sich bekennen - Frankfurter Rundschau 3.1.12

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Mirjam
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sich bekennen - Frankfurter Rundschau 3.1.12

Beitragvon Mirjam » Di 3. Jan 2012, 16:42

http://www.fr-online.de/offenbach/sich- ... 77124.html

[quote]03.01.2012 Frankfurter Rundschau › Rhein-Main/Frankfurt › Offenbach

Sich bekennen

Edith Mayer macht Lobbyarbeit für psychisch Kranke / Offenbacher sind Vorreiter

Das Kämpferische sieht man ihr gar nicht an. Edith Mayer wirkt eher ruhig und vornehm. „Ich bin auch lieber im Hintergrund“, sagt die 73-Jährige. Aber ein bisschen hartnäckig oder fordernd muss sie wohl sein. Sonst hätte die kleine Frau nicht für Menschen, die nicht selbst für sich eintreten können, so viel bewirkt. „Angehörige von Schizophrenen sind militanter als die von Depressiven“, sagt sie schmunzelnd.

Edith Mayer begründetet 1988 den Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker mit und wird bald darauf seine zweite Vorsitzende. Natürlich die zweite. Ganz so weit geht es denn auch nicht mit dem Kampf.

Als ihre Tochter 1985 an Schizophrenie erkrankt, erfährt sie, was Angehörige von psychisch Kranken mitmachen müssen. „Das war ein Schock“, erinnert sie sich. Anfangs denkt sie, die Krankheit sei gut behandelbar und die Betroffenen könnten ein normales Leben führen. Doch für viele, auch die Tochter, verläuft die Krankheit chronisch, die Menschen sind von der Schizophrenie und den Nebenwirkungen der Medikamente gezeichnet. Mayer versucht nicht, die Krankheit zu verbergen. „Ich bin der Meinung, man muss sich bekennen, wenn man gegen Stigmatisierung ist“, sagt die ehemalige Lehrerin für Deutsch und Französisch an der Albert-Schweitzer-Schule.

Edith Mayer ist in Offenbach verwurzelt. Über ihren Mann ist sie mit der Fechterin Helene Mayer verwandt. Schon die Großeltern hatten sich dort angesiedelt. Noch heute lebt sie in dem Haus, das sie bauten. Dort, in ihrer Privatwohnung, betreibt sie die Verbands-Geschäftsstelle.

Die Offenbacher Gruppe, der auch Professoren am Klinikum angehören, erwirbt mehr Einfluss in Landesregierung, bei Ärzten und Pflegern als andere Gruppen. Sie verlangen Mitbestimmung und mehr Autonomie für die Patienten, Verbesserungen in Beruf und Ausbildung. Die Offenbacher machen vor, was später andere aufgreifen: Polizei und Sozialarbeiter kommen in die Gruppe und diskutieren die Probleme.

Dürfen Patienten fixiert werden? Soll man sie über Medikamente aufklären? Was ist zu tun, wenn psychisch Kranke nachts lärmen und Mitmieter stören oder die Wohnung verwahrlosen lassen? Das sind die brennenden Fragen der frühen Jahre. Heute ist es eine professionelle Interessensvertretung mit Forderungen nach individuellen Hilfen, gemeindepsychiatrischer Versorgung und der Einbeziehung der Angehörigen.

Edith Mayer macht niemandem etwas vor. Bis es zu Veränderungen komme, müssten viele Leute einer Meinung sein, wiegelt sie die Frage nach persönlichen Erfolgen ab. Dennoch ringt sie sich zur Aussage durch: „Ohne die Angehörigen hätte sich vieles langsamer bewegt.“ Die Erkenntnis, dass unter Obdachlosen viele psychisch Kranke sind, die dringend Hilfe brauchen, setzt sich langsam durch, weil die Angehörigen darauf aufmerksam machten.

„Ich habe mich besonders gegen die Nebenwirkungen der Medikamente stark gemacht“, sagt Mayer, „die Betroffenen haben Stoffwechselstörungen, Diabetes, verunstaltete Körper, aber jahrelang wurde gesagt, die essen halt zu viel und treiben keinen Sport.“ Dabei seien die Hauptursache doch Medikamente. Einmal sei ihre Tochter mit acht Präparaten aus der Klinik gekommen. Heute bekommt sie noch eines. „Auch mit Psychotherapie kann man viel tun.“ Spezielle Sportkurse fehlten, und Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten.

Geht es um Forderungen, wird ihre Stimme hart. Berichtet sie von den Eigenarten der psychisch Kranken, liegen Humor und Zuneigung in ihren Worten. Das Kämpferische ist dann wirklich nicht zu spüren.[/quote]

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Remedias
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Re: sich bekennen - Frankfurter Rundschau 3.1.12

Beitragvon Remedias » Di 3. Jan 2012, 22:25

„Ich habe mich besonders gegen die Nebenwirkungen der Medikamente stark gemacht“, sagt Mayer, „die Betroffenen haben Stoffwechselstörungen, Diabetes, verunstaltete Körper, aber jahrelang wurde gesagt, die essen halt zu viel und treiben keinen Sport.“ Dabei seien die Hauptursache doch Medikamente. Einmal sei ihre Tochter mit acht Präparaten aus der Klinik gekommen. Heute bekommt sie noch eines. „Auch mit Psychotherapie kann man viel tun.“ Spezielle Sportkurse fehlten, und Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten.
Diesen Abschnitt widme ich allden jenigen, die immer noch die ganze Schuld den Patienten geben *hüstel*
Frau Mayer ist bestimmt eine der Mütter, die zugucken mußten, wie ihre hübsche Tochter verunstaltet wurde, durch tardive Dyskinesien oder horrendes Übergewicht.

Aber mittlerweile lasse ich meinen Blutzuckerspiegel überwachen. Und bei Diabetes wäre bei mir Ende der Fahnenstange, würde das Zeug rigoros reduzieren.

Und auf mehrere Medikamente lasse ich mich auch nicht mehr ein, akzeptiere nur noch Monotherapie.

Bin nach einem Jahr angefangen mit 800 mg Seroquel und 6 mg Risperdal jetzt seit 12 Tagen bei 200 mg Seroquel P.

liebe Grüße Remedias

Klaus W
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Re: sich bekennen - Frankfurter Rundschau 3.1.12

Beitragvon Klaus W » Di 3. Jan 2012, 22:57

[quote="Remedias"]Diesen Abschnitt widme ich allden jenigen, die immer noch die ganze Schuld den Patienten geben *hüstel*

Jetzt muß ich lachen :D Den Humor mag ich. Aber Du meinst hoffentlich nicht mich damit, weil der Meinung bin ich nicht ;)

Ich sage, Die Medikamente sind natürlich ein Problem, UND die ursprünglichen Probleme bestehen trotz der Medikamente weiter. Es stimmt selbstverständlich, einseitig Schuld zu vergeben oder zu delegieren wäre falsch, man hat keine Schuld daran wie man gemacht wurde. Aber man hat Verantwortung das Beste draus zu machen.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.


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