Manie Krank????

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Wutzi
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Manie Krank????

Beitragvon Wutzi » Mo 5. Mai 2008, 14:23

Hallo,

ich habe ein großes Problem, und ich hoffe, daß mir hier jemand weiter helfen kann.

Mein Freund (39 J.) und ich waren bis vor 3 Wochen sehr glücklich in einer knapp 5jährigen Beziehung.

Muss leider etwas weiter ausholen.
Vor genau 3 Jahren wurde mein Freund wegen Selbst und Fremdgefährdung in die geschl. Psychatrie zwangseingewiesen. Er war zu dieser Zeit unter Alkoholeinfluß.
Er hat in dieser Zeit mit keinem Therapeuten geredet und auch keine Untersuchungen durchführen lassen.
Nach 5 Wochen kam er dann wieder raus und er fing wieder mit dem saufen an. Zerschlug unsere kompl. Wohnungeinrichtung, ging auf unsere Gäste los (wir haben eine Disco) usw.

Nach 2 Wochen hat er es eingesehen, daß es so nicht weitergehen kann. Er hat mit dem Trinken von heut auf morgen aufgehört.

So, dann war alles wunderbar und wir hatten eine schöne Zeit. Bis vor 3 Wochen.
Wie oben schon geschrieben, haben wir eine Disco, die nicht gerade sehr gut läuft. Wir hatten vor zu verkaufen. Mein Freund hat eine Arbeitstelle als Haustechniker noch angenommen. Ich wollte auch arbeiten gehen, aber er meinte, ich soll mich mehr aufs Geschäft konzentrieren.
Ich merkte, wie er sich immer mehr veränderte. Dann vor 3 Wochen der Knall. Ohne einen Streit oder sonstigem Vorfall, beendete er von eine Std. auf die andere die Beziehung. Ich verstand gar nichts mehr. Jeden Tag macht er andere Aussagen, er verletzt mich, wo er nur kann, er krempelt im Lokal alles um. Es kennt sich keiner mehr aus. Gäste fragen mich schon, was mit ihm los sei, unser Personal fragt sich auch schon.
Vor ein paar Tagen fragte ich ihn, warum er die Beziehung beebdet hat. Er meinte er kann nicht mehr. Gott hätte ihm befohlen sich von mir zu trennen. Und er will auf biegen und brechen wieder Erfolgreich werden. Und das kann er nur ohne mich! :?:

Er schlaft kaum noch, trinkt nur Cafe und Espresso, ist überaktiv, baggert jede Frau an, will immer witzig sein, lacht äußerst laut und und und.
Das ist eigentlich nicht seine Art. Er war immer der Ruhige, feinfühlige und immer nett zu den anderen.
Und jetzt ist er genau das gegenteil.

Habe viel im Internet über Manie gelesen. Und jeder einzelne Punkt trifft auf ihn zu.

Hatte versucht mit ihm zu reden, dass er prof. Hilfe braucht, aber er sagte ich spinne und er fühlt sich so gut wie nie zuvor.

Wir wohnen noch gemeinsam in einer Wohnung, reden aber nichts miteinander, außer es geht ums Geschäft.

Ich habe überhaupt keinen Zugang mehr zu ihm. Er ignoriert mich, wo es nur geht.

Wollte mit seiner Mutter darüber reden, aber die hat sofort abgeblockt.

Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll!!!!
Bin verzweifelt, möchte ihm helfen und ihn auch wieder als meinen Partner zurück haben.

Habt ihr Tips, wie ich vorgehen kann?

Liebe Grüße
Brigitte

Honestly
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Hallo Brigitte,

Beitragvon Honestly » Mi 7. Mai 2008, 20:33

ich bin weiß Gott kein Experte und vermutlich sollten sich hier Fachleute eher äußern. Aber was du berichtest klingt in der Tat nach Manie. Die Symptome, die du beschreibst kenne ich sowohl von einem Themenabend über manisch-depressive Störung als auch aus meiner Selbstbeobachtung. Ich hatte eine Phase im letzen Spätsommer, in der ich auch manisch war. Extrem gereizt gegenüber meiner Freundin, die mir in jeder Beziehung zu langsam erschien, extrem wenig Schlaf, extrem davon überzeugt, für alle Frauen unwiderstehlich zu sein, laut redend und permanent aufgedreht. Da ich schon vorher mit einer Behandlung gegen Depressionen angefangen hatte, war es ein relativ kleiner Schritt, auch etwas gegen die Manie zu tun. Ich nehme seither neben Antidepressiva auch Lithium, das soll helfen. Was mir half, war meine eigene Einsicht. Ich dachte zwar, daß die anderen alle doof und begriffstutzig und ich hingegen "genial" bin, merkte aber zugleich, daß ich selbst überdreht war - und hab mir daher auch bereitwillig helfen lassen. Empfehlenswert sind übrigens die Bücher von Meyer, "Manisch-depressiv?" z.B. Das große Problem bei deinem Freund scheint zu sein, daß er seine Lage nicht einsehen will. Mit der Einsicht fängt nämlich meistens alles an - und manche Leute zerschlagen leider alle Scherben, ohne zu merken, was sie anrichten.

Ich denke in jedem Fall, daß er Hilfe braucht.
Dir wünsch ich unbekannterweise Mut und Kraft.

Herzlich,
Honestly

Wutzi
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Beitragvon Wutzi » Mi 7. Mai 2008, 21:59

Hallo Honestly!!!

Danke für Deine Antwort!

Darf ich fragen, wie Du selbst zu der Einsicht gekommen bist?

Gestern hat mir endlich seine Mutter zugehört. Und sie glaubt es mir endlich!!
Aber wir wissen nicht, was wir tun können.
Jeden Tag kommt eine neue spinnerei von ihm. Jeden Tag neue Aussagen. Wenn man sagt, gestern hast Du aber das gesagt, dann sagt er nur drauf, was interessiert mich das Geschwätz von Gestern!

Wie lange kann den so eine Phase anhalten?
Geht die denn von heut auf morgen wieder vorbei, oder schwächt die nur langsam wieder ab?

Werde mir mal dieses Buch bestellen.

Liebe Grüße
Brigitte

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fluuu
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Beitragvon fluuu » Do 8. Mai 2008, 15:16

Hallo,
in einer wahnhaften nicht krankheitseinsichtigen Phase ist guter Rat teuer.
Wurde selbst mal einem Arzt vorgestellt in einer manischen Phase und habe mich dort so gut verstellt, dass der Arzt mich ohne Behandlung gehen ließ. Wieder daheim haben letztendlich die Nachbarn die Polizei gerufen und die holten mich da raus.
Ohne Einsicht ist nichts zu machen, so traurig wie es klingt aber es hilft nur abzuwarten bis das Kind im Brunnen liegt, sprich die Psychose so auffällig ist, dass jemand Polizei oder Rettungswagen ruft und dann eine Behandlung möglich ist.
Die Chance, dass so eine Phase wieder von allein abklingt ist sehr gering aber nicht unmöglich.
Wünsche, dass sich eine Lösung findet und schlimmeres verhütet bleibt...

gruß fluuu
gruß fluuu

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Honestly
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Hallo Brigitte,

Beitragvon Honestly » Do 15. Mai 2008, 15:08

nun, die Einsicht? Keine Ahnung. Ich merkte ja, daß irgendwas anders war - und ich bin zwar überzeugt von mir, aber auch ein guter Selbstbeobachter. Für mich war es ein Abend in Köln, an dem ich durch die Stadt gezogen bin - und die Bewertung dieses Abends durch eine Psychiaterin. Die Symptome, die Meyer aufschreibt, habe ich an mir wiedererkannt. Ich würde mich trotzdem nicht als manisch krank bezeichnen, sondern als manisch veranlagt. Wenn ich z.b. in dem Themenabend auf Arte die harten Fälle beobachte, so bin ich meilenweit davon entfernt. Dennoch, Einsicht hilft! Denn was fehlende Einsicht bedeuetet hatte ich im letzten Sommer bei einer Kollegen gesehen, die dann wirklich abdrehte und ihr soziales Netz komplett zerstörte. So weit ist es bei mir nicht gekommen, weil ich eben auch ein Bewußtsein für die Situation habe.

Dir viel Erfolg, vielleicht ist das Buch ein Anfang. Da gibt es ja weitere Tips, an wen man sich wenden kann.

Lg,
Honestly


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