verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

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Llllleona 5x.2
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verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Mo 9. Okt 2017, 21:29

Welche Diagnosen auf mich zutreffen und welche nicht, weiß ich nicht (schizodie (nicht ganz!)? Autismus? ängstliche Persönlichkeitsstörung?), Sozialphobie hab ich auf jeden Fall! und das macht mich manchmal wahnsinnig! Echt! 2009 hab ich genau aus diesem Grund versucht, mich umzubringen, weil ich gemerkt hab, wie sehr mich meine Sozialphobie beeinträchtigt und wie sehr ich mir schwer damit tu, neue Menschen kennenzulernen, mit ihnen in Verbindung zu bleiben, ungezwungene und unverbindliche Gespräche zu führen. Seitdem hab ich nun Psychotherapie gemacht, ambulant und stationär. Schon seit 2002. Es hat sich viel zum Besseren gewendet, ich spür mich mehr, komme viel mehr in (emotionalen) Kontakt mit Menschen in meinem Umfeld, bin auch in einer Tagesstruktur. Hatte dann 2010 im Sommer dann auch eine kurze weiß-nicht-wie-ich's-nennen-soll, hatte einen "Haverer", das ist vielleicht die beste Beschreibung. Seitdem ist auch Zeit vergangen und seit dem hat sich auch eigentlich viel verändert.

Nur nicht in Sachen Sozialphobie! Da ist es so, dass ich es wieder so stark wahrnehme seit 2009. Keine Sorge, werd mich nicht wieder versuchen umzubringen. Aber sie macht mich einfach rasend! Bisher sowieso, wegen der allgemeinen Stimmung - "In dieser Abgeschottetheit soll ich mein Dasein noch 70 Jahre fristen? Macht das viel Sinn?" Wenn ich bei sehr vielen Begegnungen merke: Ich bin eine Herausforderung für Normalos - weil eine ordentliche Portion Gesundheit dazugehört, sich manchmal von mir abzugrenzen (bitte das jetzt nicht 100.000 mal hinterfragen, habe sehr feine Antennen und ich weiß, dass es so ist) (ja, mit der Nähe-Distanz hab ich's zu oft), in der Tagesstruktur, in Geschäften, wo ich bereits Stammkundin bin, beim Trommeln in einer Gruppe, bei teilbetreutem Wohnen.

Und ausgerechnet mir ist jemand begegnet, in den ich mich ein bisschen verliebt habe. Frage mich eh, wie das möglich ist, kenne ihn ja gar nicht, weiß nur, dass er mir gefällt und dass er ein netter Mensch ist! Nur - was jetzt? Hab ihm ne sms geschrieben (denn ich hab seine Nummer; in welcher Konstellation wir einander zufällig kennen, möcht ich hier nicht näher beschreiben, vielleicht verirrt er sich mal auf diese Seite und da möcht ich nicht, dass er sich in diesem Beitrag identifiziert), hab so andeutungsweise geschrieben, aus der hervorgeht, dass ich von einer näheren Kommunikation nicht ganz abgeneigt bin. (ist ja nicht einmal so, dass ich seine Klientin bin). Will ihn ja nicht wegscheuchen mit einem überfallsartigen "Gehn wir mal Tee trinken miteinander?", weiß ja nicht, wie er es so hat mit seinen Beziehungen oder Ängsten oder nicht-Ängsten. Und überhaupt: Was dann? Wozu zum Teufel möcht ich dann mit ihm Tee trinken kann, wenn ich keinen Plan hab oder gar nicht weiß, was ich will (und außerdem vielleicht in 4 Monaten al
les besser ist, und daher meine Karten in 4 Monaten besser sind, aber was tun bis dahin) Vermute, dass er keine Freundin hat (aber das tut hier nicht viel zur Sache).

So. Aber was jetzt? Habe da nämlich manchmal sehr schwierige Phasen. Eben diese Phasen, in der es eine Herausforderung ist für "Normalos", sich von mir abzugrenzen. In der ich sehr viel Raum einnehme.
Dann hab ich Phasen, in denen ich keine einzige Aussage tätigen kann, bei der ich nicht verkrampft bin.
Phasen, wo ich mir mit Sprache schwer tu, wo ich nach den Worten suchen muss und mir die Worte fehlen und ich nach denen Suchen muss, ob ich sie finde, ist eine andere Frage.
Phasen, in der ich keine Persönlichkeit in mir selbst verspür, in der nichts von mir da ist und ich nur am anderen mit meiner Aufmerksamkeit klebe.
Phasen, in denen ich am liebsten andere verletzen und psychisch schädigen möchte (tu ich eh nicht, wie kommt ein anderer dazu?!)
Habe Schwierigkeiten mit Nähe (auch mit körperlicher; das könnte sehr hinderlich sein), aber man kann ja dazulernen...
Und eine Menge anderer Schwierigkeiten. (Die sich aber verändern können, da ich gewissermaßen intensiv Betreuung hab (Psychotherapie, teilbetreutes Wohnen, sozial begleitete Tagesstruktur))

Nun wirkt er aber nicht auf mich, wie ein komplizierter Mensch. Und, wie ich schon hier und da gelesen habe (auch in diesem Forum), gibt es auch Menschen (vielleicht auch "Normalos"), die komplizierte Menschen gerne haben und mit ihnen Beziehung führen wollen. Nagut, da ich ihn nicht kenne, kann ich ja gar nicht wissen, ob er kompliziert ist - er wirkt eben nicht komplziert (so wie ich mich als kompliziert erlebe). Nur die Frage ist eben, welchen Grad als Kompliziertheit kann ein "Normalo" in Kauf nehmen, es ist ja auch so, dass ab einem bestimmten Grad an Kompliziertheit eine Beziehung nur mehr "sich etwas schlechtes tun" ist.

Aber: Wenn ich zurückdenke an viele-viele Jahre vorher, gab es bisher schon so einige männliche Freunde, die sich möglicherweise etwas mehr von mir erhofft hatten (was ich damals nicht gecheckt habe), obwohl ich da noch komplizierter war, noch unzugänglicher.

Jedoch: Ein gewisses Maß an Zugänglichkeit sollte man, denk ich haben, damit eine Freundschaft oder so etwas ähnliches aufgebaut werden kann. Und er hat so eine Zugänglichkeit, ich nicht.


Das macht mich so rasend! Einerseits denke ich, das kann nicht funktionieren! Weil ich so beeinträchtigt bin, weil ich ganz schön kompliziert und oft nicht zugänglich bin, weil es öfter schwierig werden könnte. Aber andererseits würde ich mir so sehr erhoffen, dass so etwas klappt. Nur kann ich es mir echt nicht vorstellen... Und er ist so ein schöner und lieber Mensch... HILFE! :mad:
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mamschgerl
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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon mamschgerl » Mo 9. Okt 2017, 23:02

Ach Mensch, du machst dir so wahnsinnig viele Gedanken und am Ende bist du nur für dich selbst kompliziert.
Stellenweise klingst du wie ein total verknallter Teenie, dann wieder wie eine verängstigte graue Maus, doch das scheint dein Wesen zu sein. Ich verstehe, daß du glaubst, du wärst schwierig, aber vielleicht ist das nur so, weil du selbst bei dir keinen Durchblick hast.
Dein ganzer Text liest sich für mich wie ein Abbild meiner selbst, nur war ich da über 30 Jahre jünger und wusste vieles von dem, was ich heute weiß, noch nicht. Ich war genau so konfus und durcheinander, redete mir viel ein und ließ mir auch viel einreden, vor allem, daß ich so kompliziert sei...schließlich habe ich es selbst geglaubt.
Heute weiß ich mehr über mich, auch, daß es sehr manipulativ sein kann, wenn man jemandem sagt, er sei kompliziert. Menschen, die sich viele Gedanken machen über das für und wider einer Angelegenheit, kann man dadurch schnell verunsichern und so in die Defensive drängen.
Wenn man aber mal erkennt, daß das nur eine Möglichkeit von vielen ist, Kontrolle über jemanden zu erlangen, man am Ende menschlich vielleicht sogar stärker ist als derjenige, der behauptet, mit dir sei es schwierig, zurechtzukommen, dann erkennt man auch, daß man gar nicht kompliziert ist.
Sozialphobie, was ist das? Wenn man selbst Schwierigkeiten mit der Oberflächlichkeit des Daseins hat, nicht locker, ungezwungen und gedankenlos in den Tag hineinleben kann? Smalltalk ist nun mal nicht für jeden was und einen Sinn findet man darin nicht, nur, wenn man selbst gerne in Gesellschaft ist, dann macht belangloses Geplänkel Sinn. Wer sich aber über alles Gedanken macht, jedes Ding von allen Seiten betrachtet und hinterfragt, der kann mit dieser Leichtigkeit nicht umgehen, ist man deswegen kompliziert?
Ich finde, man ist dadurch eben nur anders und es gibt sehr wohl Menschen, die damit umgehen können, halt nur nicht so viele, manchmal trifft man jahrelang niemanden, mit dem man näher bekannt werden möchte und dann, wie aus heiterem Himmel, trifft man einen und verliebt sich auch noch.
Daß das erstmal einschlägt, ist nachvollziehbar. Dieser ganze Gedankenwirrwarr ist für mich nur logisch, aber dich selbst runterzumachen, indem du dich von vornherein als abschreckend kompliziert siehst und den anderen verschrecken könntest, das muß nicht sein, das hast du nicht nötig. Bleib einfach du selbst, wenn möglich, dann erfährst du ziemlich schnell, ob ihm das liegt oder nicht. Wenn nicht, hat es eh keinen Sinn, denn zu verstellen brauchst du dich nicht, das verursacht nur unnötigen Stress.
Und übrigens, mich bezeichneten Männer schon als kompliziert, nur weil ich das, was ich sagte, auch so meinte, damit können Frauenversteher nun mal nicht umgehen. Meinen Wein habe ich stets selbst angekostet und nicht meinen Begleiter entscheiden lassen, ob er mir schmecken würde oder nicht, meinen Mantel kann ich auch alleine anziehen, denn die wenigsten bringen es fertig, ihn so zu halten, daß man bequem hineinschlüpfen könnte etc etc etc. Als Frau ist man eben immer dann kompliziert, wenn man sich eigene Gedanken macht und eigene Entscheidungen trifft, als Mensch ist man generell kompliziert, wenn diese Gedanken tiefer und weiter führen als bei den meisten, die solche Gedankengänge nicht mal ansatzweise haben.
L.G.
mamschgerl

Llllleona 5x.2
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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Di 10. Okt 2017, 21:49

Hm, ja, verstehe, würde schon sagen, dass ich tatsächlich tiefsinniger als oberflächlich bin, ich möchte den Menschen verstehen, egal welche Diagnose er hat (also, in diesem Zusammenhang bewegen wir uns auch, nicht er sondern jemand, den wir beide kennen, er besser als ich). Ja, irgendwie hast du recht, würde nie jemanden kompliziert nennen - ich weiß ja, dass jeder seinen Grund hat, sich so zu verhalten, wie er sich verhält - außer mich selbst. Es hat mich eigentlich niemand so genannt (außer mein Vater - krank hat er mich bezeichnet - aber der ist ja Psychopath), hab nur immer wieder erfahren, bei Telefonaten, im persönlichen Kontakt, dass ich manchmal sehr viel Raum einnehm und dann muss man sich halt wirklich ordentlich Mühe geben, sich von mir abzugrenzen u.dgl. Oder z.B. meiner Betreuerin würde es nie in den Sinn kommen, mich spüren zu lassen, dass was auch immer, nehme nur wahr, dass sie manchmal "umschaltet" auf >gehen wir es an< (was ich grad auch für einen Programmpunkt bei der Betreuung hab). Wie gesagt, ich bin - leider und/oder gottseidank - so feinfühlig, dass man sich manchmal schon wundern muss oder kann, wie es geht, so wahnsinnig feine Schwingungen aufzunehmen. Naja.

Ja, da hast du wahrscheinlich recht, dass ich da einfach ausprobieren muss, was geht und was nicht. Nur ich hab so eine Angst vor einem "nein", wahrscheinlich weil ich mich selbst z.T. oder eben sehr ablehne. Das ist wie als ob ich gerne >Mensch, ärgere dich nicht< spielen würde, aber große Angst hätte, zu verlieren. Habe ja manchmal tatsächlich den Gedanken, dass ich schrecklich bin, naja, dass sind so Vergangenheitsrelikte, bei denen ich mir schwer tu, die abzulegen. Und tatsächlich - das hab ich sogar mal selbst so formuliert, dass Menschen, die authentisch und mitfühlend sind und in Beziehung treten können, tatsächlich nicht so "perfekt" sind (wüsste kein besseres Wort jetzt dafür) als Menschen (auch tiefsinnigere) in Filmen, die man nur ohne Ecken und Kanten und ohne die kleinste Schrulle auf dem Bildschirm kennenlernt. Naja, ist halt ne sehr künstliche Welt, da ja eigentlich so gut wie alles - Blicke, Gesten, Gesagtes - hundertmal einstudiert und korrigiert aufgenommen wird. Naja, und dann hab ich tatsächlich solche Erfahrungen gemacht mit einzelnen (aber wirklich nur einzelnen Menschen außerhalb von dort wo ich herkomme), dass sie mich gern mochten, aber aufgrund nur einer einzigen Sache, die ihnen scheinbar nicht gefallen hat an mir, sich von mir distanziert haben und mich dann offenbar nicht mehr so ohne wenn und aber mochten. Trainer (Betreuer in der Tagessturktur), Betreuer in einem Haus, in dem ich mal gewohnt habe. Man darf ja nicht vergessen, dass das ja auch nur Menschen sind, nur wenn man sowieso schon soooooo verunsichert ist weil man entsprechende 20 Jahre so aufgewachsen ist, ist man in diesem Kontext sehr vulnerabel.

Dass ich stark bin, haben mir auch einige Leute vermittelt. So kann ich ganz gut glauben, dass ich stark bin, und ich glaube es ja selbst, nur was nützt mir das in meiner Isolation? Ich möchte leben, mich integrieren in die Gesellschaft, nur bei so einem grundlegenden Schaden wie bei mir, wegen dem ich mich manchmal als nicht gesellschaftsfähig fühle, nutzt mir das Wissen über meine Stärke nicht, auch wenn vielleicht in ein paar Monaten hoffentlich auch dieser Schaden (nämlich oft nicht davon zu wissen, dass ich erregt bin, nur andere merken es und hier und da scheinen sich manche zu wundern, warum ich sie ignoriere, obwohl sie auf mich zugehen mit ihrem Handy) vergeht, wenn nicht - Pech. Und für so etwas haben nur wenige Verständnis, hab ich irgendwie das Gefühl. Und dann ist das auch unangenehm, weswegen ich mir auch schwer tu, so ohne Probleme ins Theater, auf die Uni, in Büchereien, zu Lesungen u.dgl. zu gehen. Und dann bin ich ja manchmal auch recht dissoziativ oder verwirrt, oder wie auch immer, vielleicht kaum ansprechbar. Ich kannte mal jemanden, für den das möglicherweise kein Problem dargestellt hätt (aber der ruht jetzt leider auf einem Friedhof). Ob jemand anderes als Menschen aus der eigenen Familie, die es gut mit einem meinen, damit gut zurecht kommen kann... naja, werd ich schon noch erfahren, wenn es soweit kommt.

Also, ich schätz ihn jetzt nicht für so einen großen Frauenversteher ein, der charmant ist und einem die Tür öffnet, aber schon tiefsinniger und Menschenversteher. Aber stimmt - so bleiben wie ich bin, ich habe eigentlich keine andere Wahl, kann mich eigentlich auch nicht verstellen. Und ich habe auch schon gehört, dass ich sympathisch wirke auf andere Menschen. Naja, mal sehen, wie so etwas funktioniert. Jetzt ist er mal 3 Wochen weg, bis dahin kann sich noch bei mir vielleicht auch etwas mehr ändern, v.A., in der Therapie red ich ja auch drüber. Ansonsten kann ich ihm vielleicht auch sagen, wenn's jetzt nicht klappt könnten wir es in 2 Jahren wieder versuchen :silly:

Grüße
Leona
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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon mamschgerl » Di 10. Okt 2017, 22:35

Gute Idee, witzig, in zwei Jahren nochmal probieren, den Spruch kannte ich noch nicht. :lol:
Weißt du, ich war bis in die Jugendzeit und auch als junge "Erwachsene" total schüchtern, weil ich nirgendwo hingepasst habe bzw auch nicht verstanden habe, wie die Menschen um mich herum ticken. Ich habe die Regeln nicht verstanden und Anpassung fiel mir unglaublich schwer. Natürlich habe ich immer alles falsch gemacht und viel Spott geerntet, Eigeninitiative war lange ein Fremdwort für mich. Beziehungen waren immer schon ein Riesenproblem und das werden sie auch immer bleiben, weil ich das zwischenmenschliche nicht auf die Reihe kriege. Ich habe eben nur gelernt, wie man sich verhalten muss, um als normal durchzugehen. Das hat mich viel Lehrgeld gekostet, aber zumindest bin ich von einer grauen, schüchternen, total verpeilten Maus zu einer nach außen hin selbstbewußten und starken Frau mutiert.
Wie lange ich glaubte, jedem dankbar sein zu müssen, der mich mag oder vorgab, das zu tun, kann ich gar nicht sagen, weil ich sehr, sehr lange dachte, einen Menschen wie mich kann man gar nicht mögen, viel zu anstrengend, zu sprunghaft, zu launisch, zu unstet und eben verdammt kompliziert.
Dann habe ich mich freiwillig immer wieder dem ausgesetzt, was mir am meisten Angst machte und vor allem mit Menschen zu tun hatte und Situationen, in denen Schüchternheit keinen Platz fand.
Dabei fand ich heraus, daß so viele Leute Rollen spielen, um irgendwie durchs Leben zu kommen und so viele ihre eigenen Schatten und Dämonen bekämpfen müssen, daß ich mich dann gar nicht mehr so alleine damit fühlte.
Schließlich stellte ich noch eins fest, nämlich daß ich anderen ihre Eigenheiten zugestehe, aber mir selbst nicht.
Das geht ja nun mal gar nicht, denn schließlich kann ich genauso gut darauf bestehen, daß man mich so akzeptiert, wie ich bin, wozu also sollte ich mich weiter verbiegen und mich anderen zuliebe verstellen, damit alle rundherum sich wohl fühlen, nur ich mich nicht?
Heute ist es zumindest so, daß ich auf meiner Persönlichkeit bestehe und wer diese nicht akzeptiert, soll sich schleichen. Ich muß nicht mehr dem Zwang hinterherrennen, daß alle mich lieb haben müssen und ich deswegen sogar so bin, wie man mich gerne haben will, nur damit ich dieses Gefühl erhalte.
Mein Leben ist zu kurz, als daß ich mich selbst und dadurch auch andere weiter täuschen möchte.
Ach ja, zu den Situationen, denen ich mich ausgesetzt habe, gehörte z.B. auch, alleine essen zu gehen.
Heutzutage ist das selbstverständlich, doch zu der Zeit war es sehr ungewöhnlich, als Frau alleine in ein Restaurant zu gehen, man würde ständig beäugt und fiel auf, meistens mutmaßte man wohl, meine Verabredung habe mich sitzen lassen :roll:
Aber das war eine riesengroße Überwindung und wenn ich das geschafft habe, war ich total stolz auf mich und meine Selbstsicherheit wuchs dadurch immens.
Mir war einfach wichtig, daß ich überall alleine zurechtkommen konnte, der nächste Schritt bestand darin, mich auch noch dabei wohlzufühlen und die Blicke überhaupt nicht mehr wahrzunehmen und tatsächlich, ich konnte mich irgendwann frei bewegen und auch so fühlen. Das war dann authentisch und somit fiel ich nicht mehr auf.
Was andere über mich denken, ist mir inzwischen völlig wurscht, das macht es auch leichter, mit diesen Symptomen zu leben, denn ich muß mich deswegen nicht verstecken oder schämen.
Das schützt mich vor der Isolation, in die ich sonst mit Sicherheit fallen würde und mein selbstverständlicher Umgang damit macht es anderen auch leichter, mit mir umzugehen, denn die sonst typischen Berührungsängste bei Auftreten der Symptome werden so gut wie weggewischt.
Deshalb ist es so wichtig, sich und seine Krankheit zu akzeptieren und sich nicht selbst runterzumachen oder als schlechter als andere zu sehen. Man ist eben anders, na und? :silly:
Ich drück dir die Daumen, daß du dem Mann locker gegenübertreten kannst und dabei deinen Humor behältst, damit geht vieles viel leichter.
L.G.
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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Fr 13. Okt 2017, 18:54

:) Danke! Ja, mal sehen, ich muss da einfach durch, entweder er akzeptiert mein anders-sein oder nicht.
Ich finde, du bist wirklich eine mutige und starke Frau nach dem, was du mir da erzählt hast. Mich wundert es immer wieder, wie Frauen in der Vergangenheit gesehen wurden. Weiß natürlich, dass Frauen früher bspw. nicht wählen durften, nicht studieren durften, nicht außerhalb des Haushalts arbeiten durften, nicht künstlerisch tätig sein durften. Und wenn sie das taten, wurde es ihnen besonders schwer gemacht. So viel zur Theorie. Aber wenn ich dann Erfahrungsberichte höre, lese, wie es früher einmal war staune ich immer wieder und finde Frauen, die trotzdem aufgestanden (oder aufstehen), für ihre Rechte kämpf(t)en, einstehen sehr stark und mutig. So wie auch die Frauen der Frauenbewegung.

Naja, mal sehen, ist wirklich schwierig, aber ich hab jetzt sowieso wie gesagt 3 - jetzt sind's nur mehr 2 1/2 - Wochen, um mir etwas vorzustellen, was mir unmöglidh erscheint. Aber ich muss mich ja auch selbst lieben lernen.

Grüße
Leona
Zuletzt geändert von Llllleona 5x.2 am Sa 14. Okt 2017, 21:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Sa 14. Okt 2017, 21:40

Bin nun zu dem Schluss gekommen, dass es mich nun mal nur so gibt, wie ich bin (auch mit dysfunktionalen Seiten) und entweder er kann damit leben oder eben nicht. Habe Angst vor einer Ablehnung, aber vielleicht hat er auch ähnliche Seiten und Ängste. Und wenn es nicht funktioniert, funktioniert es eben nicht, dann ist es eine schöne, aber auch irre Zeit des Verliebtseins mit dementsprechenden Höhen und Tiefen.
Grüße
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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon mamschgerl » Sa 14. Okt 2017, 21:54

Glückwunsch, das ist eine rundherum gesunde Einstellung, wie ich finde, vor allem, daß du dieses Verliebtsein als das genießen willst, was es ist, eben verliebt sein.
Schmetterlinge im Bauch und mit allem Drum und Dran, das hat man nicht so oft im Leben :wink:
L.G. mamschgerl

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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Di 17. Okt 2017, 20:07

Hallo!
Naja, soviel zur Theorie, bin ich draufgekommen. In der Theorie und wenn ich allein bin bei mir daheim, funktioniert so viel, aber wenn dann andere Menschen hinzukommen, steht dann meine Besinntheit und ich Kopf und man kann sich nur wundern. Ob ich dann Verliebtheit bei Enttäuschung (oder sogar Angst vor Enttäuschung) so schön empfinden kann... kommt auf den Tag an... :silly:
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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon mamschgerl » Di 17. Okt 2017, 21:40

Ja, das Spekulieren über das, wie es sein oder was alles passieren oder wie man etwas machen könnte, bahnt sich leider immer selbstständig den Weg ins Oberstübchen und wenn es dann soweit ist, läuft doch alles anders.
Bei mir ist es schon immer so gewesen, daß ich vor jedem wichtigen Termin bzw einem Treffen, das mich innerlich berührt ( das kann jetzt privat oder geschäftlich sein, vollkommen wurscht...), fast so etwas wie Lampenfieber bekomme, manchmal so schlimm, daß sich Magen- / Darmprobleme einstellen, aber das kommt nicht vom Spekulieren, sondern einfach daher, daß etwas passieren wird.
Es bewegt sich was und ich weiß, daß ich spontan und situationsbedingt reagieren und agieren muß und es ist jedesmal wieder vollkommen neu und unerwartet und gibt mir einfach das Gefühl, am Leben zu sein. Da spielt es bei mir auch keine Rolle, wie das Ganze ausgehen wird, denn ich kann es im Vorfeld ohnehin nicht beeinflussen, es kommt einfach alles auf mich zu und ich bin ängstlich und aufgeregt zugleich.
Wenn es dann passiert, steigt mein Adrenalinspiegel und ich bin vollkommen wach, obwohl ich mich fühle, als würde ich dem Ganzen zuschauen und irgendwann bin ich dann froh, wenn ich alles hinter mir habe.
Wenn man tief drinnen so schüchtern ist, ist jede Interaktion immens nervenaufreibend.
Ich weiß nicht, ob du das jetzt irgendwie verstehen kannst, hört sich alles auch ziemlich wirr an, aber psychische Vorgänge verständlich zu beschreiben, war schon immer sehr schwierig...
Also, falls du es schaffst, ihn anzusprechen, hoffe ich, daß du mit jeder Reaktion von ihm umgehen kannst, einfach auch nur deshalb, damit du wieder mal erlebst, daß Absagen einen nicht umbringen und es wirklich Schlimmeres gibt, oder?
L.G.
mamschgerl

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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Do 26. Okt 2017, 20:00

Hallo!

Ja, Schimmeres gibt es auf jeden Fall. Und ja, ich verstehe sehr gut, was du geschrieben hast! Also, einen ersten Schritt hab ich ja mal gewagt, und in der sms, die ich ihm wegen meinem Nachbarn geschrieben hab, ein smiley reinverpackt und irgendetwas noch. Er hat mich irgendwie wegen meinem Nachbarn angerufen und hat irgendwann gemeint, dass man sich sicherlich noch hört. Tja, keine Ahnung, wie das weitergehen soll, wann ich wieder an der Reihe wär, fällt mir ja so schwer, auf andere zuzugehen. Naja, ob ich sprachlos werd, komisch oder sonstwie, irgendwie wird es auf jeden Fall weitergehen - mal sehen...

Grüße
Leona
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Re: verliebt mit Sozialphobie - das macht mich wahnsinnig!

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Mo 30. Okt 2017, 21:13

Ich habe einfach nicht das Selbstvertrauen. Finde mich schrecklich, nicht liebenswert, voller Macken, das ist keine gute Ausgangsbasis. Kann jemanden ja nicht dazu bringen, mich zu mögen, wenn ich mich selbst nicht mag und fast nicht ausstehen kann :-/


Ansonsten danke fürs rege Antworten! Möchte hiermit diesen Beitrag beenden.
Grüße
Leona
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