REHA nicht möglich. Was nun?

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Bipolar
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REHA nicht möglich. Was nun?

Beitragvon Bipolar » Mo 11. Jan 2010, 17:03

Vor etwas mehr als einem Jahr bekam ich meinen zweiten Burnout und vor fast genau einem Jahr nach diversesten Untersuchungen die Diagnose: Bipolare Störung mit rapid cycling . Es folgte ein fast viermonatiger Klinikaufenthalt, in dem mir ärztlicherseits eröffnet wurde, dass ich eben an einer psychischen Behinderung leide, deren Symptome man zwar halbwegs behandeln könne, die man aber nach dem gegenwärtigen Stand der ärztlichen Kunst nicht heilen könne. So weit, so gut - es wurde mir geraten, Erwerbsunfähikeitsrente zu beantragen. Doch hier wirkte sich meine Vorgeschichte (heute weiß ich, dass ich allein zwischen 1987 und 2008 über 30 manische und depressive Episoden hatte) äußerst negativ aus. Nach meinem Studium hatte ich fortlaufend selbständig gearbeitet und auch die notwendige Eigenvorsorge getroffen. Als dann die Beziehung mit meiner Ex in die Brüche ging, musste ich alles auflösen. Nun wusste ich gar nicht, wie krank ich damals schon war, schließlich ging es um Kindesunterhalt und der Krieg ums Kind tobte über Jahre.

Als ich nun im Herbst 2008 zum zweiten Mal nach 2005 zusammenbrach, brach nun nach dem Klinikaufenthalt eine Welt zusammen: nicht nur, dass ich nur noch Grundsicherung bekomme, sprich: Sozialhilfe, sondern auch dass sowohl eine medizinische, als auch eine berufliche REHA von drei Reha-Trägern abgelehnt wurde, da ich aus Sicht der FA für Psychiatrie als nicht mehr erwerbsfähig gelte. Obwohl ich weiß, dass ich zur Zeit nicht einmal regelmäßige Tätigkeiten mit einer Dauer von einer Stunde machen kann, ist das für mich ein gewaltiger Schlag, weil jedwede Perspektive zur Zeit fehlt. Ein Mal in der Woche zur Selbsthilfegruppe zu gehen - das kann doch kein Ausweg sein - oder?

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Molly
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Re: REHA nicht möglich. Was nun?

Beitragvon Molly » Mo 11. Jan 2010, 19:04

Wenn gar keine andere Möglichkeit besteht, wieder Arbeit zu bekommen, könntest Du dich bei einer WfbM bewerben. In der Eingliederungsphase bekommst Du Übergangsgeld, dessen Höhe vom letzten Gehalt abhängig ist. Nach zwei Jahren bekommst Du Werkstattlohn und musst zusätzlich entweder Rente oder Grundsicherung beantragen.
Das Positive an der Werkstatt ist, dass ziemlich viel für die Altersrente (auch wenn man schon Erwerbsminderungsrente bekommt) einbezahlt wird. Du kannst also auch wenn Du jetzt Grundsicherung brauchst, eventuell im Alter davon wegkommen.

LG,

Molly
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Laura
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Re: REHA nicht möglich. Was nun?

Beitragvon Laura » Mo 11. Jan 2010, 21:34

Hallo bipolar!

Du kannst auch mal den nächstgelegenen Integrationsfachdienst aufsuchen und Dich dort beraten lassen. Die kümmern sich um Arbeitsmöglichkeiten für psychisch Kranke, die nicht unbedingt in die Reha-Werkstatt führen. Es gibt heutzutage Integrationsfirmen, die vorzugsweise Behinderte einstellen und manchmal ist es eine Art Zubrot zur Stütze, manchmal erhält man da aber auch einen Lohn, von dem man einigermaßen über die Runden kommen kann. Eine gewisse Belastbarkeit und Ausdauer werden da aber schon verlangt. Vielleicht wäre es vorläufig aber besser für Dich, Dir entweder eine Tagesstätte für psychisch Kranke zu suchen, die nach Möglichkeit auch eine Art softes Arbeitstraining (letzteres ist nicht Standard bei Tagesstätten, aber Tagesstätten können einem auch ohne spezielles Programm für die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit zu mehr Fitness verhelfen) anbietet oder eine Reha-Werkstatt, wo Du nicht durchpowern musst.

Und wenn Du Dich an einem geschützten Arbeitsplatz lange Zeit bewährt hast, dann sind die Aussichten für eine Förderungsmaßnahme, die auf den ersten Arbeitsmarkt abzielt, vielleicht dann auch besser.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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fluuu
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Re: REHA nicht möglich. Was nun?

Beitragvon fluuu » Di 19. Jan 2010, 13:23

Hallo bipolar,

Deine Geschichte betrifft mich selbst auf gewisse Weise darum schreibe ich noch was.
Habe vor vielen Jahren die Diagnose bipolare Störung bekommen.

Laura hat mit ihrer Ansicht schon gut ins Schwarze getroffen. Wenn Du vom
Gutachter arbeitsunfähig erklärt wirst aber auf Grund fehlender Angestelltenjahre
keine Frührente bekommst, musst Du Dich zunächst mit der Grundsicherung
abfinden und Dir Dinge suchen mit denen Du die Woche gefüllt bekommst.
Wenn Wiedereingliederungsmaßnahmen wegfallen bleibt immer noch die
Tagesstätte die es in fast jeder Stadt gibt. Sie ist Kontaktmöglichkeit und bietet
leichte Arbeiten und verschiedene Angebote ganz individuell auf den persönlichen
Zustand abgestimmt. Dort kann man Stück für Stück die Arbeitsfähigkeit Trainieren.
Habe zehn Jahre in so einer Einrichtung mitgewirkt und Training angeboten.

Bei bipolarer Störung ist zu viel Druck, egal ob von außen oder von innen
ein auslösender Faktor um die Stimmung aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Deshalb besteht die Aufgabe eines Bipolaren im Alltag nicht darin zu Malochen
und Berge zu versetzen, sondern darin Ausgleich zu schaffen um stabil zu bleiben.

gruß fluuu
gruß fluuu

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