Schizophrenie und Rente

Hier posten Sie bitte alle spezifischen Beiträge zur Schizophrenie und zu anderen psychotischen Störungen.
-> Basis-Infos zum Thema "Schizophrenie" und zum Thema "Schizoaffektive Störung"
abicella
Beiträge: 1
Registriert: Mi 10. Feb 2021, 15:54

Schizophrenie und Rente

Beitragvon abicella » Fr 26. Feb 2021, 20:06

Hey hallo,

ich wollte mal in die Runde fragen wer von euch wegen Schizophrenie in Rente gegangen ist. Ich habe langsam keine Kraft mehr.

Ich bin zwar erst 29 Jahre alt, aber die erste Psychose hatte ich schon mit 18, also vor elf Jahren. Seitdem hatte ich (zusammen mit der ersten) insgesamt vier akute Schübe. Bei dem zweiten, der vermutlich durch ein Antidepressivum ausgelöst war, war ich sechs Monate in der Geschlossenen und danach bestimmt zwei Jahre depressiv. Die Ärzte vom Jobcenter haben mich da gefragt, ob ich in Rente gehen will, da war ich kurz vor meinem 27. Geburtstag. In den letzten zwei Jahren sind noch zwei akute Schübe gefolgt, das eine Mal war ich sechs Wochen auf der Offenen und das andere Mal vier Monate in der Geschlossenen. Die ersten paar Jahre hab ich noch Vollzeit gearbeitet zwischen der ersten und zweiten Psychose, aber jetzt die letzten Jahre nicht mehr viel, nur noch aufm zweiten Arbeitsmarkt und nen Minijob und ansonsten war ich krankgeschrieben. Am meisten machen mich eigentlich die Negativsymptomen fertig, also die gedrückte Stimmung und Antriebslosigkeit und das echt über Jahre.

Ich wollte von denen wissen, die in Rente ergangen sind wegen Schizophrenie, nach wievielen Jahren des Durchkaempfens ihr kapituliert habt und wie alt ihr da wart. Ich kenne in meinem Umfeld so einige, die auch erst Mitte zwanzig oder Ende zwanzig waren, die jetzt auf Grundsicherung rumhängen. Eine Verwandte, die jetzt Mitte sechzig ist, ist glaube ich auch so mit dreißig in Rente gegangen. Ist natürlich kein schönes Leben. Mit was verbringt ihr dann so euren Tag?

Ich hab kein Bock mehr. Ne Möglichkeit wäre noch noch einmal ein Antidepressivum auszuprobieren. Ich werds mal beim nächsten Arzttermine ansprechen.

Jürgen77
Beiträge: 88
Registriert: So 16. Mär 2008, 09:07
Wohnort: BY

Re: Schizophrenie und Rente

Beitragvon Jürgen77 » Do 25. Mär 2021, 20:53

Hallo Abicella,

also ich habe mit 32J. die Rente beantragt und bekommen. Zum Glück. Seit dem arbeite ich in einem Gebrauchtwarenladen
auf Minijobbasis. So hat man eine Aufgabe und noch etwas Geld extra. Ich hatte ca. 6 Jahre nach Erkrankung meist Vollzeit gearbeitet
und dann nach Akkutphasen keinen Ehrgeiz mehr mich abzukämpfen. Mit Medis ist das auch schwierig. NL aber keine Antidepressiva.
Ich habe glücklicherweise eine Lebensgefährtin. Auch einen Garten.
Ich hoffe, meine Antwort hilft Dir weiter.

Viele Grüße
Jürgen

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4515
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Schizophrenie und Rente

Beitragvon Laura » Di 30. Mär 2021, 11:11

Hallo Abicella!

Ich habe mich ca. 15 Jahre lang nach der ersten Psychose, die ich mit 16 hatte, im "normalen Leben" abgekämpft bis ich schließlich "kapitulierte" und einen Antrag stellte, um in einer Reha-Werkstatt aufgenommen zu werden. Was ich in diesen 15 Jahren aber gemacht hatte, hätte nicht ausgereicht, um EU-Rente beantragen zu können. Abitur, Studium, Studienabbruch, Pause, theoretische Ausbildung an einer Berufsfachschule und schließlich erste Versuche im erlernten Beruf bis die zigste Psychose zuschlug. Ich hatte in meiner Schulzeit und im Studium diverse Aushilfsjobs, also nicht in Form von Schwarzarbeit, aber auch nicht sozialversichert, und die kurze Zeit im Beruf hätte nicht für einen Anspruch auf EU-Rente gereicht.

Was man mir damals, im Jahr 2000, als ich mich entschloss, es mit einer Reha-Werkstatt zu versuchen, nicht sagte (die Psychohelfer, die ich damals um mich herum hatte, waren offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand), war, dass es außer Reha-Werkstätten noch einen anderen zweiten Arbeitsmarkt gibt, nämlich in Form von Integrationsbetrieben. Um dort genommen werden zu können, muss man aber, wenn mich nicht alles täuscht, von Hartz4 leben, also als Zeichen dafür, dass man noch arbeitsfähig ist. Mein ungefährer Eindruck von Integrationsbetrieben ist vom Hörensagen der, dass die Arbeit schon recht stressig sein kann, aber dass man mit dem Lohn einigermaßen über die Runden kommen kann. Oder anders ausgedrückt, obwohl man dort die Erkrankung nicht verschweigen muss, können sich die Beschäftigten wohl die Frage stellen, ob der Niedriglohn den Arbeitsstress wieder aufwiegt.

Ich lebe jetzt von Grundsicherung, war in den Nuller-Jahren sechs Jahre lang in einer Reha-Werkstatt und besuche nun seit zwölf Jahren eine Tagesstätte für psychisch Kranke. Ich kann meine "Armutszeugnisse" für Ermäßigungen nutzen (Monatskarte, Eintritt in Museen, Schwimmbäder u. ä, die Verpflegung in der Tagesstätte wird bezuschusst).

Vermutlich kannst Du tatsächlich einfach nicht mehr und dann ist es nur gut, dass Du Dich schonst. Aber, falls man Dir den Tipp mit der Teilzeitrente noch nicht gegeben hat, dann erkundige Dich mal, ob sich das für Dich nach einer ausreichenden Ruhephase für Dich lohnen könnte. Also EU-Rente beziehen und mit einer geringfügigen sozialversicherten Beschäftigung noch etwas dazuverdienen. Wahrscheinlich muss man hier und da Abzüge miteinkalkulieren, so wie auch der Bezug von EU-Rente später die Altersrente schmälert.

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


Zurück zu „Schizophrenie, schizoaffektive Störungen, andere Psychosen (ICD-10:F2)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast