Larvierte Depression

Hier hinein gehören spezifische Beiträge zu Depressionen, manischen und manisch-depressiven (bipolaren) Störungen, Zyklothymie, Dysthymie und anderen Störungen des Gemüts.
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Psychogirl
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Larvierte Depression

Beitragvon Psychogirl » Sa 6. Jan 2007, 19:07

Mal eine Frage zur Larvierten Depression.
Wenn unter anderem diese Symptome vorliegen: Verstopfung, Schwere in den Beinen, Enge um den Brustkorb, Kopfschmerzen, Libidoverlust etc. und beim Hausarzt und auch sonstigen Ärzten keine körperlichen Ursachen gefunden werden konnten, dann handelt es sich meiner Meinung nach um eine larvierte Depression. Die Frage ist nur, wie ich es herausfinden kann, ob meine Verdachtsdiagnose tatsächlich stimmt? Welche Fragen könnte ich z.B. noch stellen?
Vielleicht um welche Tageszeit die Symptome auftreten?

Psycho-Tom
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Beitragvon Psycho-Tom » Sa 6. Jan 2007, 21:20

Das ist ne gute Frage,das wurde bei mir auch mal diagnostiziert. Ich glaube das hängt in erster Linie von dem Auftreten der Depression ab. Also ob Du auch absolut Beschwerdefreie Zeiten hast und dann kommt wieder das tiefe,tiefe Loch. Also das die Depression kein Dauerzustand ist.

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Beitragvon Psychogirl » Sa 6. Jan 2007, 21:22

na mit einer beschwerdenfreien Zeit wäre das ja eine rezidivierende depressive Störung. So weit ich weiß gibt es bei der larvierten Depression keine beschwerdenfreie Zeit!

Psycho-Tom
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Beitragvon Psycho-Tom » Sa 6. Jan 2007, 21:26

Bei mir wurde schon soviel festgestellt,da verliere ich schon mal den Überblick :-k #-o

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Beitragvon Psychogirl » So 7. Jan 2007, 16:10

Na ja bei mir liegt das nicht vor, aber muss das ja alles können für mein Psychotherapie Studium :wink:

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moni
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Beitragvon moni » So 7. Jan 2007, 17:12

Hallo Psychogirl

Das Problem ist: Jeder manifesten Depression geht eine larvierte voraus, aber nicht jeder larvierten folgt eine manifeste. Beides sind aber Depressionen, d.h., die innere Dynamik, die Muster, Strategien und Strukturen von innerer Überforderung sind dieselben. Somit müsste man für eine Diagnose meiner Meinung nach sein Augenmerk besonders auch DA drauf richten und nicht nur auf die körperlichen Symptome. Mithilfe derselben Möglichkeiten, die es gibt, um eine manifeste Depression abzuklären. Denke ich mal - als betroffener Laie.

LG moni
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Beitragvon Psychogirl » So 7. Jan 2007, 17:45

Hallo Moni!

Du meinst also, um eine genaue Diagnose stellen zu können, müsste man den Patienten nach psychischen Symptomen befragen?
Nur ist es so, dass sich Patienten mit einer lavierten Depression meist psychisch gesund fühlen und nicht verstehen woher die körperlichen Symptome kommen. Wenn man solche Patienten befragt, dann werden sie antworten, dass es ihnen psychisch gut geht und das ist das Problem an der Sache.

Gruß
Angela

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moni
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Beitragvon moni » So 7. Jan 2007, 18:37

Hallo Angela

Ja, auf den ersten Blick wird ein(e) Patient(in) wohl schon behaupten, psychisch sei alles in Ordnung ... Deshalb wird eine seriöse Diagnosestellung wahrscheinlich auch längere Zeit beanspruchen und nicht mit ein paar Fragen in einer oder zwei Stunden abzuhaken sein.

Als ich vor nun schon fast drei Jahren meine Therapie begonnen habe, hätte ich mir auch nie träumen lassen, dass da überhaupt eine solche - und dann noch eine so lange - draus werden würde ... Ich ging in die erste Stunde mit den Worten: "Ich brauch mal ein bisschen Supervision ... dauert bestimmt nicht lange ..." Heute muss ich grinsen, wenn ich daran zurückdenke ...
In einer der letzten Stunden sagte mir meine Therapeutin, die zugleich auch meine Psychiaterin ist, dass sie in der ersten Zeit gedacht habe, dass ich einfach eine Art Erschöpfungsdepression habe, und dass sie erst mit der Zeit gesehen habe, dass mehr dahinterstecke. Sie hat mich aber nicht sofort mit einer Diagnose in irgendeine Ecke gedrängt, und das ist, so denke ich, das Wesentliche, damit ein(e) Patient(in) offen bleiben kann und kooperiert. Denn gerade wenn nichts Organisches gefunden wird, möchte man doch wissen, was denn los ist. Wenn man mich nicht überfährt, bin ich jedenfalls grundsätzlich bereit, auch in einer Richtung zu suchen, die mir unangenehm ist oder die ich eigentlich lieber nicht sehen möchte. Aber das braucht Fingerspitzengefühl.

Unmittelbares Befragen nach psychischen Symptomen kann zu direkt sein, denn man wird ja auf den ersten Blick wohl eben keine bei sich wahrnehmen - ob da tatsächlich keine sind oder ob man sie einfach verdrängt, sei dahingestellt.
In der ersten Zeit meiner Therapie haben wir oft mit Träumen gearbeitet. Ich war schon immer eine intensive Träumerin, und das Schildern, Bearbeiten und zu meinem aktuellen oder auch früheren Leben In-Beziehung-Setzen der Träume war sehr hilfreich, um überhaupt zu sehen, was denn in mir so alles abging. Bei mir waren also die Träume ein guter Zugang zu meinem Innenleben - bei jemand anderem kann es was ganz anderes sein. Rollenspiele z.B. Etc. Jede(r) Therapeut(in) oder Psychiater(in) muss irgendeinen Zugang zu dem Menschen finden, der vor ihm sitzt, um sich seinem Innern, eben seinen Denk- und Verhaltensmustern und -strategien, annähern zu können und sie verstehen zu lernen. Dabei muss er/sie aber immer auch im Auge behalten, dass die Verdachtsdiagnose ja auch nicht stimmen könnte, und nicht der Gefahr unterliegen, nur noch auf Zeichen zu achten, die sie stützen und bestätigen.
Erst dann ist in meinen Augen eine seriöse Diagnose möglich.

Ich fürchte, dass für die Diagnosestellung einer psychischen Krankheit oft zu wenig Zeit zur Verfügung steht - ich weiss nicht, ob das an fehlendem Geld (von der KK), an fehlendem Willen oder Interesse Behandelnder, an der Gesundheitspolitik oder noch an was anderem oder an allem zusammen liegt. Und ich kann mir erst recht nicht vorstellen, dass eine larvierte Depression in kurzer Zeit festgestellt werden kann.

LG moni
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Beitragvon Psychogirl » Mo 8. Jan 2007, 13:12

Hallo Moni!

Naja, ich denke dass eine lavierte Depression meist sowieso erstmal nur eine Arbeitsdiagnose sein kann. Oftmals wird nach einiger Zeit sowieso festgestellt was wirklich vorliegt, aber ich glaube dass man bei einer versteckten Depression schon die Symptome abfragen kann, also sprich Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen und solche Sachen. Wobei natürlich nicht klar ist, ob der Patient das direkt bei sich feststellen kann.

@Ada: Meine Fragen sind rein beruflicher Natur, da ich Psychotherapie studiere und in knapp einem Jahr oder früher meine Prüfung vorm Gesundheitsamt machen möchte. Bis dahin hab ich noch sehr viel zu lernen.

Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich nicht ganz unbelastet bin, ich hatte selbst jahrelang Essstörungen. Magersucht und Bulimie. Depressionen hatte ich aber nie, wurde jedenfalls nie diagnostiziert!

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Farbenfroh
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Beitragvon Farbenfroh » Mi 7. Mär 2007, 11:37

Hallo

Ich hätte als Laie eine Frage dazu.

Ist es möglich bei Menschen mit einer lavierten Depression immer (auf irgendeine Art und Weise) einen Zugang zu ihrer Problematik zu finden, also für ihn nachvollziehbar.

Farbenfroh


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