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Die Krankheit der bärtigen Lady

Verfasst: Do 27. Jul 2006, 05:39
von Jonas
Gestern habe ich im Web den interessantesten Buchtipp seit langem entdeckt: J. Michael Mahoney, "Schizophrenia: The Bearded Lady Disease" ('Schizophrenie – Die Krankheit der bärtigen Frau' - gibt es leider [noch] nicht auf Deutsch). 40 Jahre lang hat sich der Autor als Wissenschaftsjournalist mit Schizophrenie befasst und dabei genau 639 Berichte von Psychologen/Psychiatern, Patienten und Biographen schizophrener Berühmtheiten ausgewertet. Sein Fazit: Auslöser der Psychose seien verdrängte, unbewusste bisexuelle Gefühle und/oder Unsicherheiten in der Geschlechtsidentität. Diese unbewusst schwelenden Konflikte führten zu spezifischen Veränderungen im Hirnstoffwechsel, die sich dann in der psychotischen Krise entlüden. "Keine andere Spezies außer dem Menschen", schreibt Mahoney, "leidet an psychischen Erkrankungen, denn keine andere Spezies hat die intellektuelle Fähigkeit oder die Motivation dazu, sexuelle Gefühle zu unterdrücken." Und bei fast allen höher entwickelten Säugetieren und Vögeln ist bisexuelles Verhalten alltäglich.

"Schizophrenie", meint Mahoney, sei eine willkürliche Bezeichnung für das Endstadium eines Prozesses, der mit einer "leichten Neurose" beginne, die wiederum durch sexuelle Unsicherheit und Verwirrung ausgelöst werde. Je nachdem, wie schwerwiegend dieser innere Konflikt sei, komme es im schlimmsten Fall schließlich zur Psychose.

Nun ja, Psychiatern ist allgemein bekannt, dass Menschen in einer akuten Psychose häufig homosexuelle Impulse wahrnehmen. Aus der Sicht der Psychiatrie sind diese Gefühle für die Betroffenen aber hochgefährlich und müssen sofort unterdrückt werden, denn sonst verschlimmere sich die Psychose. Auf Deutsch: Statt den Leuten zu helfen, ihre Gefühle wahrzunehmen und zu akzeptieren, werden die Opfer in die Zwangsnormalität zurück"therapiert" – damit sie nur ja ihren Eltern keine Schande machen und den Psychiater selber vor einer Auseinandersetzung mit seinen eigenen verdrängten Gefühlen bewahren ...

http://www.medicalnewstoday.com/medical ... d=rssfeeds

http://www.authorhouse.com/BookStore/It ... 14330.aspx

Verfasst: Do 27. Jul 2006, 10:22
von deepnight
Hallo Jonas,

sicherlich kann eine latente Homosexualität ein auslösender Konflikt für eine Psychose sein. Daß es aber der einzig mögliche auslösende Konflikt wäre, bezweifle ich sehr. Ich denke, daß jede innerpsychische Konfliksituation und jede außerpsychische Stressstiuation (Krieg, Armut, körperliche Veränderungen wie Schwangerschaft, Pubertät...) Psychosen auslösen können. Eine einzige Konfliktsituation zum alleinigen Auslöser hochzustilisieren halte ich nicht für sinnvoll.

Woher stammt das Wissen, daß in der Psychiatrie homosexuelle Neigungen als hochgefährlich eingestuft werden und unterdrückt werden? Gibt es dazu Fachliteratur, die solches empfiehlt?

Gruß, Helene

Verfasst: Do 27. Jul 2006, 11:39
von Jonas
Da stimme ich Dir zu. Psychotische Lebenskrisen können alle möglichen Ursachen haben. Das ist ja genau der Fehler, den die wissenschafltiche Forschung, jedenfalls die psychiatrisch-biologisch orientierte, macht. Irgendwann kam jemand, Herr Bleuler war's, glaube ich, auf die Idee, eine Gruppe häufig (aber nicht immer) gemeinsam auftretender psychischer Symptome auf den Namen "Schizophrenie" zu taufen - und nun hat man eben diesen einen einzigen Namen und zieht unbewusst die Schlussfolgerung, es handele sich um 1 Krankheit mit 1 Ursache (so, wie 1 best. Virus Hepatits-B verursacht), die man nun seit über hundert Jahren erfolglos sucht. Das ist eine typische menschliche Reaktion, etwas, das mit einem Namen benannt ist, automatisch als ein einziges Ding zu betrachten. Die Wissenschaft sollte sich aber, finde ich, dieser unbewusst ablaufenden Logik bewusst sein. Stattdessen behandelt sie jedoch die "Schizophrenie" immer noch analog zu Hepatitis-B und Co. und sucht verzweifelt nach dem "Gen" oder der "Störung im Hirnstoffwechsel" o.ä., nach der einen einzigen Ursache für diese 1 Krankheit eben. Auf dem Weg wird man nie weiterkommen ...

Es gibt so viele Ursachen für Psychosen, wie es Psychose-Betroffene gibt. Latente Homosexualität ist eine davon und, meiner Meinung nach, eine häufige. Und schlimm finde ich es dann wirklich, wenn diese bis dato verdrängten, in der Psychose nun zutage tretenden Gefühle von der psychiatrischen Standard-Behandlung gleich wieder niedergeknüppelt werden.

Hallo

Verfasst: Do 26. Jul 2007, 00:18
von Solide
Hallo Jonas
Wie wurden Sie zurück Therapiert? Waren die Schäden irreparabel?

Nun ja, Psychiatern ist allgemein bekannt, dass Menschen in einer akuten Psychose häufig homosexuelle Impulse wahrnehmen. Aus der Sicht der Psychiatrie sind diese Gefühle für die Betroffenen aber hochgefährlich und müssen sofort unterdrückt werden, denn sonst verschlimmere sich die Psychose. Auf Deutsch: Statt den Leuten zu helfen, ihre Gefühle wahrzunehmen und zu akzeptieren, werden die Opfer in die Zwangsnormalität zurück"therapiert" – damit sie nur ja ihren Eltern keine Schande machen und den Psychiater selber vor einer Auseinandersetzung mit seinen eigenen verdrängten Gefühlen bewahren ...

Verfasst: Do 26. Jul 2007, 19:49
von Sophie
Hallo,

wozu sich mit den unterschiedlichen Ursachen der Psychose bei anderen befassen und den Psychiater mal wieder als Buhmann hinstellen? (das ist soooo abgedroschen laaangweilig)

Bleib doch lieber bei Dir selbst und schaue was Du für Dich tun kannst!

S.

Deine Antwort wollte ich nicht...

Verfasst: Sa 18. Aug 2007, 19:35
von Solide
Hallo
Ich wollte eigentlich Jonas Antwort haben und nicht deine. Danke trotzdem für dein Plädoyer an die Psychiater.

Verfasst: So 19. Aug 2007, 10:55
von Sophie
Hallo Solide,

da dieses ein offenes Forum ist, müssen Sie auch mit Antworten anderer rechnen. Wenn Sie eine private Diskusion wünschen, gibt es die Möglichkeit der Privatnachricht (pn).

Meine Antwort war für Jonas bestimmt! Sie müssen sich dabei nicht angesprochen fühlen!

Freundliche Grüße

Sophie