Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Hier hinein gehören alle Informationen und Fragen zum Thema beruflicher und sozialer Wiedereingliederung nach und bei psychischer Erkrankung
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Laura
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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Laura » Do 18. Mai 2017, 16:08

Hi Remedias und mamschgerl!

Ich erlaube mir mal, hier einen "Platzhalter" hinzusetzen. Es gäbe so viel zu dem Thema zu sagen, aber ich komme im Moment wenig vor die Tür und somit auch wenig an einen öffentlichen Computer mit kostenlosem Internet-Zugang. An diesem Computer einer Leihbücherei ist die Nutzzeit pro Tag sehr begrenzt.

Nur so viel für heute: Ich kann es gut gebrauchen, von anderen Leuten darin rückversichert zu werden, dass man sich in seiner Armut die wenigen Annehmlichkeiten, die man sich leisten kann - oder wofür man mit jemand anderem oder mehreren anderen zusammenlegt, nicht zu vermiesen lassen braucht.

Das ALDI-Eis mit den Karamellstücken würde ich jetzt fast mal probieren, aber für mich ist es ein wenig umständlich bis zum nächsten oder übernächsten ALDI zu kommen. Wenn ich da mal hingehe, muss sich das Schlangestehen schon lohnen. Für alles andere habe ich es bis zum Netto, Penny oder LIDL näher und deren No-name Speieis mag ich nicht übermäßig. Vielleicht erfolgt ein andermal eine Berichterstattung meines Probekostens von ALDi-Karamelleis!
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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon mamschgerl » Fr 19. Mai 2017, 05:44

Mein Roller ist wieder geflickt und ich kann ihn heute abholen. Die Reparatur könnte ich mir nicht leisten, obwohl sie mindestens um die Hälfte billiger kommt, als wenn es der andere Mechaniker wieder übernommen hätte und bei dem hätte wahrscheinlich auch wieder nicht alles funktioniert.
Der jetzige meint, dass ich jetzt wieder weitere Fahrten unternehmen kann, ohne Angst haben zu müssen und auch, daß der Roller jetzt besser zieht, also etwas schneller fährt, so dass ich kein Verkehrshindernis mehr darstelle ( also 50 statt 45 km/h ).
Ohne meinen Bruder, der mir Motorrad- und Auto fahren beigebracht hat, hätte ich keine Möglichkeit, das zu bezahlen, aber er schenkt mir dieses Geld, immerhin rund € 180,-, ich würde ewig brauchen, müsste ich mir das zusammensparen.
Ich merke erst jetzt wirklich, wie sehr ich den Roller brauche. Ich hoffe, er hält noch Jahre.... :|
Wenn man wenig hat, wird gerade das um so kostbarer und wertvoller.
Grüße
mamschgerl

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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon mamschgerl » Do 25. Mai 2017, 13:47

Obwohl ich eher eigenbrötlerisch und einzelgängerisch bin, lassen es sich manche Menschen nicht vermiesen, mir eine Freude im Leben zu machen, auch wenn ich meine Dankbarkeit nicht zeigen kann (sie wollen zum Glück auch gar keine )
Gestern hatte ich einen Termin in der Stadt und war natürlich froh, mit meinem frisch reparierten Roller mobil und unabhängig zu sein.
Ich erzähle das, weil ich erkannte, daß ich ohne dieses fahrbare Geschenk meines Sohnes, das Geldgeschenk meines Bruders, die Lebensmittelzuwendungen meiner einzigen Freundin, die ich jemals im Leben hatte, verdammt arm dran wäre.
Es gab Zeiten, da hatte ich all das nicht und brauchte es auch nicht, weil ich selbständig für meinen Sohn und mich sorgen konnte, naja, zumindest so, daß ich ihn auf Klassenfahrten mitschicken und Fußball spielen im Verein ermöglichen konnte.
Diese Zuwendungen helfen mir, am Leben zu bleiben, auch wenn sich das höchst dramatisch anhören mag.
Zum einen helfen sie mir, nicht gänzlich in dieses tiefe, schwarze Loch zu fallen und zum anderen erwecken sie so nach und nach den Wunsch, wieder Selbstständigkeit zu erlangen ( weil ich eben so schlecht mit Hilfe und Geschenke annehmen umgehen kann und es als sehr belastend empfinde, darauf angewiesen zu sein ).
In ca. 3 Jahren wird meine Privatinsolvenz ihr Ende finden, was wieder rund 100,- € mehr im Monat bedeutet, es gibt also wenigstens finanziell irgendwann ein Licht am Ende des Tunnels, vielleicht kann ich auch irgendwann wieder genügend Stabilität aufbauen, um Teilzeit arbeiten zu können und es gelingt mir, mein Rentnerdasein mit gelegentlichen Cafébesuchen und kleinen Ausflügen aufzufrischen, wer weiß?
Zumindest soll es darauf hinauslaufen, mir nicht an jedem Monatsanfang die Frage stellen zu müssen, wie ich bis Monatsende auskommen soll...ohne daß ich dazu auf Hilfe von außen angewiesen bin.
Ich erkannte auch, daß ich froh bin, die wirklich schlechten Zeiten kurz nach dem Tod meines Mannes ohne sonstige Hilfe und nur von Stütze und Wohngeld lebend, alleine zu meistern imstande war. Ich hatte so oft in meinem Leben die Kraft, wieder aufzustehen und weiterzumachen und hoffe, irgendwann zu dieser Kraft zurückzufinden.
Vielleicht ist es nur Wunschdenken, aber das macht nichts, es ist nicht mehr so schlimm für mich, meine Krankheit akzeptieren zu müssen und letztlich geht es immer irgendwie weiter...
Aber es wäre schon schöner und leichter mit ein wenig mehr Geld in der Tasche :wink:

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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Remedias » Do 25. Mai 2017, 14:18

Hallo, ihr Lieben,
Aber es wäre schon schöner und leichter mit ein wenig mehr Geld in der Tasche :wink:
Ich würde jeden Politiker gerne auffordern, nur mal drei Monate mit Grundsicherung oder Alg2 auszukommen - mal sehen. Es ist einfach, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken.
Ich bin überzeugt davon, dass nur mit wenig mehr Geld im Monat, 50 - 100 Euro, so manche Krise aufgefangen werden könnte. Gerade von kranken Menschen wird das erwartet, was selbst Gesunde schlecht hinkriegen: Immer sparsam sein, immer vernünftig sein, vorausschauend, planend.... wehe, es geht mal was schief. Dagegen setzen Bankmanager Millionen in den Sand - sanieren sich aus der Allgemeinheit und empfinden sich noch als Leistungsträger der Gesellschaft.

Ein Kaffee trinken, ein Eis essen, ein Waffeleisen, eine neue Hose, die aus dem Laden und nicht aus der Kleiderkammer, mal ein Brötchen vom Bäcker und nicht vom Aldi, Geld zu haben für Bus, Bahmn oder Roller etc. das sind keine Wünsche, auf denen man herumhacken muss....

liebe Grüße Remi

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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon mamschgerl » Do 25. Mai 2017, 18:39

...ja, mit nur € 50 - 100 mehr im Monat, gerade in teuren Städten, in denen nicht nur die Mieten, sondern auch die Lebenshaltungskosten hoch sind, wäre der Alltag dann leichter zu ertragen.
Gesund leben kann man mit Stütze nicht wirklich, die günstigsten Dinge machen meistens dick, sind voll mit versteckten Zusätzen, Fleisch besorgt man sich genauso wie alles andere vom Discounter und arbeitet so der Lebensmittelindustrie mit ihren verbrecherischen Herstellungsverfahren auch noch ungewollt zu.
Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber wenn ich mir überlege, was aus den Menschen, die sich nichts mehr leisten und ihre Wohnung nicht mehr verlassen können, stundenlang in die Glotze schauen, weil sie so auch ein Stück der miesen Realität entfliehen können, am Ende wird, so finde ich das höchst beängstigend.
Aus Mangel an Möglichkeiten zum Nichtstun verdammt, die Kreativität stirbt, Gespräche finden nicht mehr statt, man verkümmert seelisch und moralisch.
Am Ende ist man dankbar für jede Zuwendung und wagt sich nicht mehr, aufzumucken. Sich nicht demütig zu ducken, wird als unverschämte Undankbarkeit ausgelegt, man wird darauf getrimmt, sich in alle Ewigkeit als Sozialschmarotzer zu fühlen.
Die Konzerne machen ihr Geld und haben genügend Abnehmer für ihre schwer verdauliche Kost, aber das ist von der Politik ja auch so gewollt.
Nein, ich fühle mich gut, wenn ich mir ein Eis gönne, basta!
mamschgerl

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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Laura » Mo 18. Sep 2017, 15:56

Vom Bösen das Gute: Arm sein ist 'ne prima Motivation, sich z. B. in der indischen Küche (natürlich auf das eigene Würz- und Schärfebedürfnis abgestimmt) mehr und mehr zu erproben. Kann man auch gut mit strunzen gehen! :mrgreen: Gute Kochbücher werden da zu wahren Schätzen!
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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Remedias » Mo 18. Sep 2017, 16:35

Hallo Laura,
als Vegetarierin habe ich die indische Küche auch entdeckt, es gibt einfach so mehr pflanzliche Rezepte als hierzulande. Was kochst du denn so?

liebe Grüße Remedias

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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Laura » Di 19. Sep 2017, 10:23

Bisher habe ich öfter Linsen-Dhal gemacht oder was mit Kichererbsen und Blumenkohl, neulich habe ich zum ersten Mal Chapati-Brot gemacht und ich will so bald wie möglich selber Samosas machen. Und ein, zweimal im Monat mache ich Chai Latte aus richtigen Zutaten.

Benutzt Du Ghee, also das indische Butterschmalz, zum Kochen? Ich will es mir demnächst besorgen, ich kann nur kaum glauben, dass sich ein angebrochener Behälter tatsächlich bis zu drei Jahren bei Zimmertemperatur halten kann.

Was mir an der indischen Küche auch sehr entgegenkommt, ist, dass sie weitestgehend auf einen Backofen verzichten kann. Meiner ist ja kaputt, und meine Planung, um mir einen neuen Herd mit Backofen anschaffen zu können, ist noch nicht einmal im Stadium der Vorplanung...
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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Remedias » Di 19. Sep 2017, 14:17

hallo lLaura,
ich habe es mit Ghee probiert, aber offen gesagt kann ich den Geruch nicht ab ( schmecken tut es gut), ich nehme lieber pflanzlichen Öle.
Haltbar dürfte es sein, da ihm das Wasser entzogen wurde. Linsen- Dhal - lecker. :)

liebe Grüße Remedias

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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Laura » Di 19. Sep 2017, 14:27

Bin mit 'ner Vegetarierin befreundet, die lange Zeit in Indien gelebt hat und die mir auch den Zusammenhang erklärt hat, der sich für arme Leute in Indien ergibt, sich auch ohne Fleisch möglichst einweißreich zu ernähren. Denn auch Kühlschränke sind da keine Selbstversändlichkeit, ebenso wenig Backöfen. Auch das Verdauungsförderliche der Gewürze in einem heißen Klima erklärt die Expertise, stinknormale Lebensmittel mit Gewürzen in wahre Delikatessen zu verwandeln. Man muss also nicht unbedingt aus Gründen des Tierschutzes indisch kochen, sondern kann es, weil es einem schmeckt und weil es eben immer noch relativ günstig ist. Aber vermutlich trage ich hier gerade Eulen nach Athen. :wink: Macht nix, immer noch besser als sich einfach nur über das heutige Wetter zu unterhalten oder den aktuellsten eigenen Armutsbericht abzuliefern... :D

Diese Freundin hat auch 'nen guten Riecher dafür, in meinen Kochbüchern auf Anhieb was Gescheites rauszupicken und hat mir meine Skepsis genommen, der Einfachheit halber mit roten Linsen zu kochen. Für meine nächsten Monatseinkäufe gedenke ich jedenfalls, mich mal so ordentlich mit getrockneten Hülsenfrüchten, Kokosmilch, Ghee und vielleicht auch noch einem Gewürz einzudecken, das ich noch nicht ausprobiert habe.

Was magst/kochst Du denn an indischen Gerichten besonders gerne?
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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Remedias » Di 19. Sep 2017, 14:58

Hallo Laura,

das ist interessant, was dir deine Freundin erklärt hat. Aich in Europa war ja Fleisch bis znach dem zweiten Weltkrieg Luxus, da gab es höchstens den "Sonntagsbraten".
Ich finde allerdings die Grundausstattung der Gewürze nicht immer günstig. Ansonsten mag ich viel und ich vertrage auch richtig scharfes Essen.
Mit Kokosmilch mache ich viel, erfinde allerdings auch Sachen, so dass es streng genommen kein i wirklich ndisches Essen ist , sondern "a la India" . Ich mache eine Kokosmilchsauce mit Limonengras auch zu Spagetti. ( wäre ich ein Hipster, würde ich das als "cross-over- küche" bezeichnen :lol: )
ich mag alle Arten von Currys, Naan Brot , Reis. Curcuma hatte ich schon früher (als Safranersatz , als Safran mir zu teuer wurde :wink: ) im Haus, Ingwer auch. Hier in meinem Viertel ist es auch kein Problem, täglich frisches Koriandergrün und Cumin ( Kreuzkümmelpulver, nimmt man in Südamerika aber auch viel zum Kochen) zu kommen.

liebe Grüße Remedias
Aber vermutlich trage ich hier gerade Eulen nach Athen. Macht nix, immer noch besser als sich einfach nur über das heutige Wetter zu unterhalten oder den aktuellsten eigenen Armutsbericht abzuliefern...
Ein Koch- Thread fehlt eigentlich noch. Ich mag generell asiatische Küche, für meine Familie darf dann auch Fleisch dabei sein . :)

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Re: Armutsbericht 2017 - psychisch Kranke

Beitragvon Laura » Do 21. Sep 2017, 11:20

Hi Remedias!

Hab unter "Sonstiges" einen thread eröffnet, in dem wir unsere Plauderei über die indische Küche fortsetzen können, wenn Du magst. Andere Haushaltsthemen sind da auch willkommen.

LG

Laura
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