24. Aug 2008, 12:01

Hallo Hope,

danke für Deine nette Antwort :)

Kontakt zu Menschen, stimmt das ist wichtig!

Viele Grüße
Marlen
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Beitragvon Marlen » So 24. Aug 2008, 12:38

moni hat geschrieben:Hallo Marlen
... zum anderen hat er mir dieses Opipramol gegeben. Dazu sagte er, das könnte ich sporadisch nehmen, wenn ich Angst bzw. Panik bekomme - das würde mich dann beruhigen
Das ist, gelinde gesagt, Bullshit. ADs nimmt man nicht sporadisch, sondern, wie du schon selber geschrieben hast, konstant über eine gewisse Zeit, mindestens ein paar Wochen/Monate. Sonst macht das überhaupt keinen Sinn. Und da die erwünschte Wirkung - wenn denn - meist erst nach 2-4 Wochen eintritt, sind sie eben nicht dazu geeignet, akute Panikattacken aufzufangen, sondern nur dann sinnvoll, wenn man diese (bzw. in Verbindung mit Depressionen) längerfristig auch medikamentös behandeln möchte.
Eigentlich je mehr ich darüber nachdenke, fühle ich mich total veräppelt und nicht ernst genommen
Kann ich gut verstehen, auch wenn es von ihm her gesehen wohl einfach Unbedarftheit war. Es ist erschreckend, wie manche Hausärzte mit Psychopharmaka umgehen.
Hallo Moni,
ja das es großer Bullshit ist, dachte ich mir auch, ich war ja von Anfang an sehr skeptisch. Ich habe eine nette PN bekommen, in der das im Grunde auch stand. Ich bin ziemlich schockiert, was mein Hausarzt sich da geleistet hat. Spricht mal wieder nicht für ihn. Und wie leichtfertig er das aufgeschrieben hat- ich lass mich doch nicht für dumm verkaufen. Eigentlich ist es schlimm, dass Allgemeinmediziner so ziemlich alles verschreiben können, ohne wirklich Ahnung davon zu haben. Da könnte ich glatt in die Luft gehen! :onfire:

Umso schöner ist es, zu lesen, dass wenigstens Du einen vernünftigen und verantwortungsbewussten Arzt hattest, dass lässt ja hoffen...
Ich glaube wirklich gute Ärzte, die nicht nur oberflächlich und im 5 Minuten- Takt behandeln, gibt es nicht mehr oft. Aber das wäre wohl schon wieder ein neues Thema.

Über Panikattacken und Grübeln, was der Auslöser ist...mmh, auf der einen Seite denke ich, dass es gut und hilfreich ist, wenn man den Auslöser kennt, um dagegen was zu unternehmen. Aber auf der anderen Seite finde ich es "gefährlich" zu lang und zu tief darüber nachzudenken, da es bei mir so ist, dass die Angst dann wieder hochkommt und ich das Gefühl habe, kurz vor der nächsten Panikattacke zu stehen.
Das wäre dann so, als wenn man aus der im Hintergrund stehenden Angst (Mücke), die große Angst (Elefant)in den Vordergrund holt.

Andererseit ist ja Angst, dass, was wir draus machen. Und trotzdem kann ich dann nicht verstehen, wenn man eigentlich angstfrei leben möchte, dass die Angst einen so bestimmt. Also obwohl man gegen die Angst versucht, etwas zu tun- wieso kann Angst bzw. Panik eine solche Macht bekommen??

Liebe Grüße und schönen Sonntag!
Marlen
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Beitragvon Spitfire » So 24. Aug 2008, 18:40

moni hat geschrieben: Denn Psychopharmaka können nichts mehr als das sein - Probleme lösen sie nicht; das sehe ich auch so. Und insgeheim verbinde ich wohl noch immer den Griff zu einem Medikament zumindest auch mit einem gewissen Versagensgefühl - eben es nicht selber zu schaffen.
Das finde ich unsinnig, wer psychisch krank ist hat eine chemische Stoffwechsel-Erkrankung im Gehirn, die nur durch chemische Mittel zu heilen ist.

In meiner Prodomal-Phase dachte ich auch ich könnte die Erscheinungen innerlich besiegen, aber das war ein großer Irrtum. Erst die Tabletten haben mir geholfen.

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Beitragvon Remedias » So 24. Aug 2008, 18:50

Ich kenne dieses tiefgreifende Versagergefühl, wenn man wegen psychischer Probleme zu Medikamenten greifen muss , auch recht gut - und habe es komischerweise nicht, wenn es um körperliche Erkrankungen und Tabletten geht.
An was mag das liegen? Vielleicht weil die Psyche noch mehr zur Persönlichkeit gerechnet wird als der Körper. Oder weil die Wirkung von Psychopharmaka nicht so eindeutig ist: nimmst du A geschieht B; nein, da gibt es noch C, D und F.
Ich habe mich schon öfter selbst hinterfragt, komme jedoch zu keinem gescheiten Schluss.
lieber Gruß Remedias

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Beitragvon moni » So 24. Aug 2008, 22:35

Hallo Marlen

Du schreibst:
Über Panikattacken und Grübeln, was der Auslöser ist...mmh, auf der einen Seite denke ich, dass es gut und hilfreich ist, wenn man den Auslöser kennt, um dagegen was zu unternehmen. Aber auf der anderen Seite finde ich es "gefährlich" zu lang und zu tief darüber nachzudenken, da es bei mir so ist, dass die Angst dann wieder hochkommt und ich das Gefühl habe, kurz vor der nächsten Panikattacke zu stehen. (...) wieso kann Angst bzw. Panik eine solche Macht bekommen??
Ich denke, dass meist Stress auslösend ist, der nicht mehr bewältigt werden kann und sich dann via Panik ein Ventil sucht. Das kann u.U. auch positiver Stress sein - du sprachst ja davon, dass die Panikattacken erstmals wieder in deinen Ferien aufgetreten seien. Oder ganz allgemein eine belastende/belastete Lebensphase, z.B. durch berufliche oder private Veränderungen - oder Urlaub des Therapeuten, wie bei dir. Auch eine simple Grippe o.ä. kann Körper und Nervensystem genug schwächen, um eine Panikattacke zu begünstigen.
Das wären dann Stressoren, die eher an der Oberfläche liegen und deshalb leichter eruierbar, erklärbar und so auch besser anzugehen sind.

Was aber, wenn die Ursache tiefer liegt, im Unterbewussten, das durch irgendeine (vielleicht scheinbar) ganz kleine und bedeutungslose aktuelle Situation an ein angstbesetztes Erlebnis "erinnert" wird, dieses aber nicht konkret wieder heraufholt, sondern via Panik quasi inkognito ausdrückt? Dann geht es mir eben ähnlich wie dir, und ich bekomme ein ungutes Gefühl beim Gedanken daran, dem WARUM allzu sehr nachzugehen.

Dein Therapeut kann dir bestimmt dabei helfen herauszufinden, in welche Richtung es bei dir in dieser Beziehung eher geht!

Mir scheint, wirklich etwas machen kann man wohl vor allem an allfälligen Stressfaktoren im aktuellen Leben sowie an Strategien, ggf. auftretende Panikattacken möglichst gut zu bewältigen - ob mit oder ohne Medikamente. Um sich letztendlich nicht selber durch Vermeiden von potenziell auslösenden Situationen (s. Angst vor der Angst) so manches Teils des Lebens zu berauben.

Liebe Grüsse

moni
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Beitragvon Marlen » Mo 25. Aug 2008, 09:03

moni hat geschrieben:Hallo Marlen


Was aber, wenn die Ursache tiefer liegt, im Unterbewussten, das durch irgendeine (vielleicht scheinbar) ganz kleine und bedeutungslose aktuelle Situation an ein angstbesetztes Erlebnis "erinnert" wird, dieses aber nicht konkret wieder heraufholt, sondern via Panik quasi inkognito ausdrückt? Dann geht es mir eben ähnlich wie dir, und ich bekomme ein ungutes Gefühl beim Gedanken daran, dem WARUM allzu sehr nachzugehen.
....
Mir scheint, wirklich etwas machen kann man wohl vor allem an allfälligen Stressfaktoren im aktuellen Leben sowie an Strategien, ggf. auftretende Panikattacken möglichst gut zu bewältigen - ob mit oder ohne Medikamente. Um sich letztendlich nicht selber durch Vermeiden von potenziell auslösenden Situationen (s. Angst vor der Angst) so manches Teils des Lebens zu berauben.

Liebe Grüsse

moni
Liebe Moni,
es ist so, wie Du im oberen Absatz schreibst. Ich kenne die Ursprungsursache und die Ursache bei Panikattacken ist immer gleich, es ist immer Todesangst.

Und das ist mit ein Grund, was mir das Leben schwer macht- dabei möchte ich einfach mal ein paar Minuten unbeschwert leben!!! Aber das wird immer wieder kaputt gemacht, dieses Gefühl von Unbeschwertheit und Freiheit.
Da bleibt die Lebensqualität auf der Strecke und trotzdem gebe ich nicht auf.

Ich wünsche Dir, dass es bei Dir anders ist!
Liebe Grüße
Marlen
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Beitragvon moni » Mo 25. Aug 2008, 10:35

Hallo Marlen

Mir ist grade noch etwas in den Sinn gekommen: Du schriebst, dass dein Hausarzt dich krankgeschrieben hat. Ist das noch immer so? Und hast du das Gefühl, dass das momentan für dich richtig ist so? Ich hatte nur die Idee, dass, wenn es kräftemässig irgendwie geht, dir gerade deine Arbeit vielleicht auch wieder ein Stück Unbeschwertheit zeigen und dich so, im Kontakt damit, ihr wieder näher bringen und dich auch ablenken könnte?

Häb e guete Tag - und liebe Grüsse

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Beitragvon Marlen » Mo 25. Aug 2008, 11:00

Hallo Moni,
ich war nur 4 Tage krank geschrieben und das war gut so.Dann war ich wieder arbeiten, bin jetzt aber erneut außer Gefecht gesetzt.
Die Arbeit ist Ablenkung und dennoch fehlt das Unbeschwerte.
Dir auch einen schönen Tag.
LG Marlen
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