Unglücklich durch Neuroleptika

Dieses Forum beschäftigt sich speziell mit Nebenwirkungen bzw. unerwünschten Wirkungen von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieverfahren (Einzel- und Gruppentherapie, körperorientierte Verfahren etc.), die in der Psychiatrie und Psychotherapie eingesetzt werden. Es sollen hier nur persönliche Erfahrungen wiedergegeben werden. Nutzen Sie den Raum für anschauliche Beschreibungen, denn das Thema Nebenwirkungen ist von besonderer Bedeutung.
kitty-elvis@web.de
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Unglücklich durch Neuroleptika

Beitragvon kitty-elvis@web.de » Do 10. Aug 2017, 18:12

Guten Tag,
im folgendem Beitrag möchte ich meine leider unangenehmen und beängstigenden Erfahrungen mit Neuroleptikern mit euch teilen um herauszufinden was ihr davon hält.
2016 wurde eine Psychose bei mir diagnostiziert da ich mich ziemlich gereizt verhalten habe und manchmal sogenannte "Wahnvorstellungen" hatte (z.B. dass das Leuten von Kirchenglocken etwas mit mir zu tun hat).
Daraufhin habe ich ein Jahr lang Abilify genommen.
Innerhalb diesed Jahres habe ich ordentlich zugenommen und mich motivationslos sowie unglücklich gefühlt.
Von daher habe ich mich auch nicht auf die Schule konzentrieren können und versäumte nur mit äüßerstem Glück das Schuljahr nicht.
Ich habe mich zutiefst geschämt weil ich bei Mädchen immer gut angekommen bin und dies nun nicht mehr der Fall war.
Dies und noch mehr manifestierte sich dann auch in meiner Psyche, ich fühlte mich leer und seelenlos.
Ich hatte legliche Lebenslust und Antribesmotivation abgelegt und fühlte mich wie ein Zombie der nun beschämt von dem einen in den anderen Tag reinlebte.
Da meine Mutter der Grund gewesen ist warum ich dieses Medikament überhaupt erst nahm (sie ist selbst psychiatrische Krankenschwester und zwang mich dazu) entschloss ich mich dann dass ich so nicht mehr weiterleben kann und setzte das Medikament auf eigene Gefahr "kalt" ab.
Anschließend traten wieder psychotische Sxmptome bei mir auf, was aber nach so einem Kaltentzug normal ist wie ich erfahren habe.
Ich kam rasch wieder in Form, hatte wieder Lebenslust und alles fühlte sich so richtig und gut an.
Meinem Psychiater erzählte ich aus Angst vor erneuter Medikation nichts von dem Absetzen.
Als er meine psychotischen Symptome bemerkte und meine Mutter mich damit bedrohte das Haus zu verlassen wenn ich mich nicht wieder behandeln lasse, verabreichte er mir dann 300 mg per Spritze.
Nun fühle ich mich wieder zu nichts zu gebrauchen, habe das Gefühl dass mir nichts gelingt und habe keine Lust mehr am Leben.
Wenn es nach mir persönlich ginge würde ich alles dafür tun um ein Leben ohne Neuroleptika zu leben und die Psychose anderswie behandeln zu lassen.
Ich kann nicht mehr so leben, ich finde dass dieses Leben so nicht lebenswert ist aber keiner nimmt mich ernst, vor allem nicht meine Eltern.
Ich bin übrigens 19 Jahre alt und mit den Gedanken total am Ende.
Somit frage ich euch hier nach Rat, ich würde mich sehr über hilfreichd Ratschläge freuen.
Mit freundlichen Grüßen,
Sebastian

mamschgerl
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Re: Unglücklich durch Neuroleptika

Beitragvon mamschgerl » Do 10. Aug 2017, 19:33

Hallo Sebastian,
zuerst einmal halte ich es für sehr bedenklich, daß deine Mutter veranlasst, welche Medikamente du einzunehmen hast, auch wenn sie eine psychiatrische Krankenschwester ist, so scheint mir doch, daß einzig und allein dein behandelnder Arzt das gemeinsam mit dir entscheiden sollte.
Du bist volljährig und somit ist dein Arzt für dich alleine zuständig und deine Mutter hat da im Grunde kein Mitspracherecht.
Die Situation ist natürlich verfahren, wenn sie dir damit droht, dich rauszuwerfen, wenn du das Medikament nicht mehr einnimmst. Ich persönlich halte diese Taktik für erpresserisch und nicht wirklich mütterlich, zumal noch nicht mal versucht wird, ein anderes Medikament auszuprobieren, das weniger Nebenwirkungen hervorruft.
Dir hier etwas zu raten, ist hinsichtlich deiner familiären Lage schon sehr schwierig; ich würde mit dem Arzt eindringlicher darüber reden, denn Nebenwirkungen können weitere Probleme nach sich ziehen, die alles noch schlimmer machen.
Dein Arzt ist für dich verantwortlich und sollte sich daher auch um bestmögliche Verträglichkeit der Mittel bemühen, laß dich da nicht abspeisen und versuche auch selbst, im Internet nach anderen Medikamenten zu suchen, die du dann auch als Alternative benennen kannst, so hast du etwas zur Argumentation in der Hand.
Auch eine weitere ärztliche Meinung einzuholen, kann helfen, du bist nicht verpflichtet, nur zu diesem zu gehen, wenn du dich dort nicht richtig beraten oder behandelt fühlst. Letztlich musst du dich irgendwie durchsetzen.
Ich drück dir die Daumen.
L.G. mamschgerl

kitty-elvis@web.de
Beiträge: 2
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Re: Unglücklich durch Neuroleptika

Beitragvon kitty-elvis@web.de » Fr 11. Aug 2017, 19:20

Hallo manschgerl,
danke für die aufheiternden Worte!
Ich werde mich wohl durchsetzen müssen und zu einem anderen Arzt gehen.
MfG, Sebastian

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fluuu
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Re: Unglücklich durch Neuroleptika

Beitragvon fluuu » Di 29. Aug 2017, 13:07

Wenn ich mich meiner Lebensumstände wegen die ich nicht aufarbeiten möchte an die Klippe stelle,
Neuroleptika schlucke und springe, wird jeder Pathologe der den Leichnam untersucht die
Neuroleptika als ursächlich für den Tod identifizieren. Die Pillen haben in den Tod getrieben.

Dabei ist es eher umgekehrt, wenn psychische Symptome vorliegen können Neuroleptika
sie abschwächen damit dann die Konzentration möglich ist um in der Therapie aufzuarbeiten.
Der Gang zur Klippe ist nicht nötig.

Eine Medizin einnehmen um wieder ins Leben zu finden und gleichzeitige Verweigerung des Lebens
ist so paradox, das kriegt nur ein krankes menschliches Gehirn zustande.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

mamschgerl
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Re: Unglücklich durch Neuroleptika

Beitragvon mamschgerl » Mi 30. Aug 2017, 07:55

Daß Nebenwirkungen verheerende Auswirkungen haben können, ist hinlänglich bekannt.
So können Medikamente zwar vieles an Symptomen mindern, aber eben auch vieles von dem, was einem im Leben wichtig ist.
Daß Gewichtszunahme bei einem sonst aktiven, Apathie bei einem sonst interessierten, gedämpfte Gefühlswahrnehmungen bei einem sonst wachen Menschen nicht gerade sehr förderlich sind im gesellschaftlichen Kontakt, den man völlig anders pflegte, liegt wohl auf der Hand.
Hier geht es auch nicht um Lebensumstände, die nicht aufgearbeitet werden wollen, das ist wieder einmal eine so typisch destruktive Unterstellung, sondern es wird um Erfahrungsaustausch gebeten und eventuell mögliche Alternativen zu dem jetzigen Medikament. Das zeigt doch wohl ganz klar, daß hier jemand sich allen Umständen bewusst ist und nach Möglichkeiten nachfragt, wie er seine Probleme in den Griff bekommen kann, ohne auf seine ihm wichtigen Persönlichkeitsmerkmale verzichten zu müssen.
Dieser Mensch lehnt nicht das Leben ab, er lehnt die Medikamente ab, die ihm sein Leben erheblich einschränken.
Daß solche Medis bei ihm eben nicht die nötige Konzentration fördern, wird hier mal wieder völlig ignoriert und auf den Ursprungstext wird sowieso nicht eingegangen.
Ich würde mir wünschen, daß die Therapeuten, die gewisse Medikamente verschreiben und so falsch anpreisen, diese selbst mal schlucken, allein um die Erfahrung bezüglich der Nebenwirkungen zu machen.
Die dämpfende Wirkung macht ein bewusstes Auseinandersetzen mit der Krankheit oft nicht möglich.
Aber es ist und bleibt immer wieder mühsam, jemandem, der nach Beipackzettel informiert, so etwas klarzumachen.

Jürgen77
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Re: Unglücklich durch Neuroleptika

Beitragvon Jürgen77 » Mo 25. Sep 2017, 08:44

Hallo,

ich kann Mamschgerl zustimmen. Möglich wäre es ein anderes Medikament auszuprobieren und zu sehen, wie Du es verträgst.
Ich selber habe bislang einmal gewechselt (NL) und glaube zu wissen, daß Amisulprid womöglich den Körper übersäuert. Über die Jahre
habe ich mehr Sodbrennen bekommen. Auch wenn mein Doc das abstreitet. Es gibt noch diverse andere Nebenwirkungen, aber das ist
dosisabhängig. Versuche Dich mit Deinem Arzt zu besprechen und vielleicht kennst Du in Deiner Umgebung Betroffene die Du nach ihren Erfahrungen fragen kannst. Weil, Dein Doc schluckt die Medis nicht. Er kennt nur den Beipackzeittel und die Infos seiner Patienten. Wenn er
ehrlich ist, dann kann er Dir wohl helfen.

Alles Gute
Jürgen


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