Traumatisierung und Psychose

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Mavros
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Traumatisierung und Psychose

Beitragvon Mavros » Fr 9. Aug 2013, 11:31

Hallo,
ich habe hier viele ältere, interessante Beiträge gelesen, die diesen Zusammenhang ansprechen. Hätte jemand Interesse sich darüber zu unterhalten - wie es euch heute damit geht, was sich mit der Zeit verändert hat, eventuell auch welche Therapien was bewirkt haben?

Lieben Gruß
Mavros
"Die Deutung des Unangenehmen als Machenschaft der Außenwelt macht aus dem Unangenommenen etwas Unannehmbares."

Dr. med. Michael Depner - seele-und-gesundheit.de

cake
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Re: Traumatisierung und Psychose

Beitragvon cake » Fr 9. Aug 2013, 13:04

Eine Psychose wurde bei mir niemals diagnostiziert Mavros.

Wie man mit Traumatisierung und Psychose umgeht - interessiert mich dennoch.
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

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Mavros
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Re: Traumatisierung und Psychose

Beitragvon Mavros » Fr 9. Aug 2013, 16:29

Es muss nicht unbedingt eine Diagnose sein. Das Chaos nach Traumatisierungen bekommt oft ganz andere Etiketten, wie z. B. die der PTBS. Ich denke es ist nicht immer richtig zu sagen, dass man noch nie psychotische Tendenzen oder Zustände hatte. Ich würde es für mich jedenfalls nicht tun, weil mir klar ist, dass in der Not das Unterbewusstsein auf eine Art reagieren kann, an die wir später unsere Erinnerungen verdrängen wollen. In dem Zusammenhang gibt es den berühmten Retrospektionseffekt oder auch "Rückschaufehler". Damit versucht man unbewusst zu verhindern, dass das eigene Selbstbild unter der Last der Erinnerungen leidet, oder auch dass es im Rahmen der Intrusion zu Folgetraumatisierungen kommt.

Ich sehe das Festhalten an verfärbten Erinnerungen u. U. als den Anfang einer Spirale, die dazu führen kann, dass irgendwann keine Unterscheidungen mehr getroffen werden. Ich-Syntonie ist beispielsweise ein Symptom der Persönlichkeitsstörung, und das bedeutet, dass sich Wahrnehmungsverzerrungen hinsichtlich eigener Verhaltensweisen bilden und festigen. Obgleich klar pathologisch, werden sie als der "Norm" entsprechend gewertet, Abnormalität wird im Rahmen dieser Verdrängung auf andere projiziert. Aber so lange man sagen kann: "Ich" "habe" eine Psychose, bedeutet das, dass man fähig ist zwischen Ich und Ich-Zustand zu unterscheiden, und in dem Fall ist auch ein Therapieerfolg möglich, weil u. a. das Ich weiterhin als Akteur im Spiel bleibt.

In dem Kontext wären vielleicht sogar die s. g. Kranken als gesund einzustufen und umgekehrt, und das beweist doch wieder einmal mehr, dass das Denken in diesen Kategorien keinen Sinn macht.

Liebe Grüße
Mavros
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cake
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Re: Traumatisierung und Psychose

Beitragvon cake » Fr 9. Aug 2013, 19:10

Damit versucht man unbewusst zu verhindern, dass das eigene Selbstbild unter der Last der Erinnerungen leidet, oder auch dass es im Rahmen der Intrusion zu Folgetraumatisierungen kommt.
Ja ,jeder Mensch hat seine Geschichte und aufgrund dessen bestimmte Verhaltensweisen erlebt und weitergelebt.

Je nach Schwere des zu erlebenden Traumas auch Strukkturen entwickelt, um über all das Geschehene eventuell hinweg zu kommen.
Ich-Syntonie ist beispielsweise ein Symptom der Persönlichkeitsstörung, und das bedeutet, dass sich Wahrnehmungsverzerrungen hinsichtlich eigener Verhaltensweisen bilden und festigen. Obgleich klar pathologisch, werden sie als der "Norm" entsprechend gewertet, Abnormalität wird im Rahmen dieser Verdrängung auf andere projiziert.
Das kann- muss- aber nicht sein- dennoch glaube ich, dass viele sich aus Angst zutief in sich zu blicken -davor unbewußte Abwehrmechanismen anwenden.

Oft denke ich auch, dass die Genetik des Einzelnen noch eine Rolle dabei spielen kann.
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Mavros
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Re: Traumatisierung und Psychose

Beitragvon Mavros » So 11. Aug 2013, 01:29

Das ist auch irgendwie der Witz an der Sache - das Geschehene existiert lange nicht mehr, Gedächtnisinhalte werden aber immer wieder gecheckt und geprüft um den gegenwärtigen Aktionsradius zu optimieren. Das wird scheinbar dann zur Falle, wenn man diese Inhalte negativ wertet oder verdrängt. Mit Abwehrmechanismus fängt man an zu kompensieren, mit dem Abspalten endet man irgendwann im Niemandsland und verliert den Bezug oder den Zugang zur Steuerbarkeit dieser Vorstellungen und Ideen.

Das Gehirn der Neugeborener kann man sich als ein Buch mit unbeschriebenen Blättern vorstellen. Neuronales, Plastizität sind im Entstehen, Gedächtnisinhalte werden erst mit 3 Jahren wahrgenommen, funktionales Denken ist mit etwa 11 Jahren ausgereift. Man weiß auch über die Wirkung des Stresshormons Cortisol, der beim kindlichen Langzeitstress funktionelle Störungen des Hippocampus, Amygdala, des limbischen Systems und Dysfunktion der Ausbildung von Synapsen bewirkt. Das ist nicht gerade wenig. Da muss ich nicht viel von Genetik wissen um sagen zu können, dass ich den Grund der psychischen Not dieser Kinder und späteren Erwachsenen genau erkennen kann. Ja vielleicht kann man das so sehen, dass nicht jedes Kind unter diesem Stress steht, dass es resiliente Denkweisen entwickelt und negative Faktoren ignoriert. Genauso kann man aber auch sagen, dass Vulnerabilität an sich kein Nachteil ist, denn sie hätte sich im günstigen Fall, ohne die Einwirkung der Stressfaktoren beispielsweise in der Form der Empfindsamkeit, Empathiefähigkeit usw. gut in das Leben des Betroffenen integrieren lassen können. Aber auch hier - was ist zuerst da gewesen, die Vulnerabilität oder der Stress? Was entstand auf der Grundlage von was? Alles nicht so einfach.

Auch ergibt sich z. B. die Frage, ob psychische Probleme nicht durch Interaktionen weiter gegeben werden. Bei Angststörungen ist es sicher der Fall, eine ängstliche Mutter oder Vater mit Zwangsgedanken leben dem Kind diese Störungen vor, es wird die größte Mühe haben sich davon frei zu machen.

Grüezi :cool:
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Re: Traumatisierung und Psychose

Beitragvon fluuu » Do 15. Aug 2013, 12:01

Die Kunst um nicht zu sagen Lebenskunst besteht nun darin die in der Vergangenheit gemachten emotionalen Fehler die zu Schmerz und Leid
führten zu erkennen, sie wahrzunehmen, sie sich bewusst zu machen aus dem Unbewussten, sie von allen Seiten zu beleuchten und so
eine Möglichkeit zu bekommen etwas daran so zu verändern, dass in Zukunft möglichst diese Fehler die zu Schmerz und Leid führen nicht
immer wieder passieren. Das ist dann positive Entwicklung im Leben hin zum erwachsen sein mit voller Eigenverantwortung.
Welche psychologischen Fachbegriffe dabei zur Anwendung kommen spielt für Fachleute eine Rolle ist aber für den natürlichen menschlichen
Vorgang um ihn zum Erfolg zu führen beim Betroffenen völlig unerheblich.
Der Betroffene sollte den Prozess verstehen und nachvollziehen können um die Lebenskunst anzuwenden, es ist ein Vorgang des Tuns.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

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Re: Traumatisierung und Psychose

Beitragvon DerBordi » Sa 17. Aug 2013, 12:05

Es gibt nichts schlimmeres als mit Sich und seinen Trauma umzugehen!

Ich weis garnicht ob das überhaupt möglich ist.
Ich benutze mal die Meditation von Michaela Huber,
der Innere Garten

Das ist eine Meditationsreise in der es auch um Traumabewätigung geht.
Ich kann nur sagen das ist selbst in der Meditation merkte wie emotional das mich mitgenommen hat.
Ob das mir geholfen hat - kann ich nicht genau sagen.
In Reflexion denke ich das ich insgesamt mit mehr Abstand und mit weniger Emotionen darüber reden kann, weil es mich stabelisierte und meine Einstellung zu mir verändert hat - mag sein das es der Grund ist, warum ich denke das nur
"Hypno-Therapie" eine erfolgreiche Therapie sein kann.

Mavros
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Re: Traumatisierung und Psychose

Beitragvon Mavros » Mi 21. Aug 2013, 14:33

Das Gefühl der Aussichtslosigkeit fordert während der Rückschritte, die immer so sicher wie das Amen in der Kirche kommen, im Kontext des Entwicklungsprozesses Entschlossenheit und andere Fähigkeiten heraus. Man kann den nie zum Stillstand kommenden Prozess selbst beobachten, jeder Tag ist anders, eine neue Welt, die man zuvor noch nicht gekannt hat. Nichts ist fest, endgültig, alles ist offen. Wenn man an Erinnerungen nicht fest hält, sind sie ein Teil der Vergangenheit, die die Gegenwart nur insofern beeinflusst, dass eine neue Basis, ein neuer Ausgangspunkt entsteht, der vielleicht Flexibilität und neuen Mut erfordert. Das Gehirn und das Bewusstsein befinden sich in stetiger evolutionsbedingter Entwicklung. Selbst wenn man sich mal im Zuge der Überforderung auf sein Bett wirft und depressiv wird - auch daraus lernt man etwas, nämlich beispielsweise dass man in der Zukunft eine so besch. Situation, die diese Misslage bewirkt hat, meiden sollte. Da hängt viel von der Zuversicht und davon ab, in welchem Umfang man sich das angeschlagene Urvertrauen zurück erkämpfen kann. Die Kindheit ist weg, futsch, es gibt sie nicht mehr. Am besten man vergisst Vater, Mutter, Lehrer, Chefs, und all ihre gut gemeinten Bemühungen, aus ihren Mitmenschen das zu machen, woraus sie ein Weltbild schöpfen können, das ihnen ihre Angst nimmt. Arbeiten muss ich ja, aber was dabei in meinem Kopf vorgeht, darauf hat keiner Einfluss, insofern ich es mal schaffe alles, was nicht von mir selbst kommt, konsequent heraus zu halten.


Ein Lesetipp:

http://www.vinnai.de/Die_Misere_des_Kleinbuergers.pdf

Gruß
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Re: Traumatisierung und Psychose

Beitragvon coolness » Mo 20. Okt 2014, 23:00

Ich finde dieses Thema gerade sehr spannend, da ich mich gerade selbst damit beschäftige und bin froh in diesem Forum darauf gestoßen zu sein.
Für mich waren einige Erlebnisse während meiner Akutphase sehr verstörend und ich erinnere mich heute noch mit Unmut und einem gewissen Schamgefühl an manche Situationen, obwohl ich weiß, dass ich gar nichts dafür konnte. Bei mir blieb die Krankheit drei Jahre unbehandelt und führte bis zum Stimmenhören und nichtmehr unterscheiden können zwischen Halluzination und Wirklichkeit. Es ging eigentlich noch weiter, bis zur Verstümmelung von Worten und Sinn, indem ich die Silben trennte und Zeichen wegnahm und hinzufügte, wie es sich grade ergab. Am Ende konnte ich keinen vernünftigen Satz weder verstehen noch zusammenbringen. Das war sehr schlimm für mich. Gerade wo ich immer so gerne gelesen hatte und sehr gut im Fach Deutsch war. Aber nicht nur deshalb, viel schlimmer war das Gefühl der Isolation, die die „Behinderung“ mit sich brachte, Freunde wandten sich von mir ab, Fremde lehnten mich von Beginn an ab. Auch sehr schlimm war dieses Ausgeliefertsein an das Irre an mir, das sich doch so falsch anfühlte, aber mich fest im Griff hatte.
Ich habe heute noch große Angst vor dieser Zeit, besser gesagt, der Möglichkeit dessen oder den Gefühlen, die ich dieser Zeit erlebte.
Es hilft natürlich darüber zu reden, mit Menschen zu sprechen, die ähnliches erlebt haben, damit ein bisschen von diesem Gefühl der Isolation und Einsamkeit weggeht und die das Erlebte ähnlich ver-und bewerten, wie man selbst, dann fühlt man sich nicht so alleine.
Ich finde die Krankheit aber so krass und heimtückisch, da sie nicht immer in Schüben sondern auch schleichend verläuft. Aber mittlerweile habe ich Erfahrung mit der Krankheit gesammelt und kenne meine Frühwarnzeichen und weiss, wie ich bei Bedarf zu reagieren habe. Das gibt eine gewisse Sicherheit und beruhigt.
Bei mir liegt das Ganze schon etwas (8Jahre) zurück und ich muss sagen, man lernt mit der Krankheit zu leben und umzugehen, aber es gibt schmerzhafte Erinnerungen, die mich immer wieder traurig oder oft auch nachdenklich stimmen.


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