Allein und/oder einsam

Hier hinein gehören spezifische Beiträge zu Depressionen, manischen und manisch-depressiven (bipolaren) Störungen, Zyklothymie, Dysthymie und anderen Störungen des Gemüts.
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Chaefer
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Allein und/oder einsam

Beitragvon Chaefer » Di 24. Okt 2006, 23:47

Ich mache mir in letzter Zeit viele Gedanken über das Alleinsein. Kein Wunder, ich lebe ja auch allein. Doch muss ich deswegen auch einsam sein?
Es gibt Leute, die sich in einer Ehe einsam fühlen, obwohl sie nicht allein sind. Dann gibt es auch Menschen, die alleine leben, aber ihr Leben keineswegs einsam ist.
Ich fühle mich zur Zeit einfach nur leer. Ich gehe arbeiten. Doch dort fühle ich mich unter all den alten Menschen trotzdem einsam. Ich war drei Wochen in einer Tagesklinik. Es lief viel, doch ich war einsam. Ich komme nach Hause und bin allein und einsam.
Ich weiss, ich sollte wieder unter Menschen, normale Menschen, wie es so schön heisst. Doch ich habe Angst, doch wieder einsam zu sein.
Nächsten Samstag habe ich meine erste Klassenzusammenkunft in den letzten dreissig Jahren. Also, meine erste überhaupt. Ich werde Menschen treffen, mit denen ich ein Stück meines Lebens gegangen bin. Doch ich träume seit zwei Nächten unmögliche Dinge über dieses Treffen. Ich habe einfach nur Angst, dass die andern erzählen von ihrem Leben, was sie alles erreicht haben. Und ich? Ich werde wohl wieder alleine dort sitzen und mich unendlich einsam fühlen.
Kennt jemand dieses Gefühl? Hat mir da vielleicht jemand eine Idee, wie ich aus diesem Teufelskreis ausbrechen kann? Diese Leere, diese Gefühlslosigkeit ist das eine. Aber diese Einsamkeit macht mich krank.

Liebe Grüsse

chaefer
Die grösste Leistung besteht darin, nicht andere, sondern sich selbst zu übertreffen.

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Stille
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Beitragvon Stille » Do 26. Okt 2006, 18:28

Liebe Chaefer,

ja ich kenne das Gefühl nur zu gut.

Erst einmal gibt es einen Unterschied zwischen einsam und allein zu sein. Ich bin z.B. nicht allein, in der Regel habe ich genug Menschen um mich und ich kenne genügend Menschen die bei mir sind. Aber auf Grund meiner eigens entwickelten Distanz bin ich mit ihnen einsam. Also da ist erst mal das allumfassende einsam sein. Die Mauern die wir Menschen mehr oder weniger bauen, die Masken die wir tragen, das macht uns einsam. Es ist aber auch bei mir so, dass wenn ich mit zuviel Menschen zusammen bin und es irgendwelche Auslöser gibt, die muss ich nicht mal selber bemerken, ich mich aus meinem Körper herauslöse. Ich schaue dann der drögen Konversation zu die ich führe, die ohne Herz und mehr oder weniger nur von der Notwendigkeit geprägt, von mir geführt wird. Das macht mir dann große Angst.

Bei mir hat sich langfristig schon etwas geändert. Das wäre aber jetzt eine zu umfassende Geschichte, du brauchst eine schnelleb Lösung für dein Klassentreffen.

Als erst einmal tut es uns Frauen doch gut, wenn wir uns "schick" machen. Wie wäre es mit einer neuen Frisur und einem neuen Outfit für das Klassentreffen?! Ich weiß das klingt oberflächlich, nicht schimpfen ;-) Aber ein bisschen äußerliche Sicherheit kann ja niemanden schaden.

Hast du jemanden mit dem du noch so aus deiner damaligen Klasse in Kontakt bist. Vielleicht wäre es gut, wenn du nicht allein fährst sondern in Begleitung?!

Wenn du kein Problem mit Alkohol hast, könntest du vielleicht vorher ein Glas Sekt trinken. Das löst ja auch manchmal die Blockaden.

Hmm Chaefer, ich weiß nicht ob dir das nun weiterhilft, aber ich habe dich als eloquente und amüsante Gesprächspartnerin erlebt. Vielleicht passt es ja doch, nächstes Wochenende. Ich wünsche es dir jedenfalls.

Ich habe bei Klassentreffen schon alles erlebt. Von depremierenden Zusammenkünften von Leuten, wo ich nicht verstehen konnte, dass ich mit ihnen mal befreundet war, bis hin zu wirklich tollen nachhaltigen Erlebnissen.

In diesem Sinne
Liebe Grüße
Stille
Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, daß sie nicht hinter dir her sind ;-)

thana
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Beitragvon thana » So 4. Nov 2007, 16:50

Ich fühle mich eigentlich auch ständig einsam.. früher mal hat mir das nichts ausgemacht, bzw. ich habe es als normal empfunden. Schule, PC, ein paar Kontakte über das Internet. Meine Mutter sagt, ich hab schon als Kleinkind am liebsten alleine gespielt, auch später. Gegen den Kindergarten hab ich mich mit Händen und Füßen gewehrt.. wenn ich einmal da war gings dann aber, hab mich wohl automatisch gut eingefügt. Auch später hatte ich nie Freunde, nur Schulkameraden, Kinder aus der Straße, mit denen man ab und an draußen unterwegs war. Aber wenn es mir zuviel wurde, bin ich immer gegangen oder habe sie nach Hause geschickt, wenn mal jemand bei mir war. Wahrscheinlich bin ich von Natur aus nicht sonderlich gesellig. Auf dem Gymnasium dann wurde ich fleißig gehänselt, das tat dann ein übriges: ich entwickelte eine nette Sozialphobie. Allerdings habe ich schnell gelernt, alles zu überspielen, wohl weil nie wirklich ernst genommen wurde, wie schlecht es mir ging. Zensuren im Keller, Zitteranfälle auf dem heimischen Sofa nach der Schule.. alles was meiner Mutter einfiel, war mich auf eine neue Schule zu schicken. Weitermachen, funktionieren, nicht fühlen. Alles ist in Ordnung, wir sind eine normale Familie, bla bla. So direkt hat das nie jemand gesagt, aber das muss man auch nicht. Naja so ging das dann weiter.. Außenseiter, aber ich fühlte mich fast wohl dabei. Wenn ich allen möglichst aus dem Wege ging, war wenigstens die Chance kleiner, wieder dumme Sprüche zu ernten. Meine Freunde in meiner Fantasie reichten mir aus, eine Weile war ich Mitglied in verschiedenen Fandoms, verkleiden, verstecken, in anderen Welten leben. Richtig schlimm wurde es, als ich dann hierhergezogen bin und mich blöderweise verliebt habe.. wenn man das so nennen kann. Zumindest war da jemand, dem ich ohne ihn weiter zu kennen vertraut habe, bei dem ich das Gefühl hatte, jep, das isser. Warer nicht. Aber seitdem funktionieren die Fantasiefreunde nicht mehr. Ich habe mich aus meiner Welt in die Realität gewagt und kann nicht mehr zurück. Jetzt sitze ich hier und frage mich fast täglich, ob es überhaupt einen Unterschied machen würde, wenn ich nicht mehr da wäre. Wen würde es schon kümmern. Ich könnte kündigen, meiner Mutter auf Band sprechen das alles in Ordnung ist und ein paar mal Ja Ja dazu und dann könnte ich Monate in meiner Wohnung sitzen, ohne das es jemanden interessieren würde, wo ich abgeblieben bin. Wozu dann noch weitermachen?

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moni
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Beitragvon moni » Mo 5. Nov 2007, 14:42

Hallo thana
Wozu dann noch weitermachen?
Weil Menschen sich ändern können. Weil nichts, was mal war, a priori für immer so bleiben muss. Weil auch der gesunde Kern in dir im Grunde genommen dafür kämpfen will, deinem hier geschilderten Leben neue Impulse zu geben. Vielleicht auch mit Hilfe der angefangenen Therapie. Nicht in Riesenschritten. Kleine genügen. :) Aber geh den Weg, thana!

Einen Schubs :wink: und liebe Grüsse

moni
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Hermann Hesse

Jeremia
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Beitragvon Jeremia » Mi 14. Nov 2007, 17:02

Hallo thana!
Ich kenne das auch sehr gut.Ich wurde früher schon
immer ausgegrenzt,wollte alles alleine machen,war ständig Außenseiter.Ich habe mich an eine Glaubensgemeinschaft angeschlossen,doch da werde ich,wegen meiner Angsterkrankung immer wieder ausgegrenzt.Vor allem,kommt sehr viel von dieser Glaubensrichtung,daß es mir schlecht geht.Ich wurde ständig komisch angeschaut.Ich war vor kurzem in einer Klinim in einer Depressionsstation,da meinte man,daß es bei mir andere Dinge wären,als nur Depressionen.Aber auch Depressionen spielen bei mir eine grosse Rolle.Immer wieder die Frage,warum nimmt man mich nicht so,wie ich bin?Warum ist man Außenseiter.Auch in der Schule,Berufsschule wurde ich gehänselt.Ich hatte mich auch stets ausgeschlossen gefühlt,besonders,wenn viele anwesend waren.Vor allem wird immer gesagt:"Stell dich nicht so an,du kannst doch..."Besonders eigentlch in der kirchengemeinde,
sollte man Verständnis zeigen,aber ist einfach nicht.
Darum,kann ich es alles nachvollziehen.
LG jeremia

thana
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Beitragvon thana » Do 15. Nov 2007, 22:04

Naja, zumindendest hab ich seit heute eine vorläufige Diagnose: Schizoide Persönlichkeit mit einem Schuß Borderline. Allerdings sind wir uns noch nicht klar, in welchem Verhältnis, aber ich denke mal, nach anfänglicher Recherche, die schiziode Komponente dominiert, obwohl die Psychologin heute doch eher Borderline in den Vordergrund gestellt hat. Ein Mischmasch halt, aber zumindest hat das Kind jetzt einen Namen...


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