Mutter paranoid schizophren - was soll ich tun?

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phbz
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Mutter paranoid schizophren - was soll ich tun?

Beitragvon phbz » Mo 4. Aug 2008, 04:04

Hallo,

Ich bin 15 Jahre alt. Meine Mutter ist alleinerziehend. Ich habe bloß noch einen 7jährigen Bruder. Zu meinem Vater habe ich keinen Kontakt. Zu der gesamten Familie eigentlich nicht und Hilfe von der zu bekommen halte ich für unwarscheinlich (entweder kenne ich niemanden oder die sind zu alt oder zu blöd um zu verstehen, was Schziophrenie ist...)
Ich vermute (...), dass meine Mutter seit 1,5 Jahren an paranoider Schizophrenie leidet. Meine Mutter hört Stimmen und hat Wahnvorstellungen (Nachbarn wollen sie qäulen / umbringen / in die Psychiatrie bringen). Ich will das ganze eigentlich auch nicht genau erklären, weil jeder Blinde mit Krückstock sehen sollte, dass das eine Psychose ist.
Mein Problem ist : Was soll ich nur tun? Ich weiß mehr oder weniger seit schon knapp einem Jahr was Schizophrenie ist. Meine Mutter wollte etwas dagegen machen (auf ihre Weise). Sie ist also mit mir (ich sollte Zeuge spielen) zur Sachbearbeiterin vom Jugendamt, mit der sie scheinbar mal einen Kontakt pflegte, und hat ihr das ganze ein bisschen schön geformt erzählt und gefragt, was sie machen kann. Die Frau vom Jugendmt kam mit uns nach Hause und klingelte sogar bei den Nachbarn! Dort war sie einige Minuten. Meine Mutter dachte sich dann, dass ihr nicht geglaubt wird und sie ist weinend zur Toilette gegangen. In dieser Zeitspanne habe ich der Frau erzählt, dass ich vermute, dass sie an Schziophrenie erkrankt ist. Meine Mutter bemerkte dies allerdings und kam dazu. Die Antwort von der Frau vom Jugendamt "ähhm nein das glaube ich nicht. Dafür müsste das ganze viel intensiver sein und immer sein!"... war nicht gerade motivierend...
Sie schien mir aber zu glauben und versuchte meine Mutter zum Psychiater zu bringen. "Lassen Sie mal checken ob Sie da nicht durch belastet sind in den Ohren bei einem Nervenarzt!"...
Meine Mutter reagierte darauf nicht...
Nun gut. Irgnedwann telefonierte ich mit dieser Frau wieder... Sie sagte mir, wenn es schlimmer wird und "dort wieder etwas ist, was nicht ist" dann solle ich sie anrufen. Das habe ich bis heute nie gemacht.
Warum nicht dazu komme ich gleich noch.

Nun ja ... Meine Mutter ist mir gegenüber jetzt natürlich misstrauisch. Sie glaubt fest daran, dass sie nicht schizophren ist sondern, dass mein Glaube an das Bestehen dieser Krankheit von den Nachbarn gewollt ist. Das macht es eigentlich unmöglich sie zu einem Arzt zu bewegen. Meine Mutter ist zudem nicht dumm. Sie weiß was ein Psychiater ist.

Nun ja... Ich kann einfach nichts machen... Ich leide sehr warscheinlich an Sozialer Phobie und vermutlich zudem noch an Depressionen (werde wegen den beiden Sachen bald einen Termin bei einer Jugendpsychiaterin & Psychotherapeutin haben). Ich kann die Frau vom Jugendamt nicht nochmal anrufen. Erstmal habe ich dazu gar keinen Antrieb, ich halte das alles selbst irgendwie für sinnlos und glaube nicht daran, dass das überhaupt irgendetwas bewirkt, ich glaube auch nicht, dass es irgendetwas bringt diesen Thread zu Ende zu schreiben... Aber ich mache es einfach mal... Nun ja und selbst wenn ich kann es nicht wegen der sozialen Phobie... Ich stand bereits schonmal im Jugendamt vor der Tür der Sachbearbeiterin. Ich wollte an der Tür anklopfen aber traute mich nicht. Es ging einfach nicht. Ich bekam Pannik und bin wieder schnell aus dem Gebäude "gelaufen"...

Ich bin einfach ratlos und total niedergeschlagen. Gibt es irgendetwas was ich machen kann?

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mo 4. Aug 2008, 08:35

Hallo phbz,

du hast einen 7-jährigen Bruder. Lebt der auch bei der Mutter? Wie kommt der mit der Situation zurecht?

Ich würde dir empfehlen, zum Sozialpsychiatrischen Dienst zu gehen (Telefonnummer für Terminabsprache findest du im Telefonbuch) und dort zu bitten, Dich/Euch zu unterstützen.

Du solltest auch die Jugendpsychiaterin ausdrücklich bitten, dir/euch in dieser Situation zu helfen oder zumindest zu beraten, wohin duch dich wenden kannst. Wahrscheinlich kann sie aber auch selber mit der Jugendamtsmitarbeiterin sprechen. Vielleicht denkst du mal darüber nach, wo die Krankheit deiner Mutter für euch bedeutet, daß ihr nicht ausreichend versorgt werdet. Oder fühlst du dich von den Ideen deiner Mutter bedrängt? Du solltest dies dann ansprechen, damit klar wird, wo für euch Kinder das Problem bei der Krankheit eurer Mutter liegt. Vielleicht hat die Jugendamtsmitarbeiterin gedacht, solange die Mutter euch Essen gibt ist ja alles ok.

Eure Mutter hat das Recht, krank zu sein, wenn sie das sein will und niemanden gefährdet. Aber ihr habt auch ein Recht auf eine ungestörte Jugend, in der eure Bedürfnisse beachtet werden. Vielleicht wäre es für euch eine gute Lösung, in eine Wohngruppe zu ziehen. Dort leben in einem Haus etwa 5 Jugendliche mit meist 2 Erziehern zusammen, werden gut versorgt und machen viele Freizeitaktivitäten gemeinsam. Dort würde dir sicher auch geholfen werden, mit deinen eigenen psychischen Problemen zurecht zu kommen.

Ob deine Mutter sich jemals behandeln lassen will, musst du nicht für sie lösen. Das ist ihre eigene Verantwortung.

Alles Gute, Helene
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annchris
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Beitragvon annchris » Mo 4. Aug 2008, 12:40

Hallo phbz,

deepnigth gibt dir einen guten Ratschlag, nimm kontakt zum Sozialpsychiatrischen Dienst auf.

Ich bin mit einer Mutter aufgewachsen die (damals bezeichnet) "manisch-depressiv, paranoid/Schizophren" ist. Ich weiss nicht wie mann das heute nennen wuerde. Meine Mutter war die meisste Zeit meiner Kindheit un der Psychatrie. Mein Papa war aber da fuer uns und hat sein bestes gegeben das wir trotz allem gut durchkommen.

Es war nicht einfach damals als Kind damit umzugehen,und schon gar nicht als Jugendliche. Leider ist mein Mann nun auch erkrankt und kaempft damit sehr, aber durch meine Erfahrung mit meiner Mutter weiss ich zum Glueck auch, wie Ich damit heute fertig werde und ihm helfen kann.

Deine Mutter hat zwar das recht krank zu sein, aber Ihr habt auch das Recht Euch sicher zu fuehlen und nicht alleine dazustehen. Ihr braucht ein Elternteil was sich voll und ganz um Euch kuemmern kann, damit Ihr nicht zum Elternteil werden muesst... aber das musst du nun schon und das ist nicht gut fuer dich in deinem Alter. Hol dirhilfe, ruf beim Sozialpsychiatrischen Dienst an, und wenn es sein muss nochmal beim Jugendamt. Wenn das nicht hilft, latsche gleich zum Rathaus oder Gesundheitsamt und trommel so laut bis dich jemand hoert. Ihr seid beide zu jung um das allein durchzustehen. Bitte auch um Hilfe von Verwandten und Freunden deiner Mutter.

Ich wuensche dir viel kraft und das du und dein Bruder schnell hilfe bekommt!

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Laura
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Beitragvon Laura » Mo 4. Aug 2008, 12:42

Hallo phbz!

Es lastet im Moment viel zu viel Verantwortung auf Deinen sehr jungen Schultern. Sieh zu, dass sie Dir jemand abnimmt. Hast Du ein paar Verwandte, die Dir zur Seite stehen könnten? Ansonsten möchte ich mich Helenes Tipp anschließen, Dich an den sozialpsychiatrischen Dienst (googeln oder sich ans Gesundheitsamt wenden) an Deinem Wohnort zu wenden und zuzusehen, dass Du und Dein Bruder woanders unterkommen könnt, wo ihr aber dennoch betreut und versorgt werdet. Da gibt es in unserem Sozialsystem zum Glück einige Möglichkeiten, wenn Verwandte nicht in Frage kommen sollten. Es gibt neben betreuten WGs für Jugendliche auch eine vorübergehende oder auch länger anhaltende Unterkunft bei einer Pflegefamilie.

Vielleicht kann auch der sozialpsychiatrische Dienst nicht viel für Deine Mutter tun. Eine Zwangseinweisung ist leider nicht ohne Weiteres möglich. Vielleicht ist Deine Mutter aber bereit, sich behandeln zu lassen (was heutzutage sehr gute Chancen hat, ich bin selber schizophren erkrankt), wenn Du und Dein Bruder aus der Wohnung seid. Ein Lockmittel für sie könnte sein, dass ihr zurückkommt, wenn sie bereit ist, entweder zum Psychiater oder gleich in die Psychiatrie zu gehen und damit verbunden auch Psychopharmaka zu nehmen.

Ich wünsche Euch alles Gute

Laura

P. S.: Hab grad Deinen Beitrag nochmal gelesen und gesehen, dass Verwandte ausscheiden. Hat Deine Mutter ein paar gute Freundinnen und hast Du deren Telefonnummern, um Dich eventuell an diese zu wenden?
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

phbz
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Beitragvon phbz » Mo 4. Aug 2008, 18:08

Triangel hat geschrieben:Der allgemeine Tenor war entmündigen lassen, hier wäre es vll zwangseinweisen lassen. Wenn sie sich bedroht fühlt (die Nachbarn...) dann kann man Fremdgefährdung geltend machen.
Wenn das ganze auftritt (Nachts) und meine Mutter anfängt zu weinen und zu schreien, dann ruft sie auch oft "ICH BRING DIE UM!!! ICH BRING DIE UM!!!". Sie äußert auch gelegentlich den Wunsch sich umzubringen.
Würde das überhaupt für eine Zwangseinweisung reichen? Meine Mutter kann diese Krankheit mehr oder weniger "verstecken" und harmlos darstellen.
Die Polizei war bereits 1x hier weil meine Mutter zu laut wurde. Als die Polizei in der Wohnung war sagte sie einfach nur "ich habe schlecht geträumt...".
Laura hat geschrieben:Vielleicht ist Deine Mutter aber bereit, sich behandeln zu lassen (was heutzutage sehr gute Chancen hat, ich bin selber schizophren erkrankt), wenn Du und Dein Bruder aus der Wohnung seid. Ein Lockmittel für sie könnte sein, dass ihr zurückkommt, wenn sie bereit ist, entweder zum Psychiater oder gleich in die Psychiatrie zu gehen und damit verbunden auch Psychopharmaka zu nehmen.
Das glaube ich eher nicht. Eher würde meine Mutter Selbstmord begehen und ggf. tatsächlich die Nachbarn versuchen umzubringen. Dazu muss ich sagen, dass meine Mutter von ihrem Stiefvater vergewaltigt worden ist (deshalb war sie bereits bei einem Psychotherapeuten) und ich des weiteren noch einen größeren Bruder habe (der jetzt bald 17 Jahre alt wird), der auf der Straße lebt (kein Kontakt seit über 1 Jahr). Das alles belastet meine Mutter noch zusätzlich. Daher glaube ich nicht, dass meine Mutter sich freiwillig behandeln lassen würde (die Wahnvorstellung bezieht sich ja dummerweise noch darauf, dass die Nacharbarn sie in die Psychiatrie bringen wollen).

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Laura
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Beitragvon Laura » Mo 4. Aug 2008, 20:13

Hallo phbz!

O je, ganz schön schwierige Situation und traurig, dass Du schon so früh Deine Naivität hast aufgeben müssen. Demzufolge hast Du dann anscheinend auch ein Gespür, dass Fremde einem Jugendlichen nicht alles glauben. D. h., hast Du versucht, einem der Beamten (Polizist oder vom Jugendamt)zu sagen, was Deine Mutter so alles sagt und macht, wenn sie nicht dabei sind? Bist Du damit aufgelaufen oder hast Du Dich nicht getraut? Wenn Du es noch nicht versucht hast. Die Garantie, dass man Dir glaubt, kann Dir leider niemand geben, es sei denn, Du bist mit Deinen 15 rhetorisch schon so gewieft und und kannst es mit genügend Bestimmtheit vortragen, dass man Dir einfach glauben muss. Versuchen kannst Du es immerhin. Vielleicht würde Dir einer Eurer Nachbarn helfen wollen, denn sie scheinen die einzigen zu sein, die dem Status von Zeugen nahe kommen. Oder wende Dich an einen Deiner Lehrer, damit er als Fürsprecher für Deine Glaubwürdigkeit bürgen kann.

Ansonsten kann ich Dir nur raten, Deine eigene Haut und die Deines Bruders zu retten. Die Sorge, dass sich Deine Mutter umbringen könnte und die Angst vor Schuldgefühlen, dass dann nur passiert ist, weil Du Dich nicht genügend gekümmert hättest, darf Dich nicht schachmatt setzen.

Und natürlich weiß man nie, was hinter einer Drohung alles stecken kann, man kann nicht auf Anhieb zwischen einer ernsten und einer leeren Drohung unterscheiden. Aber da kann ich Dir als Psychotikerin sagen, dass man in der Psychose sooo schnell nun auch nicht bis zum Äußersten geht. Und wenn Dich die Sorge gerade nicht loslässt und Du schwarz siehst, dass man Deiner Mutter überhaupt helfen kann, dann kämpfe wenigstens um Dein eigenes Leben und das Deines Bruders. Niemand würde von einer 15jährigen erwarten, dass sie sich für die Mutter aufreibt und opfert, auch wenn es die Mutter ist.

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Molly
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Beitragvon Molly » Mo 4. Aug 2008, 20:25

Das Wohlergehen von Kindern geht immer vor. Eure Mutter wird sich mit Sicherheit behandeln lassen, wenn ihr erst mal weg seid.

LG,

Molly

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Laura
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Beitragvon Laura » Mo 4. Aug 2008, 22:21

Hallo triangel!

Unsere Beiträge hatten sich überschnitten, meiner ist nur zwei Minuten nach Deinem erschienen, ich hatte Deinen also noch gar nicht gelesen und mich in keinster Weise auf Dich bezogen, falls Du das gedacht hast.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Beitragvon Molly » Di 5. Aug 2008, 20:17

HI Triangel!

Und wenn sie die Nebenwirkungen dieses "kräftigenden" Medikamentes bemerkt, flippt sie total aus und tut vielleicht noch irgend etwas nicht voraussehbares? :cry:

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Warnung

Beitragvon EMU12 » Fr 8. Mai 2009, 00:08

Traue keinen Sozialarbeiter und warne auch deine Mutter davor. Die nehmen euch von deiner Mutter weg. Du kannst zum Arzt gehen, aber selbst der wird frueher oder spaeter den Sozialarbeiter benachrichtigen. Ich finde du solltest versuchen weiterhin mit deiner Mutter zu reden und versuchen sie um zu stimmen das sie die Behandlung anfaengt um nicht kraenker zu werden.

Auserdem belastet diese Krankheit den Koerper.
Wie wird man reich mit Psychose?

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Noch was

Beitragvon EMU12 » Fr 8. Mai 2009, 00:31

Bei uns ist auch keiner gekommen und jetzt zahlt der Staat dafuer.
Wenn sie sich nicht behandeln laesst kann es nur noch schlimmer werden und du kannst zu Polizei gehen und diese Aerzte und Sozialarbeiter anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung.
Diese Leute sind halt so hinterm Mond wie schon vor 20 Jahren.
Wie wird man reich mit Psychose?


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