Ist das wirklich Schizophrenie?

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Caponie
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Ist das wirklich Schizophrenie?

Beitragvon Caponie » Fr 1. Dez 2006, 19:55

Hallo zusammen,

ich wende mich mal an die Gemeinschaft um herauszufinden, ob ich wirklich schizophren bin. Kurz zu meiner Person: ich bin 25 Jahre und männlich. Bei mir wurde hebephrene Schizophrenie diagnostiziert und ich würde gerne wissen, ob es Menschen mit ähnlichen Symptomen gibt, da meine nicht so ganz in das typische Bild der Schizophrenie passen (oder vielleicht doch?).

Angefangen hat das Ganze vor jetzt bald schon 3 Monaten, als ich Sonntag mittags auf der Couch saß und Sehstörungen bekommen habe und dachte, ich hätte eine Kreislauf-Attacke bzw. einen Herzinfarkt. Das kam aus dem heiteren Himmel in einer Ruhephase. Die nächsten Tage und Wochen hatte ich immer wieder starke Kreislaufprobleme bzw. war total blass im Gesicht und fühlte mich fast den ganzen Tag über wie benebelt bzw. hatte oft das Gefühl ich würde jeden Moment umfallen bzw. bewußtlos werden. Das gipfelte an einem Abend in einer weiteren Panikattacke, bei der ich dachte ich muss jeden Moment sterben. Ich wurde vom Notarzt in eine Herzklinik gebracht, wo ich 3 Tage durchgecheckt wurde und nichts am Herzen oder Kreislauf festzustellen war, also organisch dort nichts Krankhaftes ist. Auch die Blutwerte waren alle in Ordnung. Also bin ich als nächstes zum Neurologen/Psychiater und der stellte dann halt hebephrene Schizophrenie fest und dass die Barriere von Unterbewußtsein und Bewußtsein löchrig geworden ist. Außerdem dass meine Nervenzellen zur Zeit wohl "Party feiern", also ein biochemisches Ungleichgewicht vorherrscht.

Meine Symptome sind vor allem psychosomatischer Natur und dauern bis heute zum Teil noch an:
- Kreidebleich im Gesicht und Flimmern vor Augen bei relativ normalen Blutdruck. Meine Kollegen wollten mich schon fast täglich nach Hause schicken weil ich so grausam aussah.
- Das ständige Gefühl, ich würde jeden Moment umfallen bzw. sterben, also dass es jeden Moment einfach zu Ende geht mit mir.
- Ich habe Durchschlafstörungen und wache nachts öfters auf, dabei bin ich manchmal total verwirrt und denke, dass ich verrückt werde, ein totales Chaos in meinem Kopf. Die erste Zeit habe ich auch wie ein Aal dabei am gesamten Körper gezittert, wie ein starker Schüttelfrost. Das hat mir am meisten Angst bereitet, es fühlte sich an als ob mein Nervensystem total verrückt spielt.

Ich wache auch heute noch manchmal mit Angst und totaler innerer Unruhe auf, was sich teilweise auch tagsüber nur wenig legt. Ich bekomme jetzt 2 Mal die Woche Imap Depotspritzen, wurde letzte Woche sogar auf Fluanxol umgestellt, was aber nicht gut ging, da ich totale Unruhe und Bewegungsdrang davon bekam. Bin jetzt wieder bei Imap bzw. Melperon zum Schlafen. Das was mir am meisten zu schaffen macht ist diese Verwirrtheit bzw. das Gefühl, dass es jeden Moment zu Ende geht. Das fühlt sich wie eine totale innere Anspannung bzw. Verkrampfung an, wovon ich sogar Kopfschmerzen bekomme.

Was wahrscheinlich als Auslöser für das ganze gelten könnte ist, dass ich von Januar 2005 bis ca. März 2006 gut 50 Kg abgenommen habe, zusätzlich in der Zeit meine Diplomarbeit gemacht habe, ohne Pause direkt in den Job gegangen bin und auch viel Stress in meiner mittlerweile beendeten Beziehung hatte. Zur Zeit bin ich erst mal krank geschrieben, aber wirklich helfen tut die Ruhe zur Zeit auch nicht.

So, dass war die Kurzfassung meines "Leidens". Vielleicht gibt es ja ähnliche Fälle. Ich bin über jeden Rat bzw. Kommentar dankbar.

Gruß,
Caponie.

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Sheena
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Beitragvon Sheena » Fr 1. Dez 2006, 22:10

Hallo caponie,
mir war diese Form (=hebephren) der Schizophrenie bis jetzt unbekannt. Ich habe gleich in der Wikipedia unter "hebephren" nachgelesen. Hast Du Dich schon im Internet informiert ? Vielleicht verstehst Du Deine Krankheit dann auch besser. Baldige Genesung !
Gruss, Sheena.

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Beitragvon Caponie » Sa 2. Dez 2006, 10:40

Ich habe schon stundenlang im Internet über Schizophrenie gelesen. Deswegen kommen mir ja auch diese Zweifel, ob es das überhaupt ist. Die typischen Symptome wie läppisches Verhalten usw. kann ich an mir nicht feststellen. Es ist eher oftmals das Gefühl wegen dem Bilderwirwarr in meinem Kopf wirklich verrückt zu werden . Und dazu kommt die ständige innere Unruhe. Bin heute auch wieder aus einem Traum aufgewacht und hab seitdem Angst bzw. eine innere Aufgeregtheit, die sich nicht so ohne weiteres wieder legt. Ich bekomme das alles ja mit und kann auch hier darüber schreiben, aber verhindern oder kontrollieren kann ich es nicht.

Ich habe dabei auch immer Muskelzuckungen, am Anfang am ganzen Körper, mittlerweile meistens nur noch an den Augenlidern. Das ist für sich alleingenommen auch nichts dramatisches, sind halt Begleiterscheinungen. Und ich habe ständig das Gefühl, ich würde zittern, ich zittere dabei aber nicht wirklich sondern nur unterschwellig. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass das Zittern an den Armen wirklich sichtbar geworden ist. Aber wenn es eine organische Krankheit wäre, würde ich ja vermutlich ständig zittern ohne Kontrolle darüber zu haben.

Naja, ich warte da jetzt mal noch etwas ab und rede nächste Woche wieder mit meinem Neurologen/Psychiater drüber.

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rosa
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Beitragvon rosa » Sa 2. Dez 2006, 12:58

Hallo caponie,

so wie Du alles beschreibst, würde ich folgendes machen:

Ich würde mir eine 2. ärztliche Meinung einholen. Tipp: Erzähle dort nichts über die Vordiagnose und dass Du schon mal ärztliche Hilfe gesucht hast, sondern beschreibe lediglich Deine Symptome und sag, dass Du zum 1. Mal beim Psychiater bist, damit dieser neue Arzt dann auch seine eigene Meinung kundtut und nicht einfach die Diagnose seines Vorgängers übernimmt.

Vielleicht führt das zu einer vollständig anderen Diagnose oder auch nicht. Bei schweren Erkrankungen würde ich mir immer eine 2. Diagnose einholen.

Gruss
rosa
"Die Denkgebäude müssen neu überdacht werden." M.Laval

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Sa 2. Dez 2006, 14:27

Hallo Caponie,

mein Rat geht in die gleiche Richtung wie Rosas. Ich würde zu einer (neurologischen) Ambulanz einer Uniklinik gehen. Ich verstehe auch nicht, warum Imap eingesetzt wird, weil das nicht das Medikament erster Wahl wäre und warum Depot, was man nur bei Leuten machen sollte, die ihre Medikamente nicht zuverlässig nehmen. Mir ist einiges rätselhaft am Vorgehen deines Arztes, daher und aufgrund der Schwere und den weitreichenden Konsequenzen der Diagnose würde auch ich das unbedingt nochmal abklären lassen.

Gruß, Helene
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Beitragvon Caponie » Mo 11. Dez 2006, 19:19

So ein kurzes Feedback wie es bei mir weitergegangen ist. Ich bin dann kurzfristig in eine psychiatrische Ambulanz in eine Fachklinik. Der Arzt dort sagte nach meiner Schilderung der Symtpome bzw. des Verlaufs, dass er nie auf die Diagnose Schizophrenie gekommen wäre. Offiziell ist es jetzt Erschöpfung und Panikstörung, ich sollte sofort die Neuroleptika absetzen. Bekomme jetzt übergangsweise Tavor (Tranquilizer) zur Beruhigung und habe angefangen das Antidepressivum Sertralin zu nehmen. Das wirkt aber erst in ein paar Tagen. Aber insgesamt geht es mir nach dem Absetzen der Neuroleptika schon etwas besser, ich schlafe die letzten Nächte auch wieder so gut wie durch und einen "Anfall" bzw. Panikattacke bliebe bisher auch aus, zum Glück. Anscheinend war die Diagnose hebephrene Schizoprhenie wohl doch falsch. Das Gefühl verrückt zu werden bzw. dass alles nicht mehr real ist gehört wohl angeblich auch zum Krankheitsbild der Panik- bzw. Angststörung. Mal abwarten wie es sich entwickelt. Trotzdem danke für eure Antworten. Ich habe eure Ratschläge auch beherzigt und mir eine zweite Meinung eingeholt was zu einem ganz anderen Therapieansatz geführt hat. Ich hoffe nur, dass es der richtige Ansatz ist.

Gruß,
Caponie

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Mo 11. Dez 2006, 19:28

Grüss Dich Caponie,
also obwohl es ja jetzt schon gelaufen ist , hätt ich auch dringend geraten Dich an jemand anderes zu wenden.
Sicherlich ist eine solche Magerkur nicht ohne und kann vielleicht auch zu Spätwirkungen führen, denn %0 kg in so kurzer Zeit ist doch für den Körper eine Tortur.
Gleichzeitig haben solche Medikamente ja auch die von Dir beschriebenen Nebenwirkubgen, Unruhe - Zittern, sowohl bei Imap als bei Fluanxol. Und nach einmaligem Besuch solche Medikamente anzubieten in meinen Augen fragwürdig.
Sei froh dass Du Dich da weiter orientiert hast.
Wobei ich mich auch wieder frage wieso ein Antidepressivum.
Aber gut dass Du erstmal den anderen Kram abgesetzt kriegst - auch das Absetzen sollte mit entsprechender Vorsicht geschehen langsam weil auch das zu Absetzerscheinungen führt.
Alles Gute
Detlev
Des deutschen Bürgers ehrliches Sicherheitshirn vermag nicht den scheinbaren Sinn einer ausschließlich von der Nützlichkeit der Dinge bestimmten Wertung als Unsinn zu begreifen.


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