wahrnehmungsstörungen, autofahren und berufswahl

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blister
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wahrnehmungsstörungen, autofahren und berufswahl

Beitragvon blister » Di 26. Feb 2008, 11:40

Hallo,

Zuerst mal meine Problematik:

Ich habe mit 35 Jahren noch keinen Führerschein und habe mich nun endlich in einer Fahrschule angemeldet. Meine Befürchtungen rühren von bestimmten Störungen her:

Als Beifahrer und auch sonst im Alltag sehe ich oft Dinge nicht als das was sie sind und erkenne es erst oft sehr spät. Z.B denke ich lange, es kommt eine Linkskurve und erkenne es erst ca 50 m davor als Rechtskurve oder denke das Auto kommt von der anderen Seite oder ich sehe jemanden entfernt laufen und weiß sehr lange nicht, ob er sich nähert oder entfernt.
Manchmal ist es auch was ganz Anderes, das ich sehe, z.B. sehe ich einen Mann, der eine weiße Stange quer über die Straße hält und erkenne erst in unmittelbarer Nähe, daß er sich an einem Geländer festhält, daß neben der Straße verläuft.

Außerdem kann ich mich in Kleiningkeiten meist lange nicht enscheiden, z.B. mit dem Fahrrad: links oder rechts am Kanaldeckel vorbei? So bin ich fast sicher, auf Beschleunigungsstreifen wüßte ich nicht ob ich schneller oder langsamer machen sollte und würde mich so in einer Zwickmühle sehen, daß ich gelähmt wäre. Ich bin oft wirklich handlungsgelähmt und stehe oder sitze Minuten-lang oder länger herum bis ich mich bewege. Das passiert mir meist unter Streß. In den Jobs, die ich hatte, hab ich dann ja meist Befehle über mir gehabt, nach denen ich mich dann richtete.

Das dritte Problem ist: Ich lasse mich ganz schnell von Details ablenken, die nichts mit der Sache zu tun haben und beschäftige mich dann mit diesen statt mich zu konzentrieren. Das geschieht automatisch und fällt mir zunehmend auf.

Meine Fragen sind nun:
Kann ich mit diesen Einschränkungen Autofahren? Wer hat da Erfahrungen?
Und:
Ich hab auch immer noch keinen Beruf und frage mich, was ich arbeiten kann. Mache demnächst eine Maßnahme mit Praktika. BOP-Maßnahme nennt sich das, ist von einem Institut, das mit der ARGE zusammenarbeitet. Die Arbeitszeit ist gestaffelt: 1. Praktikum 4St/tägl, dann 6, dann 8 Stunden. Was denkt ihr, wo ich gut arbeiten könnte oder was ich lassen sollte, wer hat mit ähnlichen Symptomen Erfahrungen?

Vielen Dank für Anregungen.
Liebe Grüße

blister

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Di 26. Feb 2008, 12:46

Hallo blister,

so wie du deine Störungen beschreibst fände ich es absolut verantwortungslos, Auto zu fahren. Bedenke, daß du nicht nur die eigene, sondern auch die Gesundheit anderer gefährdest, wenn du im ziemlich komplexen Straßenverkehr nicht zurecht kommst. Ich selber fahre übrigens seit fast 20 Jahren nicht mehr selber Auto. Solange nehme ich schon Neuroleptika und damit ist die Aufmerksamkeit einfach nicht so, wie ohne.

Gruß, Helene
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Xcat
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Beitragvon Xcat » Di 26. Feb 2008, 12:54

Auch wenn meine Symptome ganz anders sind, habe ich auch schon seit fast ein Jahr mein Auto stehen lassen. Naja, in Frankfurt ist es ja auch nicht schlimm, denn da kommt man mit S- und U-Bahn überall hin...

LG Tom
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Biene
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Beitragvon Biene » Di 26. Feb 2008, 20:33

Hallo blister,
die Antwort auf die Frage ,ob Du Auto fahren sollst, hast Du Die indirekt schon selbst gegeben.
Du führst einige Gründe auf, die Dich daran hindern,dem Straßenverkehr aufmerksam zu folgen.
Die Frage ist, kannst Du sicherstellen,dass Du Dich oder andere nicht gefährdest?
Die Entscheidung kann Dir niemand abnehmen.
Zur Berufsfrage : wo genau liegen denn Deine Interessen ?
Einen schönen Abend und liebe Grüße
Biene
>> Leben bedeutet Probleme zu haben, und Probleme zu lösen bedeutet, geistig zu wachsen. <<

blister
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kein auto...

Beitragvon blister » Sa 1. Mär 2008, 17:21

Vielen Dank deepnight,xcat und biene für eure Antworten!

Ich kann nicht oft ins Internet, deswegen antworte ich so spät, entschuldigt bitte!
Ich hoffe, ich hab jetzt alle Namen richtig geschrieben.
Ich hatte nicht gedachte, daß es sich so schlimm anhört, daß ihr eindeutig meint, ich sollte das Autofahren lassen. Ich hab natürlich die Symptome herausgestellt und nicht erwähnt, daß mir auch über längere Phasen nichts Seltsames auffällt. Aber es ist auch so tagsüber öfters was, wenn ich rumlaufe. Ich dachte, vielleicht gibt es eine Möglichkeit, das beim Fahren auszublenden.
Meine Neuigkeit ist, daß ich ab Montag Abilify bekommen soll. Vielleicht gehen die Störungen ja davon weg.

Liebe Grüße an Euch

Fatima

SuMu
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Beitragvon SuMu » Sa 1. Mär 2008, 17:24

Hi
während der Einschleichphase eines Medikaments, sollte man auf keinen Fall Autofahren und bei Maschinenbedienung vorsichtig sein!
viele Grüße
SuMu / http://psychomuell.de - http://blogzicke.de - http://su-mu.de/

blister
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einschleichen

Beitragvon blister » So 2. Mär 2008, 12:40

Hi SuMu,

danke für den Hinweis! Das ist mir aber auch klar. Abgesehen davon werde ich dieses Medikament nicht nehmen. Es reicht mir, von zwei verschiedenen Leuten zu lesen, daß sie von Abilify Herzrhythmusstörungen bekommen haben, die nach kurzer Einnahme auch Wochen nach dem Absetzen noch nicht weg sind.
Ich bekomme immer mehr das Grausen, wenn ich mitbekomme, wie mit Medikamenten verfahren wird. Da bekommt man von Ärzten Druck, sie zu nehmen, weil man sonst wie weit zurückfallen würde, aber dabei keinerlei Hinweise darauf, wie unerforscht etwas ist, und welche Risiken man eingeht. Bei jedem kleinen chirurgischen Eingriff bekommt man Warnhinweise ausgehändigt, die man unterschreiben muß, bei Psychopharmaka habe ich noch nie etwas nur ansatzweise Warnendes erlebt, es wird eher die labile Psyche der Patienten noch ausgenutzt.

Fröhliche Grüße, absolut sorglos

blister

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Beitragvon Xcat » So 2. Mär 2008, 12:58

Hallo Blister,

wie das Medikament bei dir wirkt kannst du erst wissen nachdem du es probiert hast. Hier im Forum wird vor allem das erzählt was nicht funktioniert, und nicht das was funktioniert. Außerdem kann man nichts allgemein behaupten, gerade bei Psychopharmaka. Abilify hat mir z.B. keine Herzrhythmusstörungen verpasst, obwohl ich ein anfälliges Herz habe. Jeder reagiert halt anders, und es findet sich immer jemand der auf ein Präparat schlecht reagiert hat.

LG Tom
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fluuu
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Beitragvon fluuu » So 2. Mär 2008, 14:10

Hallo,
gerade im psychologischen Bereich ist es besonders heikel weil die Suggestion so stark wirkt. Ließ den Beipackzettel irgendeines NL und Du wirst Dich anschließend vor womöglich wahrgenommenen Nebenwirkungen nicht mehr retten können, so geht es mir jedenfalls und deshalb glaube ich nur an die Nebenwirkungen die ich bei Einnahme selbst erlebe.
Es hilft nur Ausprobieren, wie beim Leben auch...

gruß fluuu
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Remedias
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Beitragvon Remedias » Mo 31. Mär 2008, 19:01

Hallo, ich nehme (noch) Abilify und es war bisher von den Nebenwirkungen her absolut das Verträglichste (leider hat es bei mir keine große Wirkung, aber das ist eine andere Geschichte).
liebe Grüße Remedias


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