Schizophrenie und Arbeitsstelle

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Jürgen77
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Schizophrenie und Arbeitsstelle

Beitragvon Jürgen77 » Do 20. Mär 2008, 15:05

Hallo miteinander,

ich habe seit Anfang seit 2004 mit Schizophrenie zu Kämpfen. Habe nach der 1. Psychose und dem Klinikaufenthalt wieder Arbeit gefunden aber leider nur für 6 Monate. Danach wechselte es zwischen Arbeitslosigkeit und verschiedenen Arbeitsstellen. Als ich ein halbes Jahr ohne Medikamente war und Stress in der Arbeit ausgesetzt war bekam ich eine 2. Psychose. Auch danach bekam ich aufgrund der hohen Dosierung meines Medikaments Probleme in der Arbeit (Müdigkeit). Jetzt habe ich wieder keine Arbeit.
Kann mir jemand seine Erfahrungen schreiben bezüglich Arbeit. Z.B. Vorstellungsgespräch (Krankheit verschweigen?)
Haben andere Betroffene einen Behindertenausweis ?

Viele Grüße :)

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mikesch
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Beitragvon mikesch » Fr 21. Mär 2008, 07:01

Grüß Dich,

ich bin jetzt seit einem dreiviertel Jahr auf Jobsuche, habe bis jetzt immer erzählt dass ich eine !! (was nicht stimmt) psychotische Episode hatte, aber jetzt wieder fit bin. Bei einem von 6 Vorstellungsgesprächen hätte man mich genommen und das auch nur, weil meine potentielle direkte Chefin aus dem medizinischen Bereich kommt und mit dem Begriff etwas anfangen konnte. Leider war die Stelle nicht in meinem Heimatort und ich sah es auch eher als Training an, um Erfahrungen zu sammeln (war halt das erste Vorstellungsgespräch, dummerweise ging ich dann davon aus dass ich in absehbarer Zeit auch etwas in der Nähe finden würde -- Pustekuchen). Meine Konsequenz aus den bisherigen Erfahrungen, ich werde es nicht mehr erzählen !! Und das kann ich auch jedem anderen, der ernsthaft an einer Stelle interessiert ist, raten. Einen Behindertenausweis besitze ich auch, auch den würde ich nur erwähnen, wenn danach gefragt wird. Über die Krankheit werde ich jetzt immer sagen, dass ich eine seltene Stoffwechselstörung oder Nervenerkrankung habe. Falls ich sogar nach Symptomen gefragt werde (was ich nicht glaube) würde ich mir irgendwas aus den Fingern saugen, muss ich mir noch überlegen....

gruß mikesch

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Molly
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Beitragvon Molly » Sa 22. Mär 2008, 12:35

Hallo Ihr!

Wenn man einen Schwerbehindertenausweis besitzt (zu beantragen beim Versorgungsamt), kann man hier in BW z.B. zum Integrationsfachdienst gehen. Hat man eine Stelle für die man sich interessiert, hilft einem dieser bei der Bewerbung weiter. Er setzt sich mit dem Betrieb in Verbindung und jemand geht mit zum Bewerbungsgespräch. Normalerweise macht man im Wunschbetrieb dann erst mal ein Praktikum. Man muss aber betreffs der Erkrankung mit offenen Karten spielen. Außerdem gibt es seit Anfang dieses Jahres die Möglichkeit ein "persönlichen Budget" für psychisch Kranke zu beantragen. Ich glaube es beträgt ca. 800 Euro. Das Geld bekommt der Arbeitgeber dafür, dass der kranke Arbeitnehmer eventuell Leistungsschwächen zeigt. Der Zeitraum dafür ist so weit ich weiß unbegrenzt.
Hilft das alles nicht, kann man sich in einer Werkstätte für psychisch kranke Menschen bewerben. Dort muss man in den meisten Fällen erst mal eine zweijährige Reha ableisten, bevor man übernommen wird. Schon in der Rehazeit ( man bekommt in der Zeit Übergangsgeld von der RV oder vom Arbeitsamt) werden Rentenbeiträge (bei uns für ein angenommenes Gehalt von 1980 Euro) bezahlt. Nach der Reha bekommt man ein geringes Entgelt, idR zwischen 100 und 350 Euro. Wenn man dann noch Erwerbsminderungsrente beantragt und vorher einige Jahre gearbeitet hat, kann man auch ohne Grundsicherung leben.

LG,

Molly

Jürgen77
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Schreibt bitte weiter Eure Erfahrungen!

Beitragvon Jürgen77 » Sa 29. Mär 2008, 04:58

Hallo Leute,

es wäre nett wenn ich auch andere Erfahrungen von Betroffenen lesen dürfte die zum Thema gehören.
Nehmt Euch doch mal die Zeit.

Viele Grüße :wink:

Jürgen

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Sa 29. Mär 2008, 13:30

Hallo @Jürgen,
ich habe einen Schwerbehindertenausweis, weiß aber offen gesagt garnicht, für was er so gut sein soll. Arbeit habe ich seit zwei Jahren nicht mehr, die Reha wurde mir nicht genehmigt; stattdessen eine Minirente bewilligt, die ich eigentlich gar nicht wollte.
Wenn ich nicht als Schwerbehinderte eingestellt werden wollte, würde ich meine Krankheit ganz verschweigen.
liebe Grüße Remedias

wurzel
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Beitragvon wurzel » Di 1. Apr 2008, 19:52

Hi Jürgen,

ich hatte vor 1,5 Jahren eine Psychose, meine erste. Nach der Klinik kam ich in eine Tagklinik, der Drang zu arbeiten war aber so gross, dass ich dort nicht so lang war wie die Ärzte es gewollt hätten. Fing an zu arbeiten, was nach 6 Monaten auch in die Hose ging.. die Konzentration und Ausdauer, 8 Stunden zu arbeiten war nicht 100% da, und wenn man die heutzutage nicht leistet, fliegt man schneller, als man piep sagen kann :roll: . Meine Psychologin meinte auch eine Zeit, ich sollte potentiellen Arbeitgebern sagen, weshalb ich immer wieder arbeitslos war. Das ist für mich aber kein Thema, weil ich denke, dass viele nicht aufgeklärt sind und ich keine lust habe, abgestempelt zu werden, bzw. nie eine Arbeit zu finden. Für mich kommt nur eine Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt in Frage, das heisst für mich, Zähne zusammenbeissen und hoffen, dass ich eine Stelle finde, wo ich mit dem Leistungsdruck und dem Stress zurechtkomm.
Wünsch Dir alles Gute, und dass Du Deinen Weg im Arbeitsleben findest!
wäre interessant noch was von anderen oder Dir zu hören :D
LG
wurzel

Jürgen77
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Arbeit finden

Beitragvon Jürgen77 » Fr 4. Apr 2008, 09:49

Hallo Wurzel,

mittlerweile habe ich mich bei einer Integrationsfirma beworben, weil ich meine Chance auf dem 1. Arbeitsmarkt für schlecht halte. Habe auch einen Schwerbehindertenausweis beantragt, allerdings mit einem unguten Gefühl. Mein Doc sagt, daß ich den bekommen werde. Ich bewerbe mich parallel zwar noch auf dem 1. Arbeitsmarkt aber kann mir nur schwer vorstellen langfristig wo unter zu kommen.Ich bin gespannt wie meine Arbeitsvermittlerin jetzt auf den neuen Sachverhalt reagiert. :roll:

Viele Grüße

Jürgen

Jürgen77
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Arbeitsagentur

Beitragvon Jürgen77 » Do 8. Mai 2008, 23:21

Hallo zusammen,

hat jemand Erfahrungen mit der Arbeitsagentur, der einen Schwerbehindertenausweis hat. Ich habe gehört, daß man in die Reha-Abteilung kommt und die Fördermittel höher sind.
Die Geschichte Remedias und Molly kenne ich bereits.

An alle anderen: Bitte teilt mir Eure Erfahrungen mit!

Viele Grüße

Jürgen

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mikesch
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Beitragvon mikesch » Fr 9. Mai 2008, 16:58

Also, ich bin bei der Agentur gemeldet und zwar inkl Schwerbehindertenausweis. Das geht aber auch nur aus 2 Gründen, zum Einen ist mein Sachbearbeiter schwer in Ordnung.Zum Anderen ist in der Gegend in der ich zur Zeit lebe die Arbeitslosigkeit sehr niedrig, d.h. er hat auch einen bisschen Entscheidungsspielraum.
Der Sachbearbeiter hat mal eine Bescheinigung meiner Ärztin zur Kenntnis genommen, in der steht dass ich seelisch nicht in der Lage bin, eine Arbeitsstelle in einem anderen Ort anzufangen. Wie gesagt, zur KENNTNIS genommen, nicht den Akten beigelegt ! Ein sehr fairer Zug wie ich finde.

Denn Menschen mit einem Seelenleiden werden in der Regel direkt in die Rente geschoben um die Statistik zu bereinigen. Hab noch Kontakt zu ehemaligen Mitpatienten, 2 von 4 sind berentet (beide Leben in einer größeren Stadt in der Nähe), meiner Meinung nach kommt man aus dieser Rentenmühle nicht mehr raus.

Blöderweise hat sich grad heute jem von der Agentur bei mir zur Überprüfung der wohnlichen Situation angekündigt. Zur Info, ich bin nachdem ersten Schub wieder zu meinen Eltern gezogen, die Agentur wird sparen wollen... :(

Aber falls sie das Geld weiter kürzen, werd ich mir wohl ne Wohnung in der näheren Umgebung suchen, um doch noch eine Chance auf ein normales Leben inkl. Job zu haben.

Ich denke, man kann den Mitarbeitern in den Städten keinen Vorwurf machen, die haben auch nur Weisung von oben...aber krass ist es trotzdem.

Weil einerseits Leute nach einer Psychose einfach aufgrund der Erkrankung völlig am Ende sind und alles abnicken....

Und andererseits ist es natürlich auch schwierig zu überblicken, was es bedeutet jahrenlang am Existenzminimum zu leben.
Ich mein klar, man kann dazuverdienen, aber in die Mitte der Gesellschaft kommt man so nicht mehr, man wird an den Rand gedrängt....

An schlechten Tagen hab ich echt wahnsinnig Angst vor der Zukunft..... :(

Gruß mikesch

SuMu
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Beitragvon SuMu » Fr 9. Mai 2008, 17:06

hi
sicher kommst du aus der Rente raus. Such dir einen Job und gehe arbeiten.
viele Grüße
SuMu / http://psychomuell.de - http://blogzicke.de - http://su-mu.de/

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Fr 9. Mai 2008, 19:09

SuMu hat geschrieben:hi
sicher kommst du aus der Rente raus. Such dir einen Job und gehe arbeiten.
Wenn das einer kann, ist ja gut. Ich bräuchte Hilfe dazu (Reha, Eingliederung, Hamburger Modell) aber die bekomme ich auch nicht. Es ist schon so, wie @Mikesch schreibt....
lieber Gruß Remedias

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Molly
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Beitragvon Molly » Fr 9. Mai 2008, 19:58

@ SuMu!


Finde einen Job und schaff es längere zeit zu arbeiten!

Ich hatte, als ich noch Hausfrau und Mutter war auch ab und zu mal Jobs. Das waren aber Jobs, von denen man eigentlich alleine nicht leben kann. Meist wurde es mit der Paranoia dann so schlimm, dass ich alles hingeschmissen hab.

LG,

Molly

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mikesch
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Beitragvon mikesch » Sa 10. Mai 2008, 09:50

@Sumu,

wir unterhalten uns nochmal, wenn Du aus deiner befristeten Rente wieder raus bist und ne Festanstellung hast von der Du leben kannst.
Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen in den Vorstellungsgesprächen....

Und ich werde nebenbei den Kontakt zu meinen ehemaligen Mitpatienten aufrecht erhalten und gucken, wie sich das bei denen weiterentwickelt.

gruß mikesch

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Beitragvon Jürgen77 » Sa 10. Mai 2008, 10:35

Hallo miteinander,

heute habe ich einen Brief vom Versorgungsamt bekommen.
Es ist der Bescheid zum Behindertenausweis. Tja da wird mir ein GdB von 30% bescheinigt. Das wird wahrscheinlich nicht reichen um den Job in der Integrationsfirma zu bekommen. Ich glaube mir will keiner helfen!! Entweder muss ich mit meinem Arzt mal Klartext reden oder den Ärzten vom Versorgungsamt mal die Leviten lesen. So kann's nicht laufen.

Viele Gruße und danke für eure Antworten!!!
Jürgen

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Sa 10. Mai 2008, 15:53

Triangel hat geschrieben:Was ist das Hamburger Modell?
Ein Arbeitszeitmodell zur stufenweise Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt nach längerer Krankheit:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_ ... ilitation)
lieber Gruß Remedias


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