Erfahrungsbericht

Hier hinein gehören spezifische Beiträge zu Depressionen, manischen und manisch-depressiven (bipolaren) Störungen, Zyklothymie, Dysthymie und anderen Störungen des Gemüts.
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Survive
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Erfahrungsbericht

Beitragvon Survive » So 28. Mai 2006, 09:39

Hallo an euch,

ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und bin beruflich (Altenpflegerin) als auch privat (Betroffene) stark am Thema Psychiatrie interessiert.

Ich setzte euch hier meine Geschichte hinein, die ich in einem anderen Forum geschrieben habe. Für Fragen o.ä. bin ich jederzeit offen.


Meine Diagnose "Schwere depressive Episode" erhielt ich Anfang Dezember04, als nichts mehr ging.

Lange Zeit vorher (wahrscheinlich über Jahre) bemerkte ich (erst im Nachhinein), dass ich keine Gefühle mehr hatte (konnte weder weinen, noch mich echt über etwas freuen). Demzufolge trennte ich mich von meinem Freund und zog in eine eigene Wohnung und hatte mehrere Affären, immer auf der Suche nach meinen Gefühlen. (Heute könnte ich k*tzen bei dem Gedanken)

Schlafstörungen waren an der Tagesordnung (besonders Einschlafstörungen) sowie eine bleiernde Müdig- und Kraftlosigkeit. Trotz diesem verspürte ich eine extreme innere Unruhe, die mich fahrig, gereizt, wütend, unkonzentriert, wahnsinnig, unausstehlich machte. Ich stand ständig unter Strom. Äusserlich war ich immer gut gelaunt, schaffte immer meine Arbeit (bin Altenpflegerin). Innerlich war ich kaputt, ausgelaugt, fertig mit der Welt.

Irgendwann kam es im August 04 zu einem Vorfall ( ich wurde laut gegenüber einem Bewohner, der mich bedroht hatte), für den ich eine Abmahnung erhielt und ein Gespräch mit meiner Chefin folgte. Dort brach ich zusammen, heulte und gab zu, dass ich "einfach nicht mehr konnte und nicht mehr ich selbst war". Sie brachte mich zu einem Notartzt, der mich mit "Burn-out" krank schrieb.

Tage später folgte mein Hausarzt mit der Diagnose "Depression" und überwies mich zu einem Psychiater. Der lies mich dann auf ein paar Fragen antworten, gab mir 10mg Amitryptillin und sagte mir, ich solle wieder zur Arbeit gehen. Ich habe geheult, gebettelt und gefleht, dass ich das nicht schaffen würde- der Typ war die Hölle!

Gleich danach rief ich wieder bei meinem Hausarzt an, der mich weiter krank schrieb und mir empfahl, eine Therapie zu machen.
Mit der Diagnose in der Hand wurde alles nur noch schlimmer. Ich konnte kaum aufstehen und wenn, dann sass ich nur vor dem Pc, lief ruhelos durch die Wohnung, hatte Panikattacken beim Einkaufen/unter Leuten, ass nichts, machte nicht mehr sauber, schaffte es kaum noch, mich selbst zu pflegen.

Eines Abends stand ich dann auf meinem Balkon und dachte nur noch, wie cool es wäre, wenn endlich alles vorbei wäre...frei von diesen quälenden Gedanken, diesem sinnlosen Leben...Doch es hielt mich zurück und ich rief meine beste Freundin an, die dann auch sofort kam. Am gleichen Abend holten mich meine Eltern, mit Rücksprache mit meinem Doc und meiner Chefin, zu sich.

Dort in BAWÜ bekam ich ziemlich schnell einen Termin bei einer Neurologin, die mir Doxepin 75mg 3x täglich verschrieb. Ich schlief dann erstmal 2 Tage durch und konnte endlich Ruhe finden. In den folgenden 6 Wochen erholte ich mich durch die Ruhe und Geborgenheit sehr schnell; das Doxepin wurde verringert und die Neurologin riet mir zu einer Therapie, wenn ich wieder zu Hause wäre und sie zweifelte auch an meiner Genesung, was ich damals nicht glauben wollte.

So fing ich am 15.Oktober wieder an zu arbeiten, eine Therapeutin fand ich nicht, keiner hatte Termine frei. Ich fand wieder zu meinem Ex-Freund, der mir damals schon gesagt hatte, dass ich "krank bin" und mir doch helfen lassen sollte.
Die erste Zeit lief alles gut, ich wirkte ausgeglichen und motiviert. Die Gedanken blieben, schlecht zu sein, nix zu schaffen, dass das Leben sinnlos sei.
Als ich am 30.Nov 04 wieder eine schlimme Panikattacke auf dem Weg zur Arbeit hatte und nicht mehr so weiter leben wollte, suchte ich meinen Hausarzt auf und bat um eine Einweisung in die Psychiatrie.

Am nächsten Tag kam ich auf die Aufnahmestation in einer Psychiatrischen Fachklinik und einen weiteren Tag später auf einen Depressionsstation. Dort war ich vom 1.Dez 04 bis zum 28. Feb 05. Ich nahm an verschiedenen Therapien teil ( Gesprächstherapie, Sport, Ergotherapie, Gruppentherapie, Bogenschiessen, Kunst, Entspannung...); die Tagesstruktur gab mit Halt; die Mitpatienten waren supertoll.

Ich bekam sehr viele Medikamente: angefangen von Atosil, diverse Antidepressiva, Remestan, Zopiclon- ich war von "total abgeschossen" bis himmelhochjauchzend wohl alles mal in dieser Zeit-lange schlug nichts an-die Stimmung blieb unten und ich hatte immer das Gefühl, nie nie wieder normal zu werden und nie wieder normal leben zu können.

Nach langer Zeit und vielen Medikamenten ging es mir Im Feb. 05 mit Zoloft 50mg endlich besser. Es folgten weitere 2 Monate in einer Tagesklinik, wo ein ähnliches Programm wie in der Klinik stattfand; nur das ich am Abend wieder zu Hause war. In dieser Zeit, zog ich wieder bei meinem Freund ein und bekam alle erdenkliche Unterstützung durch meine Familie, Freunde, Chefin.

Während meine Therapie habe ich gelernt, "nein" zu sagen, dass Perfektionismus krank macht und ich gesünder leben muss. Ich mache seit dem viel Sport, esse viel Obst und Gemüse und versuche, meinen Tagesablauf regelmässig einzuhalten.
Am 25. April 05 fing ich eine Weidereingliederung in meinen Job an, wobei meine Chefin/Arbeitgeber mich sehr unterstützen.
Ich steigerte seit dem jeden Monat meine Stunden von anfangs 3, auf 5 Stunden- bis zu 8 Stunden 5 mal die Woche.

Jeder Tag war ein Kampf für mich- ein Kampf gegen diese verdammte Krankheit.


Anfang Oktober 05 setze ließ ich das Zoloft ausschleichen, brach die Therapie ab, weil ich das Gefühl hatte, für den weiteren Weg gut gewappnet zu sein.
Seit November05 arbeite ich wieder Vollzeit in einem Wohnbereich und es geht mir besser als jeh zuvor.
Immer wieder mal kurzzeitig kommen negative Gedanken und Stimmungen, die aber auch schnell wieder vergehen.


Das war's erstmal von mir.

An alle, denen es ähnlich geht:

Viel Kraft und NIE die Hoffnung aufgeben!!!!
~~>Wer kämpft, kann verlieren.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren!<~~

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hawk2
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Beitragvon hawk2 » Di 30. Mai 2006, 14:43

hi Survive,

ich finde deine geschichte einfach toll. und ich möchte nochmals betonen haltet durch egal ob ihr euch umbringen wollt, haltet durch und macht das beste aus eurem leben.

mein motto:

"LEBE UND DENKE NICHT AN MORGEN"

pauli3
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Warum Therapieabbbruch ?

Beitragvon pauli3 » Di 5. Sep 2006, 21:53

Ich habe auch die Diagnose Depressionen (mittelgradig, aber die reichen mir schon
voll und ganz) und bin seit Ende April 06 in Therapie. Wenn ich zurückdenke,
erscheint mir der Unterschied des erlebens nicht so groß. Nur meine Reaktionen
auf verschiedene Personen und Ereignisse sind anders. Ich habe fleißig nach einer
Methode gesucht um möglichst kurz, schmerzlos und sicher aus dem Leben zu
scheiden. Heute kann ich es tageweise nicht mehr nachvollziehen oder habe eine
Angst davor wieder so zu werden. Letztens fand ich einen Zettel, auf dem ich
schriftlich meine Gedanken von Anfang April festgehalten habe. Eine "Ach Du Scheiße-
Reaktion". Ich kann ich nicht beschreiben. Aber mir wurde klar, daß ich da komplett
hyperventiliert hatte.

Es hat sich schon vieles gebessert. Auch hatte ich ein riesiges Glück mit dem
Therapeuten. Er sorgte erstaml dafür, daß es mit meinem Umfeld bessr aussah.
Freunde, eine Kontaktanzeige, Hobby reaktivieren ..... ich mich wohler fühlte.

Von Tabletten war von seiner Seite aus überhaupt keine Rede. Ich hatte irgendwann
angefangen Johanniskraut in der Maximaldosis zu nehmen und teilte es ihm mit.
Ich konnte nicht mehr. Vielleicht hat auch das geholfen, daß ich bewußtseinsmäßig die Krankheit akzeptiert habe und nicht dauernd diese innere Stimme hörte "reiß Dich zusammen", .....

Was mich dabei letztendlich beschäftigt, ich glaube es gibt einen Grund, daß ich in diese Krankheit gerasselt bin. Das Ganze hat eine lange Vorgeschichte. Und diesen Grund will ich erfahren. Vieles ist mir schon aufgefallen bzw. hat sich mit Hilfe des Therapeuten aufgedröselt.
Auf der Suche nach mir.

Pattilein
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Die innere Stimme

Beitragvon Pattilein » Mi 15. Aug 2007, 19:30

Ich heiße Patricia, bin 25!

Mein Therapeut sagte, eine Depression ist eine "Wut-Krankheit". Oft richtet man seine Wut gegen sich, und so entsteht die Depression.

Meine innere Stimme hört sich ähnlich an, von "Reiß dich zusammen" bis "sei mal normal" oder "das schaffst du eh nicht".
Ich muss jetzt in meiner Therapie lernen positiv zu denken!

Einen Tipp: Schreibe alle negativen Botschaften auf, wirklich alle! Und zwar in der "Ich-Form". Und dann, wandest du diese um in positive Sätze:

z.B. Ich schaffe nichts = Ich schaffe alles was ich will!

Das positive lernst du dann auswendig! Wenn du es im unterbewusstsein verankerst hast, werden diese postiven Gedanken automatisch kommen!

Liebe Grüße und glaube an dich!!


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