Manische Depressionen? Was tun?

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wolf02
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Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Sa 30. Jul 2011, 23:05

Hallo!
Ich bin 50, männlich und habe seit Monaten das Problem, dass mir immer wieder Gedanken in den Kopf schießen, mein Leben zu beenden. Zusätzlich belasten mich weitere, eigentlich ungewollte Reaktionen von mir sehr. Ich weiß auch nicht, ob mein Thema hier richtig ist. Falls nicht, bitte ich das zu entschuldigen.

Diese Gedanken sind teilweise nicht grundlos da meine physische Leidensgeschichte ist sehr lang:
Vor ca. 10 Jahren hatte ich einen Bandscheibenvorfall, der mit 3 maliger OP behandelt werden musste. 2 Jahre später wurde ich wegen chronischer Schmerzen erwerbsunfähig. Bis Anfang 2009 waren die Schmerzen mit Opiaten in Tablettenform auszuhalten.
Dann verschlechterte sich mein Zustand derart, dass eine Morphinpumpe, die das Morphium direkt in den Nervenkanal der Wirbelsäule leitet, implantiert wurde. In dem Zusammenhang wurden psychosomatische Gründe für die Schmerzen ausgeschlossen.

Leider hat man bei der OP vergessen Heparin zu geben. 10 Tage später bekam ich dann eine schwere Lungenembolie, die ich nur sehr knapp überlebt habe. Trotz Marcumar erwischten mich dann im letzten Jahr 2 weitere kleine Embolien.
Mitte 2010 wurde dann festgestellt, dass ich eine pulmonale Hypertonie habe. Die Krankheit führt bei geringsten physischen und psychischen Belastungen zur heftigen Atemnot und hat weitere Auswirkungen. Seit Mai11 hat sich mein Zustand derart verschlechtert, dass ich Sauerstoff benötige.
In meinem Fall können Medikamente den Verlauf nicht aufhalten und eine komplizierte OP zur Beseitigung der Verschlüsse in der Lunge ist nicht möglich. Das wurde mir vor einer Woche gesagt.
Seit dem bin ich "völlig durch den Wind" und bin sehr vergesslich geworden. Selbst Erinnerungen von früher fühlen sich an, als wären sie hinter einem Vorhang. Seit einiger Zeit kann ich mich auch nur schwer auf etwas konzentrieren.
Die einzige Option ist eine Herz-Lungentransplantation. Da die Lebenserwartung nach Diagnose (2010) bei ca. 2,5 Jahre liegt, ist die Chance in der Zeit einen passenden Spender zu finden, sehr gering. Nächsten Monat bin ich in der Klinik, um den aktuellen Status zu ermitteln.

Ich habe schon einige schwerwiegende Diagnosen, wie z.B. MS, Diabetes, Leberschaden, verarbeiten müssen. Aber so, wie im Moment, habe ich mich nie gefühlt. Rein körperlich geht es mir sehr schlecht.
Zusätzlich schießen mir Gedanken durch den Kopf, dass das Leben so nicht mehr lebenswert ist. Einigen Ärzten habe ich gesagt, dass ich nicht bis zuletzt warten werde, sondern den Zeitpunkt selber festlege.

Mein Hausarzt und ein Neurologe, bei dem ich wegen der Wirbelsäule war, sagen, dass die letzte Diagnose zuviel für mich gewesen wäre und ich mich in so etwas wie einem Schockzustand befände. Der Neurologe hat mir vorgestern ein Beruhigungsmittel zur Bedarfseinnahme verordnet.
Da ich natürlich Angst habe, in eine Psychiatrie eingewiesen zu werden, habe ich ihm nichts von meinen Gedanken erzählt. Aber sie belasten mich extrem und ich bekomme sie nicht aus dem Kopf. Im Laufe meines Lebens hatte ich öfter Suizidgedanken und einmal war ich nah davor.
Als meine Frau mir vor 5 Jahren sagte, dass sie mit mir nicht mehr leben wolle, hatte ich die Tabletten schon im Mund, habe sie aber wieder ausgespuckt, da ich nur noch für meine Kinder da sein wollte.

Dann habe ich auch Phasen in denen ich unbedingt etwas tun muss teilweise kurzzeitig übertieben lustig bin, oder bei den geringsten Reizen verbal agressiv reagiere. Es gab auch schon Situationen wo sich die Agressionen an Sachen und leider vor längerer Zeit ganz selten auch körperlich an an meinem Sohn entluden. Kurz danach tat es mir unendlich leid.
Ich bin leider viel zu verschlossen, als das ich meine Gedanken und Gefühle einem Therapeuten mitteilen könnte. Das war schon immer so.
Was würde mich erwartet, wenn ich meine Gedanken und mein Befinden wirklich einem Arzt anvertrauen sollte?
Da ich einiges an Medikamenten nehme und man Psychopharmaka verordnet, welche Auswirkungen hat das? Das Beruhigungsmittel nehme ich nur niedrig dosiert, da es bei meinen Erkrankungen nur mit großes Vorsicht gegeben werden soll.
Was soll meine Familie über mich denken, die sich schon jetzt, scheinbar wegen der neuen Erkrankung zurückgezogen hat?

Ich weiß, dass meine Situation für Außenstehende kompliziert ist.
Für Ratschläge wäre ich sehr dankbar.

Viele Grüße
Wolfram

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Feuerchen
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Feuerchen » So 31. Jul 2011, 01:45

Hallo lieber Wolfram,

Du bist ganz schön gebeutelt mit Deinen Erkrankungen und das tut mir herzlich leid.

Es ist schwer Dir etwas zu raten...

Aber nach meinem Gefühl ist das wirklich alles zu viel für Dich gewesen... Deshalb finde ich solltest Du erst mal die Beruhigungsmittel so nehmen wie der Arzt sie verschrieben hat. Ich finde, das muß erst mal alles verarbeitet werden.
Ich denke auch , daß sich Deine Familie im Schockzustand befindet und sich deshalb ebenso zurückzieht, weil sie ebenfalls erst mal schauen muß, wie sie mit den Neuigkeiten umgehen soll.

Weiter würde ich Dir schon einen Psychiater empfehlen oder einen Psychotherapeuten...

Ich hatte auch in meinem Leben verschiedene Traumas... Und als ich dann einen Nervenzusammenbruch hatte, habe ich angefangen all das zu erzählen, was ich in meinem Leben immer mit mir ausgemacht habe und in mich vergraben hatte.

Vielleicht ist das auch für Dich eine Option: Lernen auch einmal was anzusprechen... Du weißt, daß Du ziemlich verschlossen bist... Aber man kann lernen sich zu öffnen. Man muß ja nicht gleich eine Plaudertasche werden.

Mit kommt da zudem noch der Gedanke:" Vielleicht hast Du unbewußt gelitten und deshalb zu viel auf Deinen Körper projeziert, so daß er körperlich krank wurde?...

Ich jedenfalls fühle mich besser und erleichterter seitdem ich meine Probleme ansprechen konnte....

Allerdings gehört dazu aber auch ein Therapeut, dem man voll vertraut. Und Vertrauen muß manchmal erst wachsen...
Zuerst das Wichtigste ansprechen und dann schauen was kommt.... So hab ich es gemacht...

Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute! Und ich denke, Deine Situation ist nicht nur für außenstehende kompliziert, sondern genauso für Dich!

LIebe Grüße
Feuerchen

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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Feuerchen » So 31. Jul 2011, 01:47

gelöscht, da doppelt

wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » So 31. Jul 2011, 05:28

Hallo Feuerchen,

vielen Dank für deine Antwort. Auch früher habe ich schon manchmal daran gedacht, mein Leben zu beenden. Vor 5 Jahren ist dann aus den Gedanken Realität geworden und wären meine Kinder nicht gewesen, hätte ich die Opiattabletten nicht wieder ausgespuckt.
Ich verstehe auch nicht, warum ich seit einigen Jahren so schnell Agressiv werde oder machmal quasi Anfälle bekomme, unbedingt etwas tun zu müssen, obwohl ich eigentlich ein sehr ruhiger Mensch bin, der nur die Eigenschaft hat, alles in sich hineinzufressen.
Als ich 1994 nach der MS-Diagnose 2 Tage später wieder lachen konnte, hat das damals der Chefarzt der Neurologie nicht verstanden.

Nachdem ich seit fast 2 Wochen weiß, wie physisch um mich steht, hat sich alles deutlich verstärkt. Ich kann mich nur sehr schwer auf etwas konzentrieren und mir schießen dauernd wirre Gedanken durch den Kopf. Nachts komme ich mit 3-4 Stunden Schlaf aus.
Zusätzlich ist seit der Lungenembolie, wo ich gezwungen wurde zeitweise einen Überdruckhelm zu tragen, bei mir Platzangst entstanden. Jede Untersuchung im MRT oder Fahrt im Aufzug ist für mich der Horror.

Mir viel schon sehr schwer am Donnerstag meinem Neurologen, der auch Psychater ist, zu erzählen, dass ich so vergesslich und durcheinander geworden bin. Weitere Details habe ich, aus Angst, was das für Folgen für mich gehabt hätte, nicht erwähnt. Hinterher habe ich mich zwar über mich selbst geärgert, aber die Angst ist stärker. Es hätte ja sein können, dass er mich einweist und was wäre dann geschehen, wenn man nicht auf die weiteren schweren Erkrankungen geachtet hätte.
Das Beruhigungsmittel macht mich leider nur müde und hat bis jetzt keine weitere Auswirkungen. Im Beipackzettel las ich dann , dass ich das eigentlich, wegen zwei nebenerkrankungen gar nicht nehmen dürfte. Ich habe es trotzdem probiert, da ich keinen Ausweg mehr weiß. Ich habe bis jetzt immer für die Anderen eine "Maske" getragen, dass immer alles gut ist. Es gehr jetzt nicht mehr und ich fühle mich nur noch leer.

Also bin ich in einem Teufelskreis.

Viele Grüße
Wolfram

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Feuerchen
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Feuerchen » So 31. Jul 2011, 17:56

Lieber Wolfram,

Ich habe Dich gelesen und ich finde es schlimm, wie es Dir geht.

Meine Idee wäre, ja, wenn Du Deine Ängste, daß Du in der Psychiatrie nicht richtig versorgt werden kannst und auch Deine Probleme mit Agressivität und die Depression mit Suizidgedanken ,einfach mal schriftlich niederlegst, und sie Deinem Psychiater überreichst.
Dann umgehst Du das für Dich schwierige Aussprechen Deiner Angelegenheiten. Ich habe das auch so gemacht, wenn ich manches noch nie formuliert und ausgesprochen hatte.

Darüber könnte sich dann ein Gespräch ergeben und vielleicht eine Hilfsmöglichkeit gefunden werden.

Auch würde ich es ansprechen, daß das Beruhigungsmedikament für eine Deiner Grunderkrankungen nicht das Geeignete ist. Vielleicht kann Dein Arzt dann was Besseres raussuchen!.

Irgendwie kommt es mir schon logisch vor, daß Du bisweilen aggressiv reagierst und manchmal Anwandlungen hast etwas zu tun.... Du hälst Dich wie ein Faß unter Verschluß. Und in dem Faß herrscht großer Druck... Aber es wird immer mehr in das Faß "reingestopft" - Kein Wunder wenn es dann mal zischt und brodelt und zum Überlaufen kommt. Für mich ist das nur eine logische Schlußfolgerung.

Ich denke, du hast vielleicht auch unbewußt Angst, vor den Reaktionen wenn Du mal bewußt den Deckel zu Deinem Faß öffnest....
Aber ich bin mir sicher, Wolfram, das täte Dir gut und würde Dich erleichtern.
Man kann das Lernen sich langsam zu öffnen.... Hier hast Du ja anonym auch einiges erzählt...

Also laß Dich ermuntern: Such Dir Hilfe, damit Du das nicht alleine durchstehen mußt!!!

Liebe Grüße
Feuerchen

Mirjam
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Mirjam » So 31. Jul 2011, 19:26

Hallo Wolfram !

Heftig und kein Wunder, dass du diese Gedanken hast. Wenn du das ansprechen würdest bei deinem Neurologen, der auch Psychiater ist, wird es drauf ankommen, wie er dir vertraut. Vielleicht fragt er dich, wie stark diese Gedanken sind. Und vielleicht spürst du in diesem Moment, wie stark diese Gedanken sind. Das ist manchmal ganz anders, wenn man direkt gefragt wird. Das ist, wie wenn einer an einem Knoten fummelt, den man vorher nur angekuckt hat. Was im Endeffekt dabei rauskommt. Ob er dir dann nahe legt, in die Psychiatrie zu gehen, kann dir keiner sagen. Vielleicht kann er dir auch bei einem Therapeuten gleich ein Gespräch anbieten. Das wäre freilich ideal. Wenn du da jemanden hättest, bei dem du den ganzen angestauten Seelenkummer rauslassen könntest. Sowas tut gut. Du hast nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Was an der Psychiatrie zu bedenken ist, aber das schreibst du ja selber schon, dass sind die Medikamente für deinen Körper und überhaupt diese ganzen körperlichen Grausamkeiten, mit denen du zu tun hast. Also, wie soll ich sagen. Das sind ja alles Fachidioten. Das ist, wie wenn du mit einem kaputten Ferrari in eine Trabi-Werkstatt fährst. Alles in allem sind die dann mit den fachspezifischen Teilen an dir überfordert. Sorry, vielleicht auch nicht. Jedenfalls musst du unbedingt Arztberichte oder sowas mitnehmen, Ärzte nennen, bei denen die Rücksprache halten können. Ein Miteinander der Ärzte wäre da schon nötig, find ich. Will dir aber nun nicht davon abraten. Ich mein, du schreibst ja hier und irgendwie ist das ein Zeichen dafür, dass dir dein Leben doch noch nicht so egal ist, dass du doch noch in irgendeiner Weise einen Hilferuf aussendest, dass du Resonanz haben möchtest.
LG
Mirjam

wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » So 31. Jul 2011, 23:05

Hallo Feuerchen, Hallo Mirjam,

vielen Dank für eure Antworten. Ich hänge sehr an meinem Leben, auch schon meinen Kindern zuliebe. Durch die letzte Diagnose kann ich wahrscheinlich nur noch einen überschaubaren Zeitraum für sie da sein. Das tut am meisten weh! Ab Mitte August werde ich genau wissen im welchem Stadium ich mich befinde und auf die Warteliste für eine Transplantation kommen. Da es viel zu wenig Spendeorgane gibt befasst man sich automatisch sehr viel mit dem Tod.
Ich war vor 20 Jahren einmal wegen Depressionen in Behandlung. Ursache war meine Firma. Damals wurde ich nur mit Tabletten behandelt und konnte nach 6 Wochen wieder arbeiten.
Ich war schon immer ein sehr verschlossener Typ, der rational gedacht hat und wenig Emotionen gezeigt hat. Ich war zwar im Beruf sehr erfolgreich, habe aber immer die Leute bewundert, die einfach aus sich raus konnten.
Aus diesem Grund und da vor 7 Jahren klar war, dass ich so erkrankt war, dass ich nicht arbeiten konnte, hat sich damals auch meine Frau von mir getrennt. Alles was wir uns in 15 Jahren aufgebaut hatte, war damit zerstört. Ich musste in einem Monat verkraften, dass ich meinem beruf nicht mehr nachgehen konnte und meine Familie zerbrochen ist. Ich habe ihr aber nie vorgeworfen, dass sie nur die Schuld hat, sondern sie nur bei mir gesucht.
Damals hat auch ein Psychiater mitgeholfen meine Ehe zu zerstören. Ich lag in einer Schmerzklinik und er hat mir eine Stunde Fragen gestellt. Nur weil ich auf das beruflich erreichte meines Vaters und auch auf meine Tätigkeit, ich war einer der gefragtesten Mitarbeiter in meiner Branche und hätte monatlich in einer neuen firma anfangen können, etwas stolz war, kam er zu der Diagnose: Narzistische Persönlichkeitsstörung. Das hatte zur Folge, dass mein Schwiegermutter mir Drohbriefe schickte. Mein Neurologe, bei dem ich wegen des Wirbelsäulenschadens war und mich lange kannte, hat den Bericht zerrissen. Leider war aber nichts mehr zu retten.

Genau in der Zeit, als ich die Lungenembolie hatte, wollte auf Mal meine geliebte kleine Tochter, die sich jahrelang auf das Wochenende bei mir alle 14 Tage gefreut hatte, nicht mehr kommen. Ich hatte die Embolie an einem Freitag morgen und wusste sofort, das es eine war. Trotzdem habe ich keinen Notarzt geholt, da ich gehofft habe, dass sie an diesem Wochenende vielleicht doch kommt. Erst am Sonntag bin ich dann in die Klinik und die Ärzte meinten, dass ich bei dem Ausmaß eigentlich nicht mehr am Leben sein dürfte.
Bis heute hat sie kein Wochenende mehr bei mir verbracht.

Im Moment ist seltsamer Weise trotzdem meine Exfrau der einizige Mensch, mit dem ich reden kann.

Ich weiß, dass ich sehr oft depressiv war und mich nach endgültiger Ruhe gesehnt habe, aber das Erlebnis mit dem Psychiater in der Schmerzklinik hat mich geprägt. Ich habe wahrscheinlich den Zeitpunkt verpasst Hilfe anzunehmen und jetzt bleibt mir wohl nicht mehr viel Zeit.

Mein Neurologe/Psychiater in der letzten Woche hatte nur Mitleid mit mir. Nachdem ich ihm gesagt habe, dass ich völlig durcheinander bin und ich sehr vergesslich bin, hatte ich irgendwie gehofft, dass er nachfragt und nicht nur Tabletten verschreibt. Darum ist meine Angst auch groß, dass er sich meine Probleme anhört und mich einfach in die Psychiatrie einweist. Wenn ich nicht diese Erkrankung hätte, wären auch weniger Bedenken vorhanden.

Ich muss jetzt erst den Kliniktermin im August abwarten, damit ich weiß, woran ich genau bin.
Vielleicht kann ich mich dann überwinden und versuchen mit einem Psychiater zu reden.
Jetzt habe ich wieder viel geschrieben und sitze hier mit Sauerstoff und feuchten Augen.
Ich bin sehr froh, dass ich hier Menschen, auch wenn sie anonym sind, gefunden habe, die Verständnis für mich haben und es ist richtig, dass mir schreiben viel leichter fällt als das Reden über mich.

Nochmal vielen Dank und einen schönen Abend
Wolfram

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Feuerchen
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Feuerchen » So 31. Jul 2011, 23:38

Lieber Wolfram,

Ich habe Dich gelesen und weiß nicht viel Neues Dir zu erzählen, außer daß ich mit Dir fühle !

Ich finde trotzdem, daß du schon vorher ein Gespäch bei einem Therapeuten/Psychiater suchen solltest. Ein Monat, wenn man auf Hilfe wartet ist lang.

Und die Gespräche wären ja ambulant.... Du könntest gleich darlegen, daß du nächsten Monat zur Klinik mußt. Aber Du wärst nicht so alleine mit der ganzen Sache. Und es würde schon mal was anlaufen.

Was Deine Tochter anbegeht, finde ich es seltsam, daß sie nicht mehr zu Dir kommt. Hat sie eine Begründung gesagt? Weiß sie wie sehr Du auf sie wartest?... Frag doch nach!... Verkriech Dich nicht und lege offen, daß Du Sehnsucht nach ihr hast!
Vielleicht hat sie einen Freund und gerade was anderes im Kopf., etwas, was grad gar nichts mit Dir zu tun hat?

Ich wünsche Dir Gute Besserung
Und alles Gute!
Feuerchen

Klaus W
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Klaus W » Mo 1. Aug 2011, 00:22

Hallo Wolfram,

Dein Thema ist hier genau richtig.

Es klingt schlecht was Du erzählst, in der Situation sind Depressionen und selbst Selbstmordgedanken mehr als verständlich. Auch daß Du dadurch völlig durch den Wind bist wie Du sagst und nicht mehr richtig erinnerst. Alles andere ist wahrscheinlich nicht mehr so wichtig wie Dein jetziges Problem.

Zu Deinen Bedenken daß Du eventuell eingeliefert wirst wenn Du über Depression und Selbstmord erzählst, und auch dazu daß Du wie Du gesagt hast von Deinem Erlebnis mit dem Psychiater in der Schmerzklinik geprägt wurdest... Du könntest den Mittelweg beschreiten und die Selbstmordgedanken weglassen und trotzdem wenigstens über die Depression reden. Du kannst es auch ganz umgehen und einfach Dich zu einem Psychologen überweisen lassen, da hat man eine andere Basis und kann auch über Selbstmord reden ohne daß man Gefahr läuft eingewiesen zu werden, und da wird sicher auch mehr nachgefragt werden.

Du sagst Du warst schon immer zu verschlossen um Deine Gedanken einem Therapeuten mitteilen zu können. Was Dich da erwartet, das lässt sich natürlich nicht sagen. Vielleicht ja eine andere Perspektive auf Deine Dinge, ein Ort um einmal über alles mehr oder weniger in Ruhe nachzudenken. Ich würde Dir auch ganz explizit zu einem Psychologen / Psychoanalytiker raten. Ich kann mich hier den anderen nur anschließen, Du mußt es irgendwie rauslassen.

Ich weiß nicht ob ich mir in Deiner Situation noch Gedanken machen würde, was meine Familie von mir denkt. Ich wär glaube ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt.

Vielleicht hast Du ja auch etwas was Du schon immer mal tun wolltest? Vielleicht solltest Du aus alledem einfach mal raus.

Eine Anmerkung noch, weil Du sagtest, Psychosomatik wurde als Schmerzursache ausgeschlossen. Einerseits ist das natürlich richtig wenn sich körperliche Veränderungen bereits ergeben haben. Andererseits kann in der Vergangenheit trotzdem eine psychosomatische Ursache zugrundegelegen haben, und es kann selbst jetzt noch sinnvoll sein sich das anzuschauen.

Liebe Grüße

Klaus
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

wolf02
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Mo 1. Aug 2011, 01:18

Hallo Feuerchen, hallo Klaus W,

zu meiner Tochter, die war zum Zeitpunkt als sie nciht mehr kommen wollte 7 Jahre alt. Ich habe zwar öfter nach den Gründen gefragt, aber nie eine antwort bekommen. Ich wollte und möchte sie auch nicht unter Druck setzen, dass sie mir zuliebe zu mir kommen soll.
Ich besuche sie ca. 1 Mal in der Woche und da zeigt sie mir immer, dass sie mich sehr lieb hat.
Früher wollte sie meistens nie zurück zu ihrer Mutter, da wir immer viel spaß hatten.
Ich möchte auch nicht, dass sie weiß, wie es um mich steht. Das mit dem Sauerstoff hat sie akzeptiert und fragt nicht mehr danach.

Ich werde deinen Rat annehmen und darüber nachdenken, ob ich vorher einen Versuch mache mit dem Psychiater zu reden. Ich bin mir nur nicht sicher, ob er mich richtig versteht. Leider haben die 3 Ärzte hier vor Ort nicht den Ruf sich viel Zeit zu nehmen und viel zu schnell einfach Tabletten verschreiben oder eben einweisen, da die Klinik nicht weit weg ist.

Psychosomatische Behandlungen habe ich immer abgelehnt, da sich meine Beschwerden und Schmerzen nie unter, auch teilweise extremen psychischen Belastungen, wie Trennung usw. nicht verändert haben. Verschlimmerungen gab es immer nur bei physischen Belastungen oder falschen Bewegungen.
Eine Schmerztherapeutin hatte mich vor 4 Jahren zu einem Psychologen überwiesen. Der meinte nach einem kurzen Gespräch, dass er es mit Hypnose innerhalb 2 Wochen schaffen würde, dass ich wieder arbeiten könnte. Zwei Jahre vorher hatte einer der größten Wirbelsäulenspezialisten Dr. Mayer in Bad Wildungen zu 100 % ausgeschlossen, dass ich mit den physischen Veränderungen je wieder arbeiten könnte. Die Weiteren Termine beim Psychologen habe ich natürlich nicht wahrgenommen.

Wenn ich mich entscheide mit einem Psychiater zu reden, möchte ich auch dann alles erklären können, was in mir vorgeht. Ich habe ja vor ein paar Tagen etwas davon erzählt und seine einzige Reaktion war:"Soll ich dir etwas zum Beruhigen geben? Aber nur bei Bedarf nehmen." Dann hat er mir nur noch, so weit es geht, alles Gute gewünscht.

Mein Onkel war in der Klinik hier vor Ort früher als Pfleger tätig und hat einiges darüber erzählt, wie sie dort mit den Patienten umgehen. Das ist jetzt natürlich auch nicht hilfreich für mich.
Als bei mir 1994 in der Neurologie die MS mit Kortison behandelt wurde, war ein Arzt für mich zuständig, der vorher in der Psychiatrie gearbeitet hatte. Für den gehörte jeder Patient, ob mit Gehirntumor oder wie ich mit MS, in die Geschlossene.

Ich versuche mich trotzdem zu überwinden einen Anlauf zu machen. Ich weiß nur nicht, ob es mir gelingt.

Liebe Grüße
Wolfram

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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Mo 1. Aug 2011, 01:29

@ Klaus W.

Natürlich würde ich gerne raus hier aus dem Ganzen und zu meinem Lieblingsort an die Nordsee fahren. Aber die Erkrankungen schränken mich so ein, dass ich nur wenige Meter ohne Pause gehen kann. Nach ca. 15 Treppenstufen langsam gestiegen bekomme ich Atemnot. Zusätzlich schränkt mich mein Kniegelenk ein, dass bei jedem Schritt heftige Probleme macht. Im Mai wurde es untersucht und der Arzt meinte, es müsste ein künstliches Gelenk eingesetzt werden. Durch die vielen Nebenerkrankungen wäre ich aber Hochrisikopatient und ich würde wohl keinen Arzt finden, der das Risiko übernehmen würde. Selbst zum Zähneziehen musste ich stationär in die Klinik und wurde danach 2 Tage auf der Intensivstation überwacht.

Liebe Grüße
Wolfram

Klaus W
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Klaus W » Mo 1. Aug 2011, 11:39

Hallo Wolfram,

das war eventuell ein Mißverständnis, es war von mir *kein* Rat mit dem Psychiater zu reden, ich bin auf Deine Gedanken im ersten Post eingegangen, da klang es mir als willst Du selbst trotz Deiner schlechten Erfahrungen (die ich gut nachvollziehen kann) mit Deinem Psychiater reden. Mein Rat ist zu einem Psychologen zu gehen, wenn der Fokus wirklich auf dem Gespräch, auf Anvertrauen liegen soll.

Und aus dem Ganzen raus, warum soll das nicht gehen trotz Deiner Einschränkungen. Und wenn Du es im Rollstuhl machst. Später kannst Du vielleicht noch weniger. Versuch Dir ein wenig Freude zu geben als Ausgleich, versuch Abstand zu gewinnen. Es klingt vielleicht abwegig, aber wenn Du es finanziell und auch sonst nur irgendwie ermöglichen kannst würde ich Dir eine Weltreise, über die Ozeane auf einem Dampfer empfehlen. Gönn Dir einfach was, auch bzw. gerade in Deinem Zustand.
Das ist einfach mein Gedanke wenn ich jemanden lese dem es derartig kritisch geht: Einfach aus allem raus.

Liebe Grüße,

Erwin
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon wolf02 » Mo 1. Aug 2011, 12:27

Hallo Erwin,

ich habe deinen Hinweis schon richtig verstanden. Gerade weil so viele schon schlechte Erfahrungen mit der Psychiatrie gemacht haben, habe ich zum Teil auch meine Vorbehalte.
Mein erster Kontakt mit einem Psychologen war leider auch nicht positiv, da er mir eher wie ein Wunderheiler vorkam.
Trotzdem überlege ich, es nochmal zu probieren. Ich habe nur gehört, dass es bei denen lange Wartezeiten gibt. Wenn die Krankheit bei mir so fortschreitet, wie in den letzten Wochen, bleiben vielleicht noch max. 1,5 Jahre.
Auch wenn die Hoffnung sehr klein ist, hoffe ich natürlich noch auf eine Herz-Lungen-Transplantation.

Ich würde sehr gerne z.B. noch eine Weltreise machen, aber da ich seit 7 Jahren EU-Rentner und alleierziehend bin, kannst du dir meine finanziellen Verhältnisse vorstellen. Es würde mir auch der Ort in Holland reichen, in dem ich so oft Urlaub gemacht habe. Ich traue mich nur nicht, da es mir zur Zeit so schlecht geht, dass ich froh bin, wenn ich am Morgen wieder wach werde. Dazu kommt, dass jedes Mal, wenn ich in Atemnot komme, die Möglichkeit besteht, das der plötzliche Herztod eintritt. Immer dann, wenn zusätzlich Adrenalin ausgeschüttet wird, bekomme ich heftige Probleme. Da reicht etwas gehen, ein paar Stufen, das ich mich Aufrege oder, wie zuletzt, plötzliche Schmerzen bei Zahnbehandlung aus. Die musste dann abgebrochen werden. Selbst den Haushalt kann ich nicht mehr richtig führen und vieles bleibt liegen.
Leider ist mein Sohn zu keiner Hilfe bereit. Im Gegenteil, ich darf noch alle seine Hinterlassenschaften beseitigen.

Wie verhält es sich denn beim Psychologen, wenn ich ihm von meinen Gedanken erzähle. Könnte er dann nicht auch verpflichtet sein einzuschreiten?

Liebe Grüße
Wolfram

Klaus W
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Klaus W » Mo 1. Aug 2011, 13:52

Hallo Wolfram,

ja, dann war das wohl nichts mit meinem Reisetipp.

Zu den Psychologen... meine allgemeinen Gedanken. Wunder kann natürlich keiner vollbringen. Und man muß einen haben mit dem man sich gut versteht um sich anvertrauen zu können, das ist ja auch etwas was zwischen zwei Leuten wächst. Es fängt damit an ob man sich eher eine Frau oder einen Mann vorstellt, und auf den allerersten Eindruck. Wenn die Chemie auf Anhieb nicht stimmt macht alles weitere keinen Sinn. Die Wartezeiten bestehen, das ist richtig, aber das ist eben so. Manchmal hat man Glück und kommt eher dran, wenn man einen persönlichen Draht findet oder wenn vielleicht jemand die Praxis neu eröffnet. Das letztere ist mir mal passiert, da konnte ich sofort beginnen.

Wegen Selbstmordgedanken einschreiten... ich denke nicht. Das dürfen nur Psychiater (ein Arzt mit Ausbildung zum Psychiater) oder ein ärztlicher Psychotherapeut (ein Arzt mit einer weiteren Ausbildung zum Psychotherapeuten). Diese Letzteren sind einzeln niedergelassen selten. Ich habe auch noch nie von Psychologen gehört die einfach aus der Gesprächstherapie heraus den Patienten zwangseinweisen, bloß weil der von Selbstmordgedanken erzählt. Das wäre absurd, Psychologen sind ja nun gerade dazu da, auch über Selbstmord, Depressionen, etc., zu reden, die Gründe und Motivationen zu behandeln.

Ich fürchte ich kann da nicht viel tun Dir Deine Angst zu nehmen. Ich kann nur sagen, die Psychologen würden sich selbst schaden wenn die pauschal alle Leute mit Selbstmordgedanken einweisen würden. Dazu kommt in Deinem Fall, wovor sollte man Dich denn schützen. Du sagst selbst, allein die Aufregung könnte Dir schaden. Nein, das glaube ich auch intuitiv nicht, daß jemand in Deinem Zustand eingewiesen wird, selbst von jemandem der dazu berechtigt wäre. Und was denkst Du wie viele Leute eben auch mal über Selbstmord nachdenken. Das hören die Psychologen öfters als man denken könnte.


Liebe Grüße

Klaus
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Mirjam
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Re: Manische Depressionen? Was tun?

Beitragvon Mirjam » Mo 1. Aug 2011, 21:36

Zwangseinweisen tun die nur, wenn du einen dementsprechenden Eindruck machst, sprich du neben der Spur bist.

Der Psychiater, der dir diese Diagnose narz. an den Hals geworfen hat, hat wohl noch nie etwas von Stolz gehört, was? Wie ist eigentlich ein richtiger Mensch?
LG
Mirjam


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