Pep - Suchtverlagerung

Hier hinein gehören spezifische Beiträge zu Suchterkrankungen sowie durch Suchtmittelkonsum hervorgerufenen psychischen Störungen
Wasabi
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Pep - Suchtverlagerung

Beitragvon Wasabi » Di 18. Nov 2014, 08:46

Hallo zusammen,

ich stell mich mal schnell vor. Frau, 36, einen an der Waffel und aktuell wieder ein Drogenproblem.

Dem Alkohol und dem Rauchen konnte ich abschwören.

Vor einigen Jahren habe ich ein paar Monate lang täglich und viel Pep gezogen. Ich weiß gar nicht, was es mir eigentlich gebracht hat, es muss Scheißzeug gewesen sein. Hatte deswegen wahrscheinlich auch so gut wie keine Schwierigkeiten, damit von heute auf morgen wieder aufzuhören.

Seit 2 Monaten jetzt lebe ich in einer betreuten 3-er WG. Und vor etwa 4 Tagen erzählte mir eine der beiden, dass sie eine superverlässliche und mit top Qualität vorhandene Pep Quelle hat. Ich habe eine Pro und Contra Liste erstellt. Contra hat eindeutig gewonnen. Trotzdem war mein Suchtgedächtnis schon längst angeknipst. So haben wir zwei uns in den letzten 4 Tagen abends, tags und vor allem nachts das eine oder andere oder noch weiter andere oder hier und da noch eins, reingezogen. Es war total super. Wir saßen hier, haben uns unterhalten wie die Wilden, mussten über Kleinigkeiten lachen, als wären wir dumm. Dieses Pep ist von einer geilen Qualität. Noch feucht, muss erst noch getrocknet werden. Dementsprechend scheppert das auch noch in der Birne. Man kann klarer denken, schneller denken, detailierter denken. Und hat gleichzeitig noch einen sitzen.

Nach 2 Tagen ohne Schlaf und Essen kamen die ersten Ausfallerscheinungen. Ich habe erst etwas bemerkt, als ich, wie ich es nenne, Gesichtskirmes bekam, meine Mimik also machte, was sie wollte. Das war das Stop-Zeichen. Von meinem Psychiater bekomme ich Tavor und Zolpidem. Das Tavor reduzieren wir gerade. Körperlich ist mir das völlig egal, ob es nun 3 oder 2mg sind. Aber im Kopf kommt das Problem. Der nimmt mir meine Krücke weg. Der hat mir das neulich verschrieben, als es mir so verdammt scheiße ging. Jetzt riskiert er, dass ich wieder zurück falle. Als ich dann auf Pep war, waren mir die Pillen egal. Glücklicherweise. So konnte ich gestern morgen diese Pillen nehmen, 4 Stunden schlafen, was essen, Pillen von drüben von den Mitarbeitern für gestern holen. Aus dem Dosett habe ich dann auch direkt wieder das Tavor und das Zolpidem genommen und mich nochmal etwas hingehauen. So war ich gegen 14.00 wieder voll einsatzfähig. Hatte aber natürlich nun gestern abend keine Pillen mehr. Deshalb hab ich die Nacht wieder durchgezogen. Bis jetzt merke ich aber nichts von einer Überdosierung. Ich werde aber ca. in einer Stunde aus dem Büro meine heutigen Pillen holen und das genauso machen wie gestern.

Das eigentliche Problem ist jetzt...ich ziehe jetzt wieder seit 4 Tagen. Da kann jeder kommen und sagen, ey, 4 Tage, das ist doch noch nichts, hör besser jetzt als gleich direkt wieder damit auf, bevor du dich in Schwierigkeiten bringst. Das weiß ich auch. Und das würde ich auch gerne, weil das natürlich auch auf die Dauer überhaupt nicht zu finanzieren ist. Von der Gesundheit mal ganz ab. Und ewig Blitzbirnig werde ich davon auch nicht bleiben. Körperlich würde jetzt auch nichts dagegen sprechen, den Dreck wieder sein zu lassen. Aber der Kopf. Die Suchtverlagerung. Nimmt er mir die Krücke, suche ich mir halt eine andere, auch, wenn das ein Zufall war. Fällt mir jetzt beides weg, gehe ich vor die Hunde. So ist die Angst. Ich weiß nicht, ob das jemand nachvollziehen kann, was ich meine. Hm, aber wo, wenn nicht hier, wäre Platz für solche Fragen und Gedanken?

Kennt ihr das oder habt ihr eine Idee für mich?

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fluuu
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Re: Pep - Suchtverlagerung

Beitragvon fluuu » Di 18. Nov 2014, 13:29

Hallo,
Deine Einstellung klingt nicht gut denn das Leben basiert nicht auf stoffliche Suchtmittel,
weder auf Tavor noch auf irgendetwas anderes.
Wenn Du meinst ohne solche Stoffe nicht leben zu können ist eine Entgiftung und ein
Entzug dringend geraten um von den Stoffen loszukommen und ohne zu leben.
Mit diesen Suchtstoffen ist das Leben eher stark begrenzt und eingeschränkt.
Nur die dem Gehirn eigenen Opiate sind ein positiver Stoff für Spaß und Freude
aber auch sie haben schädliche Wirkung wenn man sie überstrapaziert.
Die Aktivierung dieser Opiate geschieht in vielfältiger Form, Natur, Sonne, Bewegung, Sport usw.
aber am stärksten wenn man eine eigene Schwäche, den inneren Schweinehund überwunden hat.
Alles Reden hat wenig Sinn, ein Süchtiger lebt lieber exzessiv und kurz...
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
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Awinah
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Re: Pep - Suchtverlagerung

Beitragvon Awinah » Di 18. Nov 2014, 21:54

:morning: :n00b:
Zuletzt geändert von Awinah am Sa 27. Dez 2014, 23:37, insgesamt 2-mal geändert.

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HarleyQuinn
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Re: Pep - Suchtverlagerung

Beitragvon HarleyQuinn » Sa 22. Nov 2014, 09:47

Hallo Wasabi,

Ich habe in meinem Bekannten-und Familienkreis Personen mit einer Suchtproblematik, reicht von Alkohol bis eben wie erwähnt Pep,und was du beschreibst erinnert mich an den ein oder anderen.
Ganz wichtig um von der Droge, in deinem Fall Pep, loszukommen ist es sich Aufgaben zu suchen,die einen Spaß machen und erfüllen. Ein Hobby oder Arbeit im weitesten Sinne (zB Ehrenamtlich, Praktikum...), auf der einen Seite nimmt das Zeit in Anspruch (zuviel Zeit und zuviel Drogen verträgt sich leider zu gut) und auf der anderen hast du etwas in deinem Alltag, dass dir Struktur gibt.
Um so etwas zu finden wäre es gut, wenn du dich mit dir auseinandersetzt. Anstatt das Pro und Contra für Pepkonsum aufzulisten würde ich vorschlagen, dass du aufschreibst was dir an dir gefällt (deine Stärken), was du gerne erreichen möchtest (große (zB Haus besitzen) und kleine ziele) und was du tun kannst um die zu erreichen. Die Tatsache, dass du dich hier angemeldet und geöffnet hast spricht für mich schon dafür,dass du es dir selbst durchaus wert bist einen nächsten Schritt zu gehen.
Gleichzeitig wäre es gut,wenn du dich ganz realistisch fragst,was alles passieren kann/wird wenn du weiterhin deine Schlaf/WachRhythmen Substanzabhängig machst. Neben Geldproblemen kommen ein Haufen sozialer Probleme, und jeder Süchtige endet damit,dass nur noch die Beschaffung und der Konsum der Droge sein Leben bestimmt. Das ist keine Selbstenfaltung.
Ich bin keine Expertin und keine Betroffene, meine Vorschläge leite ich aus meiner (Sekundär)Erfahrung ab.
Ich hoffe du hast reelle Unterstützung und wenigstens eine Person,der du alles anvetrauen kannst. Den Weg aus der Sucht schafft keiner alleine, und dafür ist Gesellschaft schließlich da: Um aufzufangen was der einzelne (temporär) nicht leisten kann.

Lieben Gruß
“If we don't have each other, we go crazy with loneliness. When we do, we go crazy with togetherness.”
The Stand von Stephen King

"Fast überall wo es Glück gibt, gibt es Freude am Unsinn."
Friedrich Nietzsche


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