Hilfe für einen Angehörigen

Hier hinein gehören spezifische Beiträge zu Depressionen, manischen und manisch-depressiven (bipolaren) Störungen, Zyklothymie, Dysthymie und anderen Störungen des Gemüts.
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Mark
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Hilfe für einen Angehörigen

Beitragvon Mark » Di 31. Okt 2006, 11:05

Hallo,

ich bin 42 Jahre alt und habe vier Kinder im Alter von 10, 13, 14 und 15 Jahren. Drei der Kinder hat meine Frau in die Ehe (2005) gebracht und einer (14 Jahre) ist aus meiner ersten Ehe. Der Junge lebt bei seiner Mutter und ist im 14tägigen Rhythmus bei uns. Vor einem Jahr wurde bei meiner Frau (38 Jahre) Depression (genauer: bipolare affektive Störung) diagnostiziert. Meines Erachtens (u.a.) eine Folge von drei Brustkrebsoperationen).
Sie hat von Ihrem Hausarzt einem Antidepressivum verschrieben bekommen. Sie weigert sich allerdings einen entsprechenden Facharzt aufzusuchen. Wie sich die Erkrankung auf das Familienleben auswirken brauche wohl nicht zu erwähnen.

Ende letzter Woche habe ich einen riesigen Fehler gemacht. Ich habe auf einen Wutausbruch meiner Frau falsch reagiert und sie im Verlauf des Disputs auf ihre Krankheit verwiesen und darauf gepocht, dass sie endlich einen Facharzt aufsuchen muss. Des Weiteren habe ich mich dazu hinreißen lassen, sie darauf Aufmerksam zu machen, dass all unsere Probleme aus der Krankheit resultieren. Ich habe mich verteidigt, dass ich nach 13stündiger beruflicher Abwesenheit mich noch um den Haushalt kümmern muss usw. und dass ich dann (in meinen Augen Verständlicherweise, aber trotzdem Falsch) auch überregiere kann, wenn die Kinder über die Stränge schlagen, wenn sie u.a. ihre eigenen Aufgaben wie z.B. den Hausmüll wegbringen oder sich um ihre Haustiere nicht kümmern wollen.
Auslöser des Streits war, dass mein leiblicher Sohn sich so verhalten hat, wie ich es auch von meinen anderen Kindern auch erwarten würde. Meine EX hat dem Jungen vor Monaten verboten zu erzählen, dass sie von Teil- auf Vollzeit gegangen ist. Ich hatte den Jungen in einem anderen Zusammenhang gefragt, wann seine Mutter denn zu Hause sei und er hat entsprechend der Anweisung geantwortet. Ende letzter Woche hat er sich "verplappert". Meine Frau hatte die Erwartung, dass ich den Jungen sofort bestrafe, weil er von Monaten gelogen hat. Ferner dass ich sofort zu Telefon rennen sollte, um meine Ex zu beschimpfen.
Hierbei möchte ich noch darauf hinweisen, dass wir die Vollzeittätigkeit meiner EX schon vermutet hatten und wir Ende November über den Anwalt eine Überprüfung meiner Unterhaltszahlungen vornehmen lassen wollten.
Die Unterhaltszahlungen sind ein ständiges Ärgernis zwischen meiner Frau und mir. Mein Ex erhält den ihr rechtlich zustehenden Unterhalt. Moralisch gesehen hat sie keinen Anspruch, da sie während der Ehezeit ein mehrjähriges außereheliches Verhältnis geführt hat. Durch ihren eigenen Verdienst und der Unterhaltszahlungen kann sie unseren gemeinsamen Sohn ein materielles Leben bieten, von dem meine anderen Kinder nur Träumen können. Er bekommt fast jährlich einen neuen (besseren) PC, handymäßig auf dem "neusten" Stand, Markenkleidung, Urlaub usw.
Das führt öfters zu Problemen.


Fazit ist jetzt, dass meine Frau komplett "ZU" gemacht hat und mich auffordert die Wohnung zu verlassen! Sie will die Trennung!

Wie kann ich noch reagieren, soll oder kann ich darauf hoffen, dass ich das aussitzen kann und sie zur Besinnung kommt.

Ich hoffe, dass man mir Hilfestellungen geben kann.

Gruß
Mark

Nad Flanders
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eigene Erfahrung

Beitragvon Nad Flanders » So 19. Nov 2006, 13:10

Hallo Mark,
eine Hilfe kann ich Dir leider nicht anbieten, denn die suche ich auch. Ich möchte nur schreiben, dass ich mich in einer ähnlichen Situation befinde.

Meine Frau, 27 Jahre, befindet sich derzeit in einem Krankenhaus in psychiatrischer Betreuung. Das ist nunmehr seit über sechs Wochen der Fall, nur hat sich im Gesundheitszustand meines Erachtens keinerlei Besserung eingestellt. Im Gegenteil, sie möchte mich seit zwei Wochen nicht sehen und daher verweigern auch die Ärzte jede Information und jedes Gespräch über meine Frau. Zu erwähnen ist vielleicht, dass sie bei Ihrer Einweisung ein gerade konträres Verhalten an den Tag legte und ausschließlich mich sehen wollte.

Nun stehe ich da, ich armer Tor ... voller Hilflosigkeit gefangen. Auch ich bin bereit, einen Weg durch einen langen Tunnel im Sinne meiner Frau, die ich sehr liebe, zu gehen. Vorausgesetzt natürlich immer, dass ich das Licht auf mich zukommen sehe. Ich bin also gespannt, ob sich jemand beruen fühlt, Dir eine Hilfe oder einen Ratschlag zu aufgeworfenen Thema anbieten zu können.

Nad

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Kratz
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Beitragvon Kratz » So 19. Nov 2006, 14:52

Hallo Mark,hallo Nad,

eid ja beide in schwieriger Situation derzeit, guter Rat ist da immer teuer, aber nicht einfach, denn niemand hier kennt die genauen Bedingungen.
Aber immer hilfreich ist sich auszutauschen und oft findet man hier Hinweise und Ideen , die einen weiterbringen.

@ Marc
Das deine Frau im augenblick zu extremen reaktionen neigt scheint ja schon länger der fall gewesen zu sein, denn Du sagst ja dass eure familiäre Situation in den letzten Monaten immer problematicher geworden ist. Das führt natürlich dazu dass bei allen die Grenzen erreicht sind, die falsche Reaktion auf den Wutausbruch ist so falch nicht , denn genau das zeigt sch ja so deutlich.
Du bist mit der Situation überfordert und irgendwann kommts raus.
Auch die Reaktion deiner Frau ist ja dann sehr extrem.
In einer solch eskalierten Situation kann nur fachliche Unterstützung weiterhelfen, keine Tipps aus der Ferne. Das muss nicht der Facharzt sein, Eheberatung psychosozialer Dienst etc. können auch ein Anfang sein.
Wie Du es erreichen kannst dass deine Frau sich da wieder öffnet ist natürlich die wichtigste Frage.
Nichts wird besser wenn man nichts tut.
Und Du kannst natürlich auch unabhängig den ersten Schritt tun, und eine Beratung aufsuchen.
Das würde vielleicht ja auch ein wenig die Angst deiner Frau davor verrückt erklärt zu werden nehmen.

Abgesehen davon würd ich mal mit dem Hausarzt reden, denn es geht nicht an lange Zeit solche Medikamente zu verschreiben und sich nicht um weitergehende Theraphie zu bemühen.

Aber auf jeden Fall etwas unternehmen und das Gespräch auch mit deiner Frau suchen, denn verzweifelt seid ja Ihr beide - und auch wahrscheinlich inzwischen eure Kinder.

Ich möchte auch noch Nad ein paar Worte schreiben.

@Nad

Zuerst einmal möchte ich Dir sagen, dass das Verhalten deiner Frau nichts ungewöhnliches ist. Manchmal schottet man sich regelrecht ab in der Erkrankung um zur Ruhe kommen zu können.

Das Verhalten der Ärzte finde ich nicht in Ordnung, aber gut man macht es sich gerne einfach.

Natürlich sollten Angehörige in solchen Situationen gerade unterstütz werden, den es gilt soziale Strukturen zu erhalten, wenn nichts dagegen spricht.
Wärest Du zB Alkoholiker kann Abschotten und Trennen ja richtig sein.
Denn bei psychischen Erkrankungen ist sehr wechselhaftes Verhalten ja auch etwas normales.

Auch benötigen Angehörige in meinen Augen auch besonderer Unterstützung, denn genauso wie dEr Erkrankte lernen muss mit der Erkrankung zu leben genauso muss dr Angehörige es lernen mit dem Erkrankten zu leben und für sich einen gesunden Umgang mit dem Geschehen zu finden.
Von daher finde ich es doch immer wieder ärgerlich dass man es kaum für nötig hält Angehörigen entsprechende Unterstützung zu bieten.

Du solltest natürlich auch den Wunsch nach Ruhe akzeptieren, viellicht könntest Du ja erstmal ein zwangloses Kärtchen schicken um deutlich zu machen dass Du für deine frau da bist.

Ich hoffe ihr findet hier ein wenig Gesprächsraum und ein paar Ideen.

Für mich ist es immer wieder traurig zu sehen wie wenig Unterstützung gerade Angehörige die sich nicht abwenden erfahren. Oft genug führt dass in die Überforderung der Angehörigen, die irgendwann nicht mehr können und sich abwenden um nicht selbst durch eine die Erkrankung des Partners unterzugehen.

Gruss

Detlev
Des deutschen Bürgers ehrliches Sicherheitshirn vermag nicht den scheinbaren Sinn einer ausschließlich von der Nützlichkeit der Dinge bestimmten Wertung als Unsinn zu begreifen.

soria
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Registriert: Fr 16. Nov 2007, 17:44

Beitragvon soria » Mo 19. Nov 2007, 14:27

Hallo Kratz,
ich wollte gerne was zum Thema "Angehörige" los werden. Ich bin da voll und ganz Deiner Meinung. Ich habe es am eigenen Leib erfahren. Mein Freund ist psychotisch. Ich habe immer wieder den Kontakt zu den Ärzten gesucht und habe angeboten zu helfen. Ich kenne meinen Freund besser als sie. Und ich bin diejenige, die seine Traurigkeit und Verzweiflung abzufangen versucht. Aber die Ärzte haben so gut wie nicht reagiert. Auf mein Drängen hin gab es mal ein Gespräch. Mehr nicht. Wenn ich was über die Behandlung oder Medikamente wissen wollte, die man ihm gibt, musste ich ihn selbst fragen. Um die Angehörigen haben sich die Ärzte einen Scheiß gekümmert. Und meinem Freund konnten sie letztlich auch nicht helfen....haben ihn nur nach Schema behandelt, heißt: mit Medikamenten vollgestopft. Ich war bei so vielen Fachstellen .... und bin immer wieder zu einer anderen geschickt worden. Geholfen hat niemand - nur klug daher geredet. Und mir als liebende Angehörige wird noch unterstellt, ich sei co-abhängig....Die blödeste Frage war: Warum fällt es Ihnen so schwer, ihren Freund loszulassen. "Weil ich ihn liebe!".....es gibt soooooo verdammt ignorante Menschen :-(
Soria


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