Chronische Akathisie?

Dieses Forum beschäftigt sich speziell mit Nebenwirkungen bzw. unerwünschten Wirkungen von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieverfahren (Einzel- und Gruppentherapie, körperorientierte Verfahren etc.), die in der Psychiatrie und Psychotherapie eingesetzt werden. Es sollen hier nur persönliche Erfahrungen wiedergegeben werden. Nutzen Sie den Raum für anschauliche Beschreibungen, denn das Thema Nebenwirkungen ist von besonderer Bedeutung.
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Chronische Akathisie?

Beitragvon Anka12 » Mi 31. Dez 2014, 20:24

Hallo, ich habe seit längerer Zeit ein großes Problem. Ich wurde von Juli bis Mitte Oktober mit einem atypischen Neuroleptikum behandelt. Schon von Anfang an quälte mich so ein Bewegungsdrang. Die Ärzte nahmen dies nicht zur Kenntnis. Mitte September wurde es auf einmal so schlimm das ich keine 2 Sekunden still stehen bzw sitzen konnte. Dieser Zustand hielt 2-3 Wochen an. Dann wurde es von Woche zu Woche besser (Natürlich nach absetzen). Jetzt haben wir Ende Dezember und ich habe immer noch einen leichten Bewegungsdrang. Kann das sein das ich nun eine chronische Akathisie habe :shock: ...Ich drehe durch. Weiß vlt jemand über dieses Thema bescheid? Gibt es Hoffnung auf Besserung oder existieren Medikamente zur Linderung? Akineton hilft ja bloß bei Frühdyskinesien.
Danke schon mal im Vorraus

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fluuu
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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon fluuu » Fr 2. Jan 2015, 18:15

Hallo,
Du hast die Vorgeschichte nicht erwähnt warum Du die Neuroleptika bekommen hast, das ist jedoch wichtig, denn das erklärt den Bewegungsdrang.
So ein Drang hat psychische Ursachen und hängt in sofern mit Psychopharmaka zusammen, dass ein Mensch der diese psychischen Ursachen hat auch
Medikamente bekommt aber dieser Drang ist weniger eine Nebenwirkung der Neuroleptika als viel mehr eine Wirkung der psychischen Störung.
Die psychische Ursache für diese Störung ist wichtig um die Symptome (Bewegungsdrang usw.) richtig zu behandeln und das sind keine
Nebenwirkungen der atypischen Neuroleptika, diese modernen Medikamente gegen Psychose und schizoide Störungen machen richtig dosiert kaum
Nebenwirkungen aber sie können den akuten Wahn abmildern so, dass Konzentration auf Psychotherapie möglich wird als heilsame Therapie der
verletzen seelischen Zustände.
Viel wichtiger als die Medikamente um eine gesunde Lebensweise zu erreichen wenn es zu einer Störung kam ist die genaue Analyse der Biographie
wozu dieser Konflikt diente mit samt den konsequenten Schlussfolgerungen daraus.
Kenne Deine Vorgeschichte nicht und deshalb kann ich nur auf allgemeine Symptome von psychischen Störungen aufmerksam machen und die bestehen
im Bewegungsdrang, Unruhe oder weglaufen wollen. Die Hoffnung auf Besserung besteht in der psychotherapeutischen Behandlung der Störung und die
begleitende Dosierung von atypischen Neuroleptika ist dabei eine Krücke, mehr nicht.
gruß fluuu

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Remedias » Mi 7. Jan 2015, 18:18

hallo Anka,

ich sehe es ein wenig anders :wink:
Eine Akathisie gehört zu den EPS und hat mit dem seelischen Zustand nur somit was zu tun, dass Entspannungsverfahren lindernd wirken können .
Tatsächlich ist es eine Schiet- Nebenwirkung von Neuroleptika und AUCH der neueren ( ist nur seltener)
Quelle: http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=63
ich hatte von Abilify ( ein NL der dritten Generation!) aber auch von Haldol beidesmal eine Akathisie -
und das ist wirklich sehr unangenehm.
Wenn du Medikamente dagegen probieren möchtest,
hilft a) Akineton ( doch durchaus!)
b) Betablocker
c) manche Antidepressiva wie Mirtazapin
d) Anticholinergika

muss man sozusagen durchprobieren.

ich muss allerdings sagen, bei mir hat endgültig nichts geholfen außer Absetzen. Mit Abilify hatte ich das ein halbes Jahr, bei Haldol ist der Arzt dann sofort damit raus.
Kein Arzt und kein Psychologe hat mir unterstellt, das sei psychisch, das wurde auch sofort als Nebenwirkung diagnostiziert.
Ich wurde dann auf Seroquel umgestellt, bei dem das Problem seltener auftritt.
Du müsstest geduld haben, wenn die Akathisie ja schon langsam besser geworden ist, stehen die Chancen gut, dass sie ganz verschwindet. Es gibt die chronische Form ( tardive Akathisie) und die ist dir wirklich nicht zu wünschen.

Mit freundlichen Grü´ßen Remedias

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Anka12 » Mi 7. Jan 2015, 22:26

Danke für eure Antworten :)

Die Unruhe ist seit Montag ganz verschwunden. Ein Glück.

Gibt es denn Medikamente gegen der tardiven Akathisie? Das hält doch kein Mensch aus ein leben lang diese quälende Unruhe :silly:

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon fromhell » Do 8. Jan 2015, 01:08

Was verstehst du unter quälend.
ich hab ne angeborene unruhe und komme damit jetzt schon über 30 jahre klar.
das deinem pdychater das nicht aufgefallen ist , ist wiedermal typisch und eher harmlos.
Andere Psychiater versuchen dich noch zu überreden es trotzdem zu nehmen gleichwohl du ihm erklärst das es dir eher shlechter durch die einnahme geht.
und weißt du warzm? Weil du ihm scheißegal bist.
doch halte dich bloß zurück mit solchen äußerungen. Nicht das du am ende noch die diagnose paranoid aufgedrückt bekommtst.
Als kranker sollst du gefälligst naiv sein und jeder scheiße glauben schenken die man dir verkaufen will.
traurig aber leider wahr.

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon fluuu » Do 8. Jan 2015, 13:10

Naiv stimmt aber nicht dem Arzt/Therapeuten gegenüber sondern auf die Krankheit bezogen.
Eine chronische seelische Störung braucht eine gewisse Naivität um sich entwickeln zu können.
Bei jemanden der resolut mit Geist, Kraft und Energie versucht der Störung beizukommen,
bei so jemanden hat die psychische Störung weniger Chancen sich zu entfalten.
Man könnte Behauten Naivität ist ein Symptom der psychischen Störung und die drückt sich
nicht nur im ängstlich verklemmt sein aus sondern auch in der schrillen Lautstärke.
gruß fluuu

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Remedias » Do 8. Jan 2015, 18:17


Gibt es denn Medikamente gegen der tardiven Akathisie? Das hält doch kein Mensch aus ein leben lang diese quälende Unruhe :silly:
Leider gibt es nichts, was 100% wirkt, eine tardive Akathisie ist aber mit den neuen Medikamenten zum Glück höchst selten.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Anka12 » Fr 9. Jan 2015, 01:05

Ich hatte erst Angst das ich diese tardive Form bekommen habe, weil ich irgendwo im Netz gelesen habe das der tardiven Form meist eine akute Akathisie vorrausgeht. Zum Glück tritt sie nun seltener auf. Ich wünsche es keinen. Akathisie war das schlimmste was mir je im Leben passiert ist. Ich konnte nicht sitzen, nicht schlafen, nicht stehen und selbst beim laufen war ich so unruhig. Noch nicht einmal Tavor hochdosiert brachte eine Besserung :shock: ...Da waren selbst die Halluz erträglicher.
War die Akathisie bei dir auch so ausgeprägt?
Lg Anka

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Remedias » Fr 9. Jan 2015, 15:48

War die Akathisie bei dir auch so ausgeprägt?
Lg Anka
Hallo Anka, fast noch schlimmer als die körperliche Beeinträchtigung fand ich die geistige - nicht mehr eine Seite lesen können,
keine 5 Minuten Nachrichten im Fernsehen verfolgen können, - nichts. Auch Unterhaltungen mit anderen Menschen musste ich abbrechen, ich musste ja trippeln oder herumlaufen . Unsere beiden Katzen hat das so genervt, dass sie mich ständig angefaucht haben.
In der Literatur habe ich gefunden, dass viele von tardiver Akathisie Betroffene sich letztendlich umbringen - verstehen kann ich es, aber ich finde es so traurig, von einer Spätwirkung eines Medikamentes , das doch hilfreich sein sollte, in den Tod getrieben zu werden. :cry:
ich freue mich für dich, dass es aufgehört hat.
aber es ist eine Warnung, du solltest keine NL mehr nehmen und Vorsicht, manche AD machen das auch , auf jeden Fall immer den Arzt darüber informieren, das du zu EPS neigst.

liebe Grüße Remedias

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Anka12 » Fr 9. Jan 2015, 19:55

aber es ist eine Warnung, du solltest keine NL mehr nehmen und Vorsicht, manche AD machen das auch , auf jeden Fall immer den Arzt darüber informieren, das du zu EPS neigst.
Was mache ich wenn ich nochmal psychotisch werde :roll:

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Remedias » Sa 10. Jan 2015, 17:25

aber es ist eine Warnung, du solltest keine NL mehr nehmen und Vorsicht, manche AD machen das auch , auf jeden Fall immer den Arzt darüber informieren, das du zu EPS neigst.
Was mache ich wenn ich nochmal psychotisch werde :roll:

Ich habe eine Freundin, die reagiert auf NL mit einer QT- Verlängerung am Herzen ( was potentiell tödliche Herzrhythmusstörungen verursacht), auch da muss man sich etwas anderes ausdenken.
Menschen, die schon mal mit malignem neuroleptischem Syndrom reagiert haben, dürfen auch keine mehr nehmen.

Neuroleptika gelten als Goldstandard der Psychosebehandlung, aber wenn die Gesundheit gefährdet ist so wie bei dir , muss nach Alternativen gesucht werden.
Es gibt auch Behandlungskonzepte die ohne oder mit ganz wenig Nl arbeiten wie die Soteria.
Wichtig ist aber, sich schon im Vorfeld um die Alternativen zu kümmern, sich einen Psychiater zu suchen, der Behandlungsalternativen mitträgt.
Ist man erstmal eingefahren, ist es dafür meistens zu spät, dann wird versucht werden, Nl zu geben, da medizinischer Standard .... etc.

ich selbst habe mit meiner Thera und meinem Psychiater einen alternativen Notfallplan entwickelt, ich habe in einer Patientenverfügung niedergelegt, dass ich keine neuroleptische Behandlung möchte.

Wie gesagt, ich sehe es so, dass es eine Warnung war bei dir , denn du hast nach ziemlich kurzer Zeit EPS bekommen und sie lange behalten. Atypika sind gerade nicht typisch dafür ( außer Abilify, das macht das ziemlich oft), das heißt, du bist besonders sensibel für eine Akathisie.

liebe Grüße Remedias



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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Anka12 » Sa 10. Jan 2015, 19:32

Danke für den Hinweis :)
Werde nochmal mit meinem Neurologen darüber sprechen. Ehrlich gesagt habe ich auch sehr viel Angst vor Neuroleptika bekommen, da ich außer der Akathisie noch andere Symptome hatte. Darunter Schläfrigkeit, Herzrythmusstörungen, Muskelsteifigkeit, Kieferstarre und ich konnte meine Hände nicht richtig koordinieren.
Die schlimmsten NW hatte ich unter Abilify.
Ich bin übrigens jetzt bei einer Homöopathin in Behandlung. Vlt helfen die Globulis mir :)
Lg Anka

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Remedias » Sa 10. Jan 2015, 20:09

Danke für den Hinweis :)
Werde nochmal mit meinem Neurologen darüber sprechen. Ehrlich gesagt habe ich auch sehr viel Angst vor Neuroleptika bekommen, da ich außer der Akathisie noch andere Symptome hatte. Darunter Schläfrigkeit, Herzrythmusstörungen, Muskelsteifigkeit, Kieferstarre und ich konnte meine Hände nicht richtig koordinieren.
Die schlimmsten NW hatte ich unter Abilify.
Ich bin übrigens jetzt bei einer Homöopathin in Behandlung. Vlt helfen die Globulis mir :)
Lg Anka
alles, was die Selbstheilung anregt, ist gut. Ich finde auch Osteopathie gut, weil man auch über den Körper viel für die Seele machen kann. Reiki beispielsweise kann auch Nebenwirkungen eindämmen und die Hauptwirkung eines Medikamentes unterstützen.
Und Homöopathen nehmen sich sehr viel Zeit und schauen sehr genau auf alles - wünsche dir viel Erfolg damit.
Mein homöopath hat bei mir eine HPU festgestellt, das bedeutet, das mir ein Enzym fehlt, auch um unter anderem Medikamente gut zu verstoffwechseln. Das bedeutet, dass bei mir schon geringe Dosen wirken und man soll bei mir auch niedrig anfangen und langsam steigern. Kein Wunder, dass es mir mit den hohen Dosen so schlecht ging. Ich habe auch einen Leberschaden davon behalten, das hätte man vermeiden können, wäre man schon früher auf die richtige Spur.
Vielleicht ist das ja bei dir auch so etwas ähnliches.

liebe Grüße Remedias

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Anka12 » So 11. Jan 2015, 02:49

Mein homöopath hat bei mir eine HPU festgestellt, das bedeutet, das mir ein Enzym fehlt, auch um unter anderem Medikamente gut zu verstoffwechseln. Das bedeutet, dass bei mir schon geringe Dosen wirken und man soll bei mir auch niedrig anfangen und langsam steigern. Kein Wunder, dass es mir mit den hohen Dosen so schlecht ging. Ich habe auch einen Leberschaden davon behalten, das hätte man vermeiden können, wäre man schon früher auf die richtige Spur.
Vielleicht ist das ja bei dir auch so etwas ähnliches.
Davon habe ich gehört. Ich sollte auch noch darauf untersucht werden. Zusätzlich der psychischen Probleme habe ich noch eine Schilddrüsenunterfunktion, diverse Allergien und eine verminderte Diaminooxidase aktivität im Blut. Ich reagiere nicht nur auf Neuroleptika, auch auf Antihistaminika und anderen chemischen Zeugs. Darf ich fragen was du für HPU-Symptome hast?

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Re: Chronische Akathisie?

Beitragvon Remedias » Mo 12. Jan 2015, 17:27

Darf ich fragen was du für HPU-Symptome hast?
Anka, ich hatte alle 100% im screening:

http://www.keac.de/
hier kannst du den Fragebogen ausfüllen ( das ist gratis), um zu sehen, ob sich der Test, der leider teuer ist, für dich lohnt.

liebe Grüße Remedias


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