Depressionen - und nun?

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saffia
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Depressionen - und nun?

Beitragvon saffia » So 5. Dez 2010, 13:53

Hallo,

bei mir wurden im Frühjahr Depressionen diagnostiziert. Ich habe mich lange gegen diese Diagnose gewehrt, denn ich hatte das Gefühl, daß dann alle sagen würden ich habe mein Leben nicht im Griff. Aber irgendwann ging es wirklich nicht mehr weiter und ich war bereit einen Therapieplatz zu suchen, zusätzlich nehme ich ADs. Als ich meinen Freunden davon berichtete, sagten sie alle: Du?? niemals! Inzwischen weiß ich, daß ich immer nur Mauern um mich herum aufgebaut habe und meine ganzen Sorgen und Probleme verdrängt habe.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Therapiestunde, als ich zum Therapeuten sagte, ich weiß gar nicht, was ich hier soll, bei mir ist doch alles prima. Aber er hat es geschafft innerhalb kurzer Zeit diese Mauern zum einstürzen zu bringen. Leider hat sich die Depression bei mir immer mehr vertieft. Ich weine oft den ganzen Tag, diese endlose Traurigkeit und Einsamkeit will einfach nicht weichen.

Jahrelang habe ich es geschafft meine Kindheitserinnerungen erfolgreich zu verdrängen. Vor ein paar Wochen habe ich entdeckt, daß ich irgendwann meine Tagebücher (ich habe eine längere Zeit kein Tagebuch mehr geführt) neu! geschrieben habe, nun stehen da nur gute Erinnerungen drin! Wenn mich jemand fragte habe ich immer nur vorgeschwärmt wie schön wir es hatten. Es war ja auch ganz ok, ABER. Als ich meinem Therapeuten so einige "Ankedoten" erzählte, ist er fast vom Stuhl gefallen, weil er es aus einer ganz anderen Sichtweise und im Kontext sah.

Ich wurde zum einen Teil überbehütet (durfte nicht auf Bäume klettern oder mit 5 Jahren noch nicht alleine die Treppen heruntergehen, könnte ja etwas passieren, immer war ein "Babysitter" um mich herum, aber nur tagsüber), aber anderseits wurde ich oft alleine gelassen, auch als Säugling haben meine Eltern sich abends woanders mit Freunden getroffen und mich über Stunden alleine zu Hause gelassen. Einmal hatten sie mich tagsüber im Kinderwagen in den Garten gestellt und über Nacht draußen vergessen. Dann wollten sie ein fügsames liebes Kind und jeder Widerspruch wurde mit Prügel ausgetrieben. Wir durften zu Hause nicht einmal die Möbel berühren, weil keine Schrammen darauf kommen sollten und mußten uns mit auf den Rücken verschränkten Händen davorstellen. Auf den Sofas wurde nur gesessen, nicht gespielt. Meine Eltern wollten, daß es schön aussieht, auch mit Kindern. Wir wurden kurz "hervorgeholt" wenn Besuch kam, druften diesen begrüßen und hatten uns dann still in unser Zimmer zu begeben.

Es kam mir nie in den Sinn zu rebellieren. Irgendwann fiel mir ein, daß meine Eltern mich nie in den Arm genommen und getröstet hatten, es hieß nur immer stell dich doch nicht so an. Auch als ich meinen Eltern davon erzählte, daß ich Depressionen habe, meinte mein Vater nur: reiß Dich endlich zusammen und lächle, dann hast Du es auch schon überstanden. Das tut so weh! Im Moment habe ich gar keinen Kontakt weiter zu meinen Eltern, es sei denn meine Mutter ruft mal an. Aber ich kann und mag einfach nicht mit ihnen reden.

Trotzdem frage ich mich immer und immer wieder, sind das nur Bagatellen, stelle ich mich zu sehr an! Male ich nur Schwarz????

Auch meine Freunde, die zwar von der Depression wissen, aber keine Einzelheiten aus der Therapie (nur, daß ich im Moment meine Kindheit aufarbeite) meinen immer so schlimm kann es doch nicht sein, niemand hat eine ideale Kindheit, deine Depressionen dauern viel zu lange, es müßte doch bald besser gehen, wenn nicht ist die Therapie nicht gut, suche besser einen Heilpraktiker auf...... Es kostet viele zusätzliche Energie, mich ständig rechtfertigen zu müssen, warum ich mich für eine Therapie entschieden habe.

Wenn ich schon nicht die Geduld mit mir verliere sollten meine Freunde doch noch mehr hinter mir stehen?! Aber manchmal habe ich das Gefühl sie wollen nur Einzelheiten, die ich meinem Therapeuten erzähle, so als Sensatiönchen.
Saffia

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Grobser
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Re: Depressionen - und nun?

Beitragvon Grobser » So 5. Dez 2010, 15:45

Hallo Saffia,

es ist ganz normal, dass dich Zweifel überkommen und es vor allem diese Tage gibt, an denen es außer zu weinen zu nichts sonst reicht oder an denen du das Gefühl hast, dass dir die Therapie nichts aber auch gar nichts bringt. Eben genau diese Traurigkeit, die du beschreibst und die dich ggfs. auch noch eine Weile begleiten wird.

Ganz im Gegensatz zu der Meinung deiner Freunde bist du aber durchaus noch in der Zeit. Eine Depression vergeht nicht von eben auf jetzt und natürlich trägt auch die Therapie und die Konfrontation mit sich und seinem Leben einen Teil dazu bei, dass es Tage gibt, an denen du dich besser und auch schlechter fühlen wirst. Aber das gehört dazu; denn du arbeitest deine Kindheit auf. Wie, frage ich dich, sollte es möglich sein, das, was du dein Leben lang mehr der weniger gut kompensiert hattest, von eben auf jetzt zu den sprichwörtlichen Akten zu legen? Es braucht seine Zeit und du bist auf einem guten Weg. Gesteh dir diese Tage der Traurigkeit zu; es ist ok so; denn sie sind Meilensteine innerhalb eines Prozesses, den du durchläufst.

Was ich persönlich nicht ok finde ist, dass du das Gefühl hast, dich vor deinen Freunden rechtfertigen zu müssen. Das, so finde ich, darfst du getrost sein lassen. Egal, ob sie aufrichtig interessiert sind und sich Sorgen um dich machen oder ggfs. wirklich nur an dem „Abenteuer Therapie“ interessiert sind. Du allein kannst das, was dich bewegt und in bzw. mit dir passiert, ermessen und du allein weißt auch, was du zu diesem Zeitpunkt nach außen tragen möchtest. Erkenne deine Grenzen und wahre sie ggfs.auch einer Freundschaft zum Trotz und insbesondere dann, wenn dein Verdacht sich bewahrheitet.

Reden hilft natürlich ungemein und wenn deine Freunde das alles eines Tages mittragen dürfen, dann, weil du ein gutes Gefühl dabei hattest, sie daran teilhaben zu lassen. Nur dann solltest du es tun. Diese Haltung kannst du ihnen darlegen, ohne auch nur ein Wort über Depression oder Therapie zu verlieren. Lege die Rahmenbedingungen, die für dich in dieser Zeit gelten, neu fest und setz dich nicht zusätzlich unter Druck, indem du weiterhin oder erneut in das Muster, es allen rechtmachen zu müssen, verfällst. Hier geht es zur Abwechslung nämlich mal nur um dich und ein bisschen Egoismus ist da durchaus erlaubt!

Alles Gute

Sanne
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cake
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Re: Depressionen - und nun?

Beitragvon cake » So 5. Dez 2010, 15:48

Dann wollten sie ein fügsames liebes Kind und jeder Widerspruch wurde mit Prügel ausgetrieben. Wir durften zu Hause nicht einmal die Möbel berühren, weil keine Schrammen darauf kommen sollten und mußten uns mit auf den Rücken verschränkten Händen davorstellen. Auf den Sofas wurde nur gesessen, nicht gespielt. Meine Eltern wollten, daß es schön aussieht, auch mit Kindern. Wir wurden kurz "hervorgeholt" wenn Besuch kam, druften diesen begrüßen und hatten uns dann still in unser Zimmer zu begeben.
leider höre ich da eine sehr oberflächliche Bindung zu Deinen Eltern heraus.
Du hast Dir das alles schöngeredet, weil Du so besser verdrängen konntest.
Das war mal vermutlich als Kind der einzigste weg, um zu bestehen.
Nun aber darf das alles raus- jetzt gilt es, Deinen eigenen Weg zu suchen und zu gehen.
Du schaffst das :wink:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

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saffia
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Re: Depressionen - und nun?

Beitragvon saffia » So 5. Dez 2010, 19:01

Hallo, es tut richtig gut mal eine Unterstützung von aderer Seite zu erfahren, DANKE!

Natürlich sagt mein Therapeut auch immer wieder, daß es keine Bagatellen sind, die ich durchgemacht habe und ich habe auch noch lange nicht alles angesprochen.... kommt noch.

Ich habe immer geglaubt, daß meine Eltern und ich ein gutes und enges Verhältnis haben, aber das hat sich in den letzten Monaten sehr verschoben, ich habe erkannt, daß mein jüngerer Bruder und ich eigentlich nur für ihr Ego da waren, denn Kinder gehören ihrer Meinung nach in eine Familie und sie haben zu funktionieren, ansonsten unauffällig zu sein. Ich hatte als Kind wegen meiner Hautfarbe, ich war als Kind auch im Winter braun, entsetzlich unter Rassismus zu leiden. Mir wurden Wörter hinterher gerufen, die ich vorher noch nie gehört hatte, als ich eine neue Freundin zu Hause besuchen wollte, hat mir die Großmutter die die Tür öffnete, nur entgegengeschleudert, daß: Nigger hier nichts zu suchen haben; und dann die Tür wieder zugeknallt. Auch in der Schule gab es immer wieder Probleme deswegen, zum Glück nicht in meiner Klasse, aber in den Pausenstunden auf dem Schulhof.

Ich bin dann zu meinen Eltern gegangen und habe sie darauf hin angesprochen (mehrmals), aber sie meinten nur, daß ich froh sein sollte eine braune Haut ist gesund. Sie waren weder Trost nmoch Hilfe und haben nie verstanden, wie weh mir die Anfeindungen taten. Irgendwann als ich 12 oder so war, bin ich dann nicht mehr nach draußen zum spielen gegangen, um keine Sonne mehr abzubekommen und habe so auf helle Haut gehofft, das hat einige Jahre gedauert. Noch mit 20 Jahren wurde ich, wenn ich an Bushaltestellen wartete mit Verben in Infinitiven angesprochen und wie gut ich Deutsch sprechen würde. Aber diese Situation zusammen mit den anderen, daß ich immer aus Angst vor Prügeln meinen Kopf eingezogen habe, hat mich von meinen Eltern sehr weit entfernt, ich habe erkannt, daß ich gar kein Vertrauen zu ihen aufbauen konnte.

Ich bin nun wirklich erstaunt über mich selbst, wie viele Dinge ich einfach "vergessen" habe und mir, ich denke, um nicht vollkommen zusammenzuklappen die Welt schön geredet hatte, denn ich bin nie auf die Idee gekommen mir psychologische Hilfe zu holen. Ich dachte es liegt alles an mir, ich bin das böse Kind, das nicht folgsam genug ist und daher bestraft werden muß.
Grüße Saffia

serbina55
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Re: Depressionen - und nun?

Beitragvon serbina55 » Fr 15. Mai 2015, 15:12

Ich glaube dass Sie Diazepam Valium 10 mg nehme mussen. Diese Antidepressiva hilft am besten und ohne Probleme. Ich habe schon Erfahrungen und war die Behandlung mit Valium erfolgreich.
Bei www.viagra-free.com finden Sie das Mittel ohne Rezept in Deutschland und Europa.

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fluuu
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Re: Depressionen - und nun?

Beitragvon fluuu » Di 19. Mai 2015, 15:24

Im Moment sind die Werbungen im Forum aber vielschichtig verbreitet an den unterschiedlichsten Stellen.
Rezeptfrei süchtig werden, wie praktisch und dann bei der Entgiftung landen, wie angenehm.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

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Laura
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Re: Depressionen - und nun?

Beitragvon Laura » Mi 20. Mai 2015, 10:30

Wie überaus professionell von Seiten des (vermutlich) britischen online-Pillen-Shops viagra-free.com, dass er Leute wie serbina einsetzt, die ein bisschen Deutsch können und sich in in deutschsprachige Psychoforen einschleusen, um Schleichwerbung zu machen. Aber liebe serbina, haben Sie denn gar kein schlechtes Gewissen dabei, uns weismachen zu wollen, Valium, bzw. Diazepam gehöre zu der Klasse der ADs, was sich harmloser anhört als die Medikamentenklasse, zu der es tatsächlich gehört, nämlich zu den Tranquilizern?

Immerhin findet sich im Kleingedruckten dieses "Altruisten-Vereins" auch Folgendes:

"Information on this online pharmacy site is provided for informational purposes only and is not a substitute for professional advice. You should not use the information on this online pharmacy site for diagnosing or treating a medical or health condition."

Zwar geben Sie sich nicht als eine professionelle Behandlerin aus, sondern als Ex-Konsumentin des Präparats, tatsächlich haben Sie aber selbst unter diesem Deckmantel keinerlei Skrupel, falsche Informationen zu verbreiten, um in ihrer Marketing-Abteilung bezogen auf den deutschsprachigen Absatzmarkt punkten zu können!

Yours sincerely, (lol)

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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