verliebt, psychotisch - und weg isser...

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Eigenwach
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verliebt, psychotisch - und weg isser...

Beitragvon Eigenwach » Do 3. Jan 2008, 05:10

Würde gerne mal wissen, ob sich von euch während oder nach einer Psychose auch schon Menschen abgewand haben - und wie ihr damit umgeht. Jemanden , für den ihr euch interessiert habt oder jmd.mit dem ihr eine Beziehung oder Freundschaft hattet.

Ist mir gerade passiert, hatte jmd. kennengelernt, mich verliebt, er hat sich auch anfangs für mich interessiert. Bin dann in die Psychose, er hats nicht mitbekommen, hält mich jetzt für "etwas wirr" und will nichts mehr von mir wissen, das Ding zwischen und passe halt nicht. Und ich steh hier wie die komplett Idioten, die mittlerweile wieder in ihrer eigentlichen Realität aufgewacht ist und darf zusehen wie ich allein damit fertig werde, klasse. Hatte noch angerufen und wollte darüber reden, aber er hat mich nur abgewürgt. Hab ihn kürzlich zufällig getroffen, da hat er nicht mal mehr mit mir geredet.

schäme mich ziemlich, vor allem vor mir selbst, meine abgedrehten gedanken unterwegs hat er ja nicht mitbekommen - weiß nicht wie ich das finde, hab das Gefühl er glaubte mir nicht mal und hält mich einfach nur für aufdringlich, was ich nicht sein will.
Quäle mich aber mit "Was wär gewesen wenn"- Gedanken und kann nicht loslassen.

Das ist jetzt etwa 2 Monate her und seitdem fallen mir täglich Episoden ein, mitsamt den Erinnerungen an meine abstrusen Ideen dazu. kann mir mal wer sagen, dass das bald aufhört?

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Anneliese
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Beitragvon Anneliese » Do 3. Jan 2008, 12:43

Erst mal eine Frage. Hattest Du schon mehrere Psychosen und nimmst (oder nahmst) Du Medikamente?

Meine Tochter hatte vor etwa 4 Jahren eine Psychose, bisher einzige. Damals hat man ihr in der Tagesklinik geraten, dass sie, falls sie sich verlieben sollte, ihre Dosis vorübergehend erhöhen solle, weil beim Verlieben die gleichen Stoffe (z.B. Dopamin) erhöht würden. Sooo abwägig scheint mir das gar nicht zu sein.

Da gibts auch eine niedliche Geschichte: :)

Warum die Liebe blind ist & vom Wahnsinn begleitet wird...
Eines Tages entschloss sich der Wahnsinn, seine Freunde zu einer Party einzuladen. Als sie alle beisammen waren, schlug die Lust vor, Verstecken zu spielen. "Verstecken ? Was ist das ?" fragte die Unwissenheit....

"Verstecken ist ein Spiel: einer zählt bis 100, der Rest versteckt sich und wird dann gesucht." erklärte die Schlauheit.

Alle willigten ein bis auf die Furcht und die Faulheit.

Der Wahnsinn war wahnsinnig begeistert und erklärte sich bereit zu zählen.
Das Durcheinander begann, denn jeder lief durch den Garten auf der Suche nach einem guten Versteck.

Die Sicherheit lief ins Nachbarhaus auf den Dachboden, man weiß ja nie. Die Sorglosigkeit wählte das Erdbeerbeet. Die Traurigkeit weinte einfach so drauf los. Die Verzweiflung auch, denn sie wusste nicht, ob es besser war sich hinter oder vor der Mauer zu verstecken.

"...98,99,100!" zählte der Wahnsinn. "Ich komme euch jetzt suchen!" Die erste, die gefunden wurde, war die Neugier, denn sie wollte wissen, wer als erster geschnappt wird und lehnte sich zu weit heraus aus ihrem Versteck. Auch die Freude wurde schnell gefunden, denn man konnte ihr Kichern nicht überhören. Mit der Zeit fand der Wahnsinn all seine Freunde und selbst die Sicherheit war wieder da.

Doch dann fragte die Skepsis: "Wo ist denn die Liebe?" Alle zuckten mit der Schulter, denn keiner hatte sie gesehen. Also gingen sie suchen. Sie schauten unter Steinen, hinterm Regenbogen und auf den Bäumen. Der Wahnsinn suchte in einem dornigen Gebüsch mit Hilfe eines Stöckchens.

Und plötzlich gab es einen Schrei! Es war die Liebe. Der Wahnsinn hatte ihr aus Versehen das Auge rausgepiekst. Er bat um Vergebung, flehte um Verzeihung und bot der Liebe an, sie für immer zu begleiten und ihre Sehkraft zu werden. Die Liebe akzeptierte diese Entschuldigung natürlich.

Seitdem ist die Liebe blind und wird vom Wahnsinn begleitet...


Zum Thema Freundschaften: Ja, damals hatten sich bis auf wenige sämtliche "Freunde" von ihr abgewandt. Nicht in ihrer "ver-rückten" Phase, sondern nach der Psychose, als sie eine postpsychotische Depression über Monate bekam und man - wie sie sagten - mit ihr keinen Spaß mehr haben konnte. Ihr damaliger Freund kam auch nicht mehr, weil er sich von ihr "heruntergezogen" fühlte.

Alles Gute für Dich und vergiss diesen Typen. Es gibt auch noch andere, die nicht sofort davon laufen.
Vielleicht solltest Du mit Deinem Psychologen darüber sprechen, ob man vorbeugen könnte, wenn Du Dich wieder verliebst.
Wer mit einem Baum sprechen kann, braucht keinen Psychiater. Nur meinen die meisten Menschen das Gegenteil.
(Phil Bosmans)

Eigenwach
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Beitragvon Eigenwach » Fr 4. Jan 2008, 00:48

Dank Dir Annelise, das hat mich jetzt wirklich berührt...

Schade nur, dass bei meiner Version die Liebe doch mit dem Wahnsinn hadert...

Hatte vor etwa 1, 5 Jahren schon mal eine Psychose,aber kürzer und schärfer umrissen. War mir derzeit ziemlich sicher, dass das ne einmalige Geschichte sei, allein durchs Kiffen ausgelöst. Mein damahliger Anaytiker hatte mir dain zumindest zugestimmt und mich mehr als "Typisch Neurotisch" abgebucht. Naja, wer weiß, vielleicht ist es das doch nicht, oder jetzt Bipolar, was weiß ich.

Einen Therapeuten hab ich zZt nicht, war vor 1 Jahr mit der Therapie durch, aber werd wohl noch ne VT anfangen (müssen).
Medis nehme ich auch (noch?!)nicht. Ehrlich geagt habe ich absolut keine Lust darauf und spiele eher mit dem Gedanken : "wenn´s denn ein weiteres mal passieren sollte, dann vielleicht...". Vielleicht ist das leichtsinnig, ich weiß nicht. Aber Neuroleptika sind eben auch keine Smarties. Würde gerne ohne auskommen, solange es geht. Scharf auf noch so einen mentalen Hexenritt bin ich aber auch nicht... Antidepressiva haben mir seiner zeit auch nie geholfen. erde das mit meinem künftigem Therapeuten besprechen... Haltet ihr es für unumgänglich, Medikamene zu nehmen?

Das mit dem Dopaminhaushalt beim Verlieben klingt plausibel.

Freunden verliere ich scheinbar gerade auch. Nicht nur, weil ich mich in der tiefsten Depression suhle, ich bin auch irgendwie ziemlich grob und verbittert in letzter Zeit ( also seitdem), und so kennen die mich alle garnicht.

Auf jeden fall noch mal danke für die lieben Worte;)

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mikesch
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Beitragvon mikesch » Di 8. Jan 2008, 07:55

Moin,

wunderschöne Geschichte....

Mir ist etwas ganz ähnliches passiert in meiner ersten Psychose. Der Witz ist, die "Angebetete" studierte Psychologie (ist jetzt fertig) und ich hab ihr damals so ein bisschen von meinen Problemen erzählt, wohl, weil ich irgendwie noch hoffte, dass sie ein bisschen Licht ins Dunkel bringen kann.

Sie hat mir nicht den Tipp gegeben, mal zu einem Fachmann zu gehen oder sonst irgendwas. Nachdem ich bei ihr übernachtet hatte, hat sie mich 2 Tage später angerufen und meinte das geht so nicht, können uns gerne treffen usw... bla.

Naja, sie hat mir jetzt nicht das Herz gebrochen, aber ich fands irgendwie schon blöd, weil ich damals die große Hoffnung hatte, das sie mein Problem interessieren wird und sie mir helfen kann.
Nicht dass sie mich da irgendwie therapieren soll, aber wenigstens sagen , hör zu, ich glaube Du hast da ein ernstes Problem, geh mal zu einem Arzt.

Naja, im übrigen finde ich auch die postpsychotische Zeit viel schlimmer als den akuten Schub, denn da kann es passieren, dass die Leute einen wirklich nicht mehr wiedererkennen, man zu nix zu gebrauchen ist überall nur Zuschauer,Schwermütiger ein Runterzieher :(.

Hab auch ein paar, ich sag mal absichtlich Bekannte, denn mehr waren sie wohl nicht, dadurch verloren. Aber so ist das eben.

Mir würde es natürlich irgendwie Genugtuung bereiten, wenn die irgendwann wieder ankommen, aber ich glaube das ist der falsche Ansatz.
Ausserdem kommt es bei "normalen" Verhältnissen ja auch häufiger vor, das man mit gewissen Leuten irgendwann nix mehr zu tun hat. Muss also jeder lernen damit umzugehen !

Es kommen aber auch wieder Leute dazu, und das ist ganz wichtig !
Man sollte sich nicht kleiner machen als man ist, indem man klammert, einige gehen, andere kommen.

gruß
mikesch

Jürgen77
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Liebe

Beitragvon Jürgen77 » So 6. Apr 2008, 10:13

Hallo miteinander,

also bevor ich meine erste Psychose hatte habe ich auch ein Mädel kennengelernt und war mit ihr im Kino. Aber als ich krank wurde ist aus der Sache nichts mehr geworden. Es wurde zwar eine gute Freundschaft aber nicht mehr.
Meine Psychologin sagte mal zu mir, daß Frauen natürlich einfach Angst davor haben, daß man wieder krank wird und wahrscheinlich sehen sie einen nicht stark genug eine Familie zu ernähren.
Was den Frendeskreis betrifft, kann man nur sagen:

In Krisenzeiten entscheidet sich wer zu einem steht oder wer einen fallen lässt.

Viele Grüße

Jürgen

Jürgen77
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Liebe

Beitragvon Jürgen77 » So 6. Apr 2008, 10:14

Hallo miteinander,

also bevor ich meine erste Psychose hatte habe ich auch ein Mädel kennengelernt und war mit ihr im Kino. Aber als ich krank wurde ist aus der Sache nichts mehr geworden. Es wurde zwar eine gute Freundschaft aber nicht mehr.
Meine Psychologin sagte mal zu mir, daß Frauen natürlich einfach Angst davor haben, daß man wieder krank wird und wahrscheinlich sehen sie einen nicht stark genug eine Familie zu ernähren.
Was den Frendeskreis betrifft, kann man nur sagen:

In Krisenzeiten entscheidet sich wer zu einem steht oder wer einen fallen lässt.

Viele Grüße

Jürgen


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