Meine Freundin ist depressiv

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Noa
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Meine Freundin ist depressiv

Beitragvon Noa » Sa 13. Sep 2008, 17:36

Hallo,
ich bin seit ca. 3 Monaten mit meiner Freundin zusammen und sie ist depressiv.
Ich wusste das von Anfang an, hab es mir aber wohl leichter vorgestellt.

Im Moment geht es mir garnicht gut in der Beziehung und ich weiß nicht, was ich machen soll, damit das besser wird.
Ihre negative Stimmung zieht mich mit runter und mittlerweile bin ich auch immer öfter einfach genervt. Von ihrer Lethargie, ihrer Entscheidungsunfähigkeit (auch bei absoluten Kleinigkeiten), ihrer Lustlosigkeit und ihrem Selbsthass.
Ich will eigentlich für sie da sein, ihr was Gutes tun und sie aufmuntern, aber das klappt immer seltener, weil ich immer öfter Gedanken habe wie "Hey, ICH will auch mal aufgemuntert werden.".

Zu Beginn war das Ganze besser, aber das lag bestimmt an dem "frisch-verliebt-Gefühl", das wir beide hatten.

Ich weiß grad einfach nicht, wie wir da wieder raus kommen und befürchte, dass meine Erwartungen vielleicht einfach zu hoch sind. Und gleichzeitig fühle ich mich wie ein A..., weil ich ihr nicht gerecht werden und mich mehr zurückstellen kann.

Habt ihr Tipps?

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Mo 15. Sep 2008, 11:24

Hallo Noa,
eine Depression IST eine Krankheit. Deine Freundin kann genauso wenig dafür, wie wenn sie körperlich erkrankt wäre. Ist sie in Behandlung? ( psychotherapeutisch/ medikamente?) Sie leidet nämlich noch mehr als du.
Es ist schwierig, Partner einer kranken Person zu sein. Manchmal reichen die Kräfte nicht aus. Gibt es an deinem Ort evtl. die Möglichkeit einer Angehörigengruppe, wo du dich austauschen könntest? Oder was uns sehr geholfen hat: Ein Paargespräch bei der Therapeutin, wo mein Mann über mein Krankheitsbild aufgeklärt wurde.
Ich lese irgendwie aus deinen Zeilen, dass du glaubst, dass deine Freundin es in der Hand hat, gesund zu sein. Das hat sie bei einer Depression aber nicht und was dich nervt, sind Symptome.
Ich wünsche euch beiden viel Kraft.
liebe Grüße Remedias

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Xcat
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Beitragvon Xcat » Mo 15. Sep 2008, 13:38

Hi Noah,

als Außenstehender hat man schnell den Eindruck dass depressive nicht wollen, und sich keine Mühe geben. Genau das Gegenteil ist der Fall, sie können einfach nicht. Und alles kostet ihnen viel Kraft, deswegen sind sie schnell demotiviert und schwach.

Dazu fühlt man sich noch als unfähig, nutzlos und als eine unnötige Last für anderen. Man weiß nicht wie man aus dem Zustand rauskommen kann und wie lange es noch dauern wird, und macht sich ständig Vorwürfe. Man leidet schrecklich, fast Tag und Nacht, und keiner versteht es.

Vielleicht kannst du damit ein wenig mehr Verständnis für sie aufbringen. Ich weiß dass es nicht einfach ist, aber trotz Depris hat sie etwas was du liebst, und wenn es ihr besser geht, wirst dieses etwas in volle Stärke wiederfinden und genießen können.

Normalerweise verlaufen Depris in Episoden die mehr oder weniger lang sein können, also ist es nur eine Frage der Zeit...

LG Tom
„Ich möchte immer so sein, wie diesen Morgen: mich einfach nur normal fühlen!“ Xcat

Noa
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Beitragvon Noa » Mo 15. Sep 2008, 13:53

Hallo,
danke für eure Antworten.
Ich hatte vor 4 Jahren selbst für gut ein Jahr Depressionen. Ich weiß also, dass sie wirklich nicht anders KANN. Und es mangelt mir auch nicht an Verständnis für ihre Situation. Und natürlich ist es mir klar, dass es ihr noch schlechter geht als mir, aber was soll mir das bringen?
Genervt und frustriet bin ich trotzdem. Natürlich lass ich das dann nicht an ihr aus. Ich weiß ja, dass es nicht ihre Schuld ist. Aber wohin dann damit?
Und ich hab ja auch trotzdem Bedürfnisse. Klar bin ich in der Lage, die auch mal zurück zu stellen. Aber zwischendurch bin ich einfach so fertig, dass ich sie nicht mehr sehen kann. Das macht sie dann wiederum furchtbar traurig und ich fühle mich noch schlechter.
Ich fühle mich gerade völlig ausgelaugt. Und das schon nach so kurzer Zeit.

Noa

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Schwan
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Beitragvon Schwan » Do 2. Okt 2008, 12:18

Hallo Noa,
dein Beitrag macht mich tieftraurig - aber wenigstens bist du noch mit deiner Freundin zusammen. Mein Freund hat mich verlassen, weil er es nicht mehr konnte - dabei wollte ich doch einfach nur glücklich mit ihm sein!!! Er sagt, er hätte nie an meiner Liebe gezweifelt, jetzt lässt er mich so sehr leiden, dabei konnte ich doch für mein unschlüssiges Verhalten nichts, war wie gefangen in meiner Depression und hatte eine Anpassungsstörung. Mittlerweile scheint er alles in Zweifel zu ziehen, er versucht sich selbst vor mir schlecht zu machen, vielleicht damit es mir leichter fällt, ihn loszulassen. Ich liebe ihn so sehr und kann einfach nicht glauben, dass es aus ist zwischen uns. Ich leide wie ein Tier - tu ihr das nicht an!
***Mops & Schwänchen - das war einmal...***

Noa
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Beitragvon Noa » Do 2. Okt 2008, 12:38

hallo,
das tut mir sehr leid für dich und deinen exfreund, dass das so auseinander gehen musste.
aber dein "tu ihr das nicht an" kann ich nicht so ganz nachvollziehen. sie ist ein erwachsener, starker mensch. sie kann auch ohne mich leben. natürlich wäre das schmerzhaft für sie (und für mich auch), aber das ist nicht der richtige grund mit einer person zusammen zu sein. ich will nicht mit ihr zusammen bleiben, weil es ihr sonst für eine weile schlechter ginge, sondern weil sie ein toller mensch ist.
wenn ich mich trennen würde, dann aus selbst schutz oder weil ich einfach etwas anderes brauche. das ist natürlich traurig, dass es an sowas scheitern kann, aber auch nicht depressive menschen haben bedürfnisse, ängste, wünsche und (zu recht) auch ansprüche. natürlich kann man das alles eine weile hinten anstellen, und das tue ich auch. aber in dem moment, wo ich merke, dass mir das ganze auf dauer nicht gut tut, werde ich mich trennen.
im moment geht es uns aber besser, meine freundin hat gerade eine bessere phase und das genießen wir beide sehr. und das wird uns hoffentlich auch wieder energie für schlechtere zeiten geben.

ich bin auch schon verlassen worden und ich konnte auch nichts dafür, dass meine expartnerin etwas anderes wollte. das ist schmerzhaft und schrecklich traurig und verletzend, aber es ist ihr recht mich nicht mehr zu wollen und ich bin froh, dass sie dann ehrlich war. und man kommt darüber hinweg.
ich wünsche dir ganz viel kraft für die nächste zeit.
lg
noa

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Schwan
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Beitragvon Schwan » Do 2. Okt 2008, 17:10

Mein "tu ihr das nicht an" bezog sich natürlich ausschließlich darauf, dass du dich von ihr der Krankheit wegen trennst, also dass du zulässt, dass dir die "Sache" über den Kopf wächst. Mein Freund hatte mir versprochen, die 8 Therapiewochen "durchzuhalten", obwohl er wusste, dass es schwer werden könnte und ich Dinge tun könnte, die ihm unverständlich sind. ER HATTE ES VERSPROCHEN!!!! Und dann hat er 2 Wochen vorher "das Handtuch" geworfen... Er macht sich nicht einmal die Mühe, das Tagebuch zu lesen, dass ich während meiner Therapie für meine Therapeutin führen sollte, damit diese meine Gedanken und Gefühle besser verstehen kann. Darin habe ich jeden Tag geschrieben, dass ich mir NUR MIT IHM mein Leben vorstellen kann, dass mich lediglich die Erinnerungen an mein "altes Leben" immer wieder so traurig werden lassen! Ziel meiner Therapie war es, mit all dem umgehen zu lernen - und das wusste er! Jetzt leide ich seit mehr als 6 Wochen Höllenqualen; er vergnügt sich indes mit ner Neuen, ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich noch glauben kann, habe all meinen Lebensmut und den Glauben an die Liebe verloren. Ich habe keine Lichtblicke mehr - es ist alles weg. Er hatte es doch versprochen...
Danke für deine Wünsche, aber ich habe keine Kraft mehr... Ich weiß nicht, wie ich mein Leben wieder auf die Reihe kriegen soll, hätte selbst nie gedacht, dass man alles von einem einzigen Menschen abhängig machen kann. Ich hatte alles für ihn aufgegeben und jetzt hat er mich aufgegeben - und ich mich gleich mit.
***Mops & Schwänchen - das war einmal...***

Noa
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Beitragvon Noa » Do 2. Okt 2008, 20:08

hallo,
ich würde nie einen menschen nur wegen einer krankheit aufgeben. das sind ja immer viele puzzelteile, die letzendlich zu einer trennung führen. und ich würde auch nicht sagen, dass mir das über den kopf wachsen könnte, sondern, dass ich auf mich achte, auf mich aufpasse und mich im zweifelsfalle schützen werde. und was heißt, ich würde es "zulassen"? vielleicht ist kraft auch manchmal einfach erschöpft, vielleicht hat das manchmal weniger mit wollen und zulassen zu tun als mit können? aber zum glück kann ich ja noch. :)
die situation mit deinem freund schien ja eine ganz andere zu sein. ich habe meiner freundin nichts diesbezüglich versprochen, außer, dass ich immer auf mich achten werde, ehrlich sein werde und sie nie ohne kampf aufgeben würde. sie sagt übrigens selbst, dass sie nicht weiß, ob sie diese bezeihung langfristig führen kann, weil sie nicht weiß, ob sie die kraft dafür haben wird sich jemanden zu öffnen.
wir gehen da also sehr ehrlich aber auch fürsorglich miteinander um.

ich musste nach meiner letzten beziehung auch sehr schmerzhaft lernen, dass man für das glück in seinem leben nicht jemand anderes verantwortlich machen darf.
dass du im moment einfach keine kraft hast, ist denke ich, völlig normal. zumindets ging es mir nach meiner letzten beziehung auch so.
irgendwann wird es besser und man sammelt wieder kraft für sich selbst.
mir hat es damals gut getan viel für mich zu tun, mir viel zu gönnen und so die verletzungen langsam heilen zu lassen.

hast du denn immer noch therapeutische unterstützung?

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Angelita
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Beitragvon Angelita » Fr 3. Okt 2008, 20:04

Grüezi Noa
Und natürlich ist es mir klar, dass es ihr noch schlechter geht als mir, aber was soll mir das bringen?
Genervt und frustriet bin ich trotzdem.
Sie beschreiben Ihren Zustand sehr genau - Sie sind mit Ihrer Freundin u. der ganzen Situation überfordert u. fühlen sich zu kurz gekommen.

Auf der andern Seite steht Ihre Freundin, ihre Krankheit.

Sie alleine entscheiden für sich, was u. in welchem Umfang Sie eine Entscheidung treffen. Aus dieser Gefühlslage, von ihnen beiden, werden Sie o. Ihre Freundin als Verletzte/r hervorgehen, denn Moral, Achtung u. Liebe werden Sie in dieser Situation nicht ausser Acht lassen können. Es ist auch die Frage nach der Liebe, wie gross ist sie? Oder ist/war es "nur" Verliebtheit? Und ist sie bereits verflogen?
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

globetrotter
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Registriert: Fr 14. Nov 2008, 16:58

Was tut sich denn wirklich?

Beitragvon globetrotter » Fr 14. Nov 2008, 17:32

Hallo Noa!

Sie fragen nach Tipps. Nun, da bin ich auf diesem Gebiet sehr zurückhaltend, einerseits, und bitte um Verständnis dafür. Andererseits habe ich direkte und indirekte Erfahrungen gemacht, wie wohl die meisten Menschen.

Kursorisch: Ein Fall aus meinem Bekanntenkreis lag ähnlich. Mir war als Aussenstehender zu der Beziehung nicht klar, was mit der Freundin war. Aber, dass da was war spürte ich. Auf Ansprache bestätigte der Freund, dass da was war, konnte aber nicht damit umgehen. Er wusste weder sich noch seiner Freundin zu helfen.
Es ging Zeit ins Land. Die Probleme spitzten sich zu, bei beiden. Ein Arzt, unter mehreren, diagnostizierte Borderline Syndrom mit histrionischen Zügen bei der Freundin. Und dennoch liess sie nicht vom Freund ab. Später schien es eine Art Liebeswahn (Erotomanie) zu sein.
Ich konnte wirkungsvoll weder meinem Freund noch seiner Freundin helfen. Jedenfalls empfand ich meine Situation so.

Ich empfiehl, fachliche Hilfe aufzusuchen. Dies taten, Gott sei Dank, auch beide.

Später erfuhr ich mehr über Erotomanie aus einer Publikation des Psychotherapeuten. Die finden Sie hier: www.gerd-riederer.de/literatur.htm. Dort wird zwar ein anderer Fall behandelt, aber die Grundzüge der Geschehnisse in der Beziehung waren ähnlich.

Der in dem Buch beschriebene Fall ist übrigens authentisch, und endet zwar tragisch aber man kann bestimmt daraus lernen.

Gruß
Globetrotter


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