Zukunft?

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Laura
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Zukunft?

Beitragvon Laura » Do 16. Mai 2019, 11:53

Hallo, liebe Mitlesende!

Die Routine, mit der ich jahre- und jahrzehntelang meine Krankheit als Bürde getragen habe, ist jetzt erstmal dahin. Meine Kräfte auch. Berechtigte Vorwürfe an andere "darf" ich nicht äußern. Vorwürfe an mich habe ich stets ernstzunehmen oder ich habe "drüberzustehen". Wer auf meine persönliche Wertschätzung verzichten kann, braucht auch keine von mir zu erwarten. Seltsamerweise laufen aber immer noch Leute durch die Gegend, die von mir erwarten, ich hätte deren Frust gefälligst auszuhalten und wenn ich mich von ihnen abwende, stänkern sie gerade mal weiter, ich würde mich ungerecht oder sonstwie verhalten. Das sind dieselben Leute, die mein eigenes Leid entweder tatsächlich übersehen oder schlicht und ergreifend ausnutzen wollen. Was hätte ich auf Dauer aber davon, mich weiter an den Abgrund drängen zu lassen, selbst wenn da Leute sind, die so etwas für unmöglich halten und mich allein deswegen entweder munter weitermobben oder sich irgendwelche "Bedingungen" aus den Fingern saugen, die ich angeblich nicht erfüllt hätte und dies zur Grundlage nehmen wollen, mir auch noch das letzte bisschen Hilfe zu versagen. Mein Leben ist so viel wert wie ich an Grundsicherung erhalte? Ich soll gleichzeitig krank und glücklich sein? Oder auch gleichzeitig krank und arbeitsfähig? Man muss immer für das Allgemeinwohl mitdenken. Aber wann berücksichtigt das Allgemeinwohl auch endlich mal mich? Was soll aus mir werden, wenn ich weiterhin mehr ungerechte als gerechte Behandlung erfahre? Ich möchte nicht mehr unter der Fuchtel von Leuten stehen, die nicht wissen, was sie tun.

A.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

mamschgerl
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Re: Zukunft?

Beitragvon mamschgerl » Do 16. Mai 2019, 16:59

Liebe Laura,
Wertschätzung kann man sich nur verdienen, wenn man andere ebenso wertschätzt; wer andere runterbuttert, ohne sich selbst an der Nase zu kratzen, weiß nicht, was das Wort Wertschätzung bedeutet.
Es bedeutet zumindest eines mit Sicherheit nicht: seinen eigenen Stellenwert höher einzustufen und dem Rest der Menschheit abzuverlangen, die eigene Sichtweise als die einzig wahre anzuerkennen.
Jeder Mensch verdient respektvolle Begegnung und Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit. Niemand sollte sich verbiegen oder verstellen müssen, um bei einigen, die diese Binsenweisheit aus menschlicher Dummheit nicht verinnerlichen können, gut dazustehen oder wohl gelitten zu werden.
Nach dem, was du so alles erwähnt hast in vielen Beiträgen, könnte man auch vermuten, daß du Neid erweckst. Diejenigen, die dich ausnutzen oder versuchen, das positive an und in dir zu unterdrücken, wollen nur von ihrem eigenen Versagen und ihrem Unvermögen, gewisse Angelegenheiten zu hinterfragen, ablenken. Wenn sie dich ins Abseits drängen und dir Absichten oder Bösartigkeiten unterstellen, können sie sich selbst hinter diesem Verhalten verstecken.
Menschliche Intelligenz ist rar, auch unter Akademikern findet man sie selten. Menschliche Intelligenz hat nichts mit Doktortiteln, Abstammung oder finanziellem Background zu tun, entweder man hat sie oder eben nicht.
Jemanden anzuprangern, der sich nicht einlullen und ausnutzen lässt, ist und bleibt ein sehr beliebtes Gesellschaftsspiel. Jemand, der einem den Spiegel vor die Nase hält, ist unbequem, denn wer lässt sich schon gerne seine Unzulänglichkeiten unter die Nase reiben? Das macht man dann doch lieber selbst und wirft fleißig mit Steinen und Dreck.
Nein, man muß sich nicht um des lieben Friedens und der Harmonie willen verbiegen und ausnutzen lassen, erst recht nicht, wenn man genügend mit sich selbst zu kämpfen hat. Destruktive "Freunde" kann man getrost und ohne schlechten Gewissens ausmerzen.
Ich glaube, du bist viel stärker, als du denkst und daß du dir selbst treu bleiben kannst, ist eine Eigenschaft, die vielen gänzlich abgeht ( womit wir wieder bei dem Neid wären, der natürlich hinter allen möglichen beleidigenden, ungerechten und einfach dummen Bemerkungen versteckt wird ).
Vorwürfe, daß man voll erwerbsunfähig ist und Rente und vielleicht auch plus Grundsicherung bezieht, braucht man sich nicht zu Herzen zu nehmen. Anfangs habe ich mich selbst deswegen runtergemacht und mich dafür gehasst, zu einem zittrigen Häufchen Elend mutiert zu sein, das sich nicht mehr selbst zu helfen weiß. Ich fand den Bezug dieser Rente anfangs als ungerechtfertigt, da ich sie beziehe, ohne etwas dafür zu tun, aber dann ist mir zum Glück der Denkfehler aufgefallen. Ich habe über 35 Jahre gearbeitet und in besagte Rentenkasse eingezahlt, ich habe also jedes Recht, meine Rente zu beziehen, denn genau dafür habe ich gearbeitet. Und verdammt noch mal, ich bin nicht schuld an meiner kranken Psyche und niemand hat das Recht, diese kranke Psyche für seine Zwecke auszunutzen oder als Waffe gegen einen einzusetzen.
Liebe Laura, ich wünsche dir die nötige Kraft wieder zurück; dein scharfer Verstand und deine Fähigkeit, hinter die Fassaden zu blicken, lässt dich wahrscheinlich gerade deswegen extrem durchhängen, eben weil du ganz genau weißt, daß sich nichts an der menschlichen Natur absehbar ändern wird und wir damit leben müssen.
Menschliche Stärke kann auch gleichzeitig menschliche Schwäche sein, besonders, wenn es um das Ertragenmüssen solcher Subjekte im täglichen Leben geht. Diese Subjekte haben diesen Vorteil, sie denken nicht...
Liebe, liebe Grüße
mamschgerl

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Laura
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Re: Zukunft?

Beitragvon Laura » Do 16. Mai 2019, 17:54

Liebe Laura,
Nach dem, was du so alles erwähnt hast in vielen Beiträgen, könnte man auch vermuten, daß du Neid erweckst.
Liebes mamschgerl,

das habe ich erst in den letzten Jahren hin und wieder gesagt bekommen, und hielt es für eine Sache, die sich aufs Internet beschränkt. Ich hätte früher im rl nie vermutet, dass mich jemand beneiden könnte, einfach weil es in meinem Leben nichts gibt, worum man mich beneiden müsste. Um mein Leid jedenfalls gewiss nicht und aus viel mehr außer Leid und Anstrengung hat mein Leben bisher nicht bestanden. Dass sich das für andere unglaublich anhört, nützt mir nichts. Es kann aber auch sein, dass im rl Leute gibt, die es einfach nicht ertragen können, dass ich dies oder jenes wenigstens besser kann als sie, auch in meinem Leid und der damit verbundenen Schwäche. Was mir Neider nicht wirklich wegnehmen können, können sie immer noch versuchen zu sabotieren, und sei es nur durch Gestänker und Falschaussagen gegen mich. Die würden sicherlich nicht die Nachteile meines Lebens haben wollen, aber mir immer noch die Vorteile wegschnappen oder kaputtmachen wollen. Und selbst wenn ich das nicht direkt auf mich beziehe, kann ich bei diesen Personen auch in anderen Situationen beobachten, dass sie immer nur die Vorteile für sich beanspruchen wollen und bei den Nachteilen kneifen, tricksen und unter rhetorischer Wortverdreheri das eigene Päckchen, das sie noch zu tragen haben, auch nur anderen aufdrücken wollen, die an ihrem eigenen Päckchen schon genug zu tragen haben. Einfach nur ekelhaft, wenn Leute, die tatsächlich ein schlechtes Gewissen verdient haben, die Unsicherheit anderer ausnutzen, die sich eher zu viele als zu wenige Gewissensfragen stellen. Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass wenn solche Scheusale erstmal ein hohes Alter erreicht haben, sie natürlich ihr Alter stets als Bonus einsetzen können. Also, es gibt in der Tagesstätte viele Leute ü 70, mit denen ich mich nach wie vor gut verstehe. Es laufen aber immer noch Ekelpakete ü 70 in ihr herum, die im hohen Alter noch immer auf eine "Sonderstellung" pochen. Was die nicht so alles blitzschnell an Argumenten aus dem Ärmel schütteln können....

Ich sehe nicht ein, mich als Kranke von ein paar nun altgewordenen Scheusal auch noch weiter herumschubsen und verleumden zu lassen. Ich sehe auch nicht ein, dass sie sich so mir nichts dir nichts als Futterdiebe betätigen dürfen, nur um auf diese Weise ihre nicht vorhandene Sonderstellung zu markieren. In der Tagesstätte bekommt jeder genug zu essen, aber wenn man mir noch was wegschnappen kann, noch bevor ich an der Reihe war....
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Zukunft?

Beitragvon mamschgerl » Fr 17. Mai 2019, 21:46

...ja, der liebe Neid...es gibt ja so einen blöden Spruch wie "Neid muß man sich verdienen" oder erarbeiten oder so ähnlich; absoluter Nonsens, so ein Spruch kann nur von jemandem kommen, der es genießt, als Neidobjekt andere damit zur Weißglut bringen zu können. Was daran erstrebenswert sein sollte, erschließt sich mir nicht, ich finde es keineswegs toll, wenn jemand mich um irgendetwas beneidet.
Manchmal aber kann man einfach nichts dafür, und ich denke, man beneidet dich um die Art, wie du dein Bündel trägst, nicht wegen deines finanziellen Reichtums oder deinem schönen SUV, mit dem du immer so tolle Ausflugsfahrten unternimmst :mrgreen:
Verbittert zu sein, weil man in seinem Leben nicht zu den Überfliegern gehörte und dementsprechend nun im Alter zu seinen psychischen Problemen auch noch an der Armut zu knabbern hat, können manche einfach nicht verhindern. Es ist auch verdammt schwer, sich selbst eingestehen zu müssen, daß man vielleicht in vielen Dingen im Leben versagt hat, aber ungeachtet dessen kommen eben diese psychischen Störungen noch dazu, für die man eben nun mal nichts kann.
Es gibt so viele Menschen, die sich selbst derart hassen, daß sie es umkehren und auf andere projizieren müssen, weil sie sonst daran zugrunde gehen würden. Es ist auch so viel einfacher, anderen die Schuld für sein ungeliebtes Leben bzw dessen Verlauf zu geben und diese dann im Alltag immer wieder in Form von Mobbing, Sticheleien, kleinen Unwahrheiten und Mißmut spüren zu lassen.
Muß man mit solchen Menschen Mitleid haben? Ich weiß es nicht, mein Mitleid hier funktioniert nur aus der Ferne, in direkter Konfrontation und in Mitleidenschaft gezogen, gehe ich auf größtmögliche Distanz.
Der Neid, den du vielleicht auf dich ziehst, ist nicht der übliche, denn man neidet dir ja nicht dein optimistisches Gemüt oder deine Schönheit oder sonst was, sondern einfach einen ganz bestimmten Wesenzug, den die Neider selbst eben nicht haben, aber sie erkennen und spüren ihn; Neider sind nun mal darauf geeicht, so etwas zu sehen und sofort als etwas auszumachen, das man niederkämpfen und verunglimpfen muß nach dem Motto: "Wenn ich so nicht sein kann, darf sie auch nicht so sein."
Neid ist etwas derart Destruktives und Selbstzerstörerisches und ruft zumindest bei mir großes Unbehagen hervor. Ich will nicht beneidet werden, denn ich sehe ebenso dafür keine Veranlassung. Ich will niemandem einen Grund geben, auf mich sauer zu sein, weil ich etwas habe, was andere nicht haben und damit vor deren Augen eine lange Nase ziehen.
Du fragst dich, wieso dich jemand beneidet? Ich denke, man neidet dir deinen Verstand, deine Art, eben nicht rum zu jammern und ständig andere mit deinen Problemen zu behelligen oder persönliche Vorteile daraus zu ziehen, indem du andere ausnutzt.
In ihrer kleinen Welt ist das vielleicht noch alles, was sie am Leben hält und sie denken nicht über den Tellerrand hinaus, vielleicht machst du ihnen auch Angst und sie verstehen nicht, wieso du nicht so bist wie sie.
Daß die Pfleger jedoch nicht kapieren, daß du ebenso unter deinen Problemen leidest und es bestimmt nicht deine Aufgabe ist, Verständnis und Mitgefühl zu zeigen, wenn man dich angeht, empfinde ich als das größere Übel daran.
Es gibt keinen Grund dazu, daran zu zweifeln, daß du ebenso an deiner Last zu tragen hast wie alle anderen, nur weil du nach außen hin nicht damit hausieren gehst. Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, dir deswegen mehr abzuverlangen als den anderen?
Ja, ich kenne Neid, habe ihn aber auch nie verstehen oder nachvollziehen können und manche Bösartigkeit ertragen, ohne den Grund dahinter zu sehen.
Wenn ich sage, daß ich jemanden beneide, dann ist das von meiner Seite eher anerkennend gemeint und mir käme nie in den Sinn, denjenigen dafür zu hassen oder ihm feindlich gesinnt zu sein, weil das für mich völlig hirnrissig ist.
Ich denke auch, daß du dich getrost zurückhalten kannst und dich nicht mit Leuten rumärgern musst, die dich nur runterziehen, ob bewusst oder unbewusst. Du bist kein Pfleger, sondern selbst betroffen, deine Kraft und Stärke reicht gerade mal für dich und die musst du dir nicht nehmen lassen, indem du dich von anderen ausnutzen und niedermachen lässt.
L.G. mamschgerl

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Laura
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Re: Zukunft?

Beitragvon Laura » Do 23. Mai 2019, 11:43

Hallo mamschgerl!

Ja, man kann ein und dasselbe Wort mal so und mal anders verwenden. Mit Neid kann man ein sehr mieses Gefühl und miese Verhaltensweisen benennen, man kann das Wort Neid aber auch umfunktionieren in eine wohlwollende Anerkennung und den Wunsch, auch mal glücklich zu werden, ohne aggressive Verhaltensweisen anzuwenden. Darin steckt, dass es eigentlich Glücksgefühle sind, um die sich Neid in erster Linie dreht.

Aber noch öfter, als dass ich den Begriff des Neides zu Felde führe, um mir miese Verhaltensweisen anderer zu erklären, bediene ich die Schiene, da ist jemand mies zu mir und will einfach nur sein Gift loswerden und entweder denkt er, er könne das ruhig machen, weil ich ja eh so wehrlos und auch so unwichtig sei oder er denkt, ich sei so stark, dass mich so "ein bisschen Provokation" nicht verletzen könne. Im ersten Fall würde meine Verletzlichkeit rücksichtslos in Kauf genommen werden oder auch gezielt ausgenutzt werden, im zweiten Fall würde jemand nicht damit rechnen, dass mich sein Verhalten tatsächlich verletzen könnte. Aber wenn ich dann bekunde und sogar mehrmals bekunde, dass mich dieser oder jener Spruch durchaus verletzt und derjenige auf einmal wie von der Tarantel gestochen so richtig damit loslegt, dann nutzt es mir auch nichts, mir alles weiterhin damit zu erklären, dass er mir das einfach nicht glauben will, dass mich das verletzt, nur weil ich nichts anderes als Worte zu Verfügung habe, um es ihm zu vermitteln. Mir kommen dann Gedanken, dass da einer nur mal durch Zufall herausfinden musste, womit er mich verletzen kann und dann fängt er erst so richtig an, es anzuwenden. Vielleicht ist auch das nur ein hilfloses Verhalten, einen Fehler unentwegt zu wiederholen, als ob er damit irgendwann richtig werden würde. Als hätte er nur auf eine günstige Gelegenheit gewartet. Aber was soll's, ich muss ja immer noch auf mein eigenes Nervenkostüm achten. Wenn mich etwas verletzt und diese Verletzung immer wieder an mir begangen wird, dann meide ich diese Person lieber, bevor ich mir ein ums andere Mal nur anhören darf, es sei ja nicht so gemeint gewesen und die Chose munter weitergeht. Dann ist das für mich immer noch eine Person, die einfach nicht dazu in der Lage ist, auf meine wunden Punkte Rücksicht zu nehmen und dann gehe ich dieser Person so gut ich kann aus dem Weg. Diese Person würde sowieso nicht den Vorwurf annehmen wollen, dass sie irgendwann angefangen hätte, sich absichtlich verletzend zu verhalten. Als so boshaft empfindet sich niemand.

Überhaupt ist man angehalten, nicht von bösen Absichten anderer auszugehen, sondern dass sie ja auch nur mal irgendwo ihren Frust und ihre Verzweiflung loswerden müssen. Oder dass sie auch mal "Erfolgserlebnisse" brauchen, wenn sie wie kleine Dackel die großen Hunde ankläffen und die großen Hunde dann stets ungerührt bleiben sollen, weil letztere sich ihren Großmut ja leisten können. Aber auf Personen bezogen, merken manche gar nicht, wenn einfach nur Geduld für sie aufgewendet wird. Die meinen dann, ihnen sei ein toller Sieg gelungen und versuchen dann, diesen Sieg zu wiederholen. Und irgendwann ist die Geduld der anderen Seite dann aber aufgebraucht. Auch die Geduld, immer nur helle psychologische Erklärmuster auf den Beleidiger anzuwenden (der Arme macht das ja nur, weil es ihm so schlecht geht und er sich so mickrig fühlt ...etc. blabla). Und wenn ich dann nicht ganz schwarzpsychologisch von schlechten Absichten reden will, kann ich immer noch von Hemmungslosigkeit, Trieben, Instinkten, Reflexen reden, die weder mit Alltagsworten noch mit psychologischen Worten allein zu bremsen sind. Dann heißt es für mich, wieder auf eine Bekanntschaft zu verzichten, weil ich keinen Schaden erleiden will, nur weil da jemand dumm oder unreif oder beides ist.

Und jetzt kommt ausnahmsweise mal ein feministisches Statement von mir: Es ist wirklich zum Kotzen, wie viele Männer ihren Frust auch nur verbal an Frauen auslassen! Und sie treffen diese "Auswahl" nicht etwa einfach nur deswegen, weil sie mal irgendwann von einer Frau so traumatisiert worden wären, sondern einfach weil sie bei einer Frau nicht erst abchecken müssen, wer hier die stärkeren Fäuste hat, die als "letztes Argument" in einem Streit angewendet werden könnten. Solche Männer verstehen dann die Welt nicht mehr, wenn sie mal alt und gebrechlich werden und mit einem Kommando-Tonfall wirklich nicht mehr viel für sich erwirken können. Und natürlich sind sie sich auch nicht ihrer Feigheit gegenüber Frauen bewusst. Die reden sich dann eher zurecht, die "Scheiß-Hexe", bzw. "all diese Scheiß-Hexen" seien schuld an ihrem Leid und hätten ihren Zorn verdient.

Reziprok gibt es natürlich auch viele Frauen, die angesichts männlicher Unverschämtheiten lieber die Klappe halten, weil eine Abwehr den feigen Angreifer nur noch aggressiver machen könnte oder schlichtweg überhört werden würde. Und solche Männer rennen dann herum und stellen gemeinsamen Bekannten die Frage: "Was hat die denn nur gegen mich? Ich hab ihr doch nichts getan. Muss das aber eine frustrierte Kuh sein!"

Sodele, der Beitrag ist nun schon wirklich lang genug geworden.

Liebe Grüße

Laura
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Laura
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Re: Zukunft?

Beitragvon Laura » Mo 17. Jun 2019, 13:35

Hab gestern und heute morgen aus eigenem Antrieb und eigener Einsicht wieder 'ne 200er-Tablette von meinem bewährten Amisulprid genommen. Ich merke, wie meine Gedanken geradezu karrusselartig überborden in einem seltsamen Gemisch aus Realitäts-, Fantasie- und Traumebenen. Und immer wieder der Gedanke "Hmmm, nun ja, aber da könnte doch was dran sein und wenn ich das nicht ernst nehme, was dann?"(Weltuntergang z. B.! Typisch Schizo!) Es muss halt immer wieder die Schmerzgrenze erreicht werden, um zu Mittelchen zu greifen. Die Schmerzgrenze erreiche ich aber eher dadurch, dass mein Schlaf seit Wochen wieder grottenschlecht, bzw. grottenkurz geworden ist. Inzwischen weiß ich nicht mehr so recht, wenn ich morgens "aufwache", ob ich soeben aus einem Nachttraum erwacht bin oder ob ich sogar noch im Halbschlaf wieder mal zuviel gegrübelt habe, bzw. diese Gedanken und Gedankenbilder mal wieder nicht abwehren konnte. Wie so'n Halbtraum mit Grübel-Automatik...

Ansonsten gibt es für mich im Moment durchaus auch immer wieder sehr lichte Momente in meinem ganzen Ängste-See. Es tut mir gut, wenn mir von außen eine "Blumenwelt" zuwinkt, nette Gesten also, während ich hier in meinem Dornengestrüpp hocke, das mich immer nur piekst und piesackt. Manchmal denke ich aber auch, dass ich mich wie eine große Sau im Schlamm wälze, um die Mückenstiche (also die kleinen fiesen Sprüche von außen) auszukurieren.

Ich muss diesen Zustand weiterhin aushalten. An etwas besseren Tagen kann ich aber immerhin auch ein klein wenig von richtig guten Tagen träumen. Was sonst sollte mich auch durchhalten lassen? Negativ-Visionen hab ich mehr als genug im Kopf. Könnte ich den Hollywood-Drehbuchschreibern als Rohmaterial für neue spannende Geschichten liefern...eingepampert in die Sozialfürsorge einer Wohlstandsgesellschaft habe ich immer so Krimi-Geschichten oder auch Tudorzeit-Intrigen im Kopf. Wie ein Kind, das sich eine leicht gruselige Story reingepfiffen hat und dann kaum einschlafen kann...

LG
Laura
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Re: Zukunft?

Beitragvon Laura » Mo 17. Jun 2019, 15:49

Jemand, der mich lange fest im Arm hält und mich mit nichts, aber auch wirklich nichts stresst, käme mir jetzt sehr gelegen. Aber ich bin ja mit der Imprägnierung "Mängelexemplar" aufgewachsen. Kein Anspruch auf 'nen Märchenprinzen. Wer nix ist, kriegt auch nix. Nur Sozialfürsorge. Immer schön dankbar sein fürs Happi-Happi und alles andere. Hab neulich ein junges Mädchen in einem schwarzen T-Shirt gesehen, wo in weißer Schrift stand "Thank you, thank you, thank you, fuck you, thank you, thank you!" Hat mir so aus der Seele gesprochen!

Danke, liebe Gesellschaft, dass Du mich wenigstens durchfütterst. Kriegst ja aber auch 'ne Gegenleistung dafür. Bin Deine Deponie für Verbalmüll und Demütigungen. Das hat zwar nichts mit Menschenwürde zu tun, aber macht ja nix. Wozu brauch ich "Lebensstandard"? Ich kann ja einfach immer froh sein, dass ich nicht so'n Straßenkind in Indien oder ein Flüchtling aus Syrien bin. Woanders ist es viel, viel schlimmer als da, wo ich bin. Immer schön lieb und dankbar aus der Wäsche gucken. Andere haben es ja noch viel schwerer und kommen ja dennoch viel besser klar, und geben mir obendrein noch was von ihren Brotkrumen ab...

Existenzängste sind doch eigentlich Todesängste. Und wer nicht arbeiten gehen kann, kann ja nur froh sein, dass er auch nicht arbeiten gehen muss. Damit steht doch deutlich da, dass die Arbeitswelt kaum auszuhalten ist. Nur was für die ganz Harten, aber die werden immer weniger...und die Weichen werden mehr und müssen sich um die Brotkrumen balgen...

Ja, ich spotze hier so rum als hätte ich keine Manieren gelernt. Wäre ich nur schon früher so gewesen, dann hätte ich Fremdsprachensekretärin bleiben können und hätte jetzt 'ne Spülmaschine, einen Induktionsherd und einen Kombi-Kühlschrank zuhause. Und noch anderes.

Es ist aber nicht so, als wäre es mitunter nicht auch anstrengend, so als Sozial- und Psychiatriefall zu seinem Happi-Happi zu kommen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Und das Eichhörnchen sitzt ja auch nicht bei ALDI an der Kasse oder baut Autos zusammen, um die Gesellschaft zu versorgen. Ein Eichhörnchen sieht dafür süß und putzig aus. Ich nicht! :shock:
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Re: Zukunft?

Beitragvon mamschgerl » Mo 17. Jun 2019, 20:32

Anbei eine Aufnahme des Eichhörnchens :mrgreen:
Es hängt gerade in den Zweigen und schläft mit offenen Augen und du hast recht, sie sehen - im Gegensatz zu uns - auch noch im erschöpften Zustand süß und putzig aus...
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