Hat meine Mutter eine Psychose? Wie kriege ich sie zum Arzt?

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lalbam
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Hat meine Mutter eine Psychose? Wie kriege ich sie zum Arzt?

Beitragvon lalbam » Do 27. Dez 2007, 18:21

Hat meine Mutter eine Psychose?
Meine Mutter ist Anfang 50 und hatte vor knapp 3 Jahren eine Totaloperation (Eierstücke, Mutterleib). Sie war schon immer ein sehr nervöser und überbesorgter Mensch, dieses verstärkte sich ab diesem Zeitpunkt erheblich.

Die Symptome treten Phasenweise auf und scheinen zumindest nach außen manchmal abzuklingen. In guten Phasen schildet sie bei Gesprächen, dass ihre Gedanken vorher tatsächlich realitätsfremd waren und sie sie nicht nachvollziehen kann.

Symptome: Sie ist davon überzeugt, dass Ihre Arbeitskollegen und andere, unter anderen auch nahe Verwandte und eigentlich auch jeder, der ihr widerspricht, es auf ihr Leben und auf das Leben ihrer Familie abgesehen haben. So beteuert sie, dass überall im Haus Wanzen versteckt sind. Bei Betreten des Hauses fordert sich dann zum leisen Sprechen auf.
Sie weigert sich Getränke außerhalb ihres Hauses zu trinken, weil sie davon überzeugt ist, dass sie vergiftet sind. Diese Gedanken werden dann zu einer ganzen Geschichte verknüpft und willkürliche Ereignisse hineininterpretiert. So führen ganz harmlose Äußerungen von Außenstehenden zu Panikattacken um Leib und Seele.
Als mein Vater einmal ins Krankenhaus musste, verbot sie zunächst alle Untersuchungen, obwohl sie lebensnotwendig waren, weil sie davon überzeugt war, dass die Ärzte mit ihren Kollegen, die ihn angeblich vergiftet haben zusammenarbeiten und ihn töten wollen.

Ich glaube nicht, dass sie Halluzinationen hat, allerdings äußerst sie manchmal Gedanken, wie jemand, sie dürfe, aber nicht sagen wer, hätte ihr gesagt, dass der und der Menschen umbringt oder es auf sie abgesehen hätte. Auf Rückfrage, wer das gewesen ist, weigert sie sich etwas zu sagen, dass sie denjenigen nicht verraten darf.

Während der schlechten Phasen kann sie tagelang nicht schlafen, ist nervös und kann sich überhaupt nicht konzentrieren.

Sie ist auch anfällig geworden für möchtegern religiöse und politische Gurus

Damit verbunden hat sie zunehmend Probleme im Beruf, auch weil sie unbegründete, nicht nachvollziehbare Vorwürfe erhebt. Wir konnten sie bisher davon abhalten zur Polizei zu gehen, obwohl sie glaubt eine riesige Verbrechensmaschinerie erkannt zu haben.

Sie ist davon überzeugt, dass sie nicht krank ist und dass das alles wahr ist und dass die Feinde uns, also die Familie, unter Drogen setzen, damit wir ihr nicht glauben. Vorerstes Ziel ihrer Feinde ist es ihrer Meinung nach, sie in die Psychiatrie zu drängen und sie würde alles tun um zu widerstehen.

Habt Ihr vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht und wisst Ihr eventuelle, wie ich sie dazu kriegen kann zum Arzt zu gehen?

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Do 27. Dez 2007, 19:13

Hallo @lalbam , was du da beschreibst, hört sich schon ziemlich nach einer Psychose an.
Ich hatte während einer Krise auch schon mal die Idee, dass ich vergiftet werden sollte, daher weiß ich ungefähr um was es geht. ich fühlte mich allerdings auch so schlecht, dass ich in einen Klinikaufenthalt einwilligte.
Wenn deine Mutter partout nicht möchte - fällt mir leider nichts dazu ein, wie man sie dazu kriegen könnte, einen Arzt aufzusuchen. Bestimmt kommen da aber noch mehr Vorschläge.
Liebe Grüße Remedias

Arno63
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Beitragvon Arno63 » So 9. Mär 2008, 12:18

Hallo Remidias
Hatte auch schon schizzoaffektive Psychosen.
Dachte unser Haus wird in die Luft gesprengt und
solche realitätsfremden Gedanken.
Ohne Klinik bekommt man das Einfach nicht hin.
Hat aber sehr lange gedauert bis ich die Krankheit
selbst eingesehen Hatte.
Viele Grüße Arno

Arno63
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Beitragvon Arno63 » So 9. Mär 2008, 12:19

Ich meinte Lalbam

Love
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Beitragvon Love » Mi 21. Mai 2008, 15:09

Ich würde auf jeden Fall einen Vorwand nehmen. Z.b.
das sie irgendwie geschwächt wirkt, und ob man
das mal bei einem Facharzt professionell untersuchen
läßt, so lange es noch im Frühstadium ist.

spaceball
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Beitragvon spaceball » Do 19. Jun 2008, 15:56

Hallo,

bei uns zu Hause besteht zur Zeit ein ähnliches Problem. Meine Schwester hat Wahnvorstellungen aber weigert sich zum Arzt zu gehen. Der SozialPsyiatrische Dienst war bereits zu Besuch aber sie hat sich geweigert mit ihnen zu sprechen. Mittlerweile redet sie mit niemanden mehr und verbringt die größte Zeit in ihrem Zimmer....

Wenn du mit deiner Mutter noch reden kannst, versuch sie doch mal auf die anderen Symptome anzusprechen - Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten usw und versuch deswegen mit ihr zum Arzt zu gehen..

Vielleicht war sie ja mittlerweile schon bei einem/einer Psychiater/in? Dann würde mich mal interessieren wie ihr das geschafft habt?

Weiss jmd der hier Mitlesenden evtl, ob man als Vorwand auch sagen könnte, wir fahren einkaufen und fährt dann in die Klinik??
oder muss man erst warten bis die Person noch krassere Sachen macht, um eingewiesen zu werden??


lg, spaceball

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Do 19. Jun 2008, 17:05

spaceball hat geschrieben:

Weiss jmd der hier Mitlesenden evtl, ob man als Vorwand auch sagen könnte, wir fahren einkaufen und fährt dann in die Klinik??
oder muss man erst warten bis die Person noch krassere Sachen macht, um eingewiesen zu werden??


lg, spaceball
Hallo @spaceball, was würde das nützen? Deine Schwester würde höchstens glauben, du bist Teil des Komplotts - und ihr Vertrauen zu dir verlieren. Gegen ihren Willen wird sie die Klinik nicht dabehalten - sofern sie nicht eigen - oder fremdgefährdend ist. Hat sie zu letzterem Punkt schon mal eine Andeutung gemacht ( dass sie sich oder anderen was antun würde ....)?
lieber Gruß Remedias

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Beitragvon spaceball » Fr 20. Jun 2008, 10:55

Hallo,

@Remedias
Meine Schwester hat bisher keine Andeutungen gemacht. Sie ist zwar sehr wütend und rücksichtslos aber nicht gefährlich und will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Momentan ist es so, dass meine Eltern versuchen sie zum Auszug zu bewegen/zwingen und dann gesehen wird, ob eine Selbstgefährdung vorliegt (d.h. ob sie in der Lage ist, sich um sich selbst zu kümmern). Die bessere Lösung wäre natürlich, dass sie vorher zur Untersuchung geht, aber man kann sie leider nicht davon überzeugen. Sie hört gar nicht zu und macht eh was sie will.

lg, spaceball

spaceball
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Beitragvon spaceball » Fr 20. Jun 2008, 12:13

@keksekekse:
Sollen wir einfach zukucken, wie sie sich langsam ihr Leben ruiniert??!!!
Wie du tust, scheinst du ja DIE optimale Lösung schon gefunden zu haben..

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Beitragvon deepnight » Fr 20. Jun 2008, 15:25

Aber den Psychoterror der Schwester sollen alle klaglos aushalten?

Gruß, Helene
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Beitragvon Remedias » Fr 20. Jun 2008, 16:27

keksekekse hat geschrieben:
Meine Lösung ist die Abschaffung der Psychiatrie. Aber mich fragt ja keiner

Der Mensch in der Psychiatrie ist fast immer ein leidender Mensch. Wie würdest du diesem Leiden begegnen, @keksekekse?
lieber Gruß Remedias

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Beitragvon spaceball » Fr 20. Jun 2008, 17:05

@keksekekse, für mich ist die ganze Situation noch ziemlich neu. Bis vor kurzem dachte ich noch, meine Schwester ist einfach doof geworden. Jetzt wo das Ganze einen Namen hat, verstehe ich wenigstens, warum sie sich so eigenartig verhält..
Leider ist das hier in dem bestehenden System nicht so, dass man gleich wie ein Gott oder eine Göttin verehrt wird, wenn man Stimmen hört, sondern wird - wie ja dein Fall zeigt - ganz anders vom System behandelt. Optimal finde ich das auch nicht!

Was wäre denn deiner Meinung nach in dieser Situation das RICHTIGE??? Statt einer Behandlung lieber Pipi trinken, ein bisschen mit dem Traumfänger spielen und das wird wieder?? oder lieber gleich den Teufel austreiben? oder welche der nicht wissenschaftlich erwiesenen Methoden bevorzugt du?

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Beitragvon Remedias » Fr 20. Jun 2008, 20:57

@Keksekekse, korrigier´ mich wenn ich es nicht richtig sehe, aber ich interpretiere dich so, dass du Psychisch Kranke als "Rebellen gegen das System" siehst.
Daher meine Fragen mit dem Leiden. Die allermeisten Depressiven, Psychotiker, Angstgestörte etc. fühlen sich ja nicht übermäßig toll. (außer vielen Manikern, da ist das "sich tollfühlen" ein Symptom ;-)) sondern furchtsam und verunsichert. Viele gehen wahrhaftig durch eine Hölle. Das sie dennoch keine Hilfe annehmen wollen steht auf einem anderen Blatt. Sie sind krank und brauchen aber Hilfe.
Ich war froh, als man mir in meinem Wahn helfen konnte, auch wenn die Hilfe nicht freiwillig angenommen wurde.
Daher auch meine Frage, wie du mit diesem Leiden umgehen würdest? - ohne Psychiatrie?
lieber Gruß Remedias

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Beitragvon Remedias » Sa 21. Jun 2008, 11:47

Deine Diagnose kam in ein polizeiliches Führungszeugnis? Wieso das denn? :???:
lieber Gruß Remedias

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Beitragvon Remedias » Sa 21. Jun 2008, 13:24

Wenn Du nicht willst, geht natürlich gar nichts ( es sei denn, du wirst "untergebracht")
l G Remedias


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