Manische Depressionen? Was tun?

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wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Di 2. Aug 2011, 02:10

Hallo,

ich habe mich überwunden und den Nachmittag damit verbracht bei unseren Psychologen/innen anzurufen und mein Problem geschildert.
Bis jetzt habe ich 3 Absagen, da man keine Patienten mehr nimmt. 2 weitere können mir einen Termin in 9 Monaten geben und mir wenig Hoffnung gemacht, dass es bei den weiteren 4 Therapeuten besser aussieht.

@ Mirjam
Seine Diagnose hat meine Vorbehalte gegen diese Ärzte natürlich bestärkt. Als die Entscheidung anstand ob ich die Morphinpumpe bekomme, hat mich die Schmerklinik wieder zu den Psychosomatikern in einer Schwesterklinik für ein Gutachten geschickt. Bevor ich mit der Ärztin sprach, habe ich diesen "Arzt" auf weite Entfernung vorbeigehen sehen. Das erste was ich dann der Ärztin sagte, war:"Wenn ihr Kollege, der vor 4 Jahren diese seltsame Diagnose gestellt hat, jetzt hier durch die Tür käme, würde ich ihm als erstes eine reinhauen. Als Dankeschön, dass er mitgeholfen hat, meine Familie zu zerstören." Sie konnte sich ebenfalls nicht vorstellen, wie ihr Kollege zu dieser Diagnose nach meinen Aussagen gekommen ist.

Das Problem ist ja, dass man wahrscheinlich den Eindruck haben könnte. Ich erkenne mich ja selbst fast kaum selber.

Viele Grüße
Wolfram
Zuletzt geändert von wolf02 am Di 2. Aug 2011, 12:38, insgesamt 1-mal geändert.

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fluuu
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon fluuu » Di 2. Aug 2011, 10:25

Hallo wolf02,

frage mich während ich den Thread lese warum Du so labil bist und Dich selbst nicht annehmen kannst?
Du brauchst extreme Zuwendung von außen, bis hin zur Herz-Lungen-Transplantation. Warum?
Wieso wächst bei Dir nicht das gute Lebensgefühl von innen heraus, was verbirgst Du vor Dir selbst
und verhinderst somit die Entfaltung gesunder Lebensumstände?
Die Methode Konflikte mit körperlichem Zerfall zu beantworten ist chronisch geworden, da braucht es
Beruhigung.
Schmerzen sind immer ein Alarmsignal der Seele und sollten Beachtung finden.
Suizidversuch weil deine Frau Dich verlässt ist auch so ein Beispiel, Du bringst Dich um weil Du etwas äußeres
verlierst und was ist mit Deinem Inneren? Warum bist Du innerlich zerstört wenn etwas Äußeres
abhanden kommt?
Deine Schilderungen werfen Fragen auf die Du Dir hättest längst schon stellen können, die Antworten
sind vielleicht nicht schmeichelhaft aber sie hätten eine heilende Wirkung auf Psyche und Körper.
Mit Provokativer Therapie hättest Du vielleicht eine Chance aber sie lässt sich nicht virtuell vermitteln.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Di 2. Aug 2011, 12:35

Hallo Fluu,

alle meine körperlichen Erkrankungen, ob Arthrose im Endstadium, MS, Leberschaden, Diabetes, zentrale Schlafapnoe, hatte sind bis jetzt auf physische Gründe oder waren auf meinen Lebenswandel zurückzuführen. Der Bandscheibenvorfall ist bei einem Umzug passiert und leider an einer so blöden Stelle, dass er Lähmungen im Bein verursachte. Durch die 3 OP`s hat sich dann Narbengewebe gebildet, das bis in den Nervenkanal gewandert ist. Ich habe damals alle Möglichkeiten, auch eine Endoskopie im Hauptnervenkanal, durchführen lassen. Ergebnis war, dass alle Spezialisten eine Besserung ausschlossen und nur die starken Schmerzen durch den Druck auf den Nerv mit Opiaten vermindert werden konnten.
Auch das sich nach der Implantation der Morpinpumpe Thrombosen in beiden Beinen und folglich eine fulminante Lungenembolie entstand, war duch mich nicht zu beeinflussen.
Das dann 2 weitere Embolien folgten und die feinen Gefäße in der Lunge zusetzten und jetzt zu dem momentanen Krankheitsbild geführt haben, kann eigentlich keine phsychischen Gründe haben. Zwischendurch ging es mir ja relativ gut und ich hatte ein positives Lebensgefühl doch die Embolie überwunden zu haben.
Ich hatte ja schon geschrieben, dass nach der MS-Diagnose 1994 die Ärzte nicht verstehen konnten, dass ich 2 Tage später wieder lachen konnte. Damals habe ich nur geantwortet:" Ich habe meine Familie, wir haben unser Haus gebaut und ich bin beruflich erfolgreich. Da werde ich mich von einer Krankheit nicht dazu bringen lassen, mein Leben zu ändern.
Als ich dann innerhalb eines Monats meinen Beruf nicht mehr ausüben konnte und meine Frau ankündigte, sich trennen zu wollen, hat zu dem erwähnten Versuch geführt. Ich wurde aber, nachdem ich die Tabletten im Mund hatte sofort wieder klar und habe ihr gesagt:"Wegen dir tue ich das nicht. Ich werde dann nur noch für unsere Kinder da sein."
Eine Herz-Lungen-Transplantation ist bestimmt auch keine Zuwendung für mich, sondern leider die einzige Möglichkeit bei dieser Erkrankung im Endstadium weiter leben zu können, da die Alternative, die Gefäße durch OP wieder durchgängig zu machen, in meinem Fall unmöglich ist.
Diese letzte Diagnose war dann, nach Aussage meines Internisten und Neurologen wohl zuviel für mich und hat bis jetzt dazu geführt, dass ich nicht mehr so klar denken kann und vieles vergesse, bzw. teilweise alte Erinnerungen verblaßt sind.
Ich lag im letzten Jahr 10 mal in Kliniken und teilweise auch von Psychiatern befragt. Es wurde kein Anhaltspunkt gefunden, dass die vielen Erkrankungen eine psychische Ursache haben könnten.
Es wurde nur teilweise eine psychologische Begleitung empfohlen um den Leidensdruck durch die Erkrankungen zu vermindern. Das habe ich bis jetzt abgelehnt, da ich dachte und die Erfahrung gemacht hatte, dass es auch so geht.
Nun geht es nicht mehr und ich habe das Problem, dass kurzfristige Unterstützung durch einen Psychologen wohl nicht möglich ist.
Die größten Schwierigkeiten, die ich die letzten 2 Jahre hatte, waren, zu akzeptieren, dass ich durch die körperlichen Einschränkungen nicht mehr das machen kann, wie vorher.
Wenn ich das "Glück" bei den Krankheiten einmal im Lotto gehabt hätte....
Denn bis jetzt sind bei mir nach vielen operativen Eingriffen teilweise die schlimmsten Komplikationen eingetreten. Selbst mit 20 nach einer Blindarm-OP lag ich eine halbes Jahr in der Klinik und musste 3 Mal nachoperiert werden.
Ich habe immer gedacht, das es doch jetzt wohl reichen müsste mit neuen Krankheiten. Aber wahrscheinlich habe ich bei der "Verteilung immer hier gerufen." Das ich nach den vielen Diagnosen immer etwas Zeit gebraucht habe, das zu verarbeiten, müsste normal sein.
Auch jetzt lasse ich mich nicht hängen, sondern kümmere mich um die Kinder und arbeite weiter ehrenamtlich in einem Sportverband.
Bis auf diese dauernden blöden Gedanken und das jede Bewegung eine große Anstrengung für mich bedeutet, geht es ja. Auch die Schmerzen durch den Wirbelsäulenschaden haben sich nicht verschlimmert.
Scheinbar bewirkt das Beruhigungsmittel so langsam, das es sich etwas bessert.
Es wahr wohl ein Fehler immer zu glauben, ich könnte alles alleine verarbeiten und schaffen, da ich meistens stark war.
Den ersten Schritt, einen Therapeuten zu finden, bin ich gestern gegangen. Es ist nur, wie erwartet, sehr schwierig jemand kurzfristig zu finden zu dem ich auch Vertrauen habe.
Bis dahin bin ich froh, hier Menschen gefunden zu haben, die mir weiterhelfen wollen.
Viele Grüße
Wolfram

Mirjam
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Mirjam » Di 2. Aug 2011, 13:11

fluuu hat geschrieben: Wieso wächst bei Dir nicht das gute Lebensgefühl von innen heraus, was verbirgst Du vor Dir selbst
und verhinderst somit die Entfaltung gesunder Lebensumstände?
Schwer, da ein gutes Lebensgefühl herauszusaugen...

Hallo Wolf !

Das mit der Diagnose spricht mal dafür, dass es besser ist, wenn man das gar nicht gesagt bekommt.
LG
Mirjam

wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Di 2. Aug 2011, 13:59

Hallo Mirjam,

die Diagnose, dass ich diese seltene Krankheit als Folge der Lungenembolien habe, hatte ich Ende Mai bekommen. Dann bin ich mit der Hoffnung, dass eine sehr komplizierte und gefährliche OP mir hilft oder im besten Fall Heilung bringt zur Spezialklinik. Die Chance lag bei 50 %. Das wusste ich vorher. Ebenfalls, dass diese Erkrankung als sehr schwerwiegend eingestuft wird und die Lebenserwartung kurz ist. Ein weiteres Problem ist, dass jede physische oder psychische Belastung, die mich in Atemnot bringt, den sofortigen Heztod zur Folge hat (So versterben 25 % der Patienten). Ich hatte mich auch vorher kundig gemacht, dass das, bis auf die Endlösung Transplantation, die einzige Behandlungsmöglichkeit ist. Medikamente, die bei anderen Formen der Erkrankung den Verlauf verzögern, mindern in meinem Fall nur die Symtome, haben aber keinen Einfluss auf den Verlauf.
Als der Arzt dann sagte, dass er auf den Bildern schon sehen könnte, dass eine OP mit hoher Wahrscheinlichkeit unmöglich ist, war das wohl für mich wie ein Schock. Ich tat ihm so leid, dass er meine tragbare Sauerstoffeinheit, trotz überfülltem Wartezimmer selbst aufgefüllt hat.

Auch durch eure Hilfe und dem Beruhigungsmittel bin ich so langsam so weit, die stationären Untersuchungen abzuwarten, wie weit es fortgeschritten ist. Sollte sich der Wert weiter so erhöht haben, wie in den letzten 3 Monaten......

Ein gutes Lebensgefühl kann ich mir im Moment beim besten Willen nicht vorstellen. Alleine die Abhängigkeit vom Sauerstoff ist schon sehr belastend und jeder Schritt erinnert einen daran, wie krank man ist.
Nur wenn man mir nicht gesagt hätte, woran die Symtome liegen und wie gefährlich es ist, könnte ich mich gar nicht so verhalten, dass möglichst der plötzliche Herztod vermieden wird. Ich war vorher davon ausgegangen, dass ich wohl zu wenig trainiert wäre und wollte in einem Studio die Leistungsfähigkeit steigern. Hätte ich es gemacht, wäre genau das Gegenteil eingetreten.

Viele Grüße
Wolfram

Mirjam
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Mirjam » Di 2. Aug 2011, 15:58

ich meinte die Diagnose von dem Psychiater.

wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Di 2. Aug 2011, 16:16

Sorry!
Er hat es mir auch nicht gesagt. Sein handgeschriebener Bericht lag dem Entlassungsbrief bei. Wenn er es mir sofort gesagt hätte, hätte ich ihn ja sofort fragen können, wie er auf so einen Quatsch kommt.
So hat es meine Ex gelesen und sofort ihrer Mutter weitergesagt. Da konnte ich ruhig sagen, dass mein Neurologe/Psychiater den Bericht sofort zerrissen hat. Geglaubt hat mir keiner.

Viele Grüße
Wolfram

Klaus W
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Klaus W » Di 2. Aug 2011, 20:35

Neun Monate sind sehr lang! Aber lieber der Spatz in der Hand...

Mich macht die Menge an Sympthomen und diese Auswegslosigkeit, ich empfinde das so, betroffen. Dir hat ja nun schon der Arzt gesagt daß eine OP wahrscheinlich nicht möglich ist. Das ist ja praktisch... ein Todesurteil, mit dem Du Dich auseinandersetzen musst.

Leg die Angst ab darüber zu reden, Du hast eh nichts mehr zu verlieren. Dich wird niemand einliefern, nicht mit diesen Sympthomen. Das wäre zutiefst herzlos, so wird niemand entscheiden.

Natürlich, egal was Du tust, selbst wenn Dir ein Austausch mit einem Psychologen nicht liegt, es ist allein Deine Entscheidung und Deine Sache. Es liegt mir fern Dich damit zu bedrängen. Ich spreche einfach aus meiner Perspektive heraus.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Di 2. Aug 2011, 22:58

Hallo Klaus,

so empfinde ich auch, seit dem ich die Aussage bekam. Mein großes Problem ist, dass ich niemanden habe, mit dem ich darüber reden könnte. Meine Eltern haben es erst gar nicht geglaubt und etwas agressiv reagiert. Seit dem herrscht betretendes Schweigen darüber. Für sie ist immer noch wichtiger ihrem Schwager und seiner Frau zu helfen. Man jammert mir noch vor, wie schwer sie es hätten mit ihm, da er nach seinem Schlaganfall diverse Psychopharmaka bekommt und durchdreht. Dort fahren sie mehrmals die Woche hin. Von mir wird erwartet, dass ich komme. Sogar den Wasserhahn in der Küche sollte ich Sonntag montieren. Dabei wurde keine Frage gestellt, wie es mir geht. Aber ich habe auch nichts anderes erwartet. So waren sie schon immer und ich habe gelernt damit zu leben.
Meine Schwester meinte dazu, das ist ja blöd.
Einen, meiner zwei besten Freunde, kann ich seit 6 Wochen nicht mehr erreichen. Der andere meinte nur, Kopf hoch und hat sich seit dem nicht mehr gemeldet.
Meine zwei 19 und 20 jährigen Kinder möchte ich damit nicht belasten, wobei mein Sohn der bei mir lebt sowieso davon nichts hören möchte.

Mein Neurologe/Psychiater dem ich Donnerstag etwas erzählt habe, hat dabei nur auf seiner Tastatur getippt und erst gar nicht versucht ein kleines Gespräch aufkeimen zu lassen. Bei ihm wäre ich mir nicht sicher, ob er mich, als Problemfall, nicht einfach "weiterleitet". Emotionslos sagte er nur: "Viel Glück!" Wie soll ich zu jemand, der kein Interesse an meinen Gefühlen hat, vertrauen haben?

Als schnellen Ausweg habe ich mir schon überlegt, die Telefonseelsorge anzurufen. Das wäre zwar, wie hier, auch anonym, aber man würde eine Stimme hören.
Obwohl ihr mir schon einiges weitergeholfen habt, bin ich gerade jetzt sehr einsam, trotzdem ich nicht alleine bin.

Liebe Grüße
Wolfram

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Feuerchen
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Feuerchen » Mi 3. Aug 2011, 00:00

Hallo Wolfram,

Das mit Der Telefonseelsorge finde ich eine Super Idee.... Es sind zwar anonyme Menschen, und wen du mehrmals anfrufst, hast du meistens immer wieder jemand anderen an der "Strippe", aber ich habe das auch schon gemacht, als es mir gaaaaanz schlecht ging und ich am verzweifeln war.

Einfach mal sich aussprechen, bis man ruhiger wird. Das tut schon gut.... Es ändert nichts an den Tatsachen, und doch hat man hinterher ein Gefühl mit dem Problem nicht alleine gelassen worden zu sein. Und das ist einfach unheimlich viel wert!

Also ich bestärke Dich darin, dort anzurufen!

Alles Liebe
Feuerchen

Klaus W
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Klaus W » Mi 3. Aug 2011, 00:32

Hallo Wolfram,

aber das heißt ja daß Du allen egal bist. Du bekommst keine Aufmerksamkeit, keine Zuwendung.-

Deine Eltern sind zu Dir agressiv und kümmern sich mehr um den Schwager und seine Frau. Du sollst Dich im Gegenteil noch kümmern. Deine Freunde sind weg, der Sohn will von Dir nichts hören, selbst Deine Tochter musst Du besuchen wenn Du sie sehen willst.

Wie erklärst Du Dir das.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Mi 3. Aug 2011, 14:07

Liebes Feuerchen, lieber Klaus,

ich habe seit gestern Abend jetzt zig mal versucht jemanden bei der Telefonseslsorge zu erreichen. Leider bis jetzt ohne Erfolg.
Werde es aber weiter probieren.

Bezüglich meiner Eltern war ein gutes Beispiel vor ein paar Minuten. Sie waren seit heute Morgen 8:00 Uhr beim seiner Frau und haben Obst gepflückt und andere Sachen erledigt. Ihren Mann hat sie am Montag für 4 Wochen in die Tagespflege gegeben, damit sie sich erholen kann und er mit den Psychopharmaka neu eingestellt wird. Mein Vater hat eben eine Tüte Obst vorbeigebracht aber nicht mal gefragt, wie es mir geht. Beim Rausgehen sagte er nur, dass sie morgen mit seiner Frau nach Oberhausen fahren, damit sie von dem Stress abgelenkt wird.

Ich habe lieber nichts dazu gesagt, da es sowieso nichts bringt. So waren sie schon immer. Wenn bei meiner Schwester ein "Furz" querhing, waren sie sofort zur stelle. Als ich meine 2. Embolie hatte und ich so lange gewartet habe den Notarzt anzurufen, bis sie hier waren, da ich die Tür nicht mehr öffnen konnte, haben sie 45 Minuten für 20 Km gebraucht. Wahrscheinlich hat es etwas länger gedauert, weil sie auf der Geburtstagsfeier eines Sohnes meiner Schwester waren.
Selbst meine Kinder wurden von ihnen völlig anders behandelt, als die meiner Schwester.

Ich weiß beim besten Willen nicht, woran es liegt und habe mich damit abgefunden. Aus diesen Gründen könnte ich gar nicht mit ihnen über meine Gefühle reden. Wenn ich etwas für sie tun konnte oder sollte, war ich immer sofort da.

Bei meinen Freunden hatte ich bis jetzt den Eindruck, dass ich ihnen wichtig war. Jetzt muss ich schmerzlich lernen, dass das wohl ein Trugschluß war. Ich war nur für sie interessant, wenn ich etwas für sie machen oder erledigen konnte, da ich handwerklich alle Arbeiten erledigen konnte.
Meinem griechischen Freund, der ein Restaurant führt, habe ich öfter Geräte bestellt und ihm gebracht. Wenn es z.B. 45 € gekostet hat, hat er großzügiger Weise auf 50 € aufgerundet.
Es ist sehr seltsam. Nachdem ich ihm gesagt habe, wie es um mich steht, sollte ich einen Insektenvernichter aus dem WWW besorgen. Drei Tage später habe ich ihm den gebracht und die Rechnung über 35,95 € übergeben. Zum ersten Mal seit 25 Jahren, die ich ihn kenne, hat er sich die Mühe gemacht, mir den Betrag auf den Cent genau wieder zu geben.
Nicht dass du es falsch verstehst, ich habe nie mehr Geld erwartet und immer angeboten, den Differenzbetrag zurück zu geben.
Ich habe mich nur gefragt, warum gerade jetzt? Jetzt ist er im Urlaub in Griechenland und hat sich noch nicht mal verabschiedet.
Seitdem weiß ich, dass ich mich lange Zeit getäuscht habe.

Mein Sohn ist der Meinung, dass er sein eigenes Leben hat und sein Verhalten ist wahrscheinlich mehr ein Schutzreflex. Er hat damals bei der Lungenembolie, als er mich auf der ITS gesehen hat, sehr gelitten.

Bei meiner kleinen Tochter kann ich es mir nur so erklären, dass ich körperlich nicht mehr in der Lage bin, so viele Sachen und Fahrten mit ihr zu unternehmen, wie früher. Dazu hat sie ihre Freunde und Geschwister zuhause und ich verstehe auch, dass sie sich jetzt dort wohler fühlt.
Trotzdem zeigt sie mir jedesmal, dass sie mich sehr lieb hat und fragt immer, ob ich denn traurig wäre, wenn sie nicht bei mir schläft. Ich antworte dann immer, obwohl es innerlich sehr weh tut, dass ich natürlich nich traurig wäre, sondern mich freuen würde, wenn sie mal wieder kommt.
Ich will sie auf keinen Fall zwingen oder innerlich zerreißen, wie es teilweise andere Väter machen, wenn sie auf ihr Recht beim Jugendamt pochen.

Ich bin eben so und werde es immer sein, dass mir das Wohl der Anderen viel wichtiger ist, als meines. Ich bin glücklich, wenn ich geben kann und nicht, wenn ich etwas nehmen soll.
Jetzt, wo ich jemand bräuchte, stehe ich alleine da. Aber vielleicht bin ich auch selber schuld.

Liebe Grüße
Wolfram

Klaus W
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Klaus W » Mi 3. Aug 2011, 15:27

Hallo Wolfram,

ich lasse das mal so stehen. Nur zwei Bemerkungen. Wenn Deine Tochter fragt, ob Du traurig wärst wenn sie nicht bei Dir schläft, würde ich die Wahrheit sagen. Nicht niedergedrückt und nicht mit Vorwurf, ganz klar. Da versucht sie Dir eine Brücke zu bauen mit der Frage. Das ist kein Zwang den Du da aufbaust. Dort würdest Du nur Deinen eigenen legitimen Wunsch anmelden.

Und ich denke es ist falsch daß einem das Wohl der anderen wichtiger ist. Man sollte sich immer zuerst nehmen. Erst wenn es einem selbst gut geht, kann man auch den anderen gut helfen.

An dem "selbst Schuld", da würde ich ansetzen, da würde ich weiter nachdenken. Aber nicht in Form von Selbstvorwürfen. Auch wenn man selbst Fehler gemacht hat, ist man nicht schlecht.

Im Endeffekt wären das was Du hier schreibst, Beziehung zu den Eltern, zu den Kindern, die eigene Haltung, alles hochergiebige Themen für eine Psychotherapie. Selbst wenn es vielleicht an Deinem Weg nicht mehr viel ändert, Du hättest die Chance noch Klarheit, vielleicht etwas Frieden zu erlangen.

Liebe Grüße,

Erwin
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Mi 3. Aug 2011, 16:19

Hallo Klaus,

ich habe 2-3 Mal meiner Tochter geantwortet, dass ich natürlich nicht froh wäre, wenn sie nein sagt, um es vorsichtig zu probieren. Dann sagte sie mit Tränen in den Augen, dann schlaf ich bei dir.
Das ist für mich aber keine Basis, wenn sie es nur mir zu Liebe macht. Vor 3 Jahren konnte sie es kaum erwarten, das ich sie abhole und wollte am Sonntag nicht mehr zurück. Da hatte sie aber keine festen Freunde, die jeden Nachmittag zu ihr kommen. Für mich ist es am Wichtigsten, dass das Kind so glücklich wie möglich ist. Die Rolle meiner Ex kann ich nur schwer beurteilen, da da auch ein paar seltsame Dinge gelaufen sind.

Wenn ich anderen helfen konnte, ging es mir nicht schlecht, sondern ich hatte Spaß dabei, genau wie bei meiner ehrenamtliche Arbeit für die Sportvereine.

Meine Kindheit war nicht schlecht, aber meine kleine Schwester wurde immer bevorzugt von meinen Eltern behandelt. Zum Ausgleich hatte ich meine Großmütter, die das wohl gemerkt haben und mich bevorzugt haben. Das das nicht ideal ist ist mir klar. Gerade die Kindheit prägt einen Menschen und später läßt sich nichts mehr reparieren. Aus den eigenen Erfahrungen lernt man aber auch und versucht es bei seinen eigenen Kindern besser zu machen. Wie ich geschrieben hatte, wurden und werden mein Kinder gegenüber denen meiner Schwester auch unterschielich behandelt und es liegt bestimmt nicht an den Kindern, sondern an meinen Eltern.
Das ein Psychotherapeut da genug Ansatzpunkte sehen würde ist klar. Ich kenne die Reaktionen meiner Familie aber nicht anders und habe gelernt es als normal anzusehen und mache mir groß keine Gedanken mehr darüber.

Viel mehr hat mich das Verhalten meines Freundes getroffen, da ich immer, wenn er Probleme hatte, für ihn da war. Auch als er im Untersuchungshaft wegen angeblicher Steuerhinterziehung oder Herzkrank in Griechenland in der Klinik war, war ich, nach seiner Aussage, der einzige neben seiner Frau, der sich um ihn gekümmert hat.

Die jetzige Situation muss ich auch hauptsächlich selbst verarbeiten. Es wäre nur viel leichter, wenn jetzt jemand von denen, für die ich immer da war, nur etwas für mich da sein würde. Ein Psychologe könnte mir am Besten auch nur sofort vielleicht weiter bringen. Ich glaube, dass ich in ca. 9 Monaten viel größere Probleme mit meinem körperlichen Zustand haben werde.

Aber ich gebe trotzdem nicht auf. Ich werde auch nach 50 versuchen weiter bei der Telefonseelsorge anrufen und die restlichen Psychologen abklappern.
Bis dahin hilft es mir, mich hier mit euch austauschen zu können.

Liebe Grüße
Wolfram

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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Mi 3. Aug 2011, 21:14

Hallo,

nach unzähligen Versuchen habe ich am Nachmittag die Telefonseelsorge erreicht und konnte dort länger mit einer Mitarbeiterin reden. Da sie das Problem mit den Wartezeiten bei den Psychologen ebenfalls kannte, hat sie mir geraten, bei der Krankenkasse Rat zu holen. Ich könnte auch jederzeit wieder anrufen.

Am Abend konnte ich dann mit dem ärztlichem Dienst sprechen. Er hat sich ausführlich meine Probleme und Gedanken angehört und meinte, dass die Chance sehr gering wäre einen Therapeuten kurzfristig zu finden. Die einizge Möglichkeit wäre, dass ich nochmal einen Versuch bei meinem Neurologen/Psychiater mache, ob er mir, außer mit Medikamenten, anders weiterhelfen könnte. Ich soll nur vorsichtig sein, was ich ihm erzähle um keine Einweisung zu provozieren.

Jetzt konnte ich zwar mit zwei verständnisvollen Menschen reden, bin aber nicht viel weiter gekommen. Ich weiß nicht, ob ich, wenn ich dem Arzt gegenüber sitze, so stabil bin, nicht den Eindruck zu machen, psychisch am Ende zu sein. Ich bin ja schon mal beim Hausarzt in Tränen ausgebrochen.

Ich kann jetzt nur den Termin in der Klinik abwarten. Vielleicht haben sie dort eine Möglichkeit. Solche Probleme werde ich ja nicht nur alleine haben.

Liebe Grüße
Wolfram


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