Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

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Laura
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » So 10. Mär 2019, 22:00

Keine Frau, die etwas auf sich hält, lässt sich so eine tumbe Anmache gefallen, das kann er sich eben nur bei den Patientinnen erlauben, die sich eh meistens nicht aufzumucken trauen

mamschgerl, zum Aufmucken gehören Beweise! Die manipulierende Art dieses Psychologen, Patientinnen so zu "formen", wie er sich Frauen vorstellt, war - stimmt schon - eine äußerst subtile Anmache oder sein persönliches Training für den Ernstfall, aber da war dieser Möchtegern-Machonoch ein Chorknabe im Vergleich zu anderen Behandlern! Tja...für andere Situationen, in denen keine Zeugen zugegen waren, kann ich auch nicht einfach aufmucken. Wenn es mir etwa fünf Mal passiert ist, dass mich ein Arzt (mal ein Psychiater, mal ein anderer Facharzt) sexuell belästigt hat, dann bin ich entweder ganz besonders wahnhaft oder genieße diese Wahnvorstellung womöglich oder aber ich komme so frivol und willig daher, dass ich ja nur das bekomme, was ich wollte....puh, allmählich wird's echt horrorhaft.

Einmal wollte ich wirklich Klärung haben. d. h. nicht ohne nachdrücklichen Ratschlags eines Sozialarbeiters einer anderen Klinik, der es für wichtig befand, dass ich diese Situation für mich klären sollte. Da hat dann sowas wie ein "Klärungsgespräch" stattgefunden, im Beisein eines Oberarztes, den der betreffende Arzt dabei haben wollte. Ich hatte danach wieder einen Termin bei dem o. g. Sozialarbeiter und der sagte lieb und nett zu mir: "Da waren Sie aber ganz schön mutig!". Im Nachhinein kommt es mir wie Hohn vor, dass ich ohne Vorwarnung in eine Situation geschickt wurde, nur damit ich "Klärung" für mich erwirken kann und dann feststellen musste, dass dieser Sozialarbeiter diese Situation selbst als riskant für mich eingestuft hatte, ohne es mir zu sagen. Denn sonst hätte er mich ja nicht mutig genannt.

Sowohl der Vorfall als solcher, für den ich den Stationsarzt erst per formellem Brief angeschrieben hatte, dann mehrmals angerufen hatte bis er mich schließlich zurückrief, damit dieses Gespräch zustande kommen konnte, als auch sein Verhalten während des Gesprächs und tatsächlich auch das Verhalten des unbeteiligten, aber noch lange nicht unparteiischen Oberarztes, hatten nunmal, auch wenn gerade diese Klinik es mir am wenigstens wird glauben wollen, schwerwiegende Konsequenzen für meine Erkrankung. Und so wie ich mir die verschlungenen Schicksalswege erkläre (das wird natürlich meiner Wahnerkrankung zugerechnet, deswegen war es für mich lange Zeit schwer, überhaupt nur jemanden zu finden, mit dem ich immer wieder über Verschiedenstes reden konnte, also mein jetziger BW-Betreuer). Aber was Wunder, dass ich danach Psychosen noch und nöcher bekam und immer und immer wieder in diese Klinik musste? Zuguterletzt, nach etwa drei Jahren mit mehreren Aufnahmen pro Jahr, half man mir, indem man mich nicht mehr aufnahm. Der Anti-Hospitalisations-Effekt wurde genau in dem Moment an mir vollzogen, als ich die Klinik am dringendsten brauchte. Ich hatte es auf einmal mit lauter aggressiven Aufnahme-Ärzten zu tun, die mich nicht aufnehmen wollten. Wahrscheinlich hatte ich sie zu wenig angelächelt, andererseits auch nicht genug geweint (eigentlich gar nicht). Vielleicht hatte der Oberarzt auch viele seiner Untergebenen gegen mich aufgehetzt. Denn ihm entzog ich auch das Vertrauen und wurde eisig zu ihm. Er hatte sich in diesem "Klärungsgespräch" nämlich auch nicht korrekt verhalten. Nun ja, ich hatte keine Beweise. Also wurde ich fertiggemacht. Seitdem geht bei mir in langsamen Schritten alles immer mehr den Bach runter und dem Stationsarzt, dem Oberarzt und auch dem Sozialarbeiter, der mich ohne jede Vorwarnung in diese Situation geschickt hat, geht es anscheinend weiterhin gut.

Es gibt so einige Situationen, die sich in Kliniken abspielen zwischen einem der Mitarbeiter und einem Patienten, die einen Kündigungsgrund darstellen würden. Sicherlich nicht nur in der Psychiatrie. ABER: Immer dann, wenn sonst niemand im Raum anwesend ist! Es ist dann nicht unbedingt natürliche Schüchternheit, die einen Patienten davon abhalten, "aufzumucken". Man muss es nur mal gewagt haben und mehr oder weniger geschasst worden sein! Heilige ausgleichende Gerechtigkeit: Bitte zeige mal meinen Ungläubigen und Mobbern auf, was sich da abgespielt hat, sonst werde ich nie rehabilitiert werden. Auch für andere Situationen, die nichts mit Psychiatrie zu tun haben!

Lieber einen Patienten in die Scheiße reiten, als zugeben, dass Ärzte Scheiße bauen. Und zwar schon nicht mehr in dem vielbemühten Rahmen "Ärzte sind nur Menschen!" Das schleuderte mir der Oberarzt entgegen und ich antwortete "Ja, ich doch auch" und erstaunlicherweise fiel ihm dazu nichts ein und wurde ruhig.
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Mo 11. Mär 2019, 14:09

Ich verfasse meine Beiträge im Moment sehr schludrig, mit langen verschachtelten Sätzen, seltsamen Redewendungs-Konstruktionen, missverständlich ausgedrückten Stellen (aber vielleicht nur für Pedanten) und was weiß ich noch alles. Ich habe ja auch keinen eigenen Internet-Anschluss zuhause und woanders ist die Zeit oder auch das Geld für die Internet-Nutzung oft begrenzt. Aber im Moment kriege ich viele simple Dinge nicht so hin wie noch vor ein paar Monaten.

Aber eigentlich habe ich immer noch kein Problem damit, mein Alter korrekt anzugeben. Ich bin letzte Woche 50 geworden. Ich war zwischendurch wesentlich moppeliger als noch als junges Mädchen. Jetzt bin ich für mein Alter von der Figur her ganz okay, etwa so wie mit 19.. Aber nicht, dass das alles wäre, was ich in der Zwischenzeit erlebt und was mich beschäftigt hätte. Dieser mein thread zeigt ja wohl, wie eine Schizophrenie-Diagnose durchaus von anderen ausgenutzt werden kann. Aber was "aufmucken" angeht. Was, wenn man da so jemanden vor sich hat, der auf Kritik so reagieren würde wie eine aufgescheuchte Wespe. Der wird es nicht auf sich sitzen lassen. Und wo sollte ich mich beschweren, gerade mit meiner Diagnose?

Und erzähl mir mal keiner, ich hätte, was das Berufliche angeht, zu schnell das Handtuch geworfen. Psychopharmaka machen einen nicht wirklich fitter, ganz im Gegenteil. Man eiert halt nicht so "geistesgestört" durch die Gegend und deswegen denken viele (auch Stations-Personal), man sei ja nur faul und nutze das komplette Hilfssystem schamlos aus. Mir geht es im Moment sogar noch zu schlecht, also im depressiven Sinne, als dass ich stationär aufgenommen werden wollte. Wuäh, was soll ich da? Ich muss doch den halblabilen Helfern nicht irgendwelche Erfolgserlebnisse verschaffen, indem sie mir Unrecht tun, aber den Kollegen eine ganz andere Version erzählen, am besten noch in der Krankenakte die Lügen "verewigen".

Die Schule, die Uni, meine Aushilfsjobs, meine Ausbildung, die kurze Zeit im Beruf und frühere Freunde und Bekannte...damit bin ich jetzt nicht mehr konfrontiert, das kann ich besser abhaken. Aber nun bin ich eine Langzeitpatientin geworden und kann jederzeit wieder in der Klinik oder in einem Wohnheim landen und soll wohl sagen, dass das immer noch besser ist als auf der Straße zu landen. Deswegen ist das für manche auch so ein geruhsamer Job. Es gibt schon einen Numerus Clausus für den Studiengang "Soziale Arbeit"!!! Es gilt nicht mehr, dass das jeder studieren könne...
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Mo 11. Mär 2019, 15:20

Apropos Wespen: Ruhig verhalten, nicht bewegen! Die Wespe weiß nicht, was sie tut und Wespen stehen schon seit längerer Zeit unter Artenschutz! Also auch nicht auf sie draufhauen! Hat man ein Wespennest auf dem Balkon, den Kammerjäger rufen! Der räuchert sie dann aus, verscheucht sie, die müssen sich dann einen anderen Nistplatz suchen, vielleicht doch besser back to nature. Schade nur um die Grillparties im Sommer am Busen der Natur.

Noch eine kleine Ärztestory bezüglich Wespen: Hatte mal einen Wespenstich. Da lag ich im Halbschlaf, hörte ein Summen und dachte (eben weil ich schon halb am Pennen war), es sei eine Fliege. Will sie verscheuchen. Zack, aua, es war eine Wespe! Suche eine praktische Ärztin auf, die ich vorher noch nicht gekannt hatte. Sie ist freundlich. Aber sie hält es für unnötig, die entzündete Stelle auch noch abzutasten. Meint, mit dem bloßen Auge, beurteilen zu können, dass da nicht noch der halbe Stachel in meinem Arm sitzt. Ihre Assistentin tastet mich doch ab. Und ertastet den halben Stachel. Wie im Film (die medizinisch unterschätze Person entpuppt sich als besser als die "erfahrene Kraft", die sich wegen "sowas" schon nicht mehr die Mühe machen will)! Ziept den Stachel dann natürlich auch ordnugnsgemäß raus. Nochmal Glück gehabt! Diese Assistentin hätte bezeugen können, wie es um die ärztliche Sorgfalt ihrer Chefin bestellt war, wenn ich einen Beschwerdebrief an die Ärztekammer und an die Krankenkasse geschrieben hätte. Damals wusste ich noch nicht einmal so richtig von dieser Möglichkeit. Aber was hätte die Assistentin wohl getan? Sich über Cheffe beschweren kann Arbeitsplatzverlust bedeuten! "Wie kam es zu Ihrer Kündigung bei Frau Dr. Tralala" (Bewerbungsgespräch in einer anderen Praxis) "Ei, ich hab gegen meine Chefin ausgesagt. Hätte schlimm für eine Patientin enden können, wie sie da geschlampt hat. Ich war geistesgegenwärtig!" "Hm, so, Ihnen fallen die Fehler Ihrer Arbeitgeber auf und sie springen dann korrigierend ein?" Trotzdem...diese Assistentin hat 'ne Ehrenmedaille verdient, gerne auch einen viel besseren Lebensstandard.

Ich verhalte mich gegenüber einigen Menschen genauso, wie ich mich im wachen Zustand Wespen gegenüber verhalte. Still halten, eventuell weggehen, wenn möglich. Draufhauen iss nich. Und wenn, dann besteht immer noch die Möglichkeit, dass man daneben haut und dann ist die Wespe so richtig aggressiv.

Welch seltsame Scheißfügung, dass ich kurz nach diesem Wespenstich eine Psychose bekam (da waren noch andere Klöppse zusammenkommen, aber der Wespenstich war wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte) und ich zum ersten Mal in die oben beschriebene Klinik kam. Die hatte erst in demselben Jahr überhaupt erst eröffnet. Am Anfang alles noch gut, keine schlechten Erfahrungen gemacht. War sogar alles besser da als in den Kliniken, in denen ich zuvor gewesen war. Aber wehe, man sucht eine "Klärung". Mir war es in erster Linie darum gegangen, einen Realitäts-Check zu machen und hatte gar nicht darum gebeten, dass auch noch der Oberarzt dabei sein sollte. Der Vorfall hatte sich ereignet, als ich wegen einer Psychose aufgenommen wurde.

Ja, es gibt Dinge, da kann man für mich in Bezug auf die Krankheit gar nicht so viel tun. Aber ich hatte schon immer so 'ne Art Stoizismus in mir, selbst nicht so viel von anderen zu erwarten. Und wenn ein paar Ärzte noch so sehr bemüht sind, mir eine Eigenschuld bezüglich meiner Erkrankung unterzuschieben (Suggestivfragen! Soll man sich, wenn man denn schon auf Station landet lieber fügen und dumm stellen oder sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Dann würde ein Arzt so wirklich wie ein Volltrottel dastehen und ich fürchte, genau das können einige nicht, obwohl sie es doch so wichtig finden, ihre Patienten daran zu erinnern, dass sie nur Menschen sind. Man würde sie sich zu Feinden machen, auch wenn man im Recht ist. Auf deren persönliche Hilfe würde ich nur allzu gerne verzichten, aber dann könnten sie es immer noch einfädeln, dass mir andere auch nicht mehr helfen wollten. Es kommt mir so vor, als hätte ich genau das erlebt! Aha, erwischt man sie bei einem Fehler, sind sie "auch! nur Menschen. Ansonsten hat der Arzt immer Recht. Denn dass ein Arzt ein Mensch ist, ist eine unbestreitbare Tatsache. Da schau einer guck, wieder was gelernt! Vielleicht können Arztserien wie "Schwarzwaldklinik" auch so manchen motiviert haben, Medizin zu studieren und so ''ne Art Dr. Brinkmann sein zu wollen? Danke, mit pseudo-autoritärem Verhalten (was ja eben nicht dem Brinkmann entsprach) kann man mir gewiss nicht helfen, sondern mich noch viel tiefer in die Krankheit reiten.

Jetzt bin ich wohl abermals ein "gefundenes Fressen". Wie kann man schlechte Hilfeleistung denn nur so zum Problem machen, iss ja auch nur Teil meiner Erkrankung und meiner Charakterschwäche! Ich finde es einfach nur pervers, was in manchen Kliniken und anderen sozialen Stellen abgeht. Es wird immer ein Grund gefunden, der gegen den Patienten spricht. Alle wollen wir uns doch die Helfer erhalten, falls wir mal (wieder) in Not geraten sollten. Alle müssen wir ihre Nerven schonen, damit sie einem beim Blutabnehmen wenigstens nicht die Venen zerstochern (großes Manko bei Psychiatern! Das können die "Kleinen" (AssistentINNen, Krankenschwestern, Pfleger echt besser) Manchmal tröstet mich der Gedanke, dass so ein medizinischer "Darmausgang am Hinterteil" irgendwann alt wird, auch dauerhaft professionelle Hilfe brauchen wird und dann auch merkt, dass das alles doch schlimmer beim Patienten ankommt als gedacht. Wer darf zu wem sagen, dass man ja sowieso sterben muss und jeder irgendwie schlampig ist?

y antes de morir me quiero...sacar mis penas del alma…Guantanamera…hey, ich muss mal googeln, ob ich herausfinden kann, was "guajira" bedeutet.
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Di 12. Mär 2019, 06:54

...mir fällt gerade eine kleine Geschichte aus meiner Teenagerzeit ein: ich war zu Besuch bei einer gleichaltrigen Freundin, die Pudding kochen musste, den es als Nachtisch zum Abendessen geben sollte. Ihre Mutter war alleinerziehend ( zu der Zeit und dann auch noch in diesem erzkatholischen Dorf ein Makel ) und ging tagsüber arbeiten. Ich wollte helfen und zeigte ihr, wie der Pudding auf jeden Fall gelingen würde, was natürlich prompt schief ging. Die Mutter kam nachhause und war darüber so sauer, daß sie meine Freundin schreiend und keifend um den Küchentisch jagte, bewaffnet mit einem Nudelholz und damit nach ihr schlagend.
Ich werde diese Szene nie vergessen, ich schrie dauernd:"Ich bin schuld, ich bin schuld, hören Sie auf, Ihre Tochter zu schlagen...", aber sie war völlig außer sich, warf mich hinaus und verbot mir, jemals wieder diese Wohnung zu betreten. Ich konnte diesen Gewaltausbruch wegen eines mißglückten Puddings nicht nachvollziehen und zu der Zeit hatte ich von Gewaltausbrüchen generell mehr als genug von zuhause aus.
Diese Freundin dankte mir damit, daß sie mich ausnutzte. Ich war nicht gerade das, was man eine Schönheit nennt und sowieso völlig ahnungslos, was gesellschaftliche oder soziale Regeln betraf. Sie nahm mich immer mit, damit sie besser zur Geltung kam. Sie machte sich zusammen mit den Jungs hinter meinem Rücken über mich lustig, böse Streiche wurden zur Tagesordnung, auf die ich nicht näher eingehen möchte. Es dauerte eine Zeit, bis ich dahinterkam und ich begriff, daß ich überall die ganze Zeit hindurch die Lachnummer war.
Was ich damit sagen möchte...es ist ein Beispiel von so vielen Ereignissen im Leben, die mit Enttäuschung, Verrat, Vertrauensbruch etc etc endeten, weil ich so lange nicht begriffen habe, daß die meisten Menschen einem dreist ins Gesicht lügen, oft auch ohne besonderen Grund oder allein deshalb, um sich persönliche Vorteile zu schaffen.
Ich bin von klein auf verraten und mißbraucht worden, belogen und betrogen, es zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich könnte die Schlussfolgerung ziehen, daß der Mensch an sich böse und hinterlistig ist, aber irgendwie will ich daran nicht glauben, es wäre nicht zu ertragen. Ich will daran glauben, daß der Mensch einfach dumm ist und nicht weiß, was er tut. Menschlich dumm sind auch die Therapeuten, Psychiater, die sich hinter ihrem erlesenen Wissen verstecken und mit Fachausdrücken und Diagnosen auftrumpfen, um sich über ihre Patienten zu erheben. Diejenigen, die sich profilieren und Macht ausüben müssen, damit ihr Kleingeist sich ein wenig besser fühlt.
Es kommt nicht von ungefähr, daß ich z.B. nur schwer Hilfe annehmen kann, denn für mich hat der Hilfeleistende eine Machtposition: er kann mir etwas geben, was ich mir selbst zu geben momentan nicht fähig bin. Ich brauche ihn also und so muß ich ihm ( bis zu einem gewissen Grad ) vertrauen. Dieses Vertrauen wird immer und immer wieder mißbraucht, so daß man im Grunde niemals wieder um Hilfe bitten möchte.
Wenn dazu noch der Vorwurf kommt, daß man die Hilfe nicht annehmen möchte ( weil es nicht die ist, die man bräuchte, aber das spielt ja keine Rolle ) und undankbar sei, muß man sich schon fragen, ob nicht eher bei diesen Leuten eine Schraube locker sitzt.
Ja, auch Psychiater sind nur Menschen, wen wundert's also, daß sie genauso wenig wie der Rest der Menschheit nicht fähig sind, objektiv Hilfestellung zu leisten, sondern ihre eigene und sehr subjektive Meinung darüber, was uns hilft, vertreten?
Es wird, glaube ich, noch lange so bleiben, daß Patienten sich den Psychiatern anpassen müssen und nicht umgekehrt. Die wenigen, die alles hinterfragen und analysieren, werden gnadenlos mit der Rechtfertigung der gestellten Diagnosen und den daher zu erwartenden Verhaltensauffälligkeiten, die natürlich gegen einen verwendet werden, plattgewalzt.
Ja, auf Dauer machen einen Therapeuten und Psychiater, Kliniken und selbsternannte Vertrauenspersonen einen psychisch zum Wrack und es ist verdammt schwer, sich seinen eigenen Kopf zu bewahren und dieser Gehirnwäsche, daß man selbst schuld an allem habe, nicht zum Opfer fällt.
Menschliche Dummheit ist schwer zu ertragen und man begegnet ihr überall. Man kann sie nicht erklären, weil sich kein Sinn dahinter verbirgt. Der Mensch ist nicht human in diesem Sinne, er hat sein Gehirn, aber er kann es nicht nutzen, die Instinkte sind immer noch viel zu stark vertreten und es erscheint armselig, was der Mensch aus seinem Wissen macht, nämlich nichts. Intelligenz und Lernfähigkeit schaut anders aus.
L.G. mamschgerl

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Di 12. Mär 2019, 07:22

...jetzt fällt mir wieder was ein, unser Biologielehrer in der Realschule. Dieser Lehrer war gleichzeitig auch Vertrauenslehrer und hatte nichts Besseres zu tun, als nach Einführung des Sexualkundeunterrichts sich von den weiblichen Schülern genauestens den Akt der Masturbation bei Männern schildern zu lassen. Herzerfrischend, wie er sich daran aufgeilte und niemand merkte, daß sowas nicht wirklich zum Unterricht gehörte, weil es eben so einen Unterricht bis dahin nicht gab. Vertrauenslehrer...ich bin nie mit einem Anliegen zu ihm, denn ich erkannte sein sexuelles Ansinnen und seine pädophilen Neigungen ( aufgrund meiner Vorgeschichte ) sofort.
Vertrauenspersonen...wie unser Dorfpfarrer, der heimlich ( natürlich wusste das ganze Dorf davon, aber trotzdem hatte er eine seine Vormacht-Stellung neben Bürgermeister, Arzt und Schuldirektor ) seine Haushälterin vögelte und Kinder zeugte.
Will man Ehrlichkeit, Offenheit und Seriösität zu seinen persönlichen Eigenheiten zählen, so ist man in der Welt nicht gut aufgehoben.
Es ist nun mal so, daß der Mensch sein Hirn und die damit verbundenen Möglichkeiten lediglich bis zu dem Grad nutzt, die einem in der Gesellschaft zu persönlichen Vorteilen ( und gegebenenfalls Vertuschung seiner Perversitäten ) hilft.
Nein, ich leide nicht unter Verfolgungswahn und nein, ich verteufle die Menschheit nicht. Es gibt zum Glück Ausnahmen und diesen Ausnahmen zum Dank bin ich noch nicht komplett abgedreht.
Ich lasse mir auch von niemandem einreden, daß ich nur zu blöd wäre, um mich in dieser Gesellschaft zu behaupten, die Frage lautet doch, wer hier blöd ist? Nein, ich leide auch nicht unter Größenwahn :mrgreen:
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Di 12. Mär 2019, 12:19

Konkurrenzkampf! Wenn die Anforderungen immer höher geschraubt werden, um den Besten unter den Besten (??? Beste(r) worin und für wen?) herauszusieben, kommen da nicht nur Leute auf dem zweiten und dritten Platz heraus, sondern ganz viele "Loser", denen dann aber doch wieder vorgeworfen wird, sie hätten nicht etwa Pech gehabt, sondern sich nicht genug bemüht (nicht genug gemobbt oder zurückgemobbt). Ja, lauter "Loser" auf dem hohen Ross, die zwar einerseits dieses Gemobbe nicht aushalten, aber unglaublich froh sind, dass sie von den Mobbern wenigstens noch ein paar Almosen erhalten und sich sogar dafür noch mobben lassen müssen.

Hab neulich mal in meinem alten Latein-Wörterbuch geschmökert, weil ich im Latein-Unterricht mal gelernt hatte, dass "concurrere" eigentlich mal positiv besetzt war (zusammenfließen, zusammenlaufen). Stand auch so im Wörterbuch. Dann wollte ich dem englischen Wort lateinischen Ursprungs für Konkurrenz nachspüren, nämlich competition und fand eine interessante Übersetzung für den competitor im Lateinischen. Das war der Nebenbuhler, also noch einer, der um die Hand derselben Frau anhielt. Wer sind denn heute die Ritterfräulein auf diesem Ritterturnier? Also ich gewiss nicht und möchte das auch nicht sein, selbst wenn man es mir anbieten würde.
Zuletzt geändert von Laura am Di 12. Mär 2019, 13:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Di 12. Mär 2019, 13:14

Ich hätte gerne mehr Kraft, um noch vieles Lebensnotwendige für mich selber machen zu können oder eine extrem nette Haushaltshilfe, damit meine Wohnung sauberer und ordentlicher wird und ich dann wieder öfter auch jemanden zu mir einladen könnte oder aber 'nen Sack voll Geld, um möglichst viel meiner Krankzeit außerhalb der Wohnung verbringen zu können. Und zum Glück habe ich mich noch nicht von allen guten Werten verabschiedet und wünsche mir die große Liebe, aber bis sich mein alter Froschkönig endlich in den Märchenprinzen (oder zumindest annäherungsweise) verwandelt haben wird (das sage ich noch in meinem Grenzalter des "ist gelaufen") (der Ersehnte Ex- läuft hier irgendwo herum, aber wir müssen Abstand halten, ein bisschen wie in der "Zauberflöte" zwischen Pamina und Tamino), muss ich ja irgendwie zusehen, dass ich mir die Wartezeit möglichst erträglich einrichten kann. Also meine krankheitsbedingte Armut ist da nur eine zusätzliche Last, aber immerhin bin ich noch nicht auf die Straße gesetzt oder in den Wald geschickt worden, damit es irgend ein Gesunder noch besser haben kann als er es ohnehin schon hat. Noch ist es gerade mal ein klein wenig erträglicher als bei "Hänsel und Gretel" (übrigens das erste Märchen, das ich als kleines Kind kennen gelernt habe)
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Di 12. Mär 2019, 14:30

Ich könnte dahergehen und auf vieles die Schablone nach dem Liedtext von "Ein Loch ist im Eimer, Karl-Otto, Karl-Otto" anwenden. Da geht es um Notlösungen, die immer wieder neue Nöte erzeugen (um ein Loch zu stopfen, muss man ein anderes aufreißen). Wenn man das aber in ein wirtschaftliches und sonstiges Tauziehen umdeutet, dann geht es darum, dass alles Gute und Lebensnotwendige auf der Welt irgendwie für knapp gehalten wird (steht schon in Büchern für Wirtschaftslehre so, man kann es sich auch verkürzen und die Kurzgeschichte "Die kleinen Leute von Svabedo lesen) und folglich entsteht ein Gerangel, ein Konkurrenzkampf, um noch das kleinste Stückchen Glück zu ergattern. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, aber nur vom Hula-Hula-Tanzen geht der Frust auch nicht weg.

Was ist Langeweile und was ist Stress? Einsamkeit bedeutet, sich ungeliebt zu fühlen. Das ist nicht langweilig, sondern so stressig, dass man schon nicht mehr viel "tun" kann, um weiter in die Welt zu ziehen, damit man mal Liebe bekommt und sich nicht mehr einsam fühlen muss. Derweil ist verdammt viel dran an dem sarkastischen Spruch "Lieber reich und gesund als arm und krank". Und welches Kamel könnte man ohnehin schon durch ein Nadelöhr stopfen! Das wäre ja Tierquälerei!

Es heißt, es sei einfacher, sich die Hölle vorzustellen als sich das Paradies vorzustellen. Dieses "einfache Denken" ist aber immer noch sehr leidbehaftet, gerade dann, wenn man natürlich ins Paradies möchte, anstatt weiter in seiner Privathölle vor sich hindümpeln zu müssen. Was wird es im Paradies zu erleben geben? Was macht da das Leben schön und was erzeugt Harmonie und eben nicht Konkurrenzkampf unter den Menschen.

Ich glaube, es ist besser für alle, wenn es Gott endlich auch mal gut gehen kann und er durch seinen eigenen Garten wandeln kann ohne sich in einer Art Papamobil, bzw. Theomobil verschanzen zu müssen. Auch nicht weit weg von den Menschen und Tieren als bloßer Zuschauer verharrend (Schiedsrichter, Sündenbock etc.), dem das Zuschauen für das eigene erfüllte Leben genügen würde. Es würde dann also darum gehen, dass er nicht allen gleichzeitig eine Art Audienz gewähren könnte. Und seine übermenschlichen, bzw. göttlichen Kräfte würde er weiterhin haben müssen und dürfen, ohne aber jede Petition erfüllen zu können und zu müssen. Es muss für Gott möglich werden, unter seinen Geschöpfen zu wandeln, ohne selber in einen Konkurrenzkampf zu geraten oder Konkurrenz auszulösen. Und ich glaube, um dies zu erreichen, muss jeder mal durch etwas geschleust werden, was Tod genannt wird. Sogar Gott selber. Ich halte den Tod für einen Zwischenaufenthalt bevor man ins Paradies kommt, eine Lehrzeit. Und wahrscheinlich wird jeder Einzelne auch noch mal besonders an etwas erinnert, an das, was er wirklich falsch gemacht, aber auch das, was er so richtig gut gemacht hat.

Außerdem halte ich den Heiligen Geist (heute spricht man auch von der kosmischen Energie, etc. ) für eine Art Autopiloten Gottes, da er sich sonst zerteilen müsste. Vermutlich mischt sich darin auch etwas, was man früher "Launen der Natur" nannte.

Im Moment haben wir ein launisches Klima, also nun das konkrete Wetter betreffend. Und viele Bio-Produkte werden auch nur in Verpackungen zum Verkauf angeboten. Was will man machen?
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Di 12. Mär 2019, 16:09

Hallo mamschgerl!

Ich denke, es findet einige Verwirrung in unseren Köpfen statt, alte Werte, Traditionen sollten aufgebessert werden, aber im Zuge dessen wurde und wird einem was hingehalten, was eigentlich falsch ist und einen verletzt und dennoch als revolutionär und fortschrittlich schöngeredet wird. Wir laufen nicht nur einem zu hohem Idealbild von uns selbst hinterher, sondern befinden uns ständig vor der Falle, einem schlechten Hype zu erliegen. In der "Kleinen Hexe" von Otfried Preußler wird die kleine Hexe von dem älteren Hexen-Clan zuerst deswegen ausgeschlossen, weil sie noch zu jung ist, dann aber weil sie ihre Hexenkunst benutzt, um einigen Menschen aus Notlagen zu helfen. Die anderen Hexen finden das nicht gut an ihr, denn nach deren Credo sind gute Hexen nur diejenigen, die unentwegt Böses hexen!

Den Songtext von "Sympathy for the devil" von den Stones kann man als ein Bekenntnis zu einer Kollektivschuld bewerten, klingt halt etwas anders als so wie es einem die katholische Kirche hinhält. Jeder macht mal Fehler, aber ein echter Fehler soll doch besser nicht zur Gewohnheit werden und nicht zu einem "Alle sollen alle Fehler immer und immer wieder machen dürfen!" Also das wäre nun wirklich eine schlechte gerechte Ungerechtigkeit!
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Do 14. Mär 2019, 08:16

Einsamkeit bedeutet noch mehr, als sich ungeliebt zu fühlen...die Schwierigkeit, Einsamkeit zu umschreiben ist genauso groß, wie das Wort Liebe zu definieren. Es sind nicht weiter als Oberbegriffe, die aber, geht man tiefer, für jeden wieder etwas anderes bedeuten.
Es ist also gar nicht so einfach, einem Menschen, der Partnerschaft als Kern seines Daseins erachtet, beizubringen, daß man sich ohne Partner nicht einsam fühlt, er kann das nicht nachvollziehen. Wenn es darum geht, geliebt zu werden, kann man sich da nie sicher sein, daß man so geliebt wird, wie man selbst liebt, also glaubt, wie Liebe auszusehen hat.
Einsam kann man auch in einer Partnerschaft sein, in der der Partner zwar vorgibt, einen zu lieben, aber diese Liebe völlig anders definiert, als man selbst, also fühlt man sich trotzdem ungeliebt.
Einsam kann man sein, wenn nirgends jemand zu finden ist, der einen wenigstens ansatzweise akzeptiert oder wenn man das Gefühl hat, unfreiwillig völlig allein und isoliert von der Außenwelt sein Dasein zu fristen, alle gegen einen sind und sich ablehnend verhalten, obwohl man doch eigentlich Anschluss sucht und Gleichgesinnte.
Aber man muß kein Egoist sein, um sich alleine wohl und nicht einsam zu fühlen. Wer sagt denn, daß man nur in einer Partnerschaft glücklich werden kann? Wer behauptet, daß eine Frau, die keine Kinder bekommen kann oder will, automatisch zu einer frustrierten Zicke mutiert? Wer maßt sich an, für die Allgemeinheit verbindliche Lebensgestaltungsvorlagen als einzig erstrebenswert zu erheben?
Der Lauf der Geschichte zeigt doch, daß es immer auf die jeweilige Epoche zurückzuführen ist, wie man sich zu fühlen hat. Duelle gibt es heute nicht mehr, das Weib ist kein Eigentum mehr, Sklavenhaltung ist verboten...so vieles, ob Mode, Zeitgeist, Emotionen wurden uns vorgeschrieben, um in der jeweiligen Gesellschaft bestehen zu können. Abweichungen, Andersdenkende wurden und werden immer noch ausgegrenzt.
Mir wie vielen anderen wurden Diagnosen verpasst, die sich zum Teil auch darauf stützen, daß bestimmte Emotionen nicht auftreten. Was kann ich dafür, daß ich auch ohne meine Vorgeschichte anderer Meinung bin, was Partnerschaft, Liebe, Freundschaft etc etc betrifft? Vielleicht passe ich in irgendein Schema zu einer anderen Zeit, in der wieder anderes erstrebenswert ist.
Statt sich zu grämen, daß man nicht in die jetzige Norm passt und kaum Menschen kennenlernt, die offen für alle möglichen Gedanken sind und munter losphilosophieren, sollte man sich über diese wenigen Personen freuen, die einem im Leben begegnen und sich ebenfalls diesen von mir so geliebten Spruch:"Leben und leben lassen" zu Herzen nehmen.
Ja, ich versuche, mir mit diesem Beitrag auch selbst Trost zu spenden. Ich fühle mich nicht einsam, ich war als Kind schon alleine und habe schon früh verinnerlicht, daß man bis zum Lebensende alleine bleibt. Doch das ist nur logisch, weil jeder einzig ist und einzig fühlt und einzig denkt. Aber einsam muß man sich nicht fühlen.
L.G. mamschgerl

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Do 14. Mär 2019, 09:23

...ja, ich habe leicht reden...da ich nicht verstehen kann, daß man jemanden wie mich liebenswert findet bzw ich auch mit mir entgegengebrachter Zuneigung nicht umgehen kann, macht es mir auch nichts aus, ohne so etwas zu existieren, im Gegenteil, es bedrückt mich, wenn jemand Gefühle für mich hegt.
Ich empfinde Mitgefühl, Mitleid, Achtung, Respekt und auch Ablehnung und Verachtung für andere, aber das, was ich unter Liebe verstehe, habe ich nur einmal ( viel zu kurz ) erlebt und davon zehre ich, weil mir dieses Erlebnis gezeigt hat, daß ich nicht völlig falsch liege und es außer mir noch andere auf der Welt gibt, denen es ähnlich ergeht.
Es kommt einer Gehirnwäsche gleich, wenn einem das ganze Leben hindurch eingetrichtert wird, was man wann und wie empfinden muß, ohne gleich als höchst sonderbar abgestempelt zu werden und sich sofort an den nächsten Psychotherapeuten wendet, wenn man den Vorgaben nicht entspricht.
Daß man sich dieser Gesellschaftsform nicht zugehörig fühlt mit all dieser von dir erwähnten Gorilla-Mentalität, empfinde ich langsam aber sicher nicht mehr als ein Unvermögen, in der Gesellschaft zu bestehen.
"Sowas tut man nicht", "das gehört sich nicht", "du musst...", "... du kannst doch nicht...", "jeder denkt so...", "alle machen das so..." sind ja nur wenige Sätze, die man all die Zeit zu hören bekommt und man versucht, sich wider Willen oder wider eigenes Denken und Empfinden der vorherrschenden Ansicht der Dinge im allgemeinen anzupassen.
Vieles schaffen das tatsächlich ganz gut, ich frage mich, ob sie tatsächlich so denken oder nur Meister im Verdrängen ihrer eigenen Persönlichkeit sind? Ich glaube nicht, daß es soviele Männer in der Midlifecrisis geben würde, wenn sie sich nicht eingebildet hätten, daß Ehe, Haus bauen, Kinder zeugen, Baum pflanzen, mit SUV und Cabriolet in der Garage...das Lebensziel schlechthin darstellte. Soviel Frust und Selbstfindungskrisen bei so vielen Frauen, die trotz Reichtum und Glamour unzufrieden nach dem Lebenssinn gieren...
Und alle landen sie am Ende in der Therapie, warum bloß?
Also kann das Fazit nur lauten: die Ziele, die man uns vorgibt, sind es nicht wert, sich dafür aufzuopfern.
Warum muß man sich überhaupt Ziele setzen? Kann man nicht einfach im Hier und Jetzt leben und bewusst wahrnehmen, was gerade so um einen herum passiert? Die Therapeuten versuchen, das zu vermitteln, widersprechen sich aber gleichzeitig, indem sie uns zur Zielsetzung motivieren wollen. Wenn man sich auf Ziele konzentriert, kann man das Jetzt nicht wahrnehmen, oder sehe ich das falsch?
Außerdem hat man mit einem Ziel vor Augen meistens Scheuklappen auf und verpasst so vieles, was sich daneben abspielt. Seltsamerweise versuchen auch die Therapeuten, einem Geld, Partnerschaft, Eigenheim etc etc als Ziele zu verkaufen, was aber, wenn das keine Ziele sind? Ändert sich die Persönlichkeit, werde ich glücklicher mit all dem? Nichts von all dem füllt die Leere, nichts vertreibt die Ängste oder die Sinnlosigkeit, man übertüncht nur, man baut eine Fassade auf, man spielt jemanden, man versucht, Anerkennung damit zu erkaufen, damit man Bestätigung für dieses sinnlose Streben erhält.
Tja, wer eine Rolex am Armgelenk und einen Maserati im Fuhrpark, von "Freunden" beneidet und von einem Vorzeigeobjekt als Partner angehimmelt zu werden, braucht, der braucht eines mit Sicherheit: einen guten Therapeuten :mrgreen:
Da kann ich nicht mithalten, ich habe in Gesellschaftskreisen mit solchem Statusdenken verkehrt und habe es nicht begriffen. Ich habe unter Menschen auf der Straße gelebt und habe es nicht begriffen.
Was ich begriffen habe, ist, daß in jeder Gesellschaftsform jeder diese Form schön und richtig redet, um sich selbst vor sich selbst zu rechtfertigen und jeder den anderen darin bestätigt.
Mir ist das alles zuviel geworden, ich kann das nicht mehr. Ich will einfach meine Ruhe haben und die habe ich ja jetzt. Sicher wäre ein kleines bisschen mehr Rente nicht schlecht, damit ich mir öfters Ausflüge in die Umgebung erlauben könnte, aber eigentlich fehlt mir nichts...
Schade nur, daß es keine Gesellschaftsform für diese Art des Denkens und Fühlens gibt...aber dafür findet sich ja hier im Forum immer wieder jemand, mit dem man sich mit solchen Gedanken austauschen kann.
L.G. mamschgerl

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Do 14. Mär 2019, 15:59

So direkt können viele Menschen nicht viel tun, um mir aus meinem Liebeskummer wieder rauszuhelfen, eigentlich niemand außer meinem Ex-Freund selbst. Und wie ich mir bis dahin das Leben erträglich mache...nun, was Nächstenliebe angeht, da bin ich froh, wenn ich die noch erhalte und erwidern kann.

Und "Feindesliebe" ist für mich etwas, was für mich nur unter einer großen Distanz funktionieren kann. Deswegen fürchte ich mich ja auch so davor, dass ich nochmal einem schlechten Helfer ausgeliefert sein könnte, der mir in all seinem Unverstand und Unvermögen (nicht aus böser Absicht also) noch den letzten Rest verpassen würde. Der würde von mir Dankbarkeit erwarten und sagen, es läge an mir, dass er so aggressiv, äh...also streng zu mir sein muss. Und da ich als Privatperson (im Gegensatz zu meiner Rolle als Patientin) nun fast nur noch mit anderen Betroffenen verkehre, so gibt es da für mich auch einige, mit denen ich mich nicht gut verstehe, bei denen ich aber manchmal die Klappe aufmachen muss, wenn sie glatte Falschaussagen gegen mich oder andere treffen. Denn von Helfern, selbst wenn sie in der Situation gegenwärtig sind, werde ich da meistens auch nur im Regen stehen gelassen.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Fr 15. Mär 2019, 08:07

Liebe Laura,
Liebeskummer ist gemein und nicht gerade hilfreich im Alltag, da nervt das, was sowieso schon nervt, gleich doppelt und dreifach. Ich wünsche dir, daß man dich soweit in Ruhe lässt, damit du das "leichter" durchstehen kannst.
Ach ja, und bevor ich es schon wieder vergesse und es endgültig zu spät dafür ist: Alles Liebe zum Geburtstag!
Vielleicht hilft's dir ja a bisserl drüber weg, wenn du dir vor Augen hälst, daß die zweite Lebenshälfte begonnen hat und die Frauen von heute ab 50 erst richtig loslegen :mrgreen:
Okay, wahrscheinlich nicht, aber ein Versuch war's wert...
Ich habe mich gerade wieder an etwas erinnert aus meiner Vergangenheit bezüglich Betreuern...ich habe mal eine Zeitlang körperlich und geistig Behinderte von zuhause abgeholt, zur Werkstatt gefahren und abends von dort wieder zurück. Anfangs war ich entsetzt darüber, wie die Betreuer mit den Leuten umgingen und wollte mich deswegen schon bei der Leitung beschweren, bis ich aber genauer hinschaute und bemerkte, daß die sich alle genau kennen und sich außer mir niemand unwohl fühlte.
Es dauerte etwas, bis ich endlich mal umsetzen konnte, daß es sich eben nicht um "normale" Menschen handelte, die nur ein kindliches Gemüt und körperliche Einschränkungen hatten, sondern um Menschen mit speziellen Eigenschaften. Ich schwankte anfangs zwischen Mitgefühl, Mitleid und dem Empfinden, wie ungerecht die Welt doch sei und dem Gefühl, nichts ändern zu können und Hilflosigkeit.
Das alles machte es mir sehr schwer, diesen Job weiter durchzuhalten. Ich konnte mir nicht dieses Hinnehmen der Gegebenheiten antrainieren, ich konnte nicht zwanglos mit ihnen umgehen und am Ende gab ich diese Arbeit an einen Kollegen weiter, dem das alles nichts ausmachte.
Wie muß ein Betreuer gestrickt sein? Wie tickt so ein Mensch? Welche Beweggründe hat er, sich so einen Job auszusuchen? Wie kann er das wegstecken? Warum, wieso, weshalb?
Ich will keine Partei ergreifen, aber plädiere für mindestens 2 meetings pro Woche, damit diese Betreuer, Therapeuten u.s.w. sich gegenseitig motivieren und besprechen, wie sie mit dieser hohen Anforderung im Umgang mit Patienten umzugehen haben, damit die Betroffenen nicht deren Frust und Überforderung ausbaden müssen.
Ein Patient hat genug mit sich selbst zu tun und kann nicht verantwortlich für Überarbeitung und schlechte Laune sein, schließlich geht man nicht in eine Klinik, um die Therapeuten aufzubauen und erste Hilfe bei Gemütsschwankungen zu leisten. Die Entscheidung für diesen Job muß man gründlich überdenken und sich darüber klar werden, daß persönliche und subjektive Empfindungen außen vor zu bleiben haben, sonst ist man fehl am Platz.
Ja, wir alle sind nur Menschen, aber im Job dürfen wir es nun mal nicht sein, das ist überall so...
L.G. mamschgerl

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Di 26. Mär 2019, 15:17

Das Beste wäre , ich beruhige mich wieder von meinen brodelnden Ressentiments. Eigentlich habe ich sie wegen ganz was anderem, aber was ich so im Alltag erlebe, erinnert mich nicht nur an die ursprünglichen Konflikte, sondern diese Nadelstiche des Alltags sind wiederum etwas, was ich nicht immer nur verdrängen kann, von wegen, "Nix passiert, insgesamt meint es das Schicksal ja gut mit mir, auch wenn es mich hart rannimmt...." Wie soll ich denn zu Potte kommen, wenn da immer wieder andere schier endlos ihre eigenen Ur-Konflikte an mir austoben wollen?

Manchmal begegne ich im rl auch echt ekligen Betroffenen. Und es nervt mich, dass dann Mitarbeiter verschiedener Einrichtungen ihnen um des lieben Friedens willen ihre Zuckerchen geben und andere Betroffene, die sich viel besser im Griff haben, immer wieder im Regen stehen lassen.

Echt, ich muss irgendwie zusehen, dass ich wieder ruhiger werde und nicht alles so verdüstert wahrnehme, als sei ich in einem bösen Märchen gelandet oder in einer Intrigengeschichte wie in der Tudorzeit...oder schlichtweg in "Teufels Küche" geraten. Ich brauche meine Ängste nicht als "Kicks" oder als Würze für mein monotones Leben. Ängste dienen im guten Sinn dem eigenen Selbstschutz. Ich habe aber eher das Gefühl, ich diene entweder meinen Ängsten oder diene sonstwem mittels meiner Ängste.

Nach so langer Zeit ist mein Leben immer noch traurig und ich wünsche mir immer stärker, dass es mir schon bald gut oder zumindest besser gehen möge. So schwach wie ich schon geworden bin, kann ich mir nicht einfach das "holen", was ich brauche. Derweil versinke ich aber nicht nur einfach in Traurigkeit, sondern habe eine stille Wut in mir. Ich habe Angst, immer mehr zu versauern und zu verbittern, weil ich mich so ungerecht behandelt fühle. Hm, das gehört wohl zu den Wechseljahren dazu.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Mi 27. Mär 2019, 13:18

Hm, mir war so, als hätte hier gestern Abend noch ein Beitrag von Dir gestanden, mamschgerl. Darin fragtest Du, ob ich mir vielleicht Sorgen machen würde, dass ich mir den Ruf einer Selbstmitleidigen einhandeln könne. Du erzähltest auch was von einer sehr heftigen Bemerkung einer Freundin. Derlei Bemerkungen habe ich auch abgekriegt, auch noch von Selber-Betroffenen! Die taten gerade so, als würden sie mich persönlich ernähren, waren zu dem Zeitpunkt aber weniger aktiv gewesen als ich, die ich es damals immerhin in eine Reha-Werkstatt schaffte. Die eine ließ es sich gerade im Hotel Mama gutgehen, die andere hatte schlichtweg Dreck am Stecken. Sowas hat's dann natürlich nötig, meine Existenzberechtigung in Frage zu stellen!

Also, über ein schlechtes Image von wegen selbstmitleidig, darüber mache ich mir eigentlich nicht so viele Sorgen. Ich denke nur, ich muss, solange ich kann, doch noch gegenlenken, damit ich nicht zusehendst immer grolliger werde. Ich merke ja z. B., wie schon meinem Sozialarbeiter immer mulmiger zumute wird, wenn ich da herumspotze.

Gestern Abend war es mir ein gutes Beruhigungsmittel, mir ein paar Mal auf Youtube das Video "The call of the wild" von Midge Ure anzuschauen. Heute morgen habe ich dann auch die CD aufgelegt. Also, die Mike Oldfield Collection mit "Wonderful land" raus und die Greatest Hits von Midge Ure/Ultravox stattdessen rein. Midge Ure habe ich in den Nullerjahren immerhin auf einem Unplugged-Konzert erlebt. Der Typ war echt witzig. In den 80ern stand er ja mehr für "Coolness". Und schaffte es sogar, alte Synthie-Hits wie "Vienna" und "Fade to Grey" nur auf seiner Akustik-Gitarre begleitet so zu singen, dass da echt noch ein Lied dabei rauskam. Hätte ich mir bei "Fade to Grey" gar nicht vorstellen können! Ich dachte, das Lied lebt ausschließlich von den Synthesizer-Effekten, aber nein, die Melodie ist immer noch stark genug, dass es auch nur mit Gitarre und Gesang geht.

So, dass war jetzt ein kleiner Exkurs. Hätte mehr in den Kunst-thread gehört. Ich finde im Moment halt wieder viel Trost in Pop-Songs. So ähnlich wie in meiner Jugend. Und in erster Linie finde ich diesen Trost in ein paar Pop-Songs aus meiner Jugend. Am besten in denen, in denen ich mich zwischenzeitlich nicht satt gehört habe.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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