Fragen zur Negativsymptomatik

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lotta
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Fragen zur Negativsymptomatik

Beitragvon lotta » Sa 5. Mai 2012, 18:18

Hallo,

seit einiger Zeit qäult mich die Frage, ob ich eine Negativsymptomatik entwickelt habe. Meine Psychose ist über ein Jahr her, vorbeugend nehme ich Abilify ein. Eigentlich soll das ja antriebssteigernd wirken, aber ich fühl mich leer, interesselos, freudlos. Zwar bekomme ich meinen Alltag einigermaßen hin, mir fehlt aber ganz schön der Schwung, z.B. mal was zu lesen usw.

Was meint ihr, ist das ein Residualsyndrom. muß ich mich damit abfinden, dass das nicht mehr besser wird. Oder was könnte ich tun?

liebe Grüße und danke für antworten
Lotta

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Laura
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Re: Fragen zur Negativsymptomatik

Beitragvon Laura » Sa 5. Mai 2012, 20:54

Hallo Lotta!

Koste die besseren Stunden aus und zwing Dich nicht zu Dingen, die Dich überfordern! Du musst nicht davon ausgehen, dass Dein Zustand nie wieder besser wird, aber akzeptier fürs Erste, dass Du an Kräften und Genussfähigkeit nachgelassen hast. Wann das besser wird, kann Dir niemand sagen, aber derweil bemühe Dich immer wieder, auf das Positive in Deinem Leben zu schauen. Du sagst, Du bekommst Deinen Alltag noch hin. Das ist schon eine ganze Menge! Und vielleicht kannst Du andere Hobbies finden, die Deinen gegenwärtigen Kräften eher entsprechen. Ich lese z. B. auch nur noch ganz wenig, aber ich gehe ab und zu zu klassischen Konzerten, in Museen u. ä.

Hast Du im rl eine Vertrauensperson, die Dich stützen kann?

LG

Laura
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lotta
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Re: Fragen zur Negativsymptomatik

Beitragvon lotta » So 6. Mai 2012, 08:51

Hallo Laura,

danke für deine Antwort. Und ja ich hab noch ein paar Freunde, die sich ein bischen um mich kümmern. Aber eigentlich bin ich ganz schön auf mich gestellt.
Wie geht es dir, hast du auch diese Negativsymptomatik und hast du das Gefühl es wird besser über die Jahre.

Liebe Grüße
Lotta

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Laura
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Re: Fragen zur Negativsymptomatik

Beitragvon Laura » So 6. Mai 2012, 10:48

Hallo Lotta!

Im Grunde genommen ging es mir vor meiner ersten Psychose sogar noch schlechter. Ich hatte wohl eine lange, depressive Prodromalphase. Mittlerweile hatte ich so viele Psychosen, dass ich sie kaum noch zählen kann. Aber in den ersten, sagen wir, 17 Jahren, konnte ich nach einer Psychose immer wieder gut Kraft tanken und weitermachen, auch mit Hobbies und Ausgehen. Im Moment verläuft mein Leben sehr ruhig und ohne großen Freundeskreis. Meine Hauptaufgabe ist eigentlich mein Haushalt, den ich aber immer noch schleifen lasse, es geht aber. Ich lasse das viele Lesen und auch meine ehrenamtlichen Aufgaben ruhen und kümmere mich in erster Linie um mich selbst und darum, dass ich immer wieder zur inneren Ruhe finden kann, jeden Tag. In meiner Tagesstätte erlebe ich eine Art Geborgenheit, die aber natürlich auch ihre Bruchstellen hat. Immerhin befriedigt es mich da, wenn ich einen Aufräum- oder Putzdienst übernommen habe. Oder wenn ich mich nett mit jemandem unterhalten oder in einer der Gruppen etwas dazugelernt habe.

Also, meine Negativsymptomatik ist für mich nichts Neues, da ich diese schon lange vor Ausbruch der Psychosen hatte, schon in meiner Kindheit. Nur hatte ich in meiner Kindheit und Jugend mehr Energie, um mich in Aktivitäten zu stürzen und mich damit abzulenken und mir Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Nun bin ich 43, auch noch kein Greisenalter, aber ich muss jetzt wirklich ganz, ganz kleine Brötchen backen. Mich überfällt öfter eine düstere Stimmung, die so richtig an mir zehrt, aber dann lege ich mich ins Bett und nach einigem Dösen oder Schlafen ist das ausgestanden und ich bin froh und dankbar, dass ich dann wieder Kraft und Optimismus verspüren kann.

Eine große Stütze ist mir mein Betreuer vom Betreuten (Einzel)Wohnen. Leute, die ich privat kenne, muss ich immer schonen. Meinen Betreuer kann ich auch mal so richtig volljammern, aber wir reden auch über Gott und die Welt. Das Betreute Wohnen hat mir früher sogar dabei geholfen, dass ich meinen damals "normalen" Alltag aufrecht erhalten konnte.

Also, lass den Kopf nicht hängen, auch wenn bei Dir gerade Saure-Gurken-Zeit angesagt ist. Depressionen/Negativsymptomatik sind oft langwieriger als Psychosen, da ist es mit Medikamenten nicht so einfach getan. Es geht nur das, was geht und die so genannten "kleinen" Dinge des Lebens sind gar nicht so klein und popelig.

Liebe Grüße

Laura
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Re: Fragen zur Negativsymptomatik

Beitragvon lotta » So 6. Mai 2012, 16:08

Hallo Laura,

wie es scheint hast du schon mehr Erfahrungen gesammelt als ich. Es fällt mir noch sehr schwer mich mit meinem Zustand zu arrangieren. Ich glaube mit der Antriebslosigkeit würde ich noch zurecht kommen, wenn da nicht diese Freudlosigkeit in meinem Leben wäre. Das macht mir oft zu schaffen. Aber vermutlich hast du recht, ich sollte mich auf die positiven Aspekte des Lebens mehr konzentrieren. Momentan beschäftige ich mich sehr viel mit dem Themenkomplex "Negativsymptomatik". Vielleicht schaffe ich es langsam mal mehr Sport zu treiben oder wenigstens regelmäßig mir kleine Aktivitäten zurechtzulegen, die mir ein bischen Freude machen.

Ich wünsche dir auf jeden Fall noch einen schönen Sonntag und danke für deine Antwort. Austausch tut gut.

Liebe Grüße
Lotta

Jester
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Re: Fragen zur Negativsymptomatik

Beitragvon Jester » Di 7. Apr 2015, 18:21

Hallo Lotta,

ich hoffe du schaust mal wieder in diesem Forum vorbei. Mich würde es interessieren ob es sich nun nach 3 Jahren gebsessert hat und wenn ja, wie deutlich.

Liebe Grüße
Jester


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