Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

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mamschgerl
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Mi 27. Mär 2019, 16:11

Ähm...hüstel...stimmt schon, da war doch was...ich hatte einfach nur das Gefühl, mich ein bisserl zu weit vorgewagt zu haben mit meiner Vermutung und das wollte ich eigentlich nicht so, also habe ich gleich den gesamten Beitrag gelöscht :oops:
Ich denke mir, wenn sich da manchmal im Empfinden ein paar Parallelen ergeben, könnte es genauso falsch rüberkommen wie bei mir, bzw irgendwie für Mißstimmung sorgen, weil man halt gerade sehr empfindlich ist...egal, es war nicht so und alles gut...
Vielleicht ist dieses Motzen über alles und jeden auch beginnende Alterssenilität oder Altersstarrsinn :lol:
Manchmal ist man aber auch so in dieser Rolle gefangen, daß es einem selbst schon nicht mehr auffällt, aber bei dir ist's noch lange nicht so weit :mrgreen:
So leid es mir für dich tut, aber da musst du schon noch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel haben, damit du dich darauf berufen kannst, hihi.
Wie gesagt, die schlimmste Bemerkung hinsichtlich des Erwerbsminderungsrentendaseins kam während meines Erstaufenthaltes in der Klinik, ich glaube, ich erwähnte das schon mal...In der Raucherecke trafen sich ja alle Patienten, auch die aus der Onkologie und Kardiologie. Bunt zusammengewürfelt und fröhlich ratschend saßen wir also da, als sich die Begleitperson / Ehefrau eines Kardiologiepatienten einfand, die mit ihrem Los, bis zum Renteneintritt arbeiten zu müssen, haderte und meinte, sie würde am liebsten auch!!! auf psychisch krank machen wollen, damit sie schon jetzt in Rente gehen könnte. A bisserl auf depressiv machen, sollte ja kein Problem sein.
Ich war damals sprachlos und wäre es heute wahrscheinlich wieder in derselben Situation, denn was bliebe als Reaktion übrig? Man könnte ihr alternativ verbal über den Mund fahren oder wirklich eine klatschen, doch es würde nichts an ihrer dummen Einstellung ändern und einem selbst wäre auch nicht geholfen.
Hatte sie uns Betroffene jetzt bewusst beleidigt oder wollte sie nur einen Witz machen, der aber völlig daneben war, ohne daß sie fähig gewesen wäre, das zu bemerken?
Egal, es war für mich wie ein Schlag in die Magengrube, da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht in der Lage war, zu begreifen, daß es für mich kein Zurück geben würde, ich war also selbst unterschwellig noch der Meinung, aus diesem Zustand wieder herauszukommen und dazu sauer auf mich, weil ich es nicht so schnell und aus eigenen Kräften heraus schaffte. Ich verabscheute mich selbst und war irgendwie noch in dem Stadium des Verleugnens, gleichzeitig aber war mir bewusst, daß ich im A... bin und dann kommt so ein Spruch...ich wäre ihr am liebsten an die Gurgel gesprungen, wie sie da so saß und allen psychisch Kranken, die dabei waren, vorhielt, sie wären arbeitsscheu und würden alles nur vortäuschen, damit sie sich auf die faule Haut legen könnten.
Wenn du mich jetzt fragst, was meine Reaktion war, so weiß ich es einfach nicht mehr. Ich weiß nur, daß ich nichts mehr gesagt habe, aber ob ich gegangen bin oder geblieben, keine Ahnung. Meine Erinnerungen sind alle so, Ausschnitte herausgerissen aus dem Ganzen und das Davor oder Danach bleibt in der Regel im Nebel.
Nur die Empfindungen bleiben genauso erhalten wie in dem besagten Moment.
So viele Ausschnitte, Momentaufnahmen, Situationen, Erinnerungsfetzen...sie sammeln sich, bleiben in ihrer Intensität und vermiesen einem das Leben, kein Wunder, daß man irgendwann nur noch rummotzt :roll:
Um noch kurz auf die Musik zu sprechen zu kommen...hier versagen meine Erinnerungen an Titel und Interpreten und das finde ich sehr schade. So viele gute Musik und ich kann sie nirgends aufrufen, weil ich sie einfach nicht benennen kann. Aber ab und an findet sich durch Zufall was beim Rumsurfen wie z.B. Steve Harley and The Cockney Rebels mit dem Song somebody called me Sebastian. Erstmalig gehört mit 13 oder 14 Jahren und die Erinnerungen an diese Zeit sind fürchterlich, aufregend, abenteuerlich, selbstmörderisch, rebellisch, ausreißerisch, alles durcheinander...all das gebündelt in diesem einen Song, einfach verrückt.

mamschgerl
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Do 28. Mär 2019, 11:39

Mir ging gerade durch den Kopf, daß ich vielleicht wieder in eine Klinik gehen sollte, weil ich mich vielleicht nach dieser langen Zeit genügend mit der Tatsache, psychisch nicht mehr gut aufgestellt zu sein, soweit abgefunden haben und den Behandlungen etwas positiver in der Grundeinstellung gegenübertreten könnte...ich habe gerade das Script für die Behandlungsmethoden bei Traumapatienten durchgelesen, das man sich von der Homepage herunterladen kann und denke, daß ich mittlerweile in der Lage sein könnte, mich darauf einzulassen. Ich denke nicht, daß ich danach besser durchs Leben gehen kann, aber der echte Kontakt mit Betroffenen und geleitete SelbstWahrnehmungsübungen, auf die ich mich nun ungehetzter und ruhiger konzentrieren könnte, wären eventuell doch eine Bereicherung im Umgang mit den Symptomen. Es steht im rL ja nichts mehr im Wege, das sich hinderlich auf die Durchführung der Übungen auswirken könnte, also wäre es auch keine vertane Zeit, mich wieder damit auseinanderzusetzen. Ich glaube, ich wäre auch imstande, die Personen in der Gruppe "auszublenden" und soweit zu ignorieren, daß mich die Zusammenkünfte nicht mehr so sehr belasten, daß ich gleich wieder in Panik verfalle...naja, sicher bin ich mir natürlich nicht und wahrscheinlich ist diese Vorstellung auch nur meiner momentanen Verfassung geschuldet, morgen sieht's schon wieder völlig anders aus und allein der Gedanke daran treibt mir kalten Schweiß auf die Stirn...außerdem könnte ich mir das sowieso nicht leisten, da ich kein Geld für die Selbstbeteiligung aufbringen könnte, ganz zu schweigen davon, daß ich mir nicht vorstellen kann, meinen Sohn zwei Monate allein zu lassen oder meine Katzen...

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Laura
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon Laura » Do 28. Mär 2019, 21:55

Hallo mamschgerl!

Du wohnst doch in einer sehr großen Stadt. Wie sieht es denn bei Dir vor Ort mit ambulanten Gruppentherapien u. ä. aus?

Ich denke, ich war in den letzten zwei, drei Tagen insgesamt ein bisschen weniger mit heimlichem Groll unterwegs. Ich sage mir wieder, dass ich meinen Zustand ohnehin aushalten muss und dass ich es gewohnt bin, ihn auszuhalten. Ich möchte jetzt wieder weniger herumspotzen, bevor ich noch zur Furie mutiere. Also mit herumspotzen meine ich meine Art, mich geradezu in Rage zu reden, wenn ich mit meinem Betreuer oder meinen wenigen Freunden meine Psychohygiene betreibe und mich dabei immer wieder über dieselben paar Leutchen in der Tagesstätte noch im Nachhinein ärgere. Also all diese Nachbesprechungen mit Dritten. Ich merke es ja in der Tagesstätte, dass Direktheit durchaus nicht immer von Vorteil ist, wenn man denselben Leuten dann doch jeden Tag wieder begegnet. Also ich finde mich im rl oftmals eher zu schüchtern als zu direkt. Es gibt aber dennoch Mittel und Wege, um sich den kleinen Raubmenschlein in der Tagesstätte nicht immer wieder als "gefundenes Fressen" anzubieten. Wenn sie nämlich jemanden suchen, der ihnen einen kleinen Gefallen tut, kann man sie abblitzen lassen! :mrgreen: Da werde ich bei dem kleinen eingeschworenen Clübchen an Altersstarrsinnigen, die sich für die Stars der Tagesstätte halten, jetzt auch immer mitleidloser. Bevor ich einer giftigen Person ü 70 behilflich bin, bin ich doch lieber einer sanftmütigen Person ü 70 behilflich! Und zum Glück ist letztere Sorte in der Überzahl!

Hey, von wegen, ich krieg nix (also bezüglich der thread-Überschrift)...hab heute in einem Second-Hand-Laden eine hübsche Umhängetasche erstanden. So 'ne Art Aktentasche, nur im Hochformat und aus biegsameren Leder und mit einem Tragegurt, den ich um die Schulter hängen kann. Kann ich gut gebrauchen, wenn ich mal mit Briefpapier unterwegs bin oder mir DVDs aus der Bücherei ausleihen will. Denn die Tasche ist schön flach und kein Riesen-Oschi. Sieht auf jeden Fall schicker aus, als wenn ich solche Dinge in einer schlichten Leinentasche vom Supermarkt durch die Gegend trage. Hat mich nur 4 Euro gekostet. Dafür musste ich eine lange Fahrt mit den U-Bahnen in Kauf nehmen, um zu diesem Second-Hand-Laden zu gelangen. Und hab mich mit allerlei DVDs eingedeckt. 1 Euro das Stück.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

mamschgerl
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Re: Doof muss ich sein, sonst krieg ich nix

Beitragvon mamschgerl » Fr 29. Mär 2019, 14:24

...Das Angebot hinsichtlich ambulanten Gruppentherapien ist recht groß und auch breit gefächert, es gibt also für alle Diagnosen irgendwas, es gibt auch eine Menge Tageskliniken, aber irgendwie kommt das nicht so dem nahe, was ich eigentlich will...es ist doch schon was anderes, wenn man die Zeit stationär dort verbringt und die Behandlungsmethoden sich täglich abwechseln, zudem fällt es mir leichter, die freie Zeit dazwischen mit Aktivitäten zu verbringen ( auch aktives Lesen und Musikhören gehört dazu :mrgreen: ), da das Schwimmbad im Haus ist, der See vor der Tür, der Wald hinter dem Haus, der günstige Fahrradverleih gleich ums Eck...nicht zu vergessen, die Raucherecke, wo die besten Gespräche stattfinden :lol:
Ich bin eher so der "ganz oder gar nicht" -Typ, also entweder bin ich komplett in der Klinik oder eben gar nicht. Ja, ich weiß, ist vielleicht blöd oder unverständlich, aber es ist nun mal so. Ich muß dich da auch bewundern, daß du es jedesmal wieder schaffst, dort hinzugehen, ich könnte mich eben nicht dazu aufraffen. Wenn ich aber stationär untergebracht bin, lasse ich mich ganz anders darauf ein und kann quasi nicht anders, als dem Tagesplan nachzukommen.
Aber ich kann's mir eh nicht leisten, weil mein Einkommen ja zu hoch ist :roll:
Ich müsste also für die Selbstbeteiligung € 280,- aufbringen, da man ja bei Klinikaufenthalten 28 Tage je € 10,- übernehmen muss im laufenden Jahr; soviel habe ich momentan gerade mal im Monat für uns beide...aber ich bin mir eh nicht 100%tig sicher, ob ich es tatsächlich durchhalten würde, von daher ist's eh wurscht...
Derzeit bilde ich mir wieder ein, an irgendeinem Krebs zu erkranken ( solche Phasen habe ich seit meinen beiden OPs wegen Krebsvorstufen immer wieder mal ) und ich habe schon wieder die übelsten Alpträume...es ist also vielleicht auch nur der Wunsch nach einem Ort, an dem man mir solche Anwandlungen einfach nachsieht und im Gegenteil dafür Verständnis hat und damit umzugehen weiß, wo ich also meine verrückten und durchgedrehten Gedanken an den Mann bringen kann und man mir eben nicht den Vogel zeigt.
Ach, was weiß ich, ich denke, du weißt schon, was ich meine...


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