Angst vor Psychose.

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Jürgen77
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Angst vor Psychose.

Beitragvon Jürgen77 » Di 6. Jan 2015, 09:14

Hallo Ihr,
mir geht es momentan nicht gut und ich sehe die Gefahr wieder akut zu werden.
Hat es jemand mal ohne Klinik geschafft daheim wieder stabil zu werden. Wenn ja,
was habt Ihr für Tipps. Ich lebe alleine. Keine Partnerin die vielleicht helfen könnte.
Morgen versuche ich einen Notfalltermin beim Psychiater zu bekommen. Er war in Urlaub.
Und da wird morgen einiges los sein.
Das Solian habe ich von 300 mg auf 400 mg erhöht. Ich würde mich auch trauen auf 500 mg zu
gehen. Zusätzlich habe ich Baldriantabletten genommen.

Viele Grüße
Jürgen

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Remedias
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon Remedias » Mi 7. Jan 2015, 18:43

hallo Jürgen,

ich kann dir nur für zuhause raten: Reizabschirmung, viel ausruhen, versuchen zu schlafen, Haushaltsroutine,
eher weniger: Musik, Medien, Trubel, Internet, Filme
aber auch Vorsicht mit : Meditationspraktiken , Yoga , etc.

Medikation: das Solian ist schon mal gut,
eventuell könntest du von deinem Psychiater eine Woche lang Tavor oder ein niederpotentes NL ( Truxal, Atosil etc.) bekommen.
Beide wirken entspannend, machen müde, Tavor löst außerdem Angst.

Das sind jetzt nur meine Ideen. Meine Idee ist halt, dass das Gehirn überreizt ist, anfängt zu spinnen und man alles irgendwie runterfahren muss.

Ich wünsche dir, dass du die psychotische Episode ohne Klinik überstehst.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

Jürgen77
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon Jürgen77 » Mi 7. Jan 2015, 20:14

Hallo Remedias,

vielen Dank für Deine Antwort!
Ich war heute zum Glück beim Psychiater und habe ihm meine Situation geschildert.
Er hat mir dann Tavor als Bedarf verschrieben und außerdem soll ich mein Solian erhöhen.
Die NL Erhöhung wäre auch meine Idee gewesen. Mit Tavor bin ich echt vorsichtig.
Da nehme ich mal lieber Baldrian zum Einschlafen. Zum Glück haben mich meine Freunde viel
aufgemuntert indem sie mich angerufen haben. Ich hoffe, daß ich mit diesem Handwerkszeug
ohne eine Klinikaufenthalt auskomme. Schön daß es solche Menschen wie Dich gibt, die anderen
helfen indem sie Ihr Wissen weitergeben. Meine Erfahrung hilft mir auch mit der Erkrankung umzugehen
aber es hilft wirklich sehr von anderen Betroffenen Tipps zu bekommen!

Allerdings ist dieses Forum wohl ziemlich verwaist. Ich hatte eben gehofft, daß der richtige meinen
Artikel liest und auch antwortet.
Ich lese noch im Kompetenznetz Schizophrenie aber zwischen den Foren ist schon ein deutlicher
Unterschied.

Viele Grüße
Jürgen

Jürgen77
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon Jürgen77 » So 11. Jan 2015, 06:41

Hallo Remedias,

mir geht es wieder besser. Ich habe letzte Nacht wieder schlafen können, nachdem ich
die Nacht zuvor wach war. Gestern hat mir warme Milch mit Honig beim Einschlafen geholfen.
Was der Körper braucht, das nimmt er sich schon.

Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Ich denke also bin ich.

Das sind zwei wichtiger Sprüche in meinem Leben.

Ich sehe die Krankheit in gewisser Weise als eine Gabe an. Man braucht aber Zeit um zu erkennen,
wie man die Kontrolle behalten kann. Auch in schlimmen Phasen.

Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.

Mit dieser Zuversicht gehe ins relativ neue Jahr und bin gespannt was mich noch erwartet.

Viele Grüße
Jürgen

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Remedias
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon Remedias » Mo 12. Jan 2015, 17:32

Hallo Jürgen, das freut mich für dich. Wünsche dir weiterhin alles Gute. :)

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monikaa
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon monikaa » Mi 14. Jan 2015, 18:35

Jürgen, mich freut es, dass es dir wieder besser geht. Liebe Grüße.
Nichts ist so sehr für die gute alte Zeit verantwortlich wie das schlechte Gedächtnis.

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HarleyQuinn
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon HarleyQuinn » Mi 28. Jan 2015, 14:15

Hey,

Schön dass das neue Jahr doch gut für dich anfängt :)

Ich arbeite in einem Wohnheim für psychisch Kranke und davon ist die Mehrheit Schizophren. Deine Einstellung zu deiner Krankheit entspricht meiner eigenen. Psychische Störungen verschwinden meist nicht, von daher sind sie Teil der Person und sollten als solche in seinem Leben integriert sein. Wenn man nicht das Beste daraus macht wird es schwierig ein zufriedenes Leben zu führen. Ein Bluter achtet ja ebenso lebenslang auf sich. Vergleichsweise zur Bluterkrankheit sind die psychotischen Symptome jedem sehr viel näher als die meisten sich eingestehen möchten. Eine Ausbildung in dem Bereich habe ich nicht, kann dir nur für die Zukunft ein paar Vorschläge aus meinen Erfahrungen geben.
Keine Krise kommt unerwartet, der Ausbruch ist vielleicht überraschend, aber Anzeichen einer Verschlechterung tritt viel eher ein. Aus diesem Grund wäre es wichtig, dass du dich gut beobachtest. Du merkst als erster wenn der Stress zuviel wird, beziehungsweise solltest vorher schon die Reißleine ziehen. Psychisch Krank wird man durch Überforderung, aber wenn man nicht auf sich hört holt sich der Körper so seinen Rückzugsort.
Es ist übrigens nicht bei jeder Krise nötig eine Einweisung in die Wege zu leiten. Unsere Klienten haben oft Bedarfsmedikation, die man in solchen Fällen geben kann. Zumeist Lorazepam. Kontaktiert man den Krisendienst ist das auch immer die erste Frage, ob man denn schon Bedarf gegeben hätte. In einer akuten Situation ist die Einnahme von Lorazepam/Tavor ratsamer, als die Klinikeinweisung. Dort bekommt man eh das gleiche nur noch höher dosiert. Als Regelmedikation ist Tavor nicht ratsam. Das sind schon ziemlich heftige Medis, von daher versteh ich deine Vorsicht.
Ansonsten würde ich dir das gleiche raten wie du es getan hast. Psychiater und Freunde einbinden. Einem psychotischen Klienten kann das Sprechen helfen aus seinem Kopf rauszukommen, denn nur dort findet die Psychose statt. Außerdem hilft es jemanden zu haben der ruhig bleibt, wenn man selbst es nicht kann.

Lieben Gruß
“If we don't have each other, we go crazy with loneliness. When we do, we go crazy with togetherness.”
The Stand von Stephen King

"Fast überall wo es Glück gibt, gibt es Freude am Unsinn."
Friedrich Nietzsche

Jürgen77
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon Jürgen77 » Mi 28. Jan 2015, 15:59

Hallo HarleyQuinn,

danke für die Nachricht. Ja ich habe momentan Lorazepam als Bedarfsmedi und ich bin zu Hause
geblieben. Da ist es einfach schöner und ich kann selbst entscheiden ob ich die Türe absperre oder
telefoniere. Ich bin mein eigener Herr und habe meine Freiheit. Allerdings ist es nötig den Verstand
einzusetzen und wenn nötig Hilfe von außen zu holen damit man aus dem Gedankenkreisel wieder
herauskommt. Entschleunigen, geistige Hygiene also mit den Leichen im Unterbewusstsein aufräumen.
Was einen belastet soll raus. Mein Glaube hilft mir dabei viel. Gott liebt mich und zwar egal wie ich bin.
Die Zehn Gebote sind ein Leitfaden für ein gutes Leben. Und wenn ich fehle ist das nicht so schlimm.
Ich bin ein Mensch und als solcher unvollkommen. Man kann jeden Tag neu beginnen.
Nichts muss so bleiben wie es ist! Ängste können weichen. Ich darf meine eigene Meinung haben und
mir neue Hobby's suchen, wenn die alten kaputt gegangen sind. Ich brauche meistens einen Knall um
etwas zu verändern und dieses Mal wird es hoffentlich besser werden.
Als "guter" Mensch wird man in der Welt oftmals herumgeschubst und ich hoffe mal, daß ich irgenwann
nicht mehr so dünnhäutig bin.
Drum Prüfet wessen Geistes Kind sie sind!!!

Viele Grüße
Jürgen

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HarleyQuinn
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon HarleyQuinn » Mi 28. Jan 2015, 22:52

Hey,

Es ist auf jeden Fall am sinnvollsten gerade in einer Krise an einem Ort zu sein der Sicherheit und Vertrautes bietet. Äußere Ordnung gegen inneres Chaos sozusagen.
Ich denke jeder hat seine Art mit dem Leben umzugehen, und da sowas Erfahrungsabhängig ist kann keiner darüber werten. Im Ersten Artikel im Grundgesetz steht dass der Wert eines Menschen unveräußerlich ist. Jedes Leben ist von sich aus wertvoll und etwas mit Wert sollte man erhalten wollen. Von daher hab ich für mich entschieden, dass es nicht gute und böse Menschen gibt, sondern schädliche oder förderliche Verhaltensweisen. Und in erster Linie gilt dass das Individuum für sich entscheidet was dies ist.
Wenn dir dein Glauben Stabilität gibt geht er niemanden etwas an. Ein Urteil über andere macht beide Seiten unglücklich. Seine Freunde hat man ja auch weil man sich mit ihnen wohlfühlt.

Lieben Gruß
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Jürgen77
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon Jürgen77 » Di 24. Mär 2015, 12:19

Hallo zusammen,

ich habe die Akutphase im Januar und Anfang Februar überstanden. Ich war fünf Wochen
nicht arbeiten und bin daheim wieder stabil geworden. Auch mit Hilfe von Tavor. Das habe
ich ja schon geschrieben. Momentan nehme ich noch eine höhere Dosis meines NL (500 mg) aber in der Klinik wäre es wohl noch höher gewesen.
Spätestens beim nächsten Termin beim Doc will ich über eine Reduzierung sprechen.
Meine Erhaltungsdosis lag zuletzt bei 300 mg.
Jetzt weiß ich zumindest, daß ich nicht zwangsläufig in eine Klinik muss, wenn ich akut bin.
Das empfinde ich als großen Fortschritt!

Viele Grüße und einen schöne Frühlingswoche!

Jürgen

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Remedias
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon Remedias » Di 24. Mär 2015, 18:52

Hallo Jürgen,
Jetzt weiß ich zumindest, daß ich nicht zwangsläufig in eine Klinik muss, wenn ich akut bin.
Das empfinde ich als großen Fortschritt!
Bild

alles richtig gemacht, kannst wirklich stolz auf dich sein.

Weiterhin alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen Remedias

berry corey
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Re: Angst vor Psychose.

Beitragvon berry corey » So 26. Apr 2015, 23:20

Hi Jürgen77,

eine wirklich gute Hilfe um stabil zu bleiben ist sein Innerstes zu fokussieren.
Zunächst fertigt man eine Liste an mit den größten Zielen die man hat. Diese kann man dann strukturiert auf eine realistische Aufgabenliste runterbrechen. So hat man dann täglich was zutun. Mir hat das damals sehr geholfen, da ich mit den Wochen das Gefühl bekommen habe, dass ich stetig und konsequent alles tue um meine Träume eines Tages zu erreichen. Der Weg ist das Ziel, denn durch das erreichen der kleinen Zwischenziele - von den ersten Schritten aus dem Haus bis zur ersten Autobahnfahrt ohne innere Verwerfungen bis zu dem Gefühl, dass andere Menschen einen als ganz normal wahrnehmen- jedes kleines Zwischenziel macht dich stärker und fokussiert deinen Geist.

Vllt hilft Dir das.

Beste Grüße


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