Internetsucht

Hier hinein gehören spezifische Beiträge zu Suchterkrankungen sowie durch Suchtmittelkonsum hervorgerufenen psychischen Störungen
Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Internetsucht

Beitragvon Laura » Di 24. Nov 2015, 13:25

Liebe Su,

keine Sorge, Du hast bei mir, die ich hier meiner "Werkhalle" sitze und auf Godot warte, nichts losgetreten, jedenfalls hast Du mich nicht verwirrt oder verängstigt, im Gegenteil, Du hast mich sogar bestärken und trösten können. Aber noch lange bevor Du hier in diesem Forum aufgetaucht bist, hat mich selber immer wieder die Frage gequält, ob auch ich nicht in aller Unschuld und Gutmütigkeit etwas lostreten könnte oder vor langer Zeit etwas losgetreten haben könnte, dessen Aufräumarbeiten doch sehr langwierig und anstrengend sind. Da gäbe es einige Dinge, die nicht in Deinem Beitrag enthalten sind, denen ich solch ein Potenzial zutraue.

Aber auch in Deinem Beitrag hast Du eine brisante Frage gestellt, wegen der ich mir schon regelrecht Sorgen um Dich mache, wenn ich ehrlich bin. Du hast die Frage aufgeworfen, wo der Fehler liegt und bei wem. Angenommen, es gab mal ein Missverständnis auf dieser Welt, das weitere Missverständnisse nach sich gezogen hat. Dann würde es also um Aufklärung gehen, um für Sicherheit zu sorgen. Aber angenommen, die Aufklärung selbst, bzw. der oder die Aufklärer brauchen Sicherheit und Schutz für diese Aufgabe. Das läuft auf Langwierigkeit hinaus.

Wie sieht es mit Leuten aus, die bei "jemandem" den Fehler suchen, damit er ihn beheben möge, dabei aber entweder den Falschen Vorwürfe machen oder aber dem oder den Richtigen die falschen Vorwürfe? Auch dies ist Teil des Missverständnisspiels, das bisher ein ganz schönes Scheißspiel gewesen ist.

Sag mal, Du hast Deine Internetsucht als Aufhänger genommen, um hier mit Leuten zu kommunizieren, aber wie geht es Dir eigentlich?

So, muss jetzt Schluss machen, weil in der Tagesstätte für heute Feierabend ist.

LG

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Internetsucht

Beitragvon Su Wang » Mi 25. Nov 2015, 09:27

Hallo Laura,
... in Deinem Beitrag hast Du eine brisante Frage gestellt, wegen der ich mir schon regelrecht Sorgen um Dich mache, wenn ich ehrlich bin. Du hast die Frage aufgeworfen, wo der Fehler liegt und bei wem. Angenommen, es gab mal ein Missverständnis auf dieser Welt, das weitere Missverständnisse nach sich gezogen hat. Dann würde es also um Aufklärung gehen, um für Sicherheit zu sorgen. Aber angenommen, die Aufklärung selbst, bzw. der oder die Aufklärer brauchen Sicherheit und Schutz für diese Aufgabe. Das läuft auf Langwierigkeit hinaus.
Wir alle tragen irgendeine Schuld in uns. Genaugenommen werden wir Menschen schon in Schuld hineingeboren: Schuld und Verpflichtung, die Fehler der Welt, indem wir sie erkennen, nicht selbst zu wiederholen, möglichst wenig dazu beizutragen resp. zuzulassen, daß sie von Anderen wiederholt werden können - ... und, vor allem, uns für diese Aufgabe selbst auszubilden.

Nachdem wir Menschen ja alle auch unsere jeweiligen ... ich nenn's mal "Untugenden" ;) haben - Neid etwa, gegen jene, die es besser getroffen haben, oder auch Gier bspw., welche uns eine entstanden sein kann durch ständige Zurücksetzungen und Nichtbeachtetwerden seitens unserer Mitwelt, der Eltern nicht selten zuerst -, passiert es unvermeidbar zuweilen schon mal, daß wir in Interaktion mit Menschen um uns her durchaus auch unbewußt ( ! ) den einen oder anderen "Schaden" anrichten.

Irgendwann wird einem das selber dann auch bewußt.
Aber man hat's ja nicht in Absicht getan, und sollte sich dann späterhin auch nicht allzu sehr Schuldvorhaltungen deswegen machen.

Es lernen ja immer auch beide Seiten daraus. Beide aber in längst nicht immer aufeinanderzu strebenden Richtungen.
Wirkliche Aussöhnung wird's allenfalls in ganz wenigen Fällen eine geben. Und eine grundsätzliche sozusagen schon Vorab-Aussöhnungsbereitschaft sozusagen "vorzuhalten" würde diese Prozesse gar wohl hemmen.

Es reicht aus, wenn man was für sich selber draus lernt und das dann mit sich nehmen kann, anwenden auf die nächstfolgenden Begegnungen.

Die - hier nurmehr rhetorische ;) - Frage nach dem Fehler war so also eher nicht gemeint gewesen.
Bezogen war das darauf, daß man nicht (länger) meinen sollte, die Mitwelt trüge Verantwortung für wie der Mensch vielmehr eben selber an sich arbeiten und "feilen" müsse, damit dies beides irgendwann mal wieder zusammenpaßt, halbwegs harmonisch sich eines ans andere fügt, Mensch und seine Mitwelt. Für den Fall, daß es schon irgendwann mal leidlich zusammengepaßt hatte und später aus den Fugen geraten war, oder eben überhaupt erstmals; ein junger Mensch sich also mit der Welt, wie sie nun mal ist, abfinden lernen oder aber an den von ihm für notwenig erkannten Veränderungen arbeiten sollte - an jenen welche die Gesellschaft dringend nötighat, wie auch eben arbeiten an sich selber.

Die Hauptverantwortung dafür, die angebotenen Werkzeuge zu benützen, liegt bei einem jeden selber.
Man sollte viel weniger erwarten, daß Andere dies an und mit einem tun würden.

So wie wir alle nur kleine Rädchen sind in diesem "Gesamt-Uhrwerk", so ist auch der Anteil unserer individuellen (Mit-)Schuld gering, wo einer das insgesamt nur schwer aushalten schafft - uns, seine Mitmenschen, nur schwer aushalten schafft -, und es summiert sich dann in der Folge, sodaß er eben Schaden nimmt.

Sowieso kannst Du gar nicht wissen, wie das, mit dem Du dann auf so jemanden einwirkst - bewußt vielleicht, oftmals aber auch völlig unbewußt -, wie er das aufnimmt und was es bei ihm vielleicht bedient dann, wenn er bspw. eh schon allergisch auf das jeweilige eingestellt wäre.

Etwas anders schaut's aus nachher, wenn man eindeutige Signale erhält, daß es demjenigen zu viel werden könnte, seine Grenzen überschritten werden, und macht aber dennoch weiter, nachdem man nun drauf hingewiesen ist, daß es falsch oder auch nur der falsche Weg, die falsche Form, wäre.

So, wie Du, wenn Du durch unberührte Natur gehst, dort Spuren hinterlassen wirst, mindestens ein paar Käfern und Würmern für eine von uns als kurz empfundene Zeit - ... und was es im eh nur kurzen Leben der Käfer und Würmer bedeutet, können wir gar nicht nachempfinden -, ein beklemmendes Gefühl auslösen wirst, so bleibt es auch in der Interaktion zwischen Menschen, einfach nur infolge Deiner Teilnahme am Leben, nicht aus, daß zuweilen "Späne fallen".
Die Alternative, dies konsequent zu vermeiden, wäre, daß man sich selber gar nicht erst bewegt.

Ich selber habe sogar sehr schwerwiegende, und, infolge dessen, daß die Leidtragenden inzwischen nicht mehr am Leben sind, auch unverzeihliche Schuld auf mich geladen.
Doch stellt meine Suche in dem Sinne keine Sühnehandlung dar.

Wir, die wir uns hier zusammengefunden haben, sind zum Zwecke der "Reparatur" oder mindestens Wartung hier.
An uns selber liegt es, ob wir es überhaupt zulassen wollen, daß etwas repariert oder gewartet wird.
Man kann sich auch beharrlich dagegen sperren. Und noch nichteinmal würde die mit sich selbst befaßte Welt es auch nur bemerken.

Im Moment bin ich gerade in einer persönlichen Phase, wo mir Gelegenheit gelassen ist, drüber nachzudenken.

Es liegt allein bei mir, ob ich da jetzt leiden will.
Eher suche ich wohl nur noch nach Verifizierung dessen, was ich eh schon längst alles selber weiß.

... die Wissenschaft werd' ich damit wohl kaum nennenswert beeindrucken schaffen ;)

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Internetsucht

Beitragvon Laura » Mi 25. Nov 2015, 13:49

Liebe Su,

Du machst gerade eine Verschnaufpause, wenn ich Dich richtig verstehe. Auch eine Verschnaufpause davon, für dümmer und grausamer gehalten zu werden als Du bist, allerdings im schützenden Gewand der "Coolness"? Kann ja sein, dass Du in diesem Gespräch die A priori-Wissende bist und ich diejenige, die zwar unwissender ist, dafür aber schon mehr Verifizierungsarbeit hinter sich hat als Du, wobei ich dann wahrscheinlich zufriedener und auch gewärmter bin als Du, aber wirklich glücklich auch noch nicht, zumal es mir immer noch nicht nur auf meine Selbstanerkennung ankommt, sondern durchaus auch auf Anerkennung von anderen, um hier mal nicht eine missverständliche Diskussion über Liebe loszutreten.

Was Deine "unverzeihliche Schuld" angeht, so vermute ich, dass Deine Formulierung, die sich wie eine hohle Geste anhören könnte, doch nur mal wieder Dein tiefes Leid verbergen soll. Zum einen, um andere so gut wie möglich schützen, zum anderen, weil Du erst selber noch die Kraft sammeln musst, um zu verifizieren, dass Du nicht einfach nur die "Kraft bist, die stets das Böse will und das Gute schafft". Sofern Du etwas "angezettelt" hast, was lange Zeit missverständlich war und was auch zu Fehleinschätzungen Deiner Person geführt hat, so kann man schon deswegen nicht von einer "unverzeihlichen Schuld" reden, wenn Du dabei immer wieder die Hauptlast getragen hast, ohne von Masochismus zu reden.

Du kommst mir vor wie jemand, der sich gut verstecken kann, aber eigentlich doch gefunden werden möchte. Du wartest auf den Richtigen zum richtigen Zeitpunkt und musst den Richtigen zum Richtigen machen. Er hat aber auch Deine Anpassung nötig. Schlimmeres und Schlimmstes sind schon am ersten Tag verhindert worden. Jetzt geht es nur noch darum, nicht auf Albträume und Falschmeldungen hereinzufallen

LG

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Internetsucht

Beitragvon Su Wang » Mi 25. Nov 2015, 23:16

Ich ringe gerade etwas um Orientierung, Laura ...

Eine sehr sympathische Formulierung find' ich, daß Du Dich "gewärmt" fühlen kannst. Eigentlich mehr noch, daß Du offen bekennen Dich traust, zu Gefühlen des Gewärmtseins bereits (wieder) hingefunden zu haben.
Auch denk' ich, daß dies alleinig - zumindest aber maßgeblich - als Ergebnis Deiner eigenen Bemühungen zu sehen sein wird, die eigenen Füße über alle Zeiten von Verunsicherungen hinweg stets auf dem Boden zu halten, resp. sie dahin wieder zu bringen, für den Fall, dieser Kontakt wäre überhaupt irgendwann mal in Frage gestanden.

Konkretes kann ich nicht wissen, und muß es auch nicht.

Doch sollten wir uns jetzt bitte auch nicht verlaufen in Mutmaßungen, nachdem mir allmählich ein Verdacht entstehen will, Du könntest mich mit jemandem verwechseln, den Du kennst.
Kennen dürftest' mich eigentlich nicht.

Zwar kann ich soetwas nicht grundsätzlich und zu 100 Prozent ausschließen, da es mir immer mal wieder passiert, ich red' mit irgendwem und bemerk' es ewig selber nicht, daß ich mit dem längst schon zu tun hatte. Leider muß ich, was das anlangt, eine gewisse Oberflächlichkeit, oder nenn' es "Merkschwäche", bekennen.

Und bitte entschuldige, wenn das wahrscheinlich ja gar nicht zutrifft.

Nur erschließen sich mir halt einige von Deinen Sätzen nicht länger:
Was Schlimmes ist verhindert worden ... ? Wer ist evtl. von Albträumen gebeutelt ... ? Welche Falschmeldungen könnten das sein, die Du offenbar meinen könntest ... ?

Fragen über Fragen ;)

Vielmehr geht's mir mit diesem Thema tatsächlich nur um das, was der Threadtitel auch wirklich nur meint, und ich versuch' auch nicht mehr Informationen zu erlangen als sich darauf verwerten lassen.

Deine Vermutung, ich hätt's vielleicht "als Aufhänger" gebraucht, ist falsch. Und es war auch kein Zufall, daß ich da hergefungen hab', sondern hab' ich hier einen Thread gefunden - ... sag' jetzt aber auch nicht welchen ;) - wo sehr vieles drinnen zu finden war, was mich bei dem Thema interessiert. Leider lassen sich von dort keine weiteren Informationen mehr erlangen. So bleibt mir nichts als Warten, bis mal wieder wer Betroffener sich einlassen mag.

Solange sehe ich mich in brillanter Gesellschaft, und will gern das meine beitragen, damit vielleicht noch der oder die eine oder andere dieses Forum im Netz entdecken könnten. ;)

Ich seh', wie tiefgründig und engagiert Deine Beiträge sind - auch die von Anderen: Remedias, Tom Sawyer - und nicht zuletzt find' ich darin bestätigt, daß man für sich selber mit Nachhaltigkeit viel erreichen kann.
Weiß nicht, ob ich es auch nur ähnlich lang schaffen könnte.

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Internetsucht

Beitragvon Su Wang » Di 1. Dez 2015, 00:58

So, dann will ich dieses in den Sand gefahrene Vehikel hier jetzt mal wieder mit etwas Input-Brei füttern, "dünnflüssigem" ;) , im Hoffen, es käme so nachher vielleicht doch noch in Fahrt ...
Wirkliches Benzin hab' ich dafür keines auftreiben können. Denk' auch, dafür ist auch noch kein so richtiges entwickelt worden. Also auf's Thema bezogen jetzt gemeint.

Nichts ist für einen Süchtigen schlimmer, als wenn nichts mehr drinnen ist in bspw. der Flasche ;) , und er aber eigentlich doch immerhin noch soviel schon einsehen schafft, daß er selber ganz alleinig es war, der schuld ist, weil er's ja "verschüttet" hat - ... ganz gleich, ob in sich hinein oder aber daneben, weil's im Grund dasselbe ist: Es ist weg, und er davon nicht sattgeworden.

(Alles bitte nur im übertragenen Sinne sehen zu wollen. Metaphorisch sozusagen. Sowohl Flasche, die's bei mir ja keine ist, und genauso aber auch das Sattwerdenwollen, was es auch keines ist, weil, satt bin ich durchaus, und eher ist's dann nurmehr ein Problem der eigenen Bewußtmachung.)

Auch bemerk' ich's grad selber schon: Man kann einer Sache kaum noch sehr viel mehr schaden, als wenn man sie unter eine verheißungsvolle Überschrift stellt, und, was dann folgt, erfüllt nicht im Mindesten die vielleicht ausgelösten Erwartungen.

Weiß natürlich nicht, wie viele Gäste das Thema hier schon aufgesucht hatten, die sicher aber nicht gefunden haben werden, was sie sich möglichenfalls erhofft hatten.

Daher will ich's ab jetzt noch mal neu angehen ...

Ich räum' ein, selber ein wenig auch arrogant zu sein; vielleicht sogar noch mehr als nur ein wenig. ;)
Arroganz, und etwas aber selber nicht besser zu können, das paßt ja jedenfalls schon mal ganz gut zueinander, und ist "im richtigen Leben" so dann auch der Schlüssel zu vielem.

... und mit dieser Arroganz behaupte ich:
Alles, was die Psychiatrie und Therapien der Sucht derzeit erst nur entgegenzusetzen haben, sind bestenfalls Krücken nur.

Man könnt's als stilles Eingeständnis sehen, daß an der Prägung, welche ein Mensch erfahren hat, woraufhin ihm dann diese Suchtneigung resp. -anfälligkeit entstanden ist, späterhin ja eh nur wenig nochmal wieder geändert werden kann, und es somit Sache der Psychiatrie nur insoweit ist, denjenigen abzuhalten, daß er sich am Ende irgendwann damit Ölens ruiniert.

Als Beispiel: Ein sogen. "trockener" Alkoholiker ist längst nicht befähigt, mit seiner Veranlagung zu leben; einzig daß ihm eine Disziplin - eingeimpft oder aus eigener Einsicht - verbietet, sich gehen zu lassen, nachdem er die Hölle hinlänglich durchlitten hat
Die in der allgemeinen Polemik so vielstrapazierte "Freiheit" des Menschen, hierzu "erklärt" man ihm, daß die für ihn jedenfalls nicht in vollem Maße noch gelten könne, er halt nicht frei sein könne, weil er ja eben "krank" sei ...

Damit ich mich aber nicht gleich schon wieder in Abschweifungen verlauf', hier mal kurz eingeworfen einige "frei erfundene Hypothesen" wie ich vorhabe, solche hier zu publizieren und der öffentl. Diskussion auszusetzen ;) , die ganz bewußt alles auslassen, was die Wissenschaft dazu derzeit noch meint; nur eines nicht: eine gewisse Logik, wie ich hoffe. ;)

(Denk' mir, daß ich's vielleicht mit einer Durchnumerierung kenntlichmachen sollte, was diese meine - einigermaßen einsamen - "Einsichten" in der Sache sind, damit keiner auf die Idee bitte kommen sollte, in Lehrbüchern etwa nach Entsprechungen zu suchen. Es ist ganz gewiß nirgends abgeschrieben. ;)
Zudem: Die Reihenfolge entspricht dem, wie es mir grad einkommen wollte. Eine Systematik suche ich dafür derzeit absichtlich noch keine. Das könnte im Moment nur aufkeimende Gedanken verschütten.)
  • These No.1:

    Der Süchtige sucht in Momenten der Ausübung/Auslebung seiner jeweiligen Sucht ganz bewußt auch die Abschottung von seiner Mitwelt. Etwas, wo in diesen Momenten keiner mehr einen Zugriff auf seine Gefühlswelt haben soll - außer eben das Medium, welches er sich für diesen Zweck erwählt hat, mitsamt allen seinen spezifischen Wirkmechanismen.
    (Hierzu wird später die Frage zu stellen sein, warum dies einem Süchtigen überhaupt als ein Ausweg erscheinen will, und wessen entkommen zu können, er sich auf diese Weise erhofft.)

    These No.2:

    Der Süchtige fährt in den Momenten, wo er sich bewußt dann der Ausübung seiner Sucht widmen, sich ihr endlich voll hingeben kann, nachdem alle sozial geschuldeten Sachzwänge zu diesem Zwecke vorab selbst auch schon heruntergefahren sind, alle "nur ablenken würdende" Empfindungsfähigkeit für Ereignisse um ihn her herunter, und will nur dieses eine dann endlich nicht mehr zulassen müssen: Will nicht verzichten müssen (auf die Suchtausübung).
Ich persönlich habe mir schon manches Mal die Frage gestellt, welcher sonstigen Untugend ich mich wohl zugewandt hätte, wäre das Internet - ... das ich auch ganz unabhängig hiervon für eine böse Waffe in den Händen der Menschen halte; nur scheinbar beherrschbar, doch beherrschen sie es lediglich seiner Funktionalität nach, erkennen aber nicht, was sie im Großen und Ganzen sich selber damit antun - nicht erfunden worden. Nachdem ich mich auch spät erst auf's Internet überhaupt hatte einlassen können, während ich die Vorzüge eines Computers indessen nie verkannt und zuvor also noch hinlänglich hatte auf mich wirken lassen können, werd' ich's zumindest insoweit noch untersuchen können, was dieses Einlassen dann letztlich bewirkt hatte.

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Internetsucht

Beitragvon Su Wang » Mi 2. Dez 2015, 12:26

These No.3:

Einmal auf eine Art der Sucht festgelegt - möglich durchaus, daß erst noch, von ihm selber, eine gewisse Vorläufigkeit damit "gemeint" ist -, erspürt der Süchtige, daß es keine wirkliche Steigerung mehr geben wird.

Er stößt damit jedesmal (mit Ausübung / im Sich-Ergeben seiner Sucht) durchaus bewußt in eine gewisse Leere vor, deren Ödnis und Fadheit ihm dabei voll bewußt sind, die er indessen dem alternativen Sich-Stellen-Müssen, den Herausforderungen des Lebens im Allgemeinen, genauso aber auch selbst nur simpler Tagesaufgaben, vorzieht.

Benutzeravatar
Su Wang
Beiträge: 64
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 01:16

Re: Internetsucht

Beitragvon Su Wang » So 13. Dez 2015, 17:46

Manchmal gerat' ich in Zweifel, ob es eine "Internet-Sucht" überhaupt gibt ...

Was jemand sucht, der ihr verfällt, ist einigermaßen offenbar: Im Grunde sind's Leute, die schon als Kind sich irgendwie "beobachtet" fanden, und am Computer sozusagen jetzt ausleben können, daß sie jetzt diejenigen sind, die Andere und die Welt quasi beobachten können, ohne selbst gesehen zu werden. ;)

Bloßstellung kann man in verschiedenster Weise erfahren - ... "nur via Internet halt keine, sofern man's nur gescheit genug anstellt", müßte dieser Satz eigentlich lauten.

Nun wissen wir aber alle, wie sehr gerade im Internet, Menschen, speziell junge, unter den "Bloßstellungen" leiden, die da von der Meute - oder zuweilen auch nur einzelnen Gestörten - gegen sie inszeniert werden.
Hierinnen überschneiden sich diese Dinge sozusagen: Das Instrument entgleitet ihnen nicht lediglich, sondern es verfolgt sie. Der Albtraum schlechthin.

Vielleicht metaphorisch am ehesten erklärt, nachdem dies eigentlich ja kein Podest ist, auf dem einer steht, und von da aus mit der Welt "zu kommunizieren".
Eher wohl weniger ist es das - weder wirkliche Bühne noch wirkliche Kommunikation -, und an jedem Anfang eh noch lang noch nicht, denn da muß man ersteinmal die Regeln begreifen lernen und wird erst danach entscheiden können, inwieweit man sich einläßt und beteiligt.

Jene, die meinen, den Rest der Menschheit unbedingt via dieses Medium auf ihre - oftmals lediglich vermeintlichen - Talente aufmerksam machen zu müssen, sollte man hier nicht mit einrechnen. Die würden, gäb' es das Internet nicht, halt Bücher schreiben, die nachher auch bloß wieder keiner liest.

Vielmehr ist dieser Platz vor dem Computer lediglich nichts anderes als eine Nische; ringsher nur Wände, und nach vorn will man nicht, weil man ja eigentlich nicht gesehen werden wollte ...

Ich seh' jeden Tag Schüler-Haufen ;) an meinen Fenstern vorbeiziehen. Ein jeder mit seinem Smartphon befaßt. Wahrscheinlich würden sie aufplärren, würde man sie in kleinen abgeschlossenen Containern "transportieren". Aber es würde sie versöhnen, und bald würden sie es gar nicht mehr bemerken, sofern man ihnen ihr "Kommunikationsmittel" dabei beließe dann.

... und jene, die sich medial gemobbt plötzlich finden, finden sich in dieser Nische nun von grellem und extrem fiesem Licht angeleuchtet.

Die perfide "Waffe Internet" ist für sie in dem Fall nach hinten losgegangen.
Sie sind nichts anderes als halt nur die Ersten, die es zu spüren bekommen - ... während die übrige Welt weiterhin dem kollektiven Wahn huldigt und lediglich bemerken zu wollen sich vehement weigert, welche irreparablen Wunden diese unselige Erfindung, der vermeintliche "Fortschritt" auch der Gesellschaft als Ganzes längst geschlagen hat, wogegen das, was es mit den Individuen tut, fast als das weit geringere Übel nur anzusehen ist.

Bitte, das soll jetzt nicht als wüstes Zurückbeißen gesehen werden, nachdem ich selber diesen ganzen Scheißdreck für mich einfach nur nicht beherrschen schaffe.
Sollte lediglich zur Erklärung nachgeschoben sein, daß diese ursächlichen Bloßstellungen, wie ich sie hier als Grund angeführt hatte, warum jemand überhaupt seine Hoffnungen dann auf dieses Internet setzt - diesen immer nur Ersatz für ein wahrhaftiges soziales Netz, welches er also schon fertig geknüpft da vorfindet, statt daß er überhaupt nur nennenswerte Mühe darauf noch verwenden müßte, selber über seine Position im Gesamt-System nachdenken zu müssen - nicht jene Bloßstellungen meinen, wie sie sich nachher aus dem ergeben, was die Gemeinschaft schlechthin am Bloßstellen nur gutfinden kann, wo's nachher darum geht, auf jemanden als schwächer Ausgemachten sauber konzertiert einzuhacken.

Daraus folgt These 4:

Internetsüchtige sind weit weniger "Herdentiere", "geborene" schon gleich dreimal keine, so sehr sie sich auch der Mittel und Möglichkeiten der Herde bedienen versuchen, um vielleicht doch noch irgendwann einmal als zugehörig anerkannt sich fühlen zu können.
Sie haben sich dieses irgendwann einmal empfundene Gefühl (leider) bewahrt, schwächer und weniger genügend als die Anderen zu sein. Im Net suchen sie mehr oder weniger nach Gegenbeweisen.

... und nicht selten verlaufen sie sich dabei ...

Nun bin ich noch gar nicht zu dem gekommen, was ich eingangs diese Beitrages angerissen hatte und auch noch hatte ausführen wollen.
Hätte sich bezogen auf viele stupide Dinge, die ich am Computer tu', wo ich das Internet dann eigentlich nur marginal noch brauchen würde. Grad mal, um irgendetwas nachzuschlagen oder "Material" nachzuladen, in welchem ich nachher wieder sauber absaufen kann ...

... aber ein klein wenig Spannung soll diesem meinen Monolog ;) ja auch noch erhalten bleiben - ... so fad die ganze Angelegenheit im Realen auch immer ist ... ;)

Sie sind, wie alle Süchtigen, arme Würschtln.

Bild


Zurück zu „Sucht und Abhängigkeit (ICD-10:F1)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast