Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

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Molly
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Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon Molly » Fr 23. Jul 2010, 17:21

Lest Euch mal das durch:

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... tz-IV.html


Besonders der Absatz unten, wo es um Behindertenwerkstätten geht, ist für mich interessant. Ich dachte immer, die Beschäftigung in einer Behindertenwerkstatt erklärt sich aus dem Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben. Für mich perönlich ist es mit meinr Paranoia wahrscheinlich sehr schwierig, wieder eine Arbeit auf dem freien Markt zu finden. Ich habe sehr wenig soziale Kontakte. Soll ich jetzt in einer 25 qm Wohnung mit noch weniger Geld und fast gar keinen Kontakten nur noch zu Hause sitzen???

LG,

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Feuerchen
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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon Feuerchen » Fr 23. Jul 2010, 20:36

Ich finde gruselige Aussichten... [-(

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Molly
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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon Molly » Fr 23. Jul 2010, 21:58

Ich werde diesen Bericht am Montag dem Sozialdienstleiter in unserer Werkstatt zeigen. Mal sehen, was er dazu sagt. :-k
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Molly
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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon Molly » Di 27. Jul 2010, 17:01

Der Sozialdienstler meinte, ich müsse mir nicht zu sehr Sorgen machen. Die Werkstätten hätten eine starke Lobby hinter sich. Aber man weiß ja nie, was noch kommt, oder?
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submarine
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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon submarine » Do 5. Aug 2010, 17:50

aha, sehr interessant :-k
25 qm finde ich ausreichend, ich habe nur 20qm und das geht prima, vorher hatte ich viele Jahre nicht mal 15.

Zugang zu Behindertenwertkstätten wenn man EU-Rentenempfänger ist? Da will man doch sowieso nicht in so ne menschenverachtende Werkstätte, das wäre ja schlimm, wer geht dann da schon gerne hin. Ich fände das sehr beruhigend wenn man sich darauf verlassen könnte, andererseits müsste man die Rente auch erst mal bekommen, und das ist ja normalerweise das größere Problem, in der Reihenfolge, und nicht andersrum.
Außerdem gibt es für Behindis wie dich und mich das persönliche Budget. Da wird von daher kein Schuh raus, weil das weder was mit WfB noch mit Geldknappheit der Kommunen (die zahlen das Budget ja nicht) zu tun hat.
Dann müssten die hinschreiben dass Frührentner wie du und ich kein bald kein persönliches Budget mehr kriegen sollen, wegen Finanznot der Bezirke, aber das steht da ja gar nicht.

Ekliger finde ich das mit der kostenlosen Bahnfahrt für Behindis, sowas wäre für mich nämlich sehr praktisch, da der nächste geeignete Arzt für mich nur per Zugfahrt erreichbar ist. Auch dass die frühere Befreiung von Praxisgebühr und sonstigen Zuzahlungen nach dem alten SGB V § 61 weggefallen ist vor etlichen Jahren, ebenso wie die Zuzahlungsbefreiung für Brillengläser... wie soll ich als bebrillter HLU-Empfänger (da meine Frührente nicht reicht) bloß alles zahlen ??? Ich kann mir nicht mal die Ersatzteile für mein von gedankenlosen Nachbarn beschädigtes Fahrrad leisten und brauche zum Lesen inzwischen mangels Brillengläsern eine Lupe.

Grüße

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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon Molly » Do 5. Aug 2010, 23:45

@ Submarine!

Also mir geht es in dieser "menschenverachtenden" Behindertenwerkstätte sehr gut. Ich kann einfach meine Arbeit machen und muss mich nicht damit rumschlagen, eventuell beim nächstbesten Fehler den ich mache, rauszufliegen. Ich bin so stabil, wie wahrscheinlich noch nie in meinem Leben und das hängt zum größten Teil davon ab, dass mein Leben seit ich dort arbeite in einem strukturierten, gesicherten Rahmen verläuft.

Des Weiteren denke ich, dass Du kaum Ahnung von Behindertenwerkstätten hast, denn sonst würdest Du wissen, dass sich der überwiegende Teil derer, die dort den ganzen Tag arbeiten, dadurch dass sie arbeiten, auch Ersatzteile für Fahrräder leisten können und zumindest Zugang zu einem Sozialarbeiter haben, der dafür sorgt, dass sie die Brille von der Krankenkasse oder dem Sozialamt bezahlt bekommen. Mir würde nämlich meine Erwerbsminderungsrente ohne Zuverdienst auch nicht reichen.

LG,
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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon submarine » Do 12. Aug 2010, 18:36

Eisbärin hat geschrieben:
submarine hat geschrieben:...ich habe nur 20qm und das geht prima, vorher hatte ich viele Jahre nicht mal 15...
Waren das komplette Wohnungen???
äh, also das mit den 20qm ist (Präsens) eine komplette Wohnung, das andere waren Zimmer in WGs, eins war ein Zimmer mit Kochnische (also Bad und Klo auf dem kollektiv genutzten Mehrparteien-Gang).

Also, wenn man Küche durch Singleküche (Kochnische, maximal 1 qm) ersetzt und für Sanitärraum und Flur nicht viel Platz abziehen muss (in meinem Flur ist genau so viel Platz dass sich die Türen zu Wohnung, Bad und Zimmer öffnen lassen, aber jeweils nur eine der drei Türen, maximal 1 qm, und ins Bad passt genau ein Waschbecken, ein Klo und eine Nasszelle, also geschätzte 2 qm), dann hat man sogar ein recht geräumiges Zimmer, größer als viele WG-Zimmer. Was will der Mensch mehr. Man kann da sogar Räder schlagen, wenn man`s kann, so riesig ist das. Luxus pur. Da kenne ich wirklich viele Menschen die in weitaus kleineren Zellen hausen, und ich meine nicht Isolationshäftlinge, ich denke an geringverdienende Familienväter, an Studenten und dergleichen, da bin ich ja der Krösus, im direkten Quadratmeter-Vergleich, und das mit freiem Blick auf Nachbars schreiende Gärten. Schreiende Gärten ? Schreiende Gärten. #-o

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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon submarine » Do 12. Aug 2010, 18:51

Molly hat geschrieben:Also mir geht es in dieser "menschenverachtenden" Behindertenwerkstätte sehr gut. Ich kann einfach meine Arbeit machen und muss mich nicht damit rumschlagen, eventuell beim nächstbesten Fehler den ich mache, rauszufliegen. Ich bin so stabil, wie wahrscheinlich noch nie in meinem Leben und das hängt zum größten Teil davon ab, dass mein Leben seit ich dort arbeite in einem strukturierten, gesicherten Rahmen verläuft.
Glückwunsch, ja, solche Fälle kenne ich auch. Jedem das seine. :D Ich meinerseits hatte seinerzeit einen Sui-Versuch begangen als man mir ankündigte, ich müsse entweder in eine Behindiwerkstatt oder eine Lehre machen. Für mich eindeutig eine rechstwidrige Erpressung (Straftat die das Leben bedroht = jenseits des Einwilligungsrechts, man hätte mich also mindestens dem Vormundschaftsrichter vorführen müssen, was aber nicht passierte. Das könnte noch ein strafrechtliches Nachspiel haben in der Zukunft, aber dafür muss ich mir erst einen Staatsanwalt kaufen :-$ ).
Des Weiteren denke ich, dass Du kaum Ahnung von Behindertenwerkstätten hast, denn sonst würdest Du wissen, dass sich der überwiegende Teil derer, die dort den ganzen Tag arbeiten, dadurch dass sie arbeiten, auch Ersatzteile für Fahrräder leisten können und zumindest Zugang zu einem Sozialarbeiter haben, der dafür sorgt, dass sie die Brille von der Krankenkasse oder dem Sozialamt bezahlt bekommen.
möglich, ich hab nie in einer solchen Werkstätte gearbeitet und hab in meinem Post von mir selbst geschrieben, nicht von der allgemeinen Menschheit. Ich kenne genug Leute die jahrelang in derartigen Werkstätten malochen mussten, bis sie mit Selbstvernichtung drohten = einziger Ausweg. Dass man dann hinterher bescheidene finanzielle Vorteile (Berufsunfähigkeitsrente oder anderen materiellen Luxus) genießt weiß ich, aber das wäre es mir nicht wert.

Wie machst du das denn in Zukunft wenn die Kommune für die Werkstätte nicht mehr löhnt, machst du das dann über das persönliche Budget oder geht das gar nicht, was sagt dein Sozialarbeiter ? Irgend so `ne Maßnahme zahlen die sicher, weil das für den Bezirk jedenfalls billiger ist als Heimunterbringung.
Mir würde nämlich meine Erwerbsminderungsrente ohne Zuverdienst auch nicht reichen.
aha, da haben wir´s :mrgreen:
Ich hab ja eh das HLU-Problem, d.h. da meine Rente nicht reicht würde das SozAmt 75% des Hinzuverdienstes einstreichen, da überlegt man dann schon ob man dafür noch arbeiten will.

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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon submarine » Do 12. Aug 2010, 19:03

btw.: sry dass ich so lang zum Antworten brauche aber ich hab derzeit (logischerweie) keine Kohle um öfter ins Internet-Café zu gehen :oops:

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Re: Zur Teilhabe am Arbeitsleben - Pressemeldung

Beitragvon Molly » Fr 13. Aug 2010, 01:39

Hallo Submarine!

Wenn Du von Grundsicherung abhängig bist, ist es natürlich ätzend, arbeiten zu gehen und das meiste abgezogen zu bekommen. Bei uns machen es trotzdem einige. Die arbeiten natürlich so wenig, dass es sich für die Werkstatt kaum lohnt aber da sagt von den Gruppenleitern keiner etwas weil sie ja wissen wie es bei denen ums Finanzielle steht. Immerhin bekommen sie die Fahrkarte und das Mittagessen gezahlt und nach 20 Jahren hat man Anrecht auf eine Erwerbsminderungsrente (jedenfalls so lange, bis sie das oben genannte durchsetzen :sad: )

Wie ich das in Zukunft machen würde? Ich liege mit meiner Rente gerade so über der Grundsicherung. Ich hätte also eigentlich keine Ansprüche. Da ich aber ab und zu auch mal meinen Kindern was zukommen lasse und zwei Katzen habe, wird es sehr knapp dann. Ich würde also versuchen einen Zuverdienst für drei Stunden täglich zu finden. Bin mir aber nicht sicher, ob ich das lange aushalten würde und ich weiß auch gar nicht, was da für mich geeignet wäre.

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