Schizophrenie und andere Störungen seit ich 16 bin. Schlimmer als je zuvor

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LeckererKaffee
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Schizophrenie und andere Störungen seit ich 16 bin. Schlimmer als je zuvor

Beitragvon LeckererKaffee » Fr 3. Mär 2017, 23:36

Guten Abend,

ich wende mich nun an dieses Forum, da ich mittlerweile sehr verzweifelt bin. Ich möchte hier kein Forumsmitglied aufgrund der Länge meines Threads abschrecken. Ich würde mich freuen, wenn ihr euch meinem Problem annehmen würdet:

Mit 16 hat es bei mir angefangen, nachdem ich todesangst hatte vor einer Bande von Kriminellen die mich monatelang verfolgt haben. Ich war an einem Samstag feiern, bin am Sonntag dann ins Sonnenstudio gegangen, wo auch alles seinen Anfang nahm. Als ich die Augen unter der Sonnenbank geschlossen hatte, hab ich Videosequenzen vor mir gehabt. Ich habe meine Freunde in einer Disco gesehen, Menschen waren am tanzen, ich habe Musik gehört obwohl keine da war. Kurz darauf hab ich bei mir zuhause aus dem Fenster, Gegenstände fliegen gesehen und habe plötzlich alles unscharf gesehen, als würde ich durch Milchglas schauen und fing am ganzen Körper anzuzittern. Tage danach hab ich noch 3 Frauen auf einer Tanzfläche gesehen als ich die Augen zu hatte, die nach und nach verschwunden sind. Mich hat seit jenem Tag eine sehr schwere Depersonalisation begleitet mit psychogenem Schwindel, die irgendwann verschwunden ist.

Mein Psychiater und Neurologe hat dann nach intensiven Gesprächen bei mir folgende Krankheiten diagnostiziert:

"rezidividierende depressive Störung, Angststörung, Panikstörung, phasnweise polymorphe psychotische Störungen mit Symptomen einer Schizophrenie und eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung"

Selbstverständlich hat er nicht nur danach gefragt, was kurz vor meiner Psychose passiert ist, sondern nach meinem ganzen Leben und nach meinem Verhalten mit meinen Mitmenschen. Meine Kindheit war vorallem durch ein sehr agressives Familienhaus geprägt, von Vater und Mutter. Viel Liebe gab es da nicht. Dies will ich hier aber nicht reinschreiben, das würde einfach den Rahmen sprengen.

Als diese 3 Frauen dann verschwunden waren, wurden meine Nächte zu purem Horror. Kurz bevor ich einschlafe, höre ich Stimmen, die meinen Namen rufen, die mir Befehle geben, die böse Sachen sagen und sehe Bilder (aber nur noch vor dem Schlafen). Damals waren es allesdings Bilder, die sich aus dem zusammengemischt haben, was ich tagsüber gemacht oder gesehen habe. Mittlerweile seh ich nur noch Frauen, die mich erschrecken, denn ich bin nach meiner oben genannten Diagnose, wahrhaftig beziehungsunfähig. Daher glaube ich, dass es irgendwas damit zu tun haben muss.Ich bin mittlerweile 27 Jahre alt, hatte mit vielen Frauen Spaß, aber eine Beziehung, kam nur selten zustande. Und wenn eine zustande kam, hab ich alles dafür getan, dass sie zunichte ging.

Ein Psychiatrieaufenthalt hatte ich im August 2015, wegen Panikattacken, die plötzlich aus dem nichts kamen. Nun, da fing es an, dass ich dann während dieser Panikattacken anfing an meiner sexuellen Orientierung zu zweifeln, obwohl ich ganz klar weiß, dass ich mir in meinem Leben nichts mit einem Mann vorstellen könnte.

Und nun mein eigentliches Problem. Letztes Jahr, Ende November hab ich eine Frau kennengelernt. Wir haben uns sehr gut verstanden und es hätte kaum besser laufen können. Diesmal hatte ich mir geschworen, dass ich alles dafür tun werde, nie wieder meine Ausraster von früher zu haben, damit ich endlich mal im Leben eine anständige Beziehung auf die Reihe kriege. Ich habe richtig gemerkt, wie sehr ich mich nach Liebe sehne, als gäbe es nichts wichtigeres für mich. Ich habe danach gehungert, wie eigentlich schon immer ... doch diesmal, war es sehr intensiv und ich habe mich gezügelt, dass ich nicht mehr ausflippe, wenn mir etwas schon bei geringfügigen Sachen nicht passt, da ich dann auch sehr böse Sachen sage. Doch es kam so wie immer: Ich habs wieder vermasselt und bin in eine stark depressive Stimmung verfallen. Ich habe es diesmal komplett unterdrückt, zu weinen, weil dann alles nur noch schlimmer würde. Also hab ich versucht eins meiner alten Hobbys wieder auf den Tagesplan zu bringen: Jonglieren. Ich habe nach der Arbeit nichts anderes mehr gemacht. Ich habe nur noch jongliert und habe dabei unglaubliche Glückgsgefühle gespürt, manchmal aber auch starke Trauer. Seit dem hab ich eine sehr starke Depersonalisation. Manchmal schau ich meine Hände an wie sie sich beim tippen bewegen und komme mir vor, als hätte ich die Sicht eines anderen Menschen eingenommen der gerade autonom seine Hände bewegt. Ich wurde plötzlich unglaublich selbstbewusst, konnte auf Menschen zu gehen wie noch nie zuvor, habe allerdings seitdem auch das Gefühl verloren, richtig fühlen zu können. An meiner Sexualität ob ich Hetero oder Bisexuell bin, hab ich die letzte Zeit auch erneut gezweifelt, obwohl ich ständig selbst die Bestätigung dafür bekomme, dass ich mich zu Frauen hingezogen fühle und nicht zu Männern wenn ich unterwegs bin, ich habe aber eine Angst entwickelt, nun auf Männer zuzugehen, da ich das Gefühl habe, ich könnte auf sie stehen, obwohl sich da bei mir auf der sexuellen Ebene nichts tut, ich spüre nur noch Angst.

Ich habe nun auch den Schritt gewagt, meinen Vater mit meiner Kindheit zu konfrontieren und habe ihm gesagt, was ich von ihm halte. Ich bin ausgezogen und wohne nun das erste mal in meinem Leben alleine, in meiner eigenen Wohnung. Habe Möbel bestellt, mich um alles gekümmert, ich bin auf dem Weg zu meiner Autonomie. Von Freude spür ich leider garnichts. Wirklich nichts.
Meine Gefühle sind völlig abgestumpft. Ich weiß garnicht mehr richtig, wann ich mich freue und wann ich traurig bin. Gestern hat sich eine Frau bei mir gemeldet, die ich ziemlich toll finde. Sie hatte sich zuvor einige Tage lang nicht gemeldet und ich war sauer, ziemlich sauer, ich habe es allerdings nicht so gespürt wie früher, dass ich wirklich sauer bin. Ich war einfach wütend, ohne starke innere Gefühle. Als sie sich dann gemeldet hat, hat sich bei mir im Gesicht automatisch ein Lächeln eingestellt. Allerdings hab ich in mir drin, nicht so eine starke Freude gespürt. Das Gefühl war sehr abgestumpft. Ich bin immer noch auf der Warteliste meines Psychotherapeuten .... ich weiß nicht was ich selbst tun kann, damit es mir besser geht. Ich will endlich wieder richtig fühlen können. Ich will wieder richtig Trauer spüren können, richtige Freude spüren können. Was hab ich falsch gemacht? Hätte ich die Gefühle bei der letzten Frau, bei der es wieder einmal nicht geklappt hat, nicht unterdrücken dürfen? Ja, ich habe nicht getrauert. Ich habe es bewusst nicht getan.

Ich erfinde in meinem Kopf auch ständig Geschichten mit ihr. Manchmal bin ich mit ihr zusammen. Manchmal sag ich böse Sachen zu ihr. Manchmal mach ich sie eifersüchtig. Wenn ich Dinge nicht so tu, wie man sie tun sollte, erscheint in meinen Gedanken manchmal automatisch mein Vater, der mich niedermacht. Manchmal erscheint auch sie in meinen Gedanken. Sie lacht mich dann aus, oder fragt mich ob ich bescheuert bin. Es ist immer unterschiedlich. Es hört nicht auf. Das ist sehr belastend.

Was vielleicht auch erwähnenswert wäre, ist, dass meine Tics noch viel schlimmer geworden sind. Diese hab ich seit meiner Kindheit. Ich mache kreisende Bewegungen mit meinen Fingern um Objekte, verdecke mit meinen Augen Gegenstände, manchmal mach ich komische Geräusche.

Meine Seele ist wirklich ein Sammelsurium aus Problemen und ich möchte hier keinen überfordern ... ich weiß allerdings nicht, was ich tun kann. Ich bin nun auf der Warteliste eines Psychotherapeuten den mir viele empfohlen haben ... es dauert noch ungefähr 7 Wochen. Ich will selbst etwas dafür tun, dass ich mich besser fühle. Ich weiß aber nicht was.

Was für mich definitiv nicht in Frage kommt ist ein erneuter Psychiatrieaufenthalt. Ich wurde damals nur mit Olanzapin vollgepumpt, hatte Bedarfsmedikamente und Tavor bekommen. Gespräche gab es kaum, und wenn es sie gab, waren sie viel zu kurz und man ist nicht auf das Problem eingegangen.

Ich bitte um Rat.

Vielen Dank im Voraus

mamschgerl
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Re: Schizophrenie und andere Störungen seit ich 16 bin. Schlimmer als je zuvor

Beitragvon mamschgerl » Mo 6. Mär 2017, 10:04

hallo,
du hast da einiges geschrieben und ein antworten darauf fällt schwer.
es sind da einige sachen, bei denen ich mich wegen meiner eigenen vorgeschichte angesprochen fühle, aber trotzdem nicht damit zu vergleichen sind, auch sind bei dir andere folgeerscheinungen aufgetreten.
du schleppst ganz schön was mit dir herum und ich hoffe, die stunden in der therapie helfen, daß das ertragen etwas leichter wird.
ratschläge kann ich dir nicht geben, da jeder anders mit seinen erfahrungen umzugehen und damit zu leben lernen muß, zudem liegen deine symptome außerhalb meiner erlebnisse.
was ich allerdings sehr gut kenne, ist die emotionslosigkeit, beziehungsunfähigkeit und die depersonalisation etc etc, was es an sich schon schwierig macht, die 'normale' welt zu begreifen und erst recht, angemessen mit ihr umzugehen.
ich wollte dir nur antworten und zeigen, daß dein beitrag nicht "ungehört" bleibt.

alles gute
mamschgerl


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