Burn out oder Depression?

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Seestern
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Burn out oder Depression?

Beitragvon Seestern » So 9. Dez 2007, 22:27

Hallo!
Bin neu hier und auch das erste Mal überhaupt in einem Forum. Ich weiß gar nicht, wie das hier geht und ob ich überhaupt richtig bin.

Hm. Mein Problem ist, dass ich vermute, dass ich an einem burn out Syndrom leide aber ich bin mir nicht sicher. Die Symptome die man so liest könnten passen. Die Frage ist, was ich jetzt tun kann, denn ich habe einen wirklich zeitraubenden Beruf und ich finde ehrlich gesagt kaum noch Zeit für die normalen Dinge des Lebens und wenn ich mir vorstellen muss, dass ich dann auch noch irgendwie Zeit für eine Therapie haben sollte...ich wüßte nicht wann! Gibt es denn jemanden der auch so wenig Zeit hat und da vielleicht irgendwelche Erfahrungen hat? An meinem Zeitproblem läßt sich nichts ändern aber irgendwie merke ich, dass ich wirklich darunter langsam leide. Blöderweise hab ich noch ein dickes Problem ( eigentlich bin ich ein Problemhaufen), ich vertraue Menschen einfach nicht, und das hindert mich zusätzlich daran, persönlich bei einem Therapeuten aufzutauchen. Aber ich merke schon seit ca einem halben Jahr, dass es so nicht weitergehen kann. Ich habe meinen Bekanntenkreis schon drastisch eingegrenzt, sitze lieber daheim statt mich mit Leuten zu treffen und bin zeitweilig richtig depressiv.
Was habt Ihr denn da für Erfahrungen gemacht??
Danke für Eure Hilfe!!
Seestern

Sharona
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Beitragvon Sharona » So 9. Dez 2007, 23:05

Hallo Seestern,

für deine ersten Gehversuche in einem Forum schlägst du dich doch toll!

Ich bin absolut kein Profi und rate dir also nur aus dem Bauch heraus.

Beruflich bin ich auch arg eingespannt, aber ich habe mir die Zeit genommen, eine Therapie zu beginnen. Es nützt mir - und ich denke auch dir - nichts, wenn unser Leidensdruck so gross wird, dass wir total ausfallen. Deshalb organisiere es so, dass du jetzt deine Probleme noch aktiv angehen kannst, ehe es soweit ist, dass du gezwungen bist.

Ich gehe einmal die Woche zu meine Thera und ich muss sagen, mir bringt diese eine Stunde schon was. Es sind keine Riesenschritte, aber es gerät etwas in die richtige Richtung in Bewegung.

Du schreibst, dass du Schwierigkeiten hast, Menschen zu vertrauen und dass du dich immer mehr von deinen Freunden zurück ziehst. Das finde ich sehr schade und bedenklich. Gerade gute Freundschaften sind etwas sehr Wertvolles, dass man sie pflegen sollte und sie zeigen dir, dass du auch vertrauen kannst oder zumindest konntest.

Lade doch ganz spontan mal wieder ein paar Kumpel zu dir ein! Auch wenn es zeitlich eventl. Stress bedeutet, ist positiver Stress sicherlich gut für dich.

Dann würde ich mir meinen Arbeitsalltag mal unter die Lupe nehmen. Wo könnte ich Aufgaben delegieren? Du sollst sie ja nicht komplett aus der Hand geben, aber "unwichtige Arbeiten" können dir vielleicht abgenommen werden.

Ich wünsche dir viel Erfolg!

Viele Grüße

Sharona

Seestern
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Beitragvon Seestern » Mo 10. Dez 2007, 15:24

Danke Sharona!
Das ging aber schnell....
Ja, ich denke das würde ich anderen auch raten, aber das ist für mich praktisch nicht durchführbar. Morgen gehe ich zUm Beispiel um 7:30 zum Arbeiten und komme erst Mittwoch gegen 18 Uhr heim. 36 Stunden durchgehend. Das mache ich ingesamt 7 Mal pro Monat neben einer " normalen" 40 Stunden Woche, die doch auch nicht eingehalten wird. Dann arbeite ich noch 2 Wochendenden im Monat..wie du dir vorstellen kannst hast du da an deinen freien Wochendenden grade mal Zeit, deine Bude wieder auf Vordermann zu bringen oder vielleicht einfach mal zu entspannen, und ehrlich gesagt stört es mich inzwischen gar nicht mehr so sehr, wenn ich keinen mehr sehe. Ich war heute immerhin beim Zahnarzt, den Termin hatte ich mir im Oktober gemacht. Insofern klappt das mit einer professionellen Therapie sicher nicht.
Andererseits soll man ja nicht jammern, man kann ja froh sein, wenn man überhaupt heute noch Arbeit hat. Ich dachte schon mal daran, meine Arbeitszeit zu reduzieren aber das klappt bei uns auch nicht. Entweder ganz oder gar nicht.
Gibts nicht irgend ein Buch oder sowas mit Eigentherapie oder hat sowas dann auch keinen Sinn??!
Was mußt du denn so in deiner Therapie machen? Wie sieht sowas denn aus?? Ich kann mir das gar nicht vorstellen!
Viele Grüße
Seestern

Sharona
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Beitragvon Sharona » Mo 10. Dez 2007, 18:37

Hallo Seestern,

Mann o Mann, da hast du ja wirklich ein volles Programm! Was passiert eigentlich, wenn du mal krank bist? Ich bin auch so jemand, der immer präsent sein möchte und es auch meistens ist, aber manchmal zeigt dir dein Körper einfach, dass da Grenzen sind.

Weisst du, was mein Bauch da als völlig Aussenstehender fragt "Ist es das, was du dir als DEIN Leben vorstellst?". Ich weiss auch, was auf dem Arbeitsmarkt los ist und ich bin froh, dass ich einen Job habe, der mir super Spaß macht und in dem ich auch erfolgreich bin, aber es gibt bei mir ganz klare Grenzen. Zum Beispiel gehört dazu, dass der Sonntag meiner Familie reserviert ist.

Ich habe mit Burn out keine persönlichen Erfahrungen ausser, dass mein Mann meiner Meinung nach darunter gelitten hat. Es war wirklich eine schlimme Zeit und ich bin froh, dass er sich wieder gefangen hat. Bei ihm war ein grosses Problem, dass er nicht abschalten konnte. Anscheinend gelingt es ihm mittlerweile besser und wir haben für ihn / uns einen Fluchtort (ein Wochenendhaus) geschaffen. Es ist erstaunlich, was mein sonst so kaputtgespielter Mann auf einmal wieder leisten konnte. Er hat seine Lebensfreude wieder gefunden und macht Sachen, für die er sonst seiner Meinung nach keine Kraft hatte. Darüber bin ich sehr froh.

Du fragst, was ich genau bei dieser Therapie mache und wie das abläuft.

Erstmal ist es ein grosses Problem, einen Termin zu bekommen. Es gibt Wartezeiten von über einem Jahr. Zuerst hat man ein Gespräch, in dem man seine Probleme und Wünsche formuliert. Mir hat die Therapeutin dann erklärt, wie genau sie gewohnt ist vorzugehen, denn da gibt es auch unterschiedliche Methoden. Vor allem musst du ersteinmal testen (vorausgesetzt du klaust dir doch die Zeit....), ob die Chemie mit deinem Therapeuten auch stimmt. Sie ist jetzt mein 3. Versuch und endlich klappt es. Ich war ja auch nicht ständig am Suchen sondern habe es zwischenzeitlich vernachlässigt. Wenn der Leidensdruck allerdings so gross ist, dass er das Leben stört, finde ich, sollte man etwas unternehmen.

Und bei mir war / ist es definitv so. Ich knabbere heute noch - nach fast 8 Jahren an der Trennung von meinem Ex bzw was dabei alles so vorgefallen ist. Heute lebe ich in einer total glücklichen Beziehung und reagiere aber nicht angemessen in Konfliktsituationen. Ich lasse zu, dass meine bisherigen Erfahrungen mein Verhalten beeinflussen, in einem Umfang, der für mich nicht normal ist. Ich kann das erkennen, habe aber grosse Probleme, das emotional umzusetzen. Und diese Leiche in meinem Keller will ich beseitigen. Für mich und meine Beziehung.

Die Therapeutin hat Anfangs mit mir über Themen gesprochen, da dachte ich HALLO - bin ich in der falschen Sprechstunde? Mittlerweile spüre ich, dass dies zur "Problemerkennung" notwendig war und mir geht es nach jeder Sprechstunde besser. Ich bin zwar meist sehr aufgewühlt, aber ich merke, dass sich etwas in positver Art und Weise in Bewegung setzt.

Für mich war vor Beginn der Therapie wichtig zu erkennen, was ich will. Nur dann hat es in meinen Augen Sinn gemacht.

Und was willst du?

Was kannst du ohne Therapeut selbst hinkriegen?

Was depremiert dich?

Warum macht es das?

Ich habe gerade in den Sitzungen erkannt, dass unser Unterbewusstsein eine sehr grosse Rolle spielt. Ich leide unter Situationen, die für Menschen mit anderen Erfahrungen ganz alltäglich oder vielleicht maximal lästig wären. Für mich sind die aber kaum ertragbar. Und das scheint bei mir auf längst vergangene Erfahrungen zurück zu führen.

Weisst du, mich hat dein Posting sehr nachdenklich gemacht. Es gibt ein Lied von den Ärzten. Ich kenne jetzt nicht den genauen Titel, aber ich finde, das ist wie für dich gemacht....

"Ich wär so gern noch mal ein Kind"

Ich liebe dieses Lied und es hat mir sehr zu denken gegeben. Das wünsche ich dir auch und das es dir gelingt, ín deiner Alltagstretmühle wenigstens so viel Platz zu erkämpfen, dass du deinen Grundbedürfnissen nachgehen kannst (Gesundheit). Ich mag auch Geld und Erfolg - ganz ehrlich - aber unser Leben ist zu kurz, um es zu verschenken.

Mit Büchern habe ich keine Erfahrungen, aber vielleicht hat die ein anderer User hier.

Viel Erfolg beim Freischwimmen!

Sharona

Seestern
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Beitragvon Seestern » Mo 10. Dez 2007, 20:15

Liebe Sharona
Vielen Dank für deine wirklich lieben Worte! Man merkt, dass du das schreiben kannst, was du fühlst!
Ich wünsche dir jedenfalls alles alles Liebe und Gute. Wenn ich so stöbere dann muss ich merken, dass bei mir glaub echt Hopfen und Malz dahin sind. Was solls!!! Auch solche Menschen muss es geben!
Ich danke dir jedenfalls nochmals ganz herzlich und es drückt dich
Dein Seestern

Sharona
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Beitragvon Sharona » Mo 10. Dez 2007, 20:32

Lieber Seestern,

ich halte dich nicht für einen hoffnungslosen Fall sondern eher für einen Suchenden.

Ich habe mich auch gestern erst hier angemeldet und bin noch lange nicht mit lesen fertig. Sicherlich kann ich mir hier den ein oder anderen Denkanstoß holen. Wir werden sehen.

Tut mir leid, dass ich dir keine wirkliche Hilfe sein kann, aber ich habe Hoffnung, dass sich hier antwortenmässig noch was von den Stammusern zeigt. Die sind sicherlich fiter als ich ;)

Schönen Abend noch und morgen + übermorgen einen schönen Tag - wird sicherlich anstrengend werden.

Liebe Grüße

Sharona


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