Streit unter Angehörigen

Hier hinein gehören spezifische Beiträge zu Depressionen, manischen und manisch-depressiven (bipolaren) Störungen, Zyklothymie, Dysthymie und anderen Störungen des Gemüts.
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Nad Flanders
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Streit unter Angehörigen

Beitragvon Nad Flanders » Fr 22. Dez 2006, 18:19

Hallo Leute,
meine Frau leidet unter einer bipolaren Störung und hat gleichzeitig Angstgefühle. Letztere projeziert sie leider auf mich. Obwohl ich sie schon mehrfach fragte, konnte sie mir dafür keine Begründung geben. Aber auch ihren Psychologen, welche sie fragten, konnte sie keinen Grund für die Angst nennen. Das kann ich aber in Anbetracht der psychologischen Grunderkrankung akzeptieren, da sie erst seit etwa drei Monaten, richtig diagnostiziert ist. Seither befindet sie sich in stationärer Betreuung.

Vor wenigen Tagen endlich konnte sie ihre Krankheit annehmen und begann, sich damit zu beschäftigen. Vorher wollte und konnte sie keine Akzeptanz dafür entwicklen. Auch hier verweise ich wohl nicht zu unrecht auf die Störung. Ich habe, seit ich darum und die konkrete Diagnose der Ärzte weiß, versucht, mich soweit als möglich umfassend zu informieren. Um zu verstehen, um mit meiner Frau, die ich immer noch sehr liebe, auch umgehen zu können und um eventuell in der Zukunft Fehler zu vermeiden. Dazu wurden von mir das Internet aber auch einschlägige Fachliteratur in Anspruch genommen.

Die Krux an der Sache ist, dass meine Gattin während des wochenendlichen "Heimaturlaubs" (noch) nicht zu mir will, sondern sich bei ihren Eltern aufhält. Diese widerum haben sich mit der Störung ihrer Tochter noch nicht ausreichend beschäftigt. In der Folge reagieren sie meines Erachtens völlig falsch auf bestimmte Auffälligkeiten. So wird sie zum Beispiel mit zu Renovierungsarbeiten genommen, wo sie nach Ansicht Dritter völlig überfordert war.

Hinzu kommt, dass meine Frau bereits vor der Einweisung teilweise in einer eigenen Welt zu leben schien. Sie hat u. a. Freunden in meiner Abwesenheit Geschichten erzählt, wo diese sich und dann auch mich fragten, was da dran sei. Ich war schockiert, da ich erkennen musste, dass meine Frau die Realität ab und an zu verdrängen schien. Das tut sie mitunter in bestimmten Phasen auch heute noch. Schwierig wird die Situation dadurch, dass ihre Eltern ihr all das für bare Münze abkaufen und mir keinen Glauben schenken.

Wenn ich dann versuche, sie an meinen Informationen über die Störung ihrer Tochter teilhaben zu lassen, ernte ich nur Unverständnis und es kommt zum Dissenz. So wird z. B. gesagt: "... Du mit Deinem Internet..., oder, in Bezug auf Literatur, "... jeder Mensch ist anders und meine Tochter wird wieder ganz gesund...". Am Ende wird mir dann noch meine Suche nach Hilfe, auch bei den Ärzten, vorgeworfen.

Ich kann die Haltung der Eltern nicht nachvollziehen, Ihr etwa? :?: Auch ist zu befürchten, dass diese gegen unsere Beziehung und Ehe opponieren. Zumal die Schwester meiner Gattin mir sage, dass die Eltern ihr Kind schützen wollen. Mir ist nur nicht klar vor was. Ich würde es besser finden, wenn auch sie endlich die Krankheit ihrer Tochter als Realität ansehen und sich damit befassen würden. Dann würden sie vielleicht begreifen. Aber ich trat ihnen schon zu nahe, als ich bestimmte Unterlagen per Email an sie sandt und sie dort lasen, dass genetische Ursachen auch einen Einfluss auf die bipolare Störung haben können.

Nun ist guter Rat teuer. Ich habe per Brief an die Eltern meine Hand ausgetreckt. Ob sie angenommen wird? Ich weiß es nicht. Kann mir einer einen Tipp geben? :?:

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Papaya
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Beitragvon Papaya » Sa 23. Dez 2006, 10:16

Hallo,

Ersteinmal will ich dir ein ganz großes Lob aussprechen für dein Engagement und all deine Bemühungen.
Es muss nicht leicht sein für dich im Moment, aber trotzdem gibst du dir so viel Mühe, um deiner Frau zu helfen. Das verdient viel Respekt und Anerkennung. Sie scheint in dir wirklich einen liebenden Ehemann gefunden zu haben. Umso schlimmer, dass sie das im Moment nicht anerkennen will oder kann.

Diese Ignoranz von vorzüglich älteren Menschen hab ich auch schon beobachten müssen. Meine Tante befindet sich auch in psychatrischer Behandlung, aber anstatt sich auf ihre Probleme einzulassen oder ihr zu helfen ist sie unter den älteren Vertretern meiner Familie nur 'die Gestörte', die halt 'eingewiesen wurde', und sie sagen sogar Dinge wie: 'Die muss man jetzt einfach mal da allein lassen und dann siehst sie schon, wohin sie ihr ganzer Mist gebracht hat. Dann kommt sie schon wieder zurück auf den Boden der Tatsachen.'
Ich glaub, das Schlimmste für einen psychisch kranken ist, allein gelassen zu werden. Aber darum soll's jetzt nicht gehen. Ich wollte nur ein Beispiel nennen. Jedenfalls scheinen sich besonders ältere Menschen schwer damit zu tun, psychische Krankheiten auch als richtige Krankheiten zu akzeptieren.
Deine Bemühungen, ihnen Informationen zuzubringen, sind wirklich bemerkenswert, aber sieh zu, dass du dich darüber hinaus nicht selbst vergisst. Du hast genügend getan bisher, mehr noch, als wahrscheinlich ein Anderer tun würde. Aber wenn du auf sprichwörtliches Granit beißt, hat es keinen Sinn, deine Zeit und Energie dahingehend zu verschwenden.
Vielleicht solltest du mal mit den Ärzten deiner Frau reden und ihnen die Situation schildern. Ich vermute nämlich nicht, dass es besonders heilsam für sie ist, zu Menschen zu gehen, die sich mit ihrer Krankheit nicht näher befassen wollen. Diese Besuche bei ihren Eltern schaden ihr vielleicht mehr, als dass sie ihr helfen.
"Our prime purpose in this life is to help others. And if you can't help them, at least don't hurt them."
Dalai Lama

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Danke

Beitragvon Nad Flanders » Sa 23. Dez 2006, 15:03

Danke Papaya, dass Du mir Mut zusprichst. Den kann ich wohl wirklich brauchen. Ich habe mit der Psychologin meiner Frau, welche ich während eines gemeinsamen Gespräches zu Dritt bereits kennen gelernt habe, schriftlich Kontakt augenommen. Diese hatte mir damals Hilfe angeboten. Ich fand es besser, erstmal zu schreiben, denn am Telefon vergisst man schnell das ein oder andere oder vergaloppiert sich. Ich wollte zumindest die Person, welche mit meiner Gattin aufklärende Gespräche führt, auf die Problematik hinweisen.

Ich bin ebenfalls der Meinung, meine Frau ist dort nicht zu jeder Zeit richtig aufgehoben. Aber ich kann das nicht sagen, denn das würde nur nochmehr Glas zerschlagen, die Fronten verhärten. So bin ich um eine Normalisierung bemüht, auch wenn mir das manchmal schwerfällt.
Nad


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