Krankheit annehmen...sooo schwer!

Hier hinein gehören alle Informationen und Fragen zum Thema beruflicher und sozialer Wiedereingliederung nach und bei psychischer Erkrankung
Benutzeravatar
inka
Beiträge: 73
Registriert: Di 29. Mär 2011, 04:45

Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon inka » So 3. Apr 2011, 15:25

hallo,

ich habe zur zeit das problem, meine krankheit zu akzeptieren und trotzdem
oder mit ihr glücklich und zufrieden zu sein.

ich bin nur gering belastbar auf dem 1. arbeitsmarkt und kann also nicht die arbeiten machen,
die mir spaß machen würden, sondern muss darauf achten,
dass ich keinen sozialen stress habe, wenig stunden, keine hektik u.ä.
ich muss schauen, welche möglichkeiten der arbeitsaufnahme ich MIT der krankheit habe.
auch habe ich nebenwirkungen, weswegen ich immer meine notfalltabletten parat haben muss.
der rest meiner familie ist gesund und mich hat die scheiß schizophrenie erwischt.
zwischen den schüben bin ich symptomfrei und ganz normal. zum glück!!!
so kann ich nur minijobs machen.
ich bin mitte 30 und habe ja noch ein ganzes arbeitsleben vor mir!
also, meine erfüllung in der arbeit werde ich so nicht finden,
also muss ich mir den großteil der herausforderungen, der bestätigung im privatleben finden.
ein minijob ist bei der erkrankung natürlich auch eine herausf. und ich bekomme auch positive bestätigung,
aber eben nicht intelektuell !!!

das schmerzt. :cry: :cry:

ich befinde mich da gerade in einem prozess.
wonach ich mein leben ausrichten kann.
in die behinderten-werkstatt gehe ich nicht, da ich dafür zu fit bin,
das wäre sozial, intelektuell und von meinen fähigkeiten her der absolute horror.
gut, dass es werkstätten gibt, aber für mich ist es das falsche.

wie geht ihr mit dem thema um?
wie schafft ihr es, die krankheit zu akzeptieren? :sad: :sad:

freue mich auf nachrichten, :)
lg,
inka

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon Remedias » So 3. Apr 2011, 15:53

Hallo Inka,
ich bin seit 6 Jahren krank und akzeptiere es ganz und garnicht.
(bin jetzt Ende 40)
Ich war in einem Arbeitsprojekt, wo ich intelektuell zwar jetzt nicht so übermäßig herausgefordert wurde
aber dass hät ich auch nicht so vertragen, da ich keinen Stress abkann,
doch es war nett und ich hatte nette Kollegen,
im Moment schaffe ich nicht einmal das.
Ich bin auch schwer von Begriff,
und habe ein schlechtes Gedächtnis,
ich glaube, das kommt von den NL-
welche Medikamente nimmst du?

liebe Grüße Remedias

Benutzeravatar
inka
Beiträge: 73
Registriert: Di 29. Mär 2011, 04:45

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon inka » So 3. Apr 2011, 16:13

hallo remedias,

ich nehme amisulprid, trevilor-ad-,
akineton und bei bedarf truxal.
vertrage alle gut.
ja, die medis machen bestimmt auch müde oder liegen auf dem antrieb.
ja, dass die leute auf der arbeit nett sind ist das wichtigste,
ich glaube gerade für unsereins.

welche medis nimmst du?
hast du das gefühl, du machst es dir selbst schwer, weil du deine krank. nicht annehmen kannst?
mir fehlt so die herausforderung, das kann ja auch privat sein, aber was.
diese krankheiten sind eine lebensaufgabe.
und ich wäre wesentlich erleichterter, wenn ich sie zu einem teil von mir machen könnte,
aber da stehen bestimmt auch die eigenen ansprüche an sich selbst im weg.
ich fordere viel von mir.
früher lebte ich auf der überholspur, war auch nicht gut, dann brach die krankh. aus
und jetzt? war das schon alles?!

was erwartest du von dir und wo steht sie bei dir im weg?
lg, inka

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon Remedias » So 3. Apr 2011, 16:39

Hallo inka,
ich nehme Seroquel und Risperidon
leider machen sie mir Gewichtszunahme,
ich habe 30 kg zugenommen,
sonst vertrage ich es gut.
Die Krankheit steht mir im Weg,
weil ich auch meinen Charakter verändert habe,
bin jetzt schüchtern und ängstlich
und leide zwischen den Episoden
an Angst und Zwängen.
Wie gesagt, ich schiebe die Schuld auch
auf die Medikamente.
Früher war ich ganz anders,
fröhlich, abenteuerlustig und forsch,
beispielsweise habe ich 7 Jahre in Südamerika gewohnt.
Heute traue ich mich nicht mal vor die Tür,
das ist derb.
Ich gklaube immer noch, dass eines Tages alles ein großer Irrtum war.

liebe Grüße Remedias

Benutzeravatar
inka
Beiträge: 73
Registriert: Di 29. Mär 2011, 04:45

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon inka » Mo 4. Apr 2011, 20:59

hallo,

wow, südamerika.....!!!! cool
ja, das kenne ich. ich war früher auch sehr selbstbewußt, extrovertiert,
fröhlich. dann kamen die ängste, psychose und ich muss(te) mir all das zurückerobern,
wieder lernen. sone krankheit prägt ja auch und die unbeschwertheit
geht weg. ist ja auch normal, aber schwer.
durch meine nebenwirkungen kann ich auch manches nicht mehr machen.
ich merke aber, auch indem ich darüber schreibe, dass ich es von tag zu tag besser annehmen kann
und gaaaanz langsam erleichterter werde.
schlussendlich muss ich zufrieden sein, egal was die familie oder andere leute darüber denken!!!!!!
ich denke, man muss seine lebenseinstellung und seine erwartungen an sich selbst korrigieren
und einen neuen sinn finden, wenn man die krankheit akzeptieren will,
aber das dauert.
ich habe auch 30 kg zugenommen. akzeptanz und ablehnung liegen nah beieinander,
ich mache jetzt etwas sport.
zwänge behindern natürlich, als würde es nicht eh schon reichen.
das tut mir echt leid!
ja, das aufwachen und sehen, dass es eben kein irrtum ist und man diese scheiß krankheit ein lebenlang hat,
das ist bitter. da habe ich auch schon viele tränen vergossen.
aber ich kann dir nur raten, die wahrheit anzusehen, es wird mit der zeit besser werden.
hast du denn unterstützung?
man muss positives erleben, damit man die trauer verkleinern kann.
lg,
inka

elmsfeuer
Beiträge: 202
Registriert: Sa 27. Nov 2010, 20:16

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon elmsfeuer » Di 5. Apr 2011, 05:57

Hallo Inka,

ich kann das gut verstehen, Dein problem vor allem im Bezug auf die berufliche Zukunft.
Arbeit ist ja nicht nur zum Geldverdienen, sondern auch im günstigen Falle etwas, was einen ausfüllt, fordert, bestätigt...
Ich bin immer gerne arbeiten gegangen und hatte auch interessante und eher untypische Jobs als Frau.
Ich hab immer viel gearbeitet. Ok, heut weiß ich, dass ich damit ne Menge verdrängt hab.
Es war ein harter Schlag für mich, als plötzlich der Totalzusammenbruch kam, wo gar nichts mehr ging. Das ist jetzt schon über 10 Jahre her, ich bin seit 7 Jahren berentet.
Ich hab die letzten Jahre nochmal versucht, ein bisschen nebenbei zu arbeiten, nicht nur wegen den finanziellen Schwierigkeiten, sondern eben auch um wenigstens ein biischen das Gefühl zu haben, nicht ganz nutz- und sinnlos auf der Welt zu sein.
Aber alleine das Gefühl, Verantwortung zu habenführte zum neuerlichen Absturz, der mich fast das Leben gekostet hätte.
Ich hab jetzt im Moment für mich klar gekriegt. Arbeiten oder verantwortung in irgendeiner Weise geht grad gar nicht, allein der gedanke an eine Verpflichtung lässt alles aus dem Ruder laufen.
deshalb kommt für mich leider auch keine ehrenamtliche Tätigkeit in Betracht.
Aber vielleicht wäre das eine Aufgabe für Dich?
Es gibt viele schöne Tätigkeiten, die ienem auch persönlich was geben.
Ich war z.B. früher lange Zeit im DRK in der Bereitschaft aktiv, das hat mir Spaß gemacht und ich empfand es als sinnvolle Tätigkeit.
Den Sinn finden im Leben, auch wenn man nicht mehr arbeiten kann- darum gehts denke ich ganz viel.
Werkstatt hab ich auch durch, da gehts mir wie Dir- es geht gar nicht für mich. Zu viele Leute, zuviel Trubel, und die Arbeiten dort geben mir persönlich keinen Sinn.
Ich versuche auch schon lange, mich damit abzufinden, dass ich eben anders bin und vieles nicht kann, was für andere Selbstverständlich ist.
Was mir hilft ist eine gewisse Struktur. Regelmäßiges Aufstehen, Routinemäßige Tagesabläufe, dazwischen immer wieder Ruhephasen.
Hm. Gibt jetzt zwar nicht wirklich dem Leben Sinn, aber hilft erstmal den Alltag zu bewältigen, damit ich dann wieder schauen kann, was geht, was macht Spaß.... Was ist trotz der Erkrankung schön und gut in meinem Leben? Die Frage find ich ganz wichtig. Du bestehst ja nicht nur aus der Erkankung, sondern hast auch Ressourcen.
Was magst Du tun, was kannst Du gut, welche Hobbys sind realisierbar für Dich? Solche Fragen helfen ja vielleicht, einen neuen Sinn zu finden?
Hm, sorry, wird grad ziemlich konfus, ist wohl moch etwas zu früh für mich :oops:
einen schönen Tag und liebe Grüße von elmsfeuer

Benutzeravatar
inka
Beiträge: 73
Registriert: Di 29. Mär 2011, 04:45

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon inka » Do 7. Apr 2011, 04:58

hallo,

ja, das mit der verantwortung kenne ich auch.
aber ehrenamtlich ginge, da bin ich entspannter, da ich ja kein geld dafür bekomme,
da ist der druck nicht so groß.
es gibt da ja auch arbeiten, wo unsereins öfter zu finden ist.
ja, so langsam gewöhne ich mich daran, arbeitstechnisch auf niederschwelligem niveau zu arbeiten,
hauptsache keinen druck mehr !!!
jahrelang habe ich versucht und bin gescheitert und immer wieder das gleiche,
es ging nicht langfristig. ich denke, ich werde meine rente verlängern, denn voll-oder teilzeit ,
das schaffe ich einfach nicht mehr.
das bißchen erleichterung darüber spür ich schon und es fühlt sich sehr gut an,
das bin ich nun.
nicht so belastbar zu sein wie die anderen und kein schlechtes gewissen deswegen zu haben,
sondern mich so anzunehmen wie ich bin und deswegen bin ich nicht dümmer oder faul.
sondern habe eine ernsthafte erkrankung. ich finde , man sollte auch seine krankheit ernst nehmen,
denn wir können ja nichts dafür !!!!!!
und jetzt kann ich auch schauen, welche hobbies ich ausbauen kann, was wollte ich schon immer mal machen.
ich bin so froh, dass ich diese riesengroße last so langsam los werde,
daran kann man ja auch wieder schübe kriegen.

wie gehen eure freunde damit um, habt ihr verständnis, auch von der familie?
meine eltern wollen das nicht so recht akzeptieren, die sind nur auf leistung gepolt, das nervt!!!
aber es ist ja MEIN LEBEN!!!!!

lg , inka

Fortuna
Beiträge: 153
Registriert: Fr 1. Apr 2011, 20:12

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon Fortuna » Do 7. Apr 2011, 11:19

edit
Zuletzt geändert von Fortuna am Sa 28. Mai 2011, 01:09, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon Remedias » Do 7. Apr 2011, 14:23

Hallo Fortuna,
aber was soll man machen,
wenn einem die Krankheit sozusagen viele Charaktereigenschaften und Fähigkeiten und Talente genommen hat?
( oder ist es die Behandlung, die Neuroleptika?)
gerade was Kreativität angeht,
bin ich sehr schlecht geworden.
Natürlich weiß ich, dass es nichts bringt
der alten Remedias hinterher zu trauern
weil es diese Person wahrscheinlich nie wieder geben wird.
Aber im Inneren denke ich halt doch oft so:
und möchte die Uhr zurückdrehen.

liebe Grüße Remedias

lordi
Beiträge: 346
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 13:25

Re: Krankheit annehmen...sooo schwer!

Beitragvon lordi » Do 7. Apr 2011, 21:58

Hi Remaldis und die anderen,
du hast recht Remaldis, mit einer "Elefantendröhnung" an Psychopharmaka kann man sich nicht unbedingt gut und lange konzentrieren. Ich bin da mal wieder am Rumkämpfen, die Dosis zu verringern, selbst wenn das heißt, dass ich dann schlecht schlafen kann.
Ergotherapie gefällt mir gut, weil ich da gute Gespräche habe und etwas gestalte: Bilder, angemalte Tierfiguren, Fensterbilder usw. Die kann man dann bei sich zu Hause aufhängen bzw. aufstellen.

Dann war ich neulich im Tierheim und habe für eine Stunde einen Hund spazieren geführt (oder eher hat er mich ausgeführt :)- Jedenfalls freuen die Tiere sich und lassen sich auch gerne streicheln.

Eine ehrenamtliche Tätigkeit kann auch Stress bedeuten, wenn man z.B. mit dem Elend in einem Altersheim konfrontiert wird. Man könnte eher Nachbarschaftshilfe leisten und für jemanden einkaufen. Singen soll bekanntlich auch das Gemüt aufheitern, aber soviele Chöre gibt es ja nicht, höchstens die Kirchenchöre.

Ich habe in der Kur und bei stationären Aufenthalten einige Leute kennengelernt und mit denen treffe ich mich 1 x die Woche, dadurch habe ich Kontakte.
Jeder muss halt nach seiner Belastungsgrenze das Richtige für sich heraussuchen.

Liebe Grüße
Lordi


Zurück zu „Wiedereingliederung“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste