Diskriminierung der seelisch Behinderten in Sachsen-Anhalt

Hier hinein gehören alle Informationen und Fragen zum Thema beruflicher und sozialer Wiedereingliederung nach und bei psychischer Erkrankung
Erwin1
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Diskriminierung der seelisch Behinderten in Sachsen-Anhalt

Beitragvon Erwin1 » Mo 15. Sep 2008, 20:31

[b]Jahrelange Diskriminierung der seelisch Behinderten in Sachsen-Anhalt
durch das Ministerium für Soziales und Gesundheit[/b]

Es ist ein Skandal, der eigentlich für Schlagzeilen in den Medien sorgen sollte. Aber auch da zeigt sich:
Psychisch kranke Menschen haben keine Lobby!
Und seelische Behinderungen sind für die Presse nicht so interessant wie Promi-Hochzeiten.
Und das, obwohl Depressionen, Schizophrenie oder Alkoholabhängigkeit wirklich häufig vorkommen, ja Volkskrankheiten sind! Doch die Schwächsten trifft es am stärksten, weil sie sich nicht wehren können.
Seit der Wiedervereinigung (über die Psychiatrie zur DDR-Zeit geschah, müsste man mal im Forum gesondert diskutieren) werden in Sachsen-Anhalt seelisch behinderte Menschen systematisch benachteiligt. Und das nicht nur mit Kenntnis von Frau Ministerin für Soziales und Gesundheit Dr. Kuppe, sondern ihr Ministerium ist der Verursacher! Denn es hat die diskriminierenden Personalschlüssel vorgegeben:

Wer geistig behindert ist, erhält in einem Heim Sachsen-Anhalts einen Personalschlüssel von 1 : 1,5. Aber wehe, man ist psychisch krank! Denn seelisch Behinderte erhalten in Sachsen- Anhalts Heimen nicht nur weniger, sondern - nur - ein ¼ dieses Personalschlüssels!

Nur ein Viertel der Betreuung für psychisch Behinderte?!? Wie soll mann da die Betroffenen noch pflegen und fördern können? (Eingliederungshilfe soll doch - gesetzlich nach dem SGB XII und in einem Rahmenvertrag – auch seelisch Behinderte in die Gesellschaft wieder eingliedern, deren gesellschaftliche Integration ermöglichen. Respekt für die Mitarbeiter in sachsen-anhaltinischen psychiatrischen Heimen, die dennoch erfolgreich sozialpsychiatrisch arbeiten, also - trotz all dem - Rehabilitationen ihrer psychiatrischen Patienten erreichen!) Für seelisch Kranke 75 % weniger - Obwohl vor dem Grundgesetz alle Menschen gleich sein sollen? Obwohl nach Artikel 3 des Grundgesetzes niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf? Wissen dies das Bundesverfassungsgericht und der EU-Gerichtshof für Menschenrechte? Oder Ist die Europäische Union in Brüssel zu weit weg von Magdeburg? (Andere Verletzungen von Bürger- oder Menschenrechten werden – Gottseidank - doch heute aktuell auf Homepages und im Internet sofort kommuniziert,sogar weit entfernte: z.B. aus Asien (etwa vor der Olympiade) oder Afrika,) Und diese jahrelange, fast jahrzehntelange Diskriminierung obwohl der Behindertenbeauftragte Sachsen-Anhalt und der Psychiatrieausschuss Sachsen-Anhalt aus fachlicher Sicht darauf hingewiesen habewn, dass seelisch Behinderte genauso viel Betreuung benötigen wie geistig Behinderte? In einem Psychiatrieausschuss sind doch viele Fachleute, warum wenden sie sich wegen dieses Skandals nicht an die Presse (es gibt doch noch engagierte Journalisten), warum tun sie nicht mehr? Oder sind sie nur Psycho-Profis, die keine psychisch erkrankten Angehörigen haben?

Wer weiß mehr zur Benachteiligung seelisch Behinderter in Sachsen-Anhalt (Umfrage)?
Wie ist es in anderen Staaten und Bundesländern?

Ob der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Professor Böhmer von dieser ständigen Diskriminierung seelisch Behinderter eigentlich weiß? Immerhin ist er Arzt!

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fluuu
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Re: Diskriminierung der seelisch Behinderten in Sachsen-Anhalt

Beitragvon fluuu » Mi 31. Aug 2011, 10:18

Hallo,
etwas schwierige Ansichten von Diskriminierung Behinderter zu sprechen denn diese
Ansicht verlangt die völlige Entmündigung.
Ein Personalschlüssel von 1:1,5 bedeutet ein und eine halbe Mama für ein Kind.
Das kommt in keiner Familie vor denn dort gibt es nur eine Mama und meist für
mehrere Kinder.
Ein schwer im Gehirn geschädigter und eventuell mehrfach behinderter Mensch
braucht umfassende Unterstützung aber ein "nur" seelisch behinderter Mensch kann die
meisten Dinge im Alltag selbstständig und kreativ mit Qualität ausführen,
er braucht nur ein wenig moralischen Beistand.
Da reicht eine Fachkraft für eine Gruppe von behinderten Menschen aus,
sie können untereinander kommunizieren, sich austauschen und Zuwendung geben.

Anders ist es bei Behördengängen und Ämtern, für körperbehinderte Menschen werden
viele Schwellen beseitigt aber die Schwellen für seelisch Behinderte werden kaum
wahrgenommen. Es bräuchte im Amt eine persönliche Ansprache für seelisch
behinderte Menschen schon am Eingang und eine komplette Begleitung durch die
Erledigungen.
Der Vergleich mit einer Kindergärtnerin die an die Hand nimmt hingt in dem Fall nicht.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

neue Schuhe?
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Re: Diskriminierung der seelisch Behinderten in Sachsen-Anhalt

Beitragvon neue Schuhe? » Fr 9. Dez 2011, 14:57

Manchmal denk ich mir "geht's noch?". Ich weiß zwar nicht, was so ein Personalschlüssel bedeutet und über Sachsen-Anhalt weiß ich auch nicht bescheid.

Was mich aber in dem Zusammenhang psychischen Krankheit und Umgang damit in der Öffentlichkeit sofort eingefallen ist (was nach viele-vielen tragischen Dingen wie kein Anspruch auf einen Krankenklassenplatz in einer Psychotherapie, wenn man schon einmal im Leben eine Psychotherapie gemacht hat, hier in Wien zumindest, etc. etc.)

Seit einigen Wochen kursieren folgende Werbeplakate durch Wien:
eine psychische Krankheit ist genauso normal wie ein minimaler operativer Eingriff bei [irgendeine Darmerkrankung].

Was soll das heißen? Dass ein operativer Eingriff eigentlich etwas alltägliches ist? Eine Behandlung einer psychischen Erkrankung ist nicht zwingend erforderlich weil normal? Psychische Krankheiten einfach so durch medizinische Behandlungen (Medikamente, chirurgische Eingriffe wie Verbrennung gewisser Gehirnbereiche durch Elektroschocks) gemildert werden können? Das sich damit trotzdem gut leben lässt, man sich also nicht "anstellen" soll, da es etwas total normales ist?

felix
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Re: Diskriminierung der seelisch Behinderten in Sachsen-Anhalt

Beitragvon felix » Fr 9. Dez 2011, 18:19

Warum bist Du eigentlich wütend? Weil Dir in Österreich eine weitere Therapie versagt wird?

In Deutschland und damit auch in Sachsen-Anhalt soll es jedenfalls nach 2 Jahren wieder ein Anspruch auf eine Therapie geben, wie mir hier gesagt wurde. Da psychisch Kranke nicht geistig behindert sind und unterschiedlichen Hilfsbedarf haben, ist ein unterschiedlicher Personalschlüssel für Unterschiedliches auch keine Diskriminierung. Das hat fluu schon treffender erklärt.
Die Werbeplakate sollen vermutlich besagen, das die Krankheit nichts Unwertiges ist und jeder unverschuldet davon betroffen sein kann.


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Remedias
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Re: Diskriminierung der seelisch Behinderten in Sachsen-Anhalt

Beitragvon Remedias » Sa 10. Dez 2011, 17:21

Ein schwer im Gehirn geschädigter und eventuell mehrfach behinderter Mensch
braucht umfassende Unterstützung aber ein "nur" seelisch behinderter Mensch kann die
meisten Dinge im Alltag selbstständig und kreativ mit Qualität ausführen,
Das glaube ich eigentlich auch.

Ich kann mich über mangelnde Aufmerksamkeit von Seiten der Psychiatrie nicht beklagen
(Zwangseinweisung; Medikation, Therapien)
im Gegenteil; ich will in Ruhe gelassen werden.
Es ist in Ordnung, dass ich Rente bekomme, mehr aber auch nicht.

liebe Grüße Remedias


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