Depressive Phase bei Schizophrenie

Hier posten Sie bitte alle spezifischen Beiträge zur Schizophrenie und zu anderen psychotischen Störungen.
-> Basis-Infos zum Thema "Schizophrenie" und zum Thema "Schizoaffektive Störung"
Knolle
Beiträge: 10
Registriert: Mi 4. Jul 2007, 15:53

Depressive Phase bei Schizophrenie

Beitragvon Knolle » Mo 27. Aug 2007, 12:00

Hallo!
nach dem mein Mann nun schon einige Wochen aus der Klinik raus ist, wird er immer depressiver. Er war schon in der Klinik ein bischen deprimiert, weil er sich dort so sehr langweilte. Es gab nur wenig Beschäftigsmöglichkeiten, die für ihn als Sehbehinderten in Frage kamen. Er war dann sehr froh, als er aus der Klinik raus war. Zuhause musste er dann feststellen, dass sein hauptsächliches Betätigungsfeld der letzten Monate (Religion) ihn nicht mehr so interessiert (wahr auch inhalt seines Wahns) und er sich auf Dinge wie Lesen und PC-Spielen nur schlecht konzentrieren kann. Seitdem wird er immer depressiver und antriebsloser, nach seinen Worten "fällt ihm die Decke auf den Kopf", er langweilt sich und hat eigentlich keine rechte Lebensperspektive mehr. Er wollte dann unbedingt wieder arbeiten gehen, weswegen er beim Arzt vor einer Woche eine Wiedereingliederung beantragt hat. Er soll dann ab nächster Woche wieder arbeiten gehen, ersteinmal für 4 Stunden am Tag.

Ich habe nun einerseits Bedenken, dass er die Belastung des Arbeitslebens packt. Andererseits hat er die letzte Woche über Andeutungen gemacht, dass sein jetziges Leben kein Leben mehr sei, dass er keine Perspektive für die Zukunft sieht usw.

Ich weiß jetzt nicht so recht, was ich machen soll. Abwarten, ob seine Depression nachlässt, wenn er erstmal arbeiten geht, weil er wieder eine Aufgabe hat? Ich habe aber angst, dass er im Lauf dieser Woche, wenn er nur auf dem Sofa rumhängt und nichts mit sich anzufangen weiß, sich in Gefahr bringt. Wenn ich aber den Arzt drauf anspreche, bläst der womöglich die Wiedereingliederungsmaßnahme ab oder steckt ihn wieder in die Klinik, was meiner Meinung nach die Situation nur verschlimmert. Das würde für meinen Mann dann bedeuten, dass er womöglich noch wochen- oder monatelang zum rumsitzen und somit zur Langeweile verdammt ist.

Wie geht Ihr mit sowas um?
Danke & Gruß
Knolle

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4464
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Beitragvon Laura » Di 28. Aug 2007, 06:34

Hallo Knolle!

Hat zu dem Klinikaufenthalt Deines Mannes auch ein Aufenthalt in einer Tagesklinik gehört? Letzteres empfiehlt sich sehr, wenn es darum geht, wieder richtig in den Alltag reinkommen zu können und verschüttete Fähigkeiten wieder einzutrainieren. Ob er allerdings mit seiner Sehbehinderung alle Therapien gut mitmachen kann, kann ich nicht sagen. Aber wenn er theoretisch wieder arbeiten möchte, dann müsste er eigentlich auch eine Tagesklinik gut packen können.

Abgesehen davon, dass es in einer Tagesklinik viel Programm gibt, das einen in "Form" bringt, ist es auch von den Mitpatienten her normalerweise recht angenehm. Eine Tagesklinik ist nicht mit einer Vollstation zu vergleichen und man ist ab dem Nachmittag wieder zuhause.

War das die erste Psychose Deines Mannes? Vielleicht machen ihm einfach auch die Medikamente noch zu schaffen oder er hat die Psychose noch nicht ganz verdaut oder beides. Wenn man frisch aus der Klinik entlassen ist, ist man noch nicht wieder ganz fit. Das braucht seine Zeit. Ich denke, es ist wichtig für Deinen Mann, dass er bald wieder unter Leute kommt, denn auf eigene Faust kann man sich nach einem Klinikaufenthalt nicht unbedingt gut zu einer Tagesstruktur durchringen.

Liebe Grüße und toi toi toi

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Anneliese
Beiträge: 70
Registriert: Di 19. Apr 2005, 09:01

Beitragvon Anneliese » Di 28. Aug 2007, 10:10

Hallo Knolle,
als meine Tochter 2004 nach ihrer Psychose aus der Klinik kam, wurde sie auch immer depressiver. Das steigerte sich bis zur Lebensmüdigkeit - wie Du auch bei Deinem Mann angedeutet hast. Auch ihr fehlte eine Perspektive und so hatte sie versucht ein paar Stunden zu arbeiten, was ihr allerdings damals nicht gelang. Sie hat das nur einen Tag durchgestanden.

Nach einem halben Jahr konnte sie (endlich) in eine Tagesklinik gehen. Obwohl es ihr anfangs schwer fiel ist sie mir zuliebe wieder dahin gegangen. Heute sagt sie, dass dies das Beste gewesen sei, was ihr in dieser Zeit passieren konnte. Sie hatte wieder eine Tagesstruktur - das ist das Wichtigste erstmal - morgens einen Grund zu haben aufzustehen (zur festgelegten Zeit). Dann hatte sie soziale Kontakte, Beschäftigungen und vor allem auch Gesprächstherapie, wobei ihr die Einzelgespräche am meisten geholfen haben.

Ein Jahr nach ihrer Psychose konnte sie dann eine Ausbildung beginnen, die jetzt in das 3. Jahr geht.

Sie ist seit Jahresbeginn ohne Medikamente (Ausschleichen dauerte ca. 1/2 Jahr) und es geht ihr gut *dreimalaufHolzklopf*

Ich wünsche Dir Kraft, Deinem Mann beizustehen, ihm immer wieder Mut zu machen. Es dauert alles seine Zeit und sein Zustand ist nach einer Psychose fast normal. Man spricht von einer postpsychotischen Depression, teilweise spielen auch die Medikamente eine Rolle mit. Meine Tochter z.B. war damals stark überdosiert. Das hat man dann sehr schnell in der Tagesklinik festgestellt und geändert.
LG
Wer mit einem Baum sprechen kann, braucht keinen Psychiater. Nur meinen die meisten Menschen das Gegenteil.
(Phil Bosmans)

Knolle
Beiträge: 10
Registriert: Mi 4. Jul 2007, 15:53

Gleich platz' ich....

Beitragvon Knolle » Mo 3. Sep 2007, 15:04

Danke für die Anteilnahme. Es ist die erste Psychose meines Mannes. Ein richtiger Aufenthalt in einer Tagesklinik war nicht angeschlossen. Ihm wurde eine TagesSTÄTTE genannt, die er besuchen könne. Er war auch einmal dort, konnte mit den Angeboten dort und den Leuten aber nicht so richtig etwas anfangen. Die Tagesstätte ist auch nicht die ganze Zeit betreut, so dass die Mitarbeiter dort nicht so viel Zeit für jeden Einzelnen haben oder womöglich zeitweise gar niemand da ist. Er war dann auch nur das eine Mal dort.

Wir haben uns jetzt - mit viel gutem Zureden meinerseits - durch die vergangenen Tage gewurschtelt. Heute morgen war er jetzt die ersten 4 Stunden arbeiten. Die haben zwischenzeitlich alles mögliche umorganisiert, so dass mein Mann praktisch alles neu lernen muss, was für ihn jetzt natürlich gar nicht so einfach ist. :sad:

Seit er mir jedoch vorhin erzählt hat, wie das Gespräch mit seinem Abteilungsleiter heute morgen gelaufen ist, könnt ich vor Wut platzen. Hat der ihm nicht erklärt "Das dürfte für Sie ja alles kein Problem sein. Sie sind doch gesund, sonst wären Sie ja nicht wieder da. Wenn Sie es nicht schaffen, gehen Sie doch in Frührente!" :shock: :evil: Und wo sie schon so nett am reden waren, hat er ihm auch noch erklärt, dass die 4 Wochen Urlaub, die er während der Krankheit nicht nehmen konnte, ersatzlos gestrichen werden sollen, weil er ja während der Wiedereingliederung keinen Urlaub nehmen kann. Ist das eine Art, Mitarbeiter zu motivieren? Sieht jemand, der in 4 Monaten über 12 Kilo abgenommen hat und sich täglich Risperdal und Truxal reinzieht, auch nur annähernd gesund aus? Der hat doch nicht mehr alle Latten am Zaun!

Wenn ich nicht wüßte, dass es alles nur noch schlimmer macht, würd' ich den jetzt am liebsten mal anrufen und ihm die Meinung geigen.... Stattdessen werde ich mich brav abregen, auf den Feierabend warten und dann zuhause den Laienpsychiater spielen, damit mein Süßer morgen da überhaupt nochmal hin geht... :???:

Viele Grüße
Knolle

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4098
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Beitragvon Remedias » Mo 3. Sep 2007, 19:46

@Knolle, das mit deinem Mann tut mir leid. Aber ich habe das Gefühl, dass ihr es ein bißchen zu eilig habt, eine Psychose ist kein Schnupfen und dein Mann wird mehr Zeit brauchen, sich zu erholen. Das mit dem Urlaub ist nicht rechtsmäßig, lasst euch bitte beraten.
Liebe Grüße Remedias

Knolle
Beiträge: 10
Registriert: Mi 4. Jul 2007, 15:53

Beitragvon Knolle » Fr 7. Sep 2007, 12:58

[quote="Remedias]Aber ich habe das Gefühl, dass ihr es ein bißchen zu eilig habt, eine Psychose ist kein Schnupfen und dein Mann wird mehr Zeit brauchen, sich zu erholen.Remedias[/quote]

Naja, nicht WIR haben es zu eilig, mein Mann wollte von sich aus unbedingt wieder arbeiten gehen. Das Problem ist, dass ihm zu Hause eben die Decke auf den Kopf fällt und er nichts mit sich anzufangen weiß. Er hat es auch in gesunden Tagen nie länger allein zu Haus ausgehalten, nach einer Woche fing er meistens schon an, Aufräum-, Umräum- oder Renovierungsaktivitäten zu entwickeln und das Ende vom Urlaub herbeizusehnen. Irgendwie ist er einer von den Menschen, die immer was zum arbeiten brauchen und beim Nichtstun ein schlechtes Gewissen haben - und er tut jetzt schon 4 Monate nichts.

Aber Du hast recht, es war viel zu früh für ihn, weshalb er gestern die Wiedereingliederung auch abgebrochen hat. Sein Arzt ist jetzt auf die glorreiche Idee gekommen, er könnte ihn ja in eine Tagesklinik schicken - da hätt' er auch mal eher drauf kommen können. Ich habe also heute sofort da angerufen und wollte meinen Mann da anmelden. Die Auskunft lautete dann, mein Mann müsse selber anrufen, sie wollten ein Gespräch mit ihm führen. Danach würden sie dann entscheiden, ob er für die Tagesklinik überhaupt in Frage kommt. Er würde dann zu einem Vorstellungsgespräch :shock: zugelassen, bei dem dann alles weitere besprochen würde und entschieden wird, ob er einen Platz bekommt. Der nächste Termin wäre aber erst Mitte November, vorher hätten sie sowieso keine Plätze frei. Fehlt nur noch, dass sie auch noch Lebenslauf, Zeugnisse, polizeiliches Führungszeugnis und ein Empfehlungsschreiben der Großmutter wollen....

Wenn ich ihm erzähle, dass es maximal 15 Plätze für den ganzen Landkreis gibt und er da erstmal alles selber organisieren muss und dann quasi noch eine Art "Eignungstest" bestehen muss, kriegt er wahrscheinlich gleich wieder die Panik. :sad: Wie das bis Mitte November weitergehen soll, ohne dass er vorher die Wände rauf geht, frage ich micht jetzt auch.

Benutzeravatar
Anneliese
Beiträge: 70
Registriert: Di 19. Apr 2005, 09:01

Beitragvon Anneliese » Fr 7. Sep 2007, 13:50

Wenn ich ihm erzähle, dass es maximal 15 Plätze für den ganzen Landkreis gibt und er da erstmal alles selber organisieren muss und dann quasi noch eine Art "Eignungstest" bestehen muss, kriegt er wahrscheinlich gleich wieder die Panik
Ja, so ungefähr sieht es auch bei uns aus. Deshalb bin ich damals für ein halbes Jahr mit meiner Tochter in eine Großstadt gezogen, wo eine Tagesklinik an eine Universität angeschlossen war.

Lasst nicht locker und lasst Euch nicht nur mit Medikamenten abspeisen. Er braucht Gespräche mit Profis, muss sein Erlebtes verarbeiten, lernen damit umzugehen.
Alles Gute
Wer mit einem Baum sprechen kann, braucht keinen Psychiater. Nur meinen die meisten Menschen das Gegenteil.
(Phil Bosmans)

Knolle
Beiträge: 10
Registriert: Mi 4. Jul 2007, 15:53

Und wieder Klinik....

Beitragvon Knolle » Di 11. Sep 2007, 13:45

Seit letzter Woche wurde das jetzt mit der Angst und der Unruhe immer schlimmer, das Wochende war eine einzige Katastrophe. Es lief darauf hinaus, dass mein Süßer zum Schluß vor allem Angst hatte: der Zukunft an sich, in die Tagesstätte zu gehen, vor der Tagesklinik, allein zuhause sein zu müssen, zum Arzt zu müssen oder in die Klinik zu gehen, es war eine einzige Endlosschleife von "was mach ich jetzt bloß - das mach ich - nö ich machs nicht ich hab Angst davor" :sad: Garniert wurde es dann noch von extremer Unruhe mit herumzappeln, hin- und herlaufen, auf der Stelle hüpfen. Das ging zum Teil soweit, dass er von sich aus einfach noch mehr Tabletten nehmen wollte, weil er es nicht mehr aushielt. :shock:

Nachdem es mir nicht gelungen ist, meinen Süßen dazu zu überreden, schon am Samstag in die Klinik zu gehen, ist er wenigstens gestern mit zum Arzt. Der meint jetzt, dass die ganze Unruhezustände vom Risperdal kommen und er dringend neu eingestellt werden muss. Nachdem ich aber arbeiten muss und es nicht in Frage kommt, dass er in dem Zustand allein zu Hause bleibt, hat er sich zum Glück doch noch überreden lassen, erst einmal wieder in die Klinik zu gehen.

Immerhin hat der Klinikarzt heute morgen versprochen, dass er versuchen wird, dass mein Mann direkt im Anschluß in die Tagesklinik gehen kann, wenn er stationär entlassen wird. Das ist ja immerhin schon mal ein Fortschritt.

Viele Grüße
Knolle

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4098
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Beitragvon Remedias » Di 11. Sep 2007, 18:15

Das hört sich doch positiv an, @Knolle. ich drücke Dir und Deinem Mann die Daumen, dass alles gut klappt.
Liebe Grüße Remedias


Zurück zu „Schizophrenie, schizoaffektive Störungen, andere Psychosen (ICD-10:F2)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast