Welche Therapien bei Alzheimer?

Hier hinein gehören alle spezifischen Beiträge zu dementiellen Syndromen und anderen psychischen Störungen als Folge einer Hirnverletzung/-erkrankung oder einer anderen organischen Krankheit.
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Natalie
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Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Natalie » Do 23. Feb 2012, 09:14

Hallo,

ich weiß nicht so recht ob ich hier richtig bin, da Demenz ja nur eine Erscheinung von Alzheimer ist /oder andersrum).
Ich habe eine an Alzheimer erkrankte Oma, deren Zustand wirklich immer schlechter wird. Wir haben bereit s Widerruf gegen die Verweigerung der Pflegestufe eingelegt und warten derzeit auf das Ergebnis.
Der Gedanke ist ein Altersheim zu suchen (wegen der langen Wartezeiten). Machen alle Heime gleiche Therapien und welche Therapien eignen sich speziell bei dieser Krankheit?

Als sie in der Nervenheilanstalt war (4 Wochen) haben sie Sport gemacht, Postkarten gemalt, Ketten geknüpft etc...also alles was mit den Händen zu tun hat. Ist das eine solche Therapie?

Wer kennt sich damit aus? Auf was muss man achten?

Ich freue mich auf eure Antworten und hoffe auf einige Erfahrungen!

Vielen Dank,
Natalie
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fluuu
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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon fluuu » Fr 24. Feb 2012, 20:13

Hallo,
Alzheimer ist eine Form der Demenz, die am häufigsten Vorkommende, es gibt noch
Vaskuläre Demenz, Morbus Pick, Frontotemporale Demenz und andere Demenzformen.
Hatte in der theoretischen Ausbildung das Thema Demenz aus psychologischer Sicht
behandelt aber habe relativ wenig praktische Erfahrungen da nicht im Altersheim beschäftigt.
Bei der Alzheimer-Demenz gehen Nervenzellen zugrunde, meist altersbedingt und weniger
wegen akuter krankhafter Störung.
Für medikamentöse Behandlung der Alzheimer-Demenz gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Der Alzheimer-Kranke sollte geistig und körperlich entsprechend seinen Vorlieben und
Fähigkeiten gefordert, jedoch nicht überfordert werden. Das bedeutet ihn anzuhalten,
dass viele Aktivitäten noch eigenständig durchgeführt werden und der Patient nicht durch
Verlernen alltäglicher Dinge verfrüht pflegeabhängig wird.
Die beste Methode mit dem Alzheimer-Kranken umzugehen ist die Realität des Dementen
anzunehmen, seine aktuellen Gefühle und Verhaltensweisen „für gültig zu erklären“ und
wertzuschätzen, wie allgemein ein humaner Umgang mit akut psychisch kranken Menschen
zu empfehlen ist.
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Natalie
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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Natalie » Mo 27. Feb 2012, 08:56

Danke für deine Ausführungen.
Wie erkrankte Patienten generell zu behandeln sind etc. weiß ich Bescheid.

Die Frage war aber eher gewesen welche genauen Therapiemöglichkeiten sinnvoll sind bzw. worauf man bei der Suche nach einer externen Einrichtung in diesen speziellen Fall achten sollte.

Hat hier jemand eine Antwort?

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Grobser
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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Grobser » Mo 27. Feb 2012, 09:33

Hallo Natalie,

heute gibt es bereits Heime, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken ausgerichtet sind. Da spielen sowohl therapeutische Konzepte als auch räumliche Kriterien eine Rolle. Hier steht im Vordergrund, die noch vorhandenen Fähigkeiten der Demeznkranken zu nutzen und so gut es geht im Alltag zu integrieren, indem die Bewohner z.B. in die Essensbereitung mit einbezogen werden. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, wie es individuelle Krankheitsverläufe und –stadien gibt und es ist naütrlich der Idealfall. Aufgrund des demografischen Wandels wird es solche Heime in weiter Zukunft sicher wie Sand am Meer geben, weil der Bedarf einfach erkannt wurde.

Traurige Wirklichkeit heute ist aber noch, dass ein Demenzkranker in einem „normalen“ Pflegeheim landen muss, wo er diese Aufmerksamkeit und Förderung gar nicht erhalten kann. Ich will dir das nicht zu düster malen, aber du wirst damit rechnen müssen, dass sich deine Mutter in einem solchen Pflegeheim selbst überlassen sein wird. Für das spärlich besetzte Personal ist ein ggfs. sedierter Mensch im Pflegebett schlicht einfacher handelbar, als einer, der ständige Aufmerksamkeit sowie eine spezielle Ausbildung benötigt, um adäquat in Kontakt treten zu können.

Auf der Suche nach einem geeigneten Haus solltest du daher auf vorhandene Validationskonzepte achten und das Vorhandenensein in Vorgesprächen auch durchaus hinterfragen. Sind die Mitarbeiter in Validation geschult, kannst du vielleicht davon ausgehen, dass auch eine Bereitschaft besteht, sich auf deine Mutter einzulassen, selbst dann, wenn es im allgemeinen Stressalltag schwierig und zeitraubend ist. In den Validationskonzepten spiegelt sich nämlich genau das wider, was Fluu mit die beste Methode mit dem Alzheimer-Kranken umzugehen ist die Realität des Dementen anzunehmen, seine aktuellen Gefühle und Verhaltensweisen „für gültig zu erklären“ bereits zutreffend darlegte und dahinter versteckt sich noch sehr viel mehr; denn natürlich ist es allein mit der „Gültigkeitsannahme“ innerhalb des Miteinanders nicht getan.

Ich wünsche dir viel Erfolg und alles Gute.

Gruß
Sanne
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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Natalie » Di 28. Feb 2012, 07:21

Vielen Dank für eure Ausführungen.

Ich werde meiner Mutter von dieser speziellen Art von Heimen unterrichten und mal sehen, ob es auch bei mir im Umfeld welche gibt.
Wie du schon geschrieben hast ist es derzeit sehr schwer ein geeignetes Heim zu finden oder überhaupt eins bzw. einen Platz zu bekommen. Obwohl meine Oma sich nicht mehr verpflegen, waschen, sauber machen kann... haben wir noch immer Pflegestufe 0. Wir haben 2 Mal erfolglos eine weitere Stufe beantragt.

Nun fragt man sich wirklich was alles geschehen muss, damit einem geholfen wird und auch der betroffenen Person. Es ist als Arbeiter schwer die nötige Zeit aufzubringen, aber die Kosten für ein Heim sind auch enorm.
An der Stelle sind einen wirklich die Hände gebunden, zumal man auch einen Heimplatz erst mit Stufe 2 beantragen kann und dann auch noch 2 Jahre auf einen Platz warten muss.

Hat von euch schon jemand eine Pflegestufe beantragt und weiß was worauf man achten sollte, damit man evt. Erfolg hat?

Danke für eure Antworten, ihr helft mir damit sehr weiter!

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Feuerchen
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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Feuerchen » Di 28. Feb 2012, 19:29

Hallo Natalie,

Wer sagt denn, daß man einen Heimplatz nur mit Pflegestufe 2 beantragen kann.? - Das stimmt definitiv nicht - zumindest in Bayern nicht. - Es gibt dort alle Plegestufen im Heim... Vielleicht sucht das Heim gerade jemanden mit Pflegestufe zwei, um nicht Pflegekräfte zu verlieren (Stellenklauseln)... Aber ich würde mich auf jeden Fall in allen Heimen in Deinem Umkreis umsehen, - dann mich bei den Verschiedenen Leitungen erkundigen, wegen Platz, Pflegekonzept und wegen der Kosten, usw. Meistens haben die Heime auch irgendwelche Unterlagen, die einem mitgegeben werden können. (Unternehmensziele und Vorstellungen)... damit könnt ihr auch Zuhause in Ruhe alles nochmals anschauen und Euch durch den Kopf gehen lassen.

Wünsche Euch viel Erfolg!

Liebe Grüße
Feuerchen

PS... Hier noch ein Link was die Offiziellen unter den Pflegestufen verstehen, und wie die Zeiteinteilung bei den Pflegestufen ist.

http://www.gesetzliche-pflegeversicheru ... stufe.html

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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Natalie » Mi 29. Feb 2012, 08:38

Danke Feuerchen für deinen Link :D

Da ich aus Sachsen komme gelten wahrscheinlich andere Regeln :???: . Um einen Heimplatz durch die Pflegestufe und der Rente der Oma + privates Geld zu finanzieren braucht man die 2. Auch so darf man erst einen Platz beantragen mit Stufe 2.

Die Pflegedienste haben jedoch gemeint, dass man auch schneller einen Platz bekommen kann, wenn etwas Größeres vorfallen würde z.B. akkute Anfälle und Unterbringung in der Psychiatrie - dann gibt es Sonderregelungen wo man einen Platz bekommen muss.

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fluuu
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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon fluuu » Fr 2. Mär 2012, 13:14

... und nun willst Du bei Deiner Mutter Anfälle oder Psychose provozieren damit das Organisatorische klappt?
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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Natalie » Mo 5. Mär 2012, 08:24

OMG...NEIN!!!
Wie mehrfach geschrieben geht es auch um meine Oma und nicht um meine Mutter!

Weiterhin ist es nur ein Ausweg den uns die Ärztin mitgeteilt hat. Man soll, wenn das nächste Mal etwas ist, nicht einen normalen Krankenhausaufenthalt veranlassen, sondern sie in eine Demenzabteilung in die Psychiatrie schicken. Dieser Aufenthalt würde später, falls es irgendwann gar nicht mehr geht, die Aussichten besser stellen.

Wie gesagt gibt es angeblich keinen anderen Weg. Aber wir würden keinesfalls Anfälle provozieren, das wäre ja ethisch mehr als vorwurfsvoll.

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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Klaus W » Mo 5. Mär 2012, 21:18

Natalie hat geschrieben:Hat von euch schon jemand eine Pflegestufe beantragt und weiß was worauf man achten sollte, damit man evt. Erfolg hat?
Also unsere Erfahrungen waren so, daß mit den Pflegestufen (zumindest in Hessen) sehr sehr konservativ umgegangen wird. Solang die Leute noch irgendetwas können gibt es kaum eine Drei, was Zuzahlungen bedeutete. Genaue Details kann ich Dir nicht nennen, ich habe das damals nicht organisiert, nur unseren Erfahrungswert. Ihr müsstet einen Gutachter bekommen, der die Entscheidung fällt. Darauf sollte man sich so gut wie möglich vorbereiten. Es war dann wohl so, daß das Heim noch einmal eine Neubegutachtung vornahm, und daraufhin dann neu eingestuft wurde.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Natalie » Fr 9. Mär 2012, 08:00

Hallo Leute,

tolle Nachrichten :D !

Meine Mutter hatte einen Anwalt hinzugezogen, da die Pflegestufe 1 3 Mal abgelehnt wurde.
Bei uns haben die sich sehr eng mit der Pflegestufe. Trotz das meine Oma nicht mehr Auto fahren, einkaufen, putzen, sich waschen, Essen machen usw. kann wollte uns keiner einen Pfennig geben bzw. etwas Unterstützung.

Der Anwalt hat jetzt Pflegestufe 1 durchbekommen :D :D :D .
Nun kann sie einen Tag mehr die Woche in eine betreute Gruppe und Sachen wie Essendienst, Waschen werden ab sofort auch übernommen.

Mir fällt ein Stein von Herzen!

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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon fluuu » Fr 9. Mär 2012, 12:37

Natalie hat geschrieben: Mir fällt ein Stein von Herzen!
Warum? Weil Du es nicht machen brauchst oder wegen dem Symbol der Hilfe?
Viel ändert es ja nicht, Deine Oma wird wahrscheinlich als nächstes sterben
und sie hat ein Recht darauf nachdem sie die Ruhe des Alters genossen hat.
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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Natalie » Di 13. Mär 2012, 09:13

fluuu hat geschrieben: Warum? Weil Du es nicht machen brauchst oder wegen dem Symbol der Hilfe?
Viel ändert es ja nicht, Deine Oma wird wahrscheinlich als nächstes sterben
und sie hat ein Recht darauf nachdem sie die Ruhe des Alters genossen hat.
He fluuu,

muss das sein das du Leute im Forum auf den Tod eines nahen Verwandten hinweist und nebenbei unterstellst man wolle sich nicht darum kümmern?

Das war ein ernst gemeinter Thread und du wirfst mir dabei Dinge an den Kopf die mir die Freunde über die Pflegestufe gleich wieder vermiesen. Bitte lass sowas!
Du kennst mich nicht und weißt auch nicht wie sehr ich mich engagiere um solche Vermutungen zu äußern!

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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon Klaus W » Do 15. Mär 2012, 06:11

Natalie hat geschrieben:... wirfst mir dabei Dinge an den Kopf ...
Bei jedem anderen wäre es eine Beleidigung, aber er hält es für "therapeutische Intervention" und ist der Meinung er würde Dir damit helfen. Dem Mann fehlt einfach der notwendige Abstand. Sieh es so, er hat nichts über Dich gesagt, sondern von seiner Einstellung geschrieben, seine Denkweise offenbart. Beim Thema Pflege denkt er eben sofort an Abschieben, hat etwas mit ihm zu tun. Wer so agiert dem gehts selbst nicht gut, der kompensiert am Ende auch nur irgendwas.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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Re: Welche Therapien bei Alzheimer?

Beitragvon lordi » Do 15. Mär 2012, 22:03

Hi Natalie,
man leidet mit den kranken Müttern/Omas usw. mit, leider geht es mit steigendem Alter ja immer schlechter und manchmal habe ich selbst Angst davor, alt zu werden. Es ist schon ein ziemliches Elend, wenn die Menschen, die man liebt, so verfallen.
Ich habe ein sehr nettes Forum gefunden
http://elternpflege-forum.de/wbb/index.php?page=Portal

Die Betreuerin wollte meine fast 90jährige Mutter in ein Altersheim einweisen und so einfach kann man das nicht - jedenfalls erfährst du einiges Wissenswertes da und auch seelische Unterstützung bzw. Erfahrungsaustausch.

Ich wünsche dir viel Kraft , Lordi


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