Leidet mein Vater unter Schizotypie?

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nightquest
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Leidet mein Vater unter Schizotypie?

Beitragvon nightquest » Sa 30. Jun 2007, 11:49

Hi,

Ich möchte euch heute mal von der Familiengeschichte von mir und meinem Vater berichten.

Ich wandte mich an ein Schizophrenieforum und schrieb dort über Probleme, die ich habe und sie sagten mir, dass es Schizophrenie, Schizotypie oder eine Zamngserkrankung sein könnte, ich hoffe eine Zwangserkrankung. Ich werde dazu einen eigenen Beitrag schreiben.

Aber während ich über Schizotpyie recherchierte erinnerte mich vieles an meinen Vater und seine Familiegeschichte. Deswegen frage ich mich, ob die Familiengeschichte meines Vaters von Schizotpie geprägt ist:


Mein Großvater väterlicherseits war ein sehr eigentümlicher Mann. Von Beruf war er Schreiner und arbeitete 10 Studen am Tag. Er hatte diesen Beruf von seinem Vater übedrnommen, hasste den Beruf aber wie die Pest. Trotzdem nannte er seinen ältesten Buben Josef (nach dem Heiligen der Schreiner), da er befürchtete, dass alles andere Unglück bringen würde.
Meine Großeltern väterlicherseits hatten zehn Kinder. Ein kleines Mädchen davon starb im Alter von sechs Monaten.
Ich kann mikch noch erinnern, wie ich meine Großeltern einmal fragte, ob sie nicht mehr traurig darüber gewesen wären. Meine Großvater sagte mir (wörtlich. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, weil mich das so abstieß): "Ich hab mir gedenkt: Ist ein schöner Engel mehr im Himmel, was solls". Ich hab ihn gefragt, ob sie ihm denn nicht gefehlt hätte und er sagte "Sie hat ja noch kaum gelebt. Wenn sie schon auf dem Feld hätte helfen können (meine Großeltern hatten nebenher eine Landwirtschaft), dann wär es freilich etwas anderes gewesen".
Und meine Großmutter sagte gar nichts dazu.
Schon kurz nach dem Tode der Tochter war meine Großmutter wieder schwanger.... und der neuen Tochter wurde genau der gleichen Vorname gegeben wie der verstorbenen.

Ich war sehr erschreckt von dieser Situation. Mein Vater sagte, dass sei ihr Art mit Trauer umzugehen... aber ich hatte nicht das Gefühl, dass einer von beiden überhaupt traurig war.

Mein Vater hat mir beschrieben, dass er als Bub nicht besonders viel Liebe gekriegt hat. Mein Großvater pflegte jeden Abend mit seinen Gesellen zu essen. Mein Großvater und die Gesellen pflegte an einem Tisch zu sitzen und dort saßen auch die älteren Brüder meines Vaters, die mein Großvater als nützlich betrachtete.
Meine Großmutter aber musste zuerst meinen Großvater und die Gesellen bedienen und danach musste sie mit den jüngeren Kindern an einem anderen Tisch sitzen. Oft gab es am Tisch meines Großvaters Fleisch und am Tisch meiner Großmutter nur Erdbirnsterz. Mein Vater erzählte mir, dass er sich einmal beschwerte und auch Fleisch wollte, wie die Gesellen. Da fragte mein Großvater ihn, ob er auch so nützlich wäre wie die Gesellen. Mein Vater fing an zu weinen und mein Großvater sagte ihm, wenn er nicht aufhören würde zu weinen würde er ihm einen wirklich Grund geben zu weinen.
Mein Vagter war Klassenbester und seine Lehrer drangen darauf, ihn aufs Gymnasium zu schicken, aber mein Großeltern hatten ihre eigenen Pläne.

Nach dem Ende der Volksschule gaben sie ihn zu einem befreundeten Dachdecker in die Lehre. Vater weinte und bettelte nicht Dachdecker werden zu müssen, denn er hasste den Beruf. Doch meine Großeltern sagten ihm er sollte froh sein, dass er lebe immer genug zu essen gehabt hätte, beschimpften ihn als undankbar.

Mein Vater wollte weglaufen, doch weil er nicht wusste wohin er laufen sollte, kam er nachts zurück ins Dorf geschlichen und weil er sich von diesem Hilfe erhoffte schlich er sich zum Haus des Lehrers.

Dieser jedoch sagte meine Großeltern Bescheid. Mein Vater kriegte Schläge.
Mein Vater hat mir mal erzählt das wäre der Tag gewesen, an dem er gelernt hätte, dass das Leben scheiße und unfair ist.

Mein Vater erlernte also den Beruf des Dachdeckers. Einen Beruf den er hasste und er arbeitete auch nur wenige Jahre in diesem Beruf.

Trotz allem hing er irgendwie an seinen Eltern.

Jetzt zu meinem Vater:

Ich kann mich an meinen Vater immer nur als "alten Mann" erinnern, obwohl er nur 22 war, als ich geboren wurde.
Mein Vater war immer gut zu mir, sprach aber oft sehr wenig mit mir. Manchmal schwieg er einen ganzen Tag lang. Als ich jung war machte mir das nichts aus, aber als ich älter war und erkannte wie anders es in vielen anderen Familien ist, machte es mir sehr viel aus. Ich versuchte daraufhin immer mal wieder ein Gespräch anzufangen und es mag komisch klingen, aber ich hatte irgendwie das Gefühl das mein Vater nicht wirklich weiss, wie man sich unterhält.
Wenn ich irgendetwas sagte stimmte er mir meist zu, brachte aber nie seine eigene Meinung ein und danach gefragt zuckte er n ur die Schultern und sagte, dass edr davon (was immer das Gesprächstheme war) nichts verstehen würde.
Er meinte immer er fände es seltsam, dass ich so viel reden würde. Dabei gelte ich bei anderen Leuten als ausserordentlich wortkarg.
Manchmal jedoch haben wir sehr tiefe Gespräche geführt und ich habe das Gefühl, dass mein Vater darüber immer sehr froh war.

Mir ist immer die Art wie mein Vater und seine Geschwister sich unterhalten als sehr seltsam aufgefallen. Ich nehme mal ein Beispiel. Es geht nicht ums Thema, sondern darum, wie sie sich unterhalten:

-"Ich finde es gut, dass der XY jetzt wieder arbeitet"
-"Ja, das ist gut. Das wurde auch Zeit"
-"Ja, das wurde auch Zeit. Das ist nicht gut, dass der die ganze Zeit nur daheim gewest ist"
-"Nein, das war nicht gut."
-"Nein, das war es nicht. Ein Mann sollte nicht immer nur daheim hocken"
-"Immer nur daheim hocken ist ja nicht gut für einen Mann"

Ich bin davon inzwischen irgendwie total angenervet, weil mir kommt es so vor, als ginge es in dieser sorte von Gespräch immer nur darum, sich gegenseitig zuzustimmen und das nervt extremst. Mir kommt das so vor, als hätten die eigentlich gar kein Interesse an einer echten Kommunikation.

Vor allem, wenn ich das jetzt mit anderen Familien vergleiche kommt mir meine extrem seltsam vor.

Mein Vater hat auch eigentlich kaum mit Leuten ausserhalb der Familie zu tun. Ich kann mich an kein einiziges mal erinnern, wo jemand in unserem Haus war, der nicht zur Familie gehört hat.

Er geht manchmal mit seinen Arbeitskollegen in die Wirtschaft, aber bei uns im Haus waren die noch nie.

Mein Vater ist nicht glücklich mit seinem Leben, er ist z.B. starker Raucher und der Arzt hat ihm aus gesundheitlichen Gründen sehr vom Rauchen abgeraten. Mein Vater aber raucht weiter und er sagt immer wenn er stirbt sei es ihm auch egal, so sehr würde er nicht am Leben hängen.

Meine Frage jetzt: Kann das auch Schizotypie sein, in der Familie meines Vaters? Also Wahnvorstellungen hat da keiner, aber seltsam sind sie schon alle miteinander.

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Remedias
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Beitragvon Remedias » So 1. Jul 2007, 21:09

Hi @nightquest, ich habe bei mir selber den Verdacht, dass ich leicht schizotyp bin, was ich weiß ist, dass diese Persönlichkeitsstörung extrem schwierig festzustellen ist - eigentlich nur mit Langzeitbeobachtung.
Wenn du noch mehr Infos brauchst, schau mal auf diese Seiten; ich finde sie recht gut:
http://www.blumenwiesen.org/schizotypie.html
Sie stellen Schizotype eigentlich nicht nur negativ, sondern auch positiv dar.
Liebe Grüße remedias

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Laura
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Beitragvon Laura » So 1. Jul 2007, 21:33

Hallo nightquest!

Ich denke, Deinen Vater hat es im Leben einfach bitter erwischt und er hat sicher immer versucht, das Beste aus seiner Situation zu machen. Dein Bericht hört sich so an, als sei er von einer Zeit und Familie geprägt, in der es ums Überleben und nicht um Lebensqualität ging. Ein unglückliches Leben zeichnet einen Menschen zweifellos, aber ich denke, deswegen muss man ihn noch nicht gleich als psychisch gestört klassifizieren. Vielleicht hat Dein Vater in seiner Jugend einfach nur das getan, was er nicht umgehen konnte, als es noch nicht so viel soziale Absicherung gab wie heute.

Vielleicht kannst Du Deinen Vater "anstupsen", damit er ein bisschen was von dem nachholt, was er im Leben verpasst hat. Ihm aber Vorwürfe zu machen und ihn womöglich zum Psychiater zu schicken, wäre für ihn sicher ein herber Schlag ins Gesicht. Das muss ihm ja auf seine alten Tage so vorkommen, als sei sein Leiden und Zähnezusammenbeißen völlig für die Katz gewesen. Für Dich selbst kannst Du Deinen Vater ja als abschreckendes Beispiel nehmen und Dein Leben möglichst so gestalten, dass Du nicht aus einer Not heraus handeln musst und die Möglichkeiten nutzt, die Dein Vater in seiner Jugend entbehren musste.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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