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Psychotischer Freund - was kann ich tun?

Verfasst: Mo 19. Nov 2007, 12:37
von soria
Liebes Forum,
bei meinem (Ex?)Freund ist eine paranoide-halluzinatorische Schizophrenie diagnostiziert worden. Er war bereits zwei Mal in der Psychiatrie und wurde mit Risperdal behandelt. Er ist absolut krankheitsuneinsichtig und hat das Medikament abgesetzt, sobald er aus der Klinik entlassen worden war. Mittlerweile hat sich sein Zustand wieder extrem verschlechtert, so dass man/ich ihn nicht mehr erreichen kann. Er ist davon überzeugt, dass er verfolgt wird, dass er verarscht und lächerlich gemacht wird. Er glaubt, sein Leben soll zerstört werden. Das geht so weit, dass er auch mich - seine Freundin - verdächtigt, bei der "ganzen Sache" mitzumachen. Er glaubt, ich würde ihn belügen, ihm was vorspielen und ihn überhaupt nicht lieben. Er will erst wieder Kontakt zu mir, wenn ich "die Wahrheit" sage. Die sage ich aber - und habe ich immer gesagt. Was er sich konstruiert, ist nicht real. Aber er ist geradezu stur und sieht kein bisschen, dass er dringend Hilfe bräuchte.....sein ganzes Leben geht den Bach runter. Beruflich und sozial. Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun kann, um ihm zu helfen. Ich kann mich doch aber nicht nur zurücklehnen und warten, bis er von irgendjemandem erneut zwangseingewiesen wird. Und das könnte ja auch noch Monate oder gar Jahre dauern? Ich bin für jeden Rat dankbar....vielleicht hat jemand Ähnliches erlebt?
Danke
Soria

Verfasst: Mi 21. Nov 2007, 21:37
von Pauline
Liebe soria,
die traurige Wahrheit ist, dass du ihm nicht helfen kannst. Menschen in einer Lage wie sie bei deinem Freund z.Zt. nach deinen Erzählungen ist, müssen tatsächlich zwangseingewiesen werden. Eine Gesunddung von so einer schweren Krankheit ist die Krankheitseinsicht, spreche dabei von eigenen Erfahrungen. Letzlich muß bei sowas jeder auf sich selber aufpassen und damit meine ich auch, dass du auf dich acht geben sollst.

Liebe Grüße Pauline

Professionelle Hilfe oder seine Eltern zu Hilfe ziehen

Verfasst: Di 4. Dez 2007, 20:55
von Guitar.Star
Hallo Soria!

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass man bei Menschen mit Psychoseerkrankung egal ob schizophren, schizoaffektiv oder affektiv mit einer Krankheitseinsicht in der Akutphase nicht rechnen kann. Diese fehlt fast immer. Nachdem was du beschrieben hast, befindet sich dein Freund jetzt wieder in einer solchen Phase, die dir und vielleicht seinen Eltern mehr Kopfzerbrechen bereitet als wahrschlich ihm selbst. Erkrankte leiden scheinbar nicht in dem Maße wie das Umfeld der betroffenden Person. Die Wahnideen, Stimmen, Halluzinationen oder Suizidgedanken deines Freundes verändern sein Denken, Handeln und das was er sagt. Das ist garnicht so dramatisch wenn man bedenkt das es sich bei einer Psychose nur um eine Stoffwechselerkrankung des Gehirns handelt und mit Medikamenten bis zur Beschwerdefreiheit hin behandelt werden kann. Ich sage es ist, wenn sie behandelt wird, eine harmlose Krankheit, weil man keine Folgeschäden hat oder an ihr sterben kann.

Und jetzt nochmal konkrekt zu dir Soria. Ich finde es erstmal gut das du versuchst ihm zu helfen, da du ihn ja auch liebst und willst ihn so zurück wie er mal war. Das einzige ist was du tun kannst, dich Professionellen anzuvertrauen oder seinen Eltern wenn du ein gutes Verhältnis zu ihnen besitzt. Du kannst z.B. wenn es sowas in deiner Stadt gibt, einen Krisendienst oder den sozialpsychiatrischen Dienst um Hilfe bitten :) .
Da dich die ganze Situation sehr belastet und du vielleicht Angst hast ihn zu verlieren, rate ich dir auf seine Wahnideen nicht einzugehen, lieber zu schweigen. Du wirst wahrscheinlich erst wieder Ruhe haben wenn er ambulant oder stationär behandelt wird. Wichtig ist wenn es geschafft ist und er wieder Medikamente nimmt, rate ihm schon früh eine Therapie nach einem eventuellem Krankenhausaufenthalt zu machen und die Teilnahme an einer Tagesklinik ist nach der Entlassung von der Station sowieso das Beste. Ich gib dir nur einen guten Rat lass ihn nicht ihm Stich, der wird wieder!!! Die Krankheitseinsicht kommt mit der Therapie und somit ist eure Beziehung gerettet.
Ich habe selber auch sowas erlebt, bin selbst Betroffener einer psychischen Erkrankung (selbst erkrankt)und liebe ein Mädchen die an Schizophrenie leidet(anderer Begriff schizophrene Psychose). Gib nicht auf.
Alles Liebe Soria
Henning
Die Hoffnung stirbt zuletzt