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Remedias
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Re: Arbeiten mit psychotischer Erkrankung

Beitragvon Remedias » Do 1. Dez 2011, 15:57

Hallo Trulla,
das kann ich leider nicht ;
aber ich wollte dir nur sagen, schön mal wieder was von dir zu hören :B-fly:

liebe Grüße Remedias

Eudora
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Re: Arbeiten mit psychotischer Erkrankung

Beitragvon Eudora » Fr 2. Dez 2011, 08:30

Hallo Trulla,

bin gerade dabei, das Ganze auszutesten. Habe eine Schwerbehinderung von 50% wegen schizoaffektiver Psychose, EU-Rente kam nicht in Frage, da ich lange Zeit nicht sozialversicherungspflichtig (bin verheiratet, mein Mann sorgt für unser Auskommen) zu Hause war. Inzwischen hat sich meine Erkrankung laut Ärzten chronifiziert.

Habe jetzt eine Stelle über den neuen Bundesfreiwilligendienst begonnen seit 3 Wochen mit 20,1 Wochenstunden. Davor war ich einige Zeit in einer Tagesstätte und dann nur zu Hause, wo ich mich aber ganz wohl gefühlt habe und mich auch gut strukturieren konnte allein. Der letzte Krankenhausaufenthalt ist - klopf auf Holz - zwei Jahre her. Besser hätte es mir also vorher nicht gehen können und ich denke auch nicht, dass sich die Belastbarkeit noch wesentlich hätte steigern lassen vorher. Die Stelle ist super, Leute nett, Arbeit abwechslungsreich und meiner Ausbildung entsprechend.

Allerdings haben sich bei mir massive Schlafprobleme eingestellt, stellenweise habe ich dann (glücklicherweise nur privat), wenn ich erzählt habe, schon mal mächtig aufgedreht und eventuell abgehackt gesprochen. Alles durchaus ernstzunehmende Warnzeichen bei mir. So musste ich mich jetzt erstmal ein paar Tage krankschreiben lassen und habe darum gebeten, später anfangen zu dürfen, da sich mein ganzer Schlaf-/Wachrhythmus von heute auf morgen um zwei Stunden nach vorne verschob. Ich befürchte allerdings, dass es insgesamt zuviel ist für mich, was ich nicht so wahrgenommen habe, weil mir die Arbeit soviel Spaß gemacht hat. Aber wenn es geht und ich jetzt in den nächsten Tagen wieder ohne Tranqulilizer schlafen kann, probier ich's nochmal, ob es doch noch zu machen ist, ansonsten bleibe ich wieder zu Hause. Vom Haushalt hatte ich mich schon ein wenig entlastet, dadurch, dass ich die Diakonie putzen lasse, jetzt überlege ich noch, die Wäsche abzugeben zum großen Teil.

Wenn das alles nichts nützt, wie gesagt, es war für mich der Praxistest, meine persönliche Belastungserprobung, die ich nicht in der Klinik machen wollte, ist es zu Hause ja doch recht nett, da ich genug Anlaufstellen für Gespräche und genug Freunde für Termine habe.

Liebe Grüße und ich halte dich weiter auf dem Laufenden, aber ich denke natürlich, dass jeder Mensch anders ist und man selber probieren muss, was man noch leisten kann. Wenn man es sich vorstellen kann, gibt's natürlich noch betreute Arbeitsplätze um auf den ersten Arbeitsmarkt hinzuarbeiten, das kam jedoch für mich nicht in Frage.

Liebe Grüße
Eudora
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. (Antoine de Saint Exupéry)

Eudora
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Re: Arbeiten mit psychotischer Erkrankung

Beitragvon Eudora » Sa 3. Dez 2011, 16:05

Hallo Trulla,

wie alt sind deine Kinder? - Noch viel zu tun damit nebenher? - Und wieviel Unterstützung kannst du zu Haus von deinem Mann erwarten bzw. weggeben?

Wir haben keine Kinder, bin im Nachhinein auch sehr froh, dass es nicht geklappt hat. Wenn ich jetzt sehe, wie schnell mich Schlafunterbrechungen und Schlafmangel doch wieder an den Rand eines Rückfalls bringen, obwohl ich gut eingestellt mit mit ziemlich hohen Medikamentendosen, wäre es wohl das reine Fiasko für alle Beteiligten geworden, da ich hier nicht auf Großeltern hätte zurückgreifen können, wenn's mir dreckig geht.

Ich weiß nicht, wielange du schon krank bist, wieviel Krankheitsphasen du schon hinter dir hast, deshalb kann ich deine Situation natürlich nicht gut einschätzen. Ich habe jahrelang mit meiner Erkrankung relativ gut gearbeitet, bloß in besonderen Stressphasen bin ich ausgefallen. Da war ich allerdings auch noch nicht ganz so häufig erkrankt und wesentlich jünger (bin 41 inzwischen). Man kann also nicht unbedingt sagen, tun Sie's oder lassen Sie's besser. Aber wenn man schon berentet ist, ist man das ja auch meistens aus gutem Grund und tut sich nicht unbedingt leicht, wenn von heute auf morgen wieder eine halbe Stelle angetreten wird. Man muss gut auf sich achten, damit sich die gesundheitliche Situation nicht wieder verschlechtert. Hast du gute ärztliche und therapeutische Unterstützung?

Ich bin froh, dass ich nicht gleich ein reguläres Arbeitsverhältnis bekommen habe, wo ich sicherlich gleich mit deutlich mehr Druck zu tun gehabt hätte, wenn ich nach so kurzer Zeit schon ausfalle. Bundesfreiwilligendienst ist zwar im Grunde ehrenamtlich, man kriegt aber etwas Taschengeld, Verpflegungs- und Unterkunftszuschuss. Summa summarum kriegt man dabei mit 20 Stunden etwa doppelt soviel, wie man in einer Werkstatt mit 30 Stunden hätte, also nicht viel, aber für Fahrkosten, Putzhilfe und Wäsche machen lassen reichts bei mir und ich habe doch noch ein bisschen übrig. Am Anfang habe ich mich wohl selbst ein bisschen unter Druck gesetzt, auch den Haushalt noch so wie zuvor am Laufen zu halten, davon werde ich, wenn ich dann am Mittwoch, so Gott will und ich wieder schlafen kann, wieder anfange, großzügig Abstand nehmen.

Soviel erst nochmal von mir, ich hoffe auch, hier noch von anderen zu lesen, die sich wirklich längerfristig schon in regulären Arbeitsverhältnissen befinden.

Auf jeden Fall ist es nicht immer einfach, aber es kann auch ganz gut funktionieren. Entfällt deine Rente denn dann gleich für immer, wenn du wieder anfängst, oder würdest du sie wieder ohne größere Schwierigekeiten bekommen, wenn es schiefgeht mit der Stelle? - Das Hintertürchen würde ich mir ja an deiner Stelle lieber offenhalten.

Liebe Grüße und viel Erfolg, wie immer du dich entscheidest,
Eudora
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Re: Arbeiten mit psychotischer Erkrankung

Beitragvon Eudora » Mo 5. Dez 2011, 17:45

Hallo Trulla,

wenn du noch ein paar Monate Zeit hast mit deiner Entscheidung und einen weiteren Krankenhausaufenthalt nicht scheust, gäb's auch noch die Möglichkeit, die Belastbarkeit in Bezug auf unterschiedliche Berufsfelder z. B. in Karlsbad-Langensteinbach (Baden-Württemberg) testen zu lassen. Allerdings natürlich im beschützten Rahmen, wo dann die komplette Hausarbeit wegfiele, was mich, neben der Tatsache, dass man mich - meiner Meinung nach zu früh - überredet hat, dort hinzugehen, bewogen hat, es wieder aufzustecken. Fand es aber ansonsten eine gute Einrichtung. Da würde man dann zumindest sehen, bei wieviel Belastung man aufhören muss.

Nur so ne Idee...

400-Euro-Jobs sind sicher nicht schlecht für den Anfang, nur etwas schmalspurig in den Tätigkeiten, und man gehört oft nicht so richtig zum Betrieb dazu, das hat's für mich schwer gemacht und ich bin wieder ausgestiegen vor 3 Jahren.

Hoffe, du findest gleich das richtige Maß und die richtige Stelle für dich. Sollte halt nicht der Weltuntergang sein, wenn's im ersten Anlauf noch nicht klappt, denke ich, dann kann man das Ganze auch etwas entspannter sehen...

Liebe Grüße
Eudora
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Re: Arbeiten mit psychotischer Erkrankung

Beitragvon Eudora » Di 6. Dez 2011, 17:15

Hallo Trulla,

verständlich. Freut mich, dass deine Rente nur gekürzt wird, aber im Grunde bestehen bleibt. Das ist doch mal ne super Nachricht.

Für mich läuft's leider nicht so gut, konnte heute wieder nicht schlafen, mit mehrmaligem Aufwachen und psychotischen Gedanken, jetzt probier ich's halt nochmal mit Tranquilizer zu arbeiten ein paar Tage und wenn ich damit auch nicht genug Schlaf kriege, was mein heimlicher Verdacht ist, werde ich die Kündigung einreichen.

Das soll dich aber keineswegs abschrecken, einen Versuch zu machen, wenn du die Stelle kriegst. Nach 3 psychotischen Schüben im Abstand von 1 1/2 - 2 Jahren sah die Welt für mich auch noch ganz anders aus... Inzwischen bin ich echt froh, dass es zu Hause sonst so gut läuft und mein Mann so verständnisvoll ist, dass ich nicht unbedingt zu arbeiten brauche, wenn es nicht geht.

Liebe Grüße
Eudora
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Re: Arbeiten mit psychotischer Erkrankung

Beitragvon Jürgen77 » So 11. Dez 2011, 11:37

Hallo Trulla,

also ich habe jahrelang versucht im 1. Arbeitsmarkt dauerhaft zu arbeiten. Einmal wurde ich psychotisch, weil der Stress zu groß war und ich keine Medis mehr nahm(war mit Arzt abgesprochen). Ein andermal war meine Leistungsfähigkeit aufgrund hoher Tablettedosis zu
niedrig. u.s.w. Als ich nach dem 3. Klinikaufenthalt wieder arbeiten ging, merkte ich, daß es wieder Schlafprobleme gab.
Daraufhin beantragte ich die Erwerbsminderungrente. Sie wurde genehmigt und läuft seit
2 Jahren. Und eben seitdem arbeite ich in einem Gebrauchtwarenmarkt (Integrationsbetrieb)
knappe 15 Std./Woche.
Das klappt ohne Probleme und einen Teilzeitjob könnte ich mir zwar vorstellen, ist aber nicht so leicht zu finden.
Es ist schwierig den richtigen Weg zu finden. Das habt Ihr ja oben schon geschrieben.
Ich hoffe Du findest Deinen!

Viele Grüße

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Re: Arbeiten mit psychotischer Erkrankung

Beitragvon Remedias » Mo 12. Dez 2011, 14:56

Hallo Trulla
Ich möchte ja auch nicht irgendwann in eine Behindertenwerkstatt gesteckt werden, wer weiß, vielleicht machen die so was mit Dauer-EU-Rentnern?
Also gezwungen wirst du auf keinen Fall; beschützte Arbeitsplätze sind ja für den Kostenträger (Kreis) teuer. Für meinen Platz wurden an den Anbieter 30 Euro pro Tag bezahlt. Ich habe aber nur einen Euro die Stunde bekommen und 3 Stunden gearbeitet.

liebe Grüße Remedias

katie
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Re: Arbeiten mit psychotischer Erkrankung

Beitragvon katie » Do 22. Dez 2011, 05:18

fuer manche leute ist die behindertenwerkstatt auch arbeitstherapie. ich sollte da arbeiten bis ich wieder stabil bin. habe es aber nicht ausgehalten. es ist einfach bescheuert. einkleben, eintueten und lauter schwerkranke leute. ich habe es gedhasst und nur 2 monate durchgehalten. ich sollte es als uebergangsloesung tun, aber jetzt haenge ich lieber zuhause rum und schau fern und lese. man verdient sowieso extrem wenig und ich glaube ich habe mehr davon regelmaessig zu lernen als plastikscheren zusammen zu bauen. naja, meine meinung. manche leute koennen halt nichts anderes machen.
aber fuer mich war 'arbeitstherapie' nichtrs. viel zu monoton. ich bin bekloppt geworden bei der arbeit wegen der monotonie glaub mir.
naja, ich hoffe es geliengt dir wieder in den arbeitsmarkt wieder einzusteigen. ich mache ab januar einen ernaehrungswissenschaftler kurs zw fernstudium und freu mich drauf. man muss ja irgendwas machen um nicht zu verbloeden, lesen studieren oder arbeiten. sonst haengt man irgendwann total in der kurve.
viel glueck#
katie


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